Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten, 33 Sekunden

Kommentare 24

Die 7 nervigsten Fluggäste und wie du mit ihnen fertig wirst

Die Freiheit über den Wolken soll grenzenlos sein? Dass ich nicht lache! Bist du schonmal Economy-Klasse geflogen? Hast du schonmal mit deinem Sitznachbarn einen erbitterten Kampf um eine Armlehne geführt? Hast du schonmal unfreiwilligen Kontakt mit den verschwitzten Tennissocken deines Hintermannes gehabt? Na also. Ja, über den Wolken kann es schön sein. Aber frei ist man dort nun wirklich nicht. Schöner wärs ohne die anderen.

Denn leider ist es doch so: Irgendwer nervt immer.
Ich stelle vor: Die 7 nervigsten Fluggäste und wie du mit ihnen fertig wirst.

Der Seiten-Piekser

Der Seiten-Piekser ist in den allermeisten Fällen ein Mann. Einer, der sich zu groß fühlt für den Platz, der ihm zugedacht ist. Er breitet nicht nur seine Beine so weit wie möglich aus, sondern glaubt außerdem, einen Rechtsanspruch auf Armlehnen zu haben. Genauer gesagt: Auf die Mittellehnen in der Dreierreihe – die am härtesten umkämpften Armlehnen überhaupt.

Es ist allerdings so, dass diese Armlehnen niemandem gehören. Es gibt keinen Paragraphen und kein Gesetz der Luftfahrt, das den Anspruch auf eine Lehne regelt. Die ungeschriebenen Regeln des Flugpersonals besagen nur: Wer in der Mitte sitzt, sollte seine Arme auf mindestens einer der Mittellehnen ablegen dürfen. Das aber berechtigt ihn keinesfalls dazu, seinen beiden Sitznachbarn die Ellenbogen in die Seite zu rammen oder deren Arme von der Lehne zu schubsen.

Die Lösung: Eine geteilte Armlehne. Möglich dank Soarigami. Interessante Idee, online zu bestellen und ab Mitte 2015 zu kaufen. Fragt sich, warum da noch niemand früher drauf gekommen ist…



Klein und faltbar: Der Armlehnenteiler “Soarigami”. Fotos: Grace Lee Chang

 

A propos Mittellehne: Die Mittellehne ist nicht dazu da, die Füße des Hintermannes oder der Hinterfrau zu tragen!

 

Der Stinkefuß

Wo wir schon bei Füßen sind: Schuhe sind ziemlich effektive Geruchsdämpfer. Ich habe kein Problem mit Menschen, die ihre Schuhe im Flugzeug aus Bequemlichkeitsgründen ausziehen. Es sei denn, sie gehören zur Spezies der Stinkefüße. Das Problem: Der Stinkefuß weiß häufig nicht, dass er ein Stinkefuß ist. Oder er ist ein sehr gemeiner Zeitgenosse, der andere gerne mit seinem Gestank quält. Oder er glaubt, der Geruch würde sich im Flugzeug nicht verbreiten.

Falls du nicht sicher bist, ob du zur Gattung der Stinkefüße gehörst: Lass die Schuhe bitte einfach an! In der Flugzeugkabine ist die Frischluftzufuhr nämlich beschränkt. Und es kann gut sein, dass dein Fußgeruch die Nase deines Vordermannes erreicht, bevor du merkst, dass etwas nicht stimmt.

Und bitte, bitte, lass wenigstens die Socken an!

 

Draußen ist die Luft besser…

Der Freikult-Fanatiker

Womit wir beim Thema Ausziehen wären: Schlimm genug, dass manch ein Fluggast meint, im Flugzeug im Namen der Bequemlichkeit die gammeligsten Klamotten anziehen zu müssen – Klamotten ausziehen geht gar nicht. Wirklich niemand möchte einem unbekannten freien Oberkörper unfreiwillig so nah kommen. So gesehen auf einem Flug von Baden-Baden nach Girona. Die Folge: Schlechte Träume. Wirklich. Ich denke im Nachhinein, ich hätte das fotografieren sollen. Um der Nachwelt mein Leid zu beweisen… Hab ich nicht gemacht. Der Nachwelt zuliebe.

 

Der Touchscreen-Trommler

Du kennst bestimmt folgende Situation: Du willst dich entspannt zurücklehnen, vielleicht in aller Ruhe einen Film anschauen oder ein kurzes Nickerchen halten. Dann fängt es an. Der Hintermann, die Hinterfrau oder das unschuldig dreinschauende Kind zwischen ihnen trommelt wie verrückt gegen deinen Sitz. Genervt verdrehst du die Augen und schaust böse nach hinten. Dort sitzt ein Exemplar des Touchscreen-Trommlers – und ist sich leider keiner Schuld bewusst. Muss ja noch erlaubt sein, den Monitor zu bedienen, sagt sein Blick… Vielleicht wird es kurz ruhig, doch du kannst dir sicher sein, dass dieser Frieden nicht lange anhält.

Hier deshalb nochmal zum Mitschreiben und Auswendiglernen für alle: Ein Touchscreen ist ein Touchscreen. Einen Touchscreen kann man, das sagt schon der Name, in der Regel mit leichten Berührungen der Finger steuern. Sogar im Flugzeug. Es ist nicht notwendig, darauf herumzuhämmern.

 

Der Wasserfall

Der Wasserfall glaubt, er müsse sich auf Teufel komm raus mit seinem Sitznachbarn anfreunden. Entweder quetscht er dich aus oder er drückt dir eine Kassette ins Ohr. Er hört nicht auf zu reden, auch nicht wenn, du ihm zum dritten Mal signalisiert hast, dass du kein Interesse an einer Unterhaltung hast, sondern einfach nur deine Zeitung lesen, einen Film schauen oder Musik hören möchtest. Er spricht dich auch an, wenn du die Augen geschlossen und Ohropax in den Ohren hast. Je nach Ausdauer (sowohl von deiner als auch von seiner Seite) ist es extrem schwer, dem Wasserfall verständlich zu machen, dass er dich nervt. Da hilft oft leider nur: Unhöflich werden. Kann ich auch nicht gut. Muss aber manchmal sein.

 

 

Der Kuschelbär

Redselige Fluggäste wie der Wasserfall sind dann am leichtesten zu ertragen, wenn sie schlafen. Schlafen im Flugzeug ist völlig in Ordnung. Selbst schnarchen im Flugzeug ist halb so schlimm, das geht in der Regel ohnehin in den Fluggeräuschen unter. Leider neigen insbesondere redselige Menschen auch dazu, noch beim Schlafen zu nerven. Dann nämlich, wenn sie dir plötzlich immer näher kommen. Der Kuschelbär neigt dazu, im Schlaf zur Seite zu kippen und sich an seinem Nebenmann anzulehnen.

Wenn du weißt, dass du zu dieser Spezies gehörst und vor hast, auf dem Flug zu schlafen, eine Bitte: Buche dir doch einfach nicht den Platz in der Mitte, sondern einen am Gang oder am Fenster. Dort kannst du dich ohne Probleme auch an der Flugzeugwand anlehnen, bzw. den Kopf in den Gang hängen lassen.

 

Der Applaudierer

Falls du noch weitere Fragen zum richtigen Verhalten beim Fliegen hast, konsultiere einfach mal den offiziellen Flugzeug-Knigge. Der beschäftigt sich auch ausführlich mit dem Thema Klatschen bei der Landung. Ist klatschen okay oder nicht? Ganz ehrlich: So lange sie sich an wichtigere Regeln halten, habe ich nichts gegen Applaudierer. Wer dem Piloten danken will, soll das ruhig tun, auch wenn der eigentlich nur seinen Job erledigt. Aber du musst das schon abkönnen, wenn ich dann die Augen verdrehe.

 

Übrigens: Ich freue mich auch über Applaus!

Hey, ich habe zwar irgendwie auch nur meinen Job erledigt – zumal ich diesen Text in leicht abgewandelter Form ursprünglich für die Rhein Main Presse geschrieben habe. Und für die Zeitung zu schreiben, ist nunmal mein Beruf, dafür werde ich bezahlt. Aber wenn du nun schonmal bis zum Ende gelesen hast, dann könntest du mir auch einfach einen Kommentar unter diesem Text hinterlassen. Inhalt: „Applaus“, das reicht völlig aus.

 

Geschrieben von

... spielt am liebsten draußen. Sie würde einen spontanen Roadtrip immer einem Tag am Pool vorziehen, liebt das Geräusch von Regen auf einem Zeltdach und ist der wohl einzige Mensch auf der Welt, der sich vor Schokolade ekelt.

24 Kommentare

  1. Ina

    In dem Artikel ging es ja um die nervigsten Flugnachbar.
    Sehr gut geschrieben.
    Wie wäre es mit einem Artikel über die angenehmsten…
    Vielleicht hast du eine interessante Person oder eine bewegende Lebensgeschichte erzählen bekommen.
    Liebe Grüße.

    • Danke Ina! Die Geschichte über den angenehmsten Flugnachbarn ist schnell erzählt: Er ist ruhig, schnarcht nicht, behält seinen Ellenbogen bei sich, riecht nicht unangenehm und ist höflich zu allen Menschen um sich herum 😉

      Eine bewegende Lebensgeschichte hat mir auf einem Flug noch niemand erzählt – vielleicht frage ich beim nächsten Mal einfach mal meinen Sitznachbarn 🙂

  2. Applaus, applaus,

    Ich glaube gerade wegen diesen “schrecklichen” Dingen, schätzt man die tolle Reisezeit danach aber umso mehr. Für die schönsten Orte der Welt nehme ich das mal gerne in Kauf 🙂

    Ansonsten hat ja jeder von uns zum Glück immer noch einen Privatjet im Hangar 😉

    Liebe Grüße

    Alexander

  3. Thomas

    Applaus

    Gelungener Artikel, den ich in der Franfurter Neue Presse vom 25.04.2015 gelesen hatte. Allerdings habe ich zwei Kritikpunkte: Den Kopf in den Gang hängen lassen geht gar nicht. Ich kann schon nicht mehr zählen, wie oft schon jemand gegen meine Schulter “gerammelt” ist, wenn ich am Gang gesessen habe. Wenn das jeweils mein Kopf gewesen wäre – nicht auszudenken. Mit dem Touchscreen gebe ich dir zwar grundsätzlich recht, aber ich hatte selbst schon zweimal einen kaum reagierenden Touchscreen, da muss man schon mal etwas härter als normal aufdrücken, sonst passiert gar nichts. In einem Fall hat ein Neustart des Systems durch eine Flugbegleiterin geholfen, aber in dem anderen Fall war eine “normale” Bedienung des Touchscreen nicht möglich. Auch zwei Flugbegleiterinnen waren nicht dazu in der Lage und eine hat mir schon kurze Zeit später von sich aus einen Gutschein als Entschädigung überreicht, weil ich auf dem Langstreckenflug keinen Film ansehen konnte. Also bitte auch solche Fälle mal künftig in deine Überlegungen mit einbeziehen. (Und nein, ich bin nicht zu blöd, einen Touchscreen zu bedienen!)

    • Hallo Thomas,

      glaub mir, die Menschen, die ich meine, wissen nicht, wie man einen Touchscreen bedient 😉 Wenn die Dinger kaputt sind, ist das echt ärgerlich, gerade auf einem Langstreckenflug. Hatte ich leider auch mal. Seitdem nehme ich immer mein iPad mit und schaue darauf, da kann ich wenigstens auch vorher genau das aufspielen, was ich gerne sehen möchte. Thema Kopf in den Gang hängen lassen: Klar, wenn ständig jemand vorbei kommt und dich anrempelt, nervt das wahrscheinlich. Ist mir zum Glück noch nicht passiert. Was ich nicht mag ist, wenn die Leute ihre Beine in den Gang ausstrecken und man auf dem Weg zur Toilette zickzack laufen muss. Ach, die Liste wäre endlos fortzusetzen…

      Vielen Dank für den Applaus – Wette ist gewonnen 🙂

      Grüße! Anna

  4. Du hast ein paar wichtige vergessen xD

    Den “nein du darfst den Sitz nicht zurückstellen, sitz gefälligst aufrecht”- Nörgler
    Die Grossfamilie mit den gelangweilten, schreienden Kindern
    Der mit der Flugphobie der die ganze Zeit Panik schiebt, dass der Flieger bald abstürzt
    Die Kinder die nicht Still sitzen können und dir dauernd in den Rücken treten oder besser deren Eltern die auch, nach einer Beschwerde deinerseits nichts dagegen unternehmen.
    Die Gläubigen – muss es wirklich sein, dass du im Flieger auf den Boden kniest und lautstark mit dem Beten beginnst?

  5. Applaus, applaus, applaus. Die saßen alle schon um mich herum. 😉 Ich versuche möglichst Mittelsitze zