Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten, 56 Sekunden

Kommentare 3

Anleitung zum Treibenlassen

Wie planst du eigentlich deine Reisen? Mal ganz ehrlich? Reisebüro und Pauschalpaket? Bist du ein Gruppenreisen-Typ? Ich kann dich irgendwie verstehen. Individuelle Reisen zu planen, macht nicht immer Spaß. Schließlich ist es nicht damit getan, einen Flug und ein Hotel zu buchen. Auch der Aufenthalt selbst will schließlich gut vorbereitet sein – vor allem, wenn deine Urlaubszeit durch Urlaubstage begrenzt ist. Reiserouten müssen festgelegt, das Programm für Städtetrips muss durchgetaktet werden.

Wer pauschal bucht, muss sich mit solchen Problemen nicht herumschlagen. Aber ist eine Pauschalreise wirklich der einzige Ausweg?

Wie kann die Reiseplanung eigentlich überhaupt in Stress ausarten?

Das Problem: Für die meisten Reisenden ist der Reiseführer längst nicht mehr die einzige Inspirationsquelle. Du glaubst, dass das in Wirklichkeit kein Problem ist? Damit hast du ein bisschen Recht. Denn dass wir nicht mehr auf den Reiseführer alleine angewiesen sind, ist sogar sehr gut so.

Auf Reiseblogs und in Reisemagazinen lässt sich ein künftiges Ziel schließlich genauso gut vorab auskundschaften. Und Freunde und Bekannte haben meist sehr persönliche Tipps für dich – du musst nur mal herumfragen. Romane und Filme, die am Urlaubsort spielen, bieten jede Menge Inspiration und steigern die Vorfreude ungemein. Und dann sind da nicht zuletzt die vielen tollen Bilder, die du über Dienste wie Instagram, Pinterest oder Trover findest. Reise-Foren und Bewertungsportale schließlich tun ihr Übriges, die Informationsflut ins Unendliche wachsen zu lassen.

Und du? Du notierst dir alles, was du finden kannst. Saugst jede noch so unwichtige neue Information begierig ein. Schließlich willst du die ganzen tollen Dinge, von denen du jetzt weißt, auch sehen und erleben. Und außerdem willst du dein Urlaubsziel ja nicht wahrnehmen wie ein Pauschaltourist, deshalb hast du dir die ganze Mühe überhaupt gemacht. Hättest ja sonst gleich pauschal buchen können. Nichts da! Du hast jetzt jede Menge Ahnung von deinem Urlaubsziel. Bist ein echter Insider.

Es gibt nur noch einen Haken: Dein Terminkalender wird mit jeder neuen Information immer voller. Wenn du ehrlich bist, ist dein privater Kalender jetzt sogar praller gefüllt als der von der Arbeit. Und irgendwann merkst du, dass es unwahrscheinlich bis unmöglich ist, diese Liste jemals abzuarbeiten. Aber du darfst eines nicht vergessen:

Du wolltest nicht ins Trainingslager, du wolltest in den Urlaub!

Bitte, nicht weinen. Du musst jetzt ganz stark sein. Du brauchst nichts weiter als eine Anleitung zum Treibenlassen!

Die Lösung für dein Problem lautet: Wirf einfach alles über den Haufen! Alle deine Pläne: Spül sie im Klo runter! Lass Bücher, Reiseführer und Stadtpläne zu Hause – oder zumindest im Hotel.

Mach die Augen auf, zieh bequeme Schuhe an und LAUF EINFACH LOS!

Lass dich treiben im Getümmel deines Urlaubsziels, immer den Augen, der Nase und den Ohren nach. Zugegeben: Das funktioniert in Burkina Faso nicht so gut wie in Paris. Aber nehmen wir mal an, du bist gerade nicht ausgerechnet in Burkina Faso. Nehmen wir an, du bist in Paris, New York, Kapstadt, Bangkok, Kairo oder in irgendeiner anderen Großstadt dieser Welt.

