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Kurzurlaub in Deutschland: Mit dem Rad um den Chiemsee

Der Chiemsee ist ein Sommerurlaubsziel? Stimmt gar nicht! Gerade in der Nebensaison lohnt sich ein Ausflug an den drittgrößten See Deutschlands. Denn am bayerischen Meer kann man nicht nur seinen Badeurlaub verbringen. Auch Radfahrer kommen dort voll auf ihre Kosten. Der Chiemsee-Radweg gilt als einer der schönsten Radwege Deutschlands.

In diesem Artikel stelle ich dir den Chiemsee-Radweg vor und zeige dir außerdem die schönsten Stellen für eine Pause am See.

Chiemsee-Radweg: Die Fakten

Länge: 55 Kilometer
Steigung: 126 Meter
Dauer: mindestens 6 Stunden
Start: Überall
Beschilderung: Sehr gut
Kurzbeschreibung: Alpenpanorama ohne Anstrengung genießen.

Der Chiemsee-Radweg führt auf einer Strecke von rund 55 Kilometern und ohne nennenswerte Anstiege einmal um den Chiemsee. Da der See am Fuß der Alpen liegt, hast du überall eine großartige Bergkulisse – und das fast ohne Anstrengung. Wenn du nicht die ganze Strecke mit dem Rad fahren möchtest, kannst du zum Beispiel in Chieming oder in Prien auf die Fähre umsteigen. Die steuert nicht nur viele Orte am Seeufer an, sondern auch die beiden Chiemsee-Inseln. Den Fahrplan findest du auf der Internetseite von Chiemsee Schifffahrt.

Von Mai bis Oktober fährt mit der Chiemsee-Ringlinie außerdem ein Bus rund um den See, in dem Gäste ihre Fahrräder mitnehmen können.

Rein theoretisch ist die Rundstrecke an einem Tag zu schaffen. Vom Chiemsee-Tourismus wird sie offiziell sogar mit nur fünf Stunden angegeben. So viel zur Theorie. In der Praxis schaffen das nur schnelle Radfahrer, die sich nicht für ihre Umgebung interessieren. Wer Pausen macht, ist locker einen ganzen Tag unterwegs.

Ich empfehle dir daher, dir pro Tag maximal den halben Weg vorzunehmen und entweder auf der Hälfte der Strecke zu übernachten oder die Fähre zurück zu nehmen.

Große Ziele, kurze Beine: Ein Erfahrungsbericht

Zwei Reise-Bloggerinnen, große Pläne: Elisa von Take an Advanture und ich kamen gerade zurück von einer dreitägigen Wandertour in den Alpen. Eigentlich wollten wir unsere Beine am Chiemsee zur Abwechslung mal hochlegen und gar nichts tun. Nur: Dieses Nichtstun erschien uns auch ein bisschen langweilig, weshalb wir kurzerhand beschlossen, uns Fahrräder auszuleihen.

Fahrräder leihen am Chiemsee

Wenn du nicht mit dem eigenen Rad anreist, kannst du dir am Chiemsee überall eines ausleihen. Die meisten Unterkünfte bieten das als Service an, einige Campingplätze und Hotels haben sogar eigene Räder, die sich Gäste kostenlos ausleihen können.

Tipp: Achte darauf, ein gutes Rad auszuleihen. Die Strecke ist nicht durchgehend asphaltiert, es gibt einige Abschnitte, die über Schotter führen. Ein Mountainbike oder ein gutes Tourenrad bringt dich schneller voran.

Wir starteten in Chieming-Ising, gegen den Uhrzeigersinn, Richtung Gstadt. In den Chiemsee-Radweg kann man überall einsteigen, das ist das Tolle an einem Rundweg. Und weil der Chiemsee-Radweg nunmal ein Rundweg ist und wir möglichst viel sehen wollten, nahmen wir uns auch nicht mehr und nicht weniger vor als: einmal rum. Wennschon, dennschon!

In Prien mussten wir dann allerdings feststellen, dass uns die Zeit davon gelaufen war. Wir waren wohl ein bisschen zu spät aufgestanden. Und hatten uns beim Frühstück dann auch noch ein bisschen zu viel Zeit gelassen. Es war schon weit nach Mittag und wir hatten gerade eben die Hälfte der Strecke geschafft. Und so nahmen wir kurzerhand doch die Fähre zurück nach Gstadt, von wo aus wir nach Ising zurück radelten. 35 Kilometer statt 55. Na gut.

Schuld am Scheitern unserer Pläne waren natürlich nicht nur unsere kurzen Beine und das späte Aufstehen, sondern vor allem unzählige Fotostopps an wirklich schönen Orten. Die ich dir hier nun vorstellen möchte.

