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Sänk ju for träveling wis Deutsche Bahn…

Früher habe ich die Deutsche Bahn geliebt. Gerne und oft bin ich mit dem Zug gefahren. Doch dann besaß ich irgendwann mein erstes Auto. Und die Bahn spielte keine Rolle mehr in meinen Reiseplanungen. Vergessen waren die unzähligen Stunden, die ich wartend an Bahngleisen verbracht hatte, die Verspätungen und die in letzter Sekunde verpassten Anschlusszüge – all die Bahngeschichten, die jeder erzählen kann, der schonmal mit dem Zug gefahren ist.

Während alle anderen ständig meckerten, war ich immer irgendwie auf der Seite der Bahn. Ich mag das Zugfahren. In kaum einem Fortbewegungsmittel hat man einen so schönen Ausblick. Die Landschaft rechts und links der Gleise ist viel schöner als die an einer Autobahn. Und sie bietet mehr Abwechslung als der Blick aus dem Flugzeug. Ich war nie jemand, der im Zug viel las. Das Naturkino vor dem Fenster fand ich immer spannender. Und irgendwie, merkte ich, hatte ich genau das vermisst, seit ich das Bahnfahren aufgegeben hatte.

Es dauerte, bis ich meinen Freund überzeugt hatte, für einen Wochenendtrip nach Amsterdam den Zug zu nehmen. Der angekündigte Pilotenstreik bei der Lufthansa spielte mir in die Hände. Ich sollte bekommen, was ich wollte. Der Blick auf das blühende Rheintal und die frühlingsgrünen Niederlande im Vorbeifahren hätte selbst den hartgesottensten Bahnhasser überzeugt. Wäre da nicht noch die Rückfahrt gewesen.

Im Nachhinein betrachtet hätten wir vielleicht besser das Auto nehmen sollen. Zweieinhalb Tage nach unserer zwischenfallsfreien Fahrt nach Amsterdam rächte sich die Bahn an mir, meinem grenzenlosen Vertrauen und meiner Knausrigkeit. Statt der ICE-Verbindung mit einmal Umsteigen hatte ich für den Rückweg eine günstigere IC-Verbindung gebucht – dreimal Umsteigen. Riskant, aber meistens klappt so etwas. Nicht aber, wenn es klappen soll.

Dass unsere Verbindung nur auf dem Papier existierte, erfuhren wir wenige Kilometer vor Eindhoven. Dort mussten wir zum ersten Mal aus dem Zug in einen Bus umsteigen, der uns einige Kilometer hinter Eindhoven zu einem Bahnhof brachte. Von dort aus wiederum nahmen wir die S-Bahn zurück nach Eindhoven – von wo uns erneut ein Bus weiter nach Venlo transportierte. Selbstverständlich waren dort keine Anschlusszüge zu erreichen. Nach weiteren drei Zugwechseln waren wir immerhin am Fernbahnhof Frankfurt Flughafen angekommen und atmeten auf, weil wir nun in den letzten Zug einsteigen würden. Zu früh gefreut. Wir kamen an diesem Abend nicht nach Mainz. Wir strandeten in Wiesbaden – Suizidgefahr auf der Strecke, informierte die Schaffnerin. Es ging mit dem Bus weiter…

Meine Nerven lagen an diesem späten Abend blank. Ich hasste die Deutsche Bahn aus tiefstem Herzen und schwor mir, mich nie wieder in einen Zug zu setzen. Zumindest nicht so bald.

Foto von Robert Schöller

Geschrieben von

... spielt am liebsten draußen. Sie würde einen spontanen Roadtrip immer einem Tag am Pool vorziehen, liebt das Geräusch von Regen auf einem Zeltdach und ist der wohl einzige Mensch auf der Welt, der sich vor Schokolade ekelt.

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