Lauf Menschen hinterher, die dir sympathisch erscheinen. Sprich sie an und frag sie nach den schönsten Orten in ihrer Stadt. Vertraue deinem Instinkt, wenn du nicht weißt, in welche Richtung es sich zu gehen lohnt. Und vor allem: Hab keine Angst davor, dich zu verlaufen. Verlaufen kann sich nämlich ohnehin nur der, der ein genaues Ziel vor Augen hat. Du aber willst einfach nur so tief in die fremde Stadt eintauchen wie möglich.

Auch ohne Plan kannst du dein Urlaubsziel bestens kennenlernen. Ich gehe sogar noch ein Stückchen weiter und behaupte: Besser geht es gar nicht. Woher soll denn der Reiseführer auch wissen, was dir persönlich gefällt? Hätte er dich vielleicht in das von außen unscheinbare kleine Café abseits der großen Shoppingmeilen gelotst, das du auf deinem Streifzug entdeckst? Oder anders gefragt: Wärst du dort hingegangen, wenn es im Reiseführer gelistet wäre, als ein Café unter vielen? Mit einer Standard-Beschreibung?

Wer sich treiben lässt, lernt mit viel größerer Wahrscheinlichkeit sein Urlaubsziel wirklich kennen. Das gilt übrigens nicht nur für Städte: Auch ein Roadtrip macht mehr Spaß, wenn er nicht durchgeplant ist!

Wo würdest du dich jetzt am liebsten treiben lassen? Ab mit deiner Antwort in die Kommentare!

Geschrieben von

... spielt am liebsten draußen. Sie würde einen spontanen Roadtrip immer einem Tag am Pool vorziehen, liebt das Geräusch von Regen auf einem Zeltdach und ist der wohl einzige Mensch auf der Welt, der sich vor Schokolade ekelt.

3 Kommentare

  1. katarina

    Ich komme gerade von meiner ersten organisierten Rundreise durch Kappadokien. Meine Freundin hatte die Reise gewonnen und mich gefragt ob ich mitkomme. Ich weile nun schon 52 Jahre auf dieser Erde und bin es gewöhnt “frei” zu reisen – nur den Flug zu buchen falls ich überhaupt fliege – und dann zu schauen was auf mich zukommt. Wir hatten Glück. Mit dem Reiseführer und mit dem Wetter (ich bin im Mittelmeer geschwommen). Und auch mit einigen Mitreisenden: Onkel und Neffe aus dem Iran – da kann ich dir dann mal einiges erzählen!
    Den Kontakt mit den Einheimischen kann man ja auf solchen Reisen gut vermeiden :)(
    Ich war froh wenigstens am letzten Tag in Antalia bei 2 1/2 Stunden “freie Zeit” endlich mal von türkischem Leben und der Sprache – und sogar türkischer Musik llive am Pier – umgeben zu sein.
    Es war eine Erfahrung. Und ich werde auf künftigen Reisen noch froher sein – nicht in einem Reisebuss zu sitzen sondern auf eigene Faust unterwegs zu sein. Und viele Kontakte zu Einheimischen zu haben ( was ich natürlich selbst auf dieser Reise bei jeder Gelegenheit mit meinen paar Brocken Türkisch hatte).
    Wenn man offen ist wird man immer wunderbare Momente erleben auf Reisen wie im Alltag! :))

  2. Anna, du hast ja so recht! Ich nehme mittlerweile auch keinen Reiseführer mehr mit aber der Information-Overflow aus der Vorab-Recherche kommt mir doch sehr bekannt vor. Es schadet bestimmt nicht zu Hause schon mal ein bisschen zu wissen was es alles so gibt, im Reiseziel deiner Wahl – aber es muss wirklich viel Zeit für Spontanität sein, denn man lernt ja auf Reisen so tolle Leute kennen und für solche Begegnungen ist beim straffen Sightseeing-Programm dann kaum Zeit. Und das geht auch auf Pauschalreisen … Lg, Meli

    • Hallo Meli! Danke für deinen Kommentar! Unter Pauschalreisen verstehe ich immer den All-inclusive-Urlaub im Strandhotel, das die meisten nie verlassen – kann mir schwer vorstellen, dass man da Land und Leute kennenlernt. Aber da man ja nicht gezwungen ist, im Hotel zu bleiben: Vielleicht hast du Recht 🙂 Liebe Grüße! Anna

Kommentieren? Gerne!