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Dauerhaft Reisen? Nein Danke!

Ich war noch nie jemand, der sich vorstellen konnte, dauerhaft an einem Ort zu bleiben. Immer schon zog es mich weg von dort, wo ich gerade war. Ein Leben ohne Reisen kann ich mir nicht vorstellen. Ein Leben ohne Alltag aber genauso wenig. Das Fremde ist nur fremd im Vergleich zum Bekannten. Reisen ist nur spannend, wenn es Abwechslung ist.

Vor wenigen Monaten war ich in Bangkok. Ich war dort, doch ich hätte auch in jeder Stadt der Welt sein können. New York, Tokio, Moskau – zu diesem Zeitpunkt hätte es kaum einen Unterschied gemacht. Ich hatte eine vierwöchige Rucksackreise hinter mir, hatte drei Länder besucht und fast jede zweite Nacht in einem anderen Bett geschlafen.

Ich hatte tausende von Kilometern auf staubigen Straßen in alten Bussen zurückgelegt. Ich war müde. Das lange Reisen hatte mich mitgenommen.

Bangkok sollte der krönende Abschluss dieser Reise werden. Mehrfach hatte ich mir den Aufenthalt ausgemalt. Ich hatte einen Plan erstellt, wie ich möglichst viel in drei Tagen erleben könnte: Ich wollte Museen und Tempel erkunden. Auf den bunten Märkten der Hauptstadt Thailands, von denen man sagt, man könne dort alles kaufen, das in Südostasien produziert wird, wollte ich mein letztes Geld ausgeben.

Ich hatte vor, mich in das Nachtleben zu stürzen, für das Bangkok berüchtigt ist, und alle Dachbars der Stadt zu testen. Allein, es kam ganz anders. Denn: Ich war reisemüde.

 

Ich verließ Bangkok nach drei Tagen. Ich hatte im Wat Pho-Tempel ein paar Fotos des liegenden Riesenbuddhas gemacht und zwei Cocktails in einer Dachbar getrunken. Ich war lustlos durch Straßen und Einkaufscenter geschlendert. Den größten Teil meines Aufenthalts aber hatte ich am Hotelpool verbracht. Ich hätte das in jeder anderen Stadt der Welt tun können.

Ab und zu brauche ich einen Kulturschock. Und dann brauche ich Alltag.

Auf meiner Reise durch Südostasien habe ich eine Menge junger Leute getroffen, die seit vielen Monaten auf Reisen waren. Die Kombination von Langzeitreisen mit Sabbatjahren ist nichts Ungewöhnliches mehr, auf jeder Tour, in jedem Bus ist mindestens ein Langzeitreisender.  Viele, die ich traf glaubten, damit die ultimative Form des Reisens gefunden zu haben. Sie wollten alles auf einmal sehen, so viele Länder und Orte wie möglich.

Aber geht das überhaupt, alle Wunschziele auf einmal abhaken? Können die einzelnen Reiseziele dann noch richtig wirken? Wer ständig auf Reisen ist, vergleicht neue Erlebnisse nicht mit dem Alltag, sondern lässt sie gegen andere außergewöhnliche Erlebnisse antreten. Das schmälert die Wertschätzung des Besonderen.

Nach nur einem Monat auf Reisen war für mich die Zeit gekommen, nach Hause zu fahren. So gerne ich unterwegs bin, ich muss doch immer wieder zurück. Ich sehe gerne neue Dinge. Lerne gerne neue Menschen kennen. Ich brauche ab und zu einen Kulturschock. Aber ich brauche zur Abwechslung auch eine gewohnte Umgebung, einen Alltag, der mir hilft, besondere Erlebnisse in einen Kontext einzubetten.

Ich brauche die Abwechslung. Dauerhaftes Reisen? Nein danke. Für mich wäre das nichts.

Kannst du dir vorstellen, dauerhaft durch die Welt zu reisen?

Geschrieben von

... spielt am liebsten draußen. Sie würde einen spontanen Roadtrip immer einem Tag am Pool vorziehen, liebt das Geräusch von Regen auf einem Zeltdach und ist der wohl einzige Mensch auf der Welt, der sich vor Schokolade ekelt.

7 Kommentare

  1. Hi anemina,

    eine 4-Wochen Reise und eine Langzeitreise/Dauerreise sind 2 verschiedene Paar Schuhe. Ich würde nicht von einem auf’s andere schließen.

    Aus meiner Erfahrung verliert man auf einer Langzeitreise schnell die Lust an Sehenswürdigkeiten. Ein Reiseziel vorzubereiten mit Listen zum Abhaken kommt Dir dann wie eine Zwangsjacke vor.

    Open End Reisen sind eine andere Art zu reisen und Du nimmst Dir viel mehr Zeit. z.B. würde ich in Bangkok eher 3 Wochen oder 3 Monate als 3 Tage bleiben 😉

    Auch nimmste den Alltag fast zwangsläufig mit bei einer Langzeitreise.

    • Hallo Florian,

      danke für deinen Kommentar! Genau das meine ich ja. Ich reise, um immer wieder Neues zu entdecken und bin froh, zwischendurch immer wieder in meine gewohnte Umgebung zurückzukehren. Nur dann kann ich eine Reise wirklich auf mich wirken lassen. Wäre ich 3 Wochen am Stück in Bangkok, würde ich mir eine Art Alltag in Bangkok aufbauen. Das will ich aber nicht, denn ich mag meinen Alltag und vor allem mein Umfeld zuhause eigentlich ganz gerne und – mal ehrlich – 3 Wochen sind zu kurz, um irgendwo heimisch zu werden und zu lange, um für jeden Tag eine Beschäftigung zu finden. Die 3 Wochen sind jetzt eine völlig frei in den Raum geworfene Zahl, schon klar. Aber die meisten Weltreisen laufen ja nach dem Schema 1 Woche hier, 2 Wochen dort, ein paar Tage am nächsten Ort ab. Etwas anderes ist es natürlich, an einem fremden Ort mehrere Monate oder gar Jahre zu verbringen – das könnte ich mir gut vorstellen. Aber das hat für mich nichts mehr mit Reisen zu tun.

      Liebe Grüße
      Anna

  2. Ein richtiger toller Artikel!! Und mir wird es schon nach einer Woche zu viel (das Reisen verliert auf einmal seinen Charme und seine Besonderheit) 🙂

    Ich selbst könnte mir nicht vorstellen für ein paar Monate weg zu sein; zumal ich die finanziellen Mittel nicht habe (hingegen der Behauptungen aller Langzeit-Reisenden braucht man da eine schöne Summe).

    Ich liebe unsere kurzen Trips (regulär 5-7 Tage). Meinen Alltag liebe ich so sehr, wie das Reisen selbst!

  3. Hallo Anna,

    mir geht es ähnlich, 4 Wochen sind für mich ok. Wenn ich mit den Langzeitreisenden unterwegs rede oder hier in den Weiten des WWW die Stories der digitalen Nomaden verfolge, dann denke ich mir schon ab und an, dass es doch ganz schön wäre, mal länger als 3 oder 4 Wochen unterwegs zu sein. Aber auf der anderen Seite freue ich mich wieder auf meine Familie und Freunde. Irgendwie schlagen 2 Herzen in meiner Brust und ich mag beides, beides gehört für mich dazu und ich mag auf keines verzichten. Und bin froh, dass es auch anderen ähnlich geht 😉

    LG, Ivana

    • Hallo Ivana! Danke für dein Feedback. Ich bin auch froh, dass es dir so geht wie mir 🙂 Bei all den digitalen Nomaden, die ständig unterwegs sind, könnte man schließlich fast auf die Idee kommen, dass das normale Reisen völlig von gestern ist. LG!

  4. Michael Hoffmann

    Hallo anemina,
    habe mit Interesse deinen Beitrag im Kurier gelesen. Ich Reise seit ich in Rente bin verstärkt und freue mich wenn es los geht und freue mich auch auf daheim. Unterwegs habe ich mal ein Paar getroffen die alles verkauft haben , incl.. Haus in Kalifornien, damit sie ungehindert reisen können und nicht die Verpflichtung im Kopf haben, wieder mal zurück zu fahren. Aber die waren total entspannt. Habe auch viel getroffen

    • Hallo Michael, danke für die Rückmeldung! Ich sehe das genauso, ich freue mich auch immer wieder auf daheim – zugegeben, manchmal denke ich auch drüber nach, mal für länger wegzufahren. Aber einfach alles verkaufen, das wäre nichts für mich. Viele schöne Reisen wünsche ich dir!

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