Pause am Chiemsee-Radweg: Die schönsten Stellen.

Wer da vorbei heizt, ist selber Schuld.

Ising

Ising ist eines der kleineren Dörfer am Chiemsee – wenn man es denn überhaupt Dorf nennen kann. Im Grunde gibt es hier nur eine handvoll Wohnhäuser, ein Internat und das Hofgut Ising. Das Gut ist Hotel, Hofgut und irgendwie auch Dorf im Dorf. Lohnt unbedingt einen Abstecher für Pferdefreunde, Architekturliebhaber und Gourmets. Wenn man in Ising nicht gerade startet, so wie wir, sollte das Restaurant Il Cavallo die erste Anlaufstelle für die Mittagspause sein (oder wie in meinem Fall, für ein verdientes Abendessen). Ich habe noch nirgends eine bessere Pizza gegessen! Hoffe, dass mein Stammitaliener das nicht liest… Ist aber so. Käseträumchen. Bezahlbar. Und mit traumhaftem Blick auf den See von der Restaurant-Terrasse aus.

Fotogene Stege

Weil der Chiemsee weniger sandig und stattdessen sehr steinig ist und somit meiner Meinung nach nicht wirklich badefreundlich – und weil hier außerdem sehr viel Boot gefahren wird, gibt es viele ziemlich pittoreske Stege entlang des Chiemsee-Radwegs. Die auf der Westseite des Sees blicken allesamt auf die Alpen. Wir konnten uns kaum losreißen.

Gstadt

Ein süßes kleines Dorf, aber auch sehr touristisch. Am Fähranleger kostet eine kleine Flasche Cola 2,50 Euro – also besser genug zu trinken mitnehmen! Vor und hinter Gstadt gibt es einige schöne Strände und Strandbäder zum Pause machen – auch ohne Baden.

Prien

Prien ist mit mehr als 10.000 Einwohnern eine der größeren Gemeinden am Chiemsee. Hier gibt es einiges zu sehen – das Heimatmuseum zum Beispiel ist auch von außen schon ein Hingucker. Von Prien aus sind Herren- und Fraueninsel mit dem Schiff schnell zu erreichen. Die Fahrräder können gegen Aufpreis auf der Fähre mitgenommen werden.

Seebruck

Seebruck ist sehr touristisch – kann man eigentlich ruhig links liegen lassen. Allerdings haben wir hier nach längerer Suche einen Supermarkt (Edeka, Pullacher Straße 14) gefunden, der uns auf dem Rückweg gerettet hat. Kaltes Bier, yaaay!

Und nach der Tour?

Mit dem kalten Bier an einem Strandhaus am Strand sitzen, endlich die Beine hochlegen und einen der unvergleichlichen Sonnenuntergänge am Chiemsee genießen. Unbezahlbar. Geht überall – wir waren auf dem Seegrundstück von Gut Ising, das auch für Nicht-Hotelgäste zugänglich ist – wie übrigens das gesamte Seeufer.

Vielen Dank an das Hotel Gut Ising für die Einladung an den Chiemsee! Meine Meinung und dieser Artikel sind von der Einladung unberührt.

Geschrieben von

... spielt am liebsten draußen. Sie würde einen spontanen Roadtrip immer einem Tag am Pool vorziehen, liebt das Geräusch von Regen auf einem Zeltdach und ist der wohl einzige Mensch auf der Welt, der sich vor Schokolade ekelt.

6 Kommentare

  1. Oh, tolle Fotos und sehr gute Tipps! Eine komplette Umrundung ist echt sehr anstrengend, wenn man es nicht gewohnt ist, länger im Sattel zu sitzen.

    Mit den Verleihrädern hast Du einen guten Punkt aufgegriffen, auf den Schotterabschnitten ist ein robustes Fahrrad wirklich von Vorteil.

    Viele Grüße aus Prien am Chiemsee!

  2. Toller Artikel und faszinierende Landschaft. Manchmal muss man sich einfach nur vor der eigenen Haustür umgucken. Vor allem der Steg mit dem Bilderbuchpanorama sieht traumhaft schön aus. Zu meinen liebsten Ecken in Deutschland zählt die Insel Usedom. Während ich in Norddeutschland gelebt habe, war es bis dorthin nur ein Katzensprung, und gleichzeitig war jede Fahrt auf die Insel wie ein Abtauchen in eine andere Welt.

    Liebe Grüße,

    Janina

  3. Ingeborg

    Ganz toll, Anna! Ich hab so getan, als sei ich deine Begleiterin und freute mich über alles mit dir. Ich werde allen meinen Bekannten (und geeigneten Verwandten !) diesen Radwanderweg rund um den Chiemsee empfehlen. Dank deiner Empfehlungen können die sich ihre eigene Route aussuchen.

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