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Die besten Reise-Bücher für den Urlaub

Ich liebe Bücher! Dummerweise kaufe ich davon immer so viele, dass ich mit dem Lesen oft gar nicht hinterher komme. Allerdings kann man ja nie genug Bücher haben, richtig? Und gibt es eigentlich überhaupt eine bessere Zeit zum Lesen als den Sommer, wenn man einfach nach draußen gehen kann, sich an den Pool, den Strand, unter einen Baum, in ein Weizenfeld oder wohin auch immer setzen kann um einfach nur ein gutes Buch und die Sonne zu genießen?

Auf meiner Sommer-Leseliste stehen dieses Jahr ein Reiseführer und ein Roman: Der Lonely Planet Hawaii und Jack Kerouacs On the Road – das ich schon seit Ewigkeiten lesen möchte, aber bislang noch nicht einmal im Regal stehen habe. Bestellt ist es nun, und ich habe fest vor, es auch bis Sommerende fertig gelesen zu haben. Auch noch auf der Suche nach Lesestoff? Heute stelle ich meine sechs Lieblings-Bücher für den Urlaub vor.

Skyfaring: A Journey with a Pilot

Skyfaring ist bislang leider noch nicht auf deutsch erschienen. Wenn du kein Problem damit hast, ein englisches Buch zu lesen, lege ich dir dieses Buch aber doch ganz besonders ans Herz. Pilot Mark Vanhoenacker erzählt dort vom Leben über den Wolken: Was macht es mit einem, wenn man immer im Himmel unterwegs ist? Wenn London und Japan nur ein paar Stunden voneinander entfernt sind? Wenn es plötzlich normal wird, Nordlichter zu sehen? Dieses Buch ist Poesie, gemischt mit technischem Wissen und faszinierenden Fakten rund ums Fliegen. Ganz großes Kino. Wenn du mal reinlesen möchtest: Die New York Times hat ein Kapitel veröffentlicht. Hier entlang!

Lars Mytting: Fyksens Tankstelle

Fyksens Tankstelle ist ein Roadtrip. Immer in Bewegung, nostalgisch, ohne konkretes Ziel. Es ist kein Roadtrip im engeren Sinne, denn die Handlung spielt an nur einem kleinen Ort, irgendwo im norwegischen Nirgendwo, auf dessen Straßen nicht das Vorfahrtsrecht gilt, sondern das Recht des Stärkeren. Genauer gesagt: In der Tankstelle desselben Ortes. Dort hat sich Erik Fyksen einen Traum erfüllt. Das ehemals heruntergekommene Hauptgebäude erstrahlt dank seiner Freundin in neuem Glanz und scheint direkt einem früheren Jahrzehnt entsprungen. Die Tankstelle hat zwar keine hochtechnologisierte Waschanlage und kein schickes Bistro, dafür aber Original-Tanksäulen aus den Sechzigern. Und zu Fyksen kommen die Kunden in erster Linie ohnehin meist, weil er tote Motoren wieder zum Laufen bringen kann. Fyksens Traum gerät in Gefahr, nicht nur weil seine Freundin sich entschieden hat, lieber ohne ihn weiter zu leben, sondern weil Kapitalismus und Globalisierung auch im norwegischen Nirgendwo irgendwann erbarmungslos zuschlagen und jegliche Straßen-Romantik zerschlagen. Fyksens Tankstelle ist eine nostalgische Reise in die Gedankenwelt eines Träumers, der bis zum Ende für seinen Traum kämpft und bereit ist, alles dafür zu opfern.

Margaret Atwood: Oryx und Crake

Auch Oryx and Crake ist eine Reise. Eine Reise in die Zukunft und in die zukünftige Vergangenheit. Eine Reise, die unaufhaltsam ist und auf erschreckende Art und Weise der Wirklichkeit entsprungen zu sein scheint. In der Welt dieser Zukunft unternimmt Schneemensch, der eigentlich mal Jimmy hieß, eine letzte Reise in seine Vergangenheit und sucht dort eine Erklärung für seine ausweglose Situation. Welche Schuld tragen seine Freunde, die schöne Asiatin Oryx und der hochbegabte, wahnsinnige Wissenschaftler Crake? Ist er am Ende selbst daran schuld, dass er blindlings in sein Verderben lief? Hätte er die Katastrophe aufhalten können? Oryx und Crake ist eine erschreckend reale Dystopie, die in einer zukünftigen, zerstörten, vergifteten Welt den festgelegten Lauf der Dinge untersucht und der Frage nachgeht, ob die Welt ohne den Menschen nicht vielleicht besser dran wäre. Margaret Atwood beschreibt ein postapokalyptisches Szenario, das sich wie ein Krimi vor dem Leser ausbreitet und das theoretisch gar nicht so entfernt ist, wie es zunächst scheint.

Cormac McCarthy: Kein Land für alte Männer

Irgendwo zwischen Realität und gnadenloser Überzeichnung, zwischen Splatter und Krimi, zwischen Gewalt und Witz und Wildem Westen und Mafia-Machenschaften ist dieser Roman angesiedelt. Ein missglückter Drogendeal macht Llewelyn Moss zu einem reichen Mann, aber auch zu einem gejagten, der sich nach einer atemraubenden Verfolgungsjagd durch Texas schließlich in einem Krankenhaus in Mexiko wieder findet. Ein psychopathischer Killer ist Moss auf den Fersen, stets einen Schritt schneller als der alternde Sheriff Bell, der es nicht schafft, seiner Aufgabe nachzukommen, Llewelyn Moss ausreichenden Schutz zu gewähren. Ein weiterer Killer ist dem Killer auf den Fersen, der auf Moss angesetzt ist. Und was soll eigentlich mit Moss’ Frau passieren? Der Psychopath lässt die Münze entscheiden und Sheriff Bell bleibt ziemlich ratlos zurück: Es ist Kein Land für alte Männer. Und mit Sicherheit kein Roman für schwache Nerven.

Jon Krakauer: In die Wildnis

Die Dokumentation In die Wildnis dürfte den meisten durch ihre Verfilmung (Into the Wild) bekannter sein als das dem Film zugrundeliegende Buch des Journalisten Jon Krakauer, der von seinem Chefredakteur Anfang der Neunzigerjahre in die Wildnis Alaskas geschickt wurde um den rätselhaften Tod eines jungen Mannes aufzuklären, den Elchjäger dort gefunden hatten. Die Dokumentation, 1993 als Reportage im Outside Magazine und 1996 in Langform als Buch erschienen, erzählt die Lebensgeschichte von Christopher Johnson McCandless, der die Gesellschaft und ihre Gepflogenheiten hinter sich lässt auf der Suche nach Freiheit, Abenteuer und echten Erlebnissen. Ohne jegliche materielle Absicherung reist er als Vagabund unter dem Pseudonym Alexander Supertramp quer durch die USA, bevor seine gewissenhaft nachgezeichnete, abenteuerliche Reise schließlich in Alaska ihren Höhepunkt erreicht.

Jonas Jonasson: Die Analphabetin, die rechnen konnte

Ein Schwarzafrikanerin ohne nennenswerte Ausbildung, aber mit durchschnittlicher Intelligenz und außerordentlichem Sprach- und Rechentalent hilft Südafrika bei der Entwicklung von Kernwaffen und treibt den israelischen Geheimdienst mehrfach zur Verzweiflung. Ein Schwede namens Holger 2, der amtlich gesehen neben seinem Zwillingsbruder Holger 1 nicht existiert, versucht, ein normales Leben zu leben. Eine Atombombe, die ebenfalls offiziell nicht existiert, landet versehentlich in Schweden. Dort laufen sich auch die Hauptcharaktere dieses Romans über den Weg und werden zur Zweckgemeinschaft über der Frage, wie man denn nun verdammt noch mal diese Atombombe loswerden soll, ohne gleich Kriminelle auf den Plan zu rufen oder den Weltfrieden zu gefährden. Leichte Lektüre, witzig und zutiefst ironisch, die nebenbei noch fast vier Jahrzehnte des politischen Weltgeschehens umreißt und die Macht von Zufällen untersucht.

Foto von Daise Ribeiro

Geschrieben von

... spielt am liebsten draußen. Sie würde einen spontanen Roadtrip immer einem Tag am Pool vorziehen, liebt das Geräusch von Regen auf einem Zeltdach und ist der wohl einzige Mensch auf der Welt, der sich vor Schokolade ekelt.

2 Kommentare

  1. Das Buch “In die Wildnis” fand ich sehr inspirierend, weil man trotz des tödlichen Ausgangs spürt, daß da jemand sein Leben wirklich gelebt hat. Eines der Bücher, das mich vom Schreibtisch weggerissen und in die Welt hinausgetragen hat.

    Mit “On the Road” konnte ich leider nicht so viel anfangen. Teilweise lustig geschrieben, interessante Charaktere, aber es plätschert so vor sich hin, ohne richtigen Anfang, ohne richtiges Ende, ohne richtiges Dazwischen.

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