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Abenteuer Ziplining: Am Stahlseil durch Costa Ricas Nebelwald

Der Gang aufs erste Podest erfordert Mut. Mit einer Kletterausrüstung, Helm, Sicherungsgurt und Handschuhen ausgestattet steige ich die sechs Holzstufen hinauf. Oben wird mir ein Karabinerhaken in den Gurt eingeklinkt, der dann wiederum an einem Stahlseil befestigt wird, ich bekomme eine kurze Einweisung. Meine Gedanken schweifen ab. Canopy in Costa Rica war lange ein Traum von mir. Jetzt stehe ich tatsächlich im costa-ricanischen Nebelwald und versuche, meine Nerven zu beruhigen.

In die Knie gehen soll ich, den Oberkörper nach hinten lehnen, die linke Hand auf das über mir verlaufende Stahlseil halten, aber bloß nicht zu fest zugreifen, damit ich nicht versehentlich abbremse und mir dabei womöglich die Handschuhe durchscheuere. Und auf die Haare aufpassen, die sollen sich bloß nicht irgendwo verfangen. Ein letzter Check: Sitzen die Schuhe fest an den Füßen? Ist die Kamera sicher verstaut?

Und dann: Abstoßen. Den festen Boden hinter mir lassen, fallen lassen und auf das Stahlseil vertrauen. Jetzt oder nie, denke ich. Je länger ich warte, desto schwieriger wird es werden. Ich hätte nicht gedacht, dass das überhaupt so schwer ist, das hier ist schließlich nur die Übungsstation und die Entfernung zum Boden beträgt gerade einmal zwei Meter.

Im Anschluss an den Probelauf wird die Reise über die Baumwipfel sich ändern.

In 30 bis 40 Metern Höhe sind Drahtseile wie das, an dem ich gerade hänge, quer in die Baumkronen der Urwaldriesen gespannt, teilweise über noch tiefere, weite Schluchten hinweg.

Wem die Canopy-Tour zu aufregend ist, der kann über einen Parcours aus Hängebrücken die Gipfel der Urwaldriesen entdecken.

Der Nebelwald von Rincón de la Vieja, dem Nationalpark im Norden Costa Ricas, beherbergt ein  dichtes Canopy-Netz, mit spektakulären Ausblicken über das immergrüne Blätterdach des Waldes. Canopy, so heißt die Reise von Baumwipfel zu Baumwipfel mittels einer Seilkonstruktion. Es ist eine der größten Touristen-Attraktionen der Gegend.

Canopy in Costa Rica: Forschungseinrichtung wird zur Touristenattraktion

Erfunden haben das System einst Naturforscher, die das Dach des Waldes untersuchen wollten, ohne immer wieder den mühsamen Auf- und Abstieg auf sich zu nehmen. Heute darf gegen ein wenig Geld jeder hoch. Allerdings nur auf fest definierten Pfaden und in kleinen Gruppen – um die Tier- und Pflanzenwelt nicht zu gefährden.

Für die weniger Actionbegeisterten, die den Wald dennoch von oben betrachten wollen, gibt es im Rincón de la Vieja einen Parcours aus Hängebrücken. Den Rundkurs auf zumindest einigermaßen festem Boden habe ich hinter mir, jetzt werde ich beim Canopy frei über die Wipfel schweben. Für beides sollte man seine Höhenangst besser kurz vergessen.

Ich springe. Ein Ruck und ich sitze in meinem Gurt, fliege die kurze Strecke entlang bis zur nächsten Plattform, wo ich den Karabinerhaken ausklinke und auf die anderen aus der kleinen Gruppe warte. Kinderleicht! Kurz war es, schnell, und es hat Spaß gemacht. Vergessen die Angst vor dem Start. Belustigt beobachte ich, wie drüben auf der anderen Seite des Seils einer nach dem anderen das Selbe durchmacht wie ich.

Gut getarnt: Ein Tukan sitzt in den Wipfeln des Nebelwaldes. Durch seinen Schrei macht er auf sich aufmerksam. Sehen kann ihn nur, wer seine Höhenangst ablegt.

José, einer der beiden einheimischen Sicherheitsleute, ist schon mit mir auf der zweiten Plattform. Er startet nicht auf der „Kinderpiste“, sagt er. Gemeinsam müssen wir warten, bis alle angekommen sind, dann geht es weiter, über das nächste Seil, einer nach dem anderen. Immer höher wird es, immer breiter der Abstand zwischen den Stationen, und es macht immer mehr Freude.

Zum Aussicht genießen bleibt allerdings keine Zeit. José fragt mich, ob ich etwas ausprobieren möchte. In meinem Adrenalinrausch sage ich ja, kurz darauf befinde ich mich auf seinem Schoß. Kopfüber. Dass ich meinen Kopf hängen lassen soll, sagt er. Entspann dich, denke ich, lasse meine Arme nach unten sacken, hänge wie ein Sack in meinem Gurt – Wahnsinn.

Die letzte Station des Canopy-Parcours ist nur etwas für ganz Mutige. In der Tarzan-Schaukel geht es im freien Fall in die Tiefe, bis der Fall irgendwann durch ein Seil abgebremst wird. Und weil mein Körper gerade so voll mit Adrenalin ist, traue ich mich auf die Absprungplattform.

Als ich das letzte Holzpodest besteige und einen neuen Sicherungsgurt umgelegt bekomme, zittern meine Knie wieder. Ich soll ganz nah an den Abgrund treten. 15 Meter geht es hinunter, die einzige Sicherung ist ein Seil, das mit meinem Gurt fest verknotet ist. Ich soll mich nach vorne lehnen und ich weiß, dass in diesem Moment nur das Sicherheitsteam mich noch festhält.

José zählt bis drei, dann überlassen die beiden mich der Tarzanschaukel. Ich falle in den Abgrund, mehrere Sekunden lang, scheint es mir. Dann fängt der Gurt mich auf und ich schaukle minutenlang in hohem Bogen hin und her. Ein breites Grinsen tritt in mein Gesicht. Gut, dass ich mir den Laufparcours schon vorher angeschaut habe – jetzt tragen mich meine Knie nicht mehr weit.

Obwohl… Einmal nach oben auf die Plattform geht noch. Ich möchte noch einmal!

Mehr Action gibts hier: Paragliding in Ölüdeniz: Mit dem Gleitschirm über die Ägäis
Und hier findest du weitere Berichte aus Costa Rica.

Zur Recherchereise nach Costa Rica wurde ich von TUI und Riu Hotels eingeladen.

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... spielt am liebsten draußen. Sie würde einen spontanen Roadtrip immer einem Tag am Pool vorziehen, liebt das Geräusch von Regen auf einem Zeltdach und ist der wohl einzige Mensch auf der Welt, der sich vor Schokolade ekelt.

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