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So wenig Zeit, so viel zu sehen

Vor einer Weile habe ich darüber geschrieben, dass ich beim Reisen Abwechslung brauche. Abwechslung, das bedeutet für mich in erster Linie, immer wieder in meinen Alltag zurückzukehren. Es bedeutet für mich aber auch, mir immer wieder neue Urlaubsziele auszusuchen. Das ist nicht selbstverständlich – viele Menschen fahren Jahr für Jahr an denselben Ort. Wieso machen die das eigentlich? Und verpassen sie dann nicht jede Menge?

In den vergangenen drei Jahren war ich auf vier verschiedenen Kontinenten und in 14 verschiedenen Ländern. Für einen Reiseblogger ist das eigentlich nicht viel. Für meine Großeltern hingegen schon. Sie sind jahrelang in den selben kleinen Ort auf der Nordseeinsel Amrum gefahren. Für meinen Vater wiederum gibt es nichts Schöneres als eine kleine, weitgehend unbekannte Halbinsel im Osten Griechenlands, das Pilion. Als Kind war ich jedes Jahr an beiden Orten. Es hat mich nicht gestört, immer wieder dorthin zu fahren. Denn ich war noch nie an einen anderen Ort gereist, ich wusste noch nicht, dass da draußen die ganze Welt liegt, und dass ich überall hin konnte. Das habe ich erst viel später gemerkt.

Alles war wunderbar. Doch es war auch langweilig.

Im letzten Sommer, viele Jahre nach dem letzten Urlaub mit meinen Eltern, war ich wieder in Griechenland. Nur eine Woche lang, nicht drei Wochen, so wie früher. Aber doch im gleichen Ort, bei den gleichen Vermietern. Ich schlief in dem Gästebett, in dem ich zum letzten Mal im Alter von 15 Jahren gelegen hatte – und war ziemlich sicher, dass auch die Matratze seitdem nicht ausgetauscht worden war. Das Pilion war immer noch so, wie ich es in Erinnerung hatte. Von den Erschütterungen der griechischen Wirtschaftskrise ist es weitgehend verschont geblieben, und der Tourismus hat sich immer noch nicht zu sehr ausgebreitet. Von der Terrasse der Ferienwohnung aus war die Aussicht über die Bucht so traumhaft wie beim letzten Mal. Das Wetter herrlich. Das Meer sauber und warm. Das Essen großartig. Der freundliche Metzger im Nachbarort, den ich als Kind in mein Herz geschlossen hatte, schnitt das Fleisch immer noch aufs Gramm genau vom Stück und sah so aus wie früher – nur ein paar graue Haare hatte er bekommen. Nichts hatte sich verändert. Es war langweilig.

Irgendwann wird das Urlaubsziel zu einem zweiten Zuhause

Meine Eltern waren in den letzten zehn Jahren in zwei verschiedenen Ländern, die zufällig knapp auf zwei verschiedenen Kontinenten liegen. Ihnen gefällt das so. Und das ist in Ordnung. Sie haben ihr kleines Paradies gefunden, so wie viele andere, mit denen ich mich unterhalten habe auch. Und das hat auch positive Aspekte: Wer immer wieder an den gleichen Ort fährt, lernt diesen Ort immer besser kennen. Irgendwann wird sein Urlaubsziel für ihn ein zweites Zuhause. Doch will man das? Das Bekannte wägt uns in Sicherheit, weil wir nicht mit Neuem rechnen müssen. So wird die alljährliche Urlaubsreise plötzlich selbst zum Alltag.

Oder gibt es sie doch, diese Reiseziele, an die man immer wieder fahren kann, ohne das Gefühl, vielleicht etwas zu verpassen? An denen sich ständig etwas verändert, die immer wieder ein neues Gesicht zeigen? Sicher, die Metropolen dieser Welt sind in ständigem Wandel. Sicher gibt es viele Ziele, die es wert sind, länger dort zu bleiben. Oder mehrfach hinzufahren, ohne dass es langweilig wird. Doch: Jedes Jahr aufs Neue an den gleichen Ort? So schön die Vorstellung vom Paradies sein mag, ich habe wenig Zeit und will so viel wie möglich sehen.

Hast du schon dein Paradies gefunden?

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... spielt am liebsten draußen. Sie würde einen spontanen Roadtrip immer einem Tag am Pool vorziehen, liebt das Geräusch von Regen auf einem Zeltdach und ist der wohl einzige Mensch auf der Welt, der sich vor Schokolade ekelt.

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  1. Ich habe oft Lust, einen Ort erneut zu besuchen, weil es dort einfach noch so viel für mich zu entdecken gibt. Wichtig ist für mich vor allem ein Tapetenwechsel, wenn es um “Abschalten” geht. Erholung, die gerne Strapaze sein darf. Einfach etwas anderes, als das Zuhause und den Arbeitsplatz sehen. Ach, es gibt so viele Gründe einen Ort immer wieder oder nur einmal zu besuchen oder stets neue Ziele. Jeder soll das so handhaben wir er mag. : ) Jutta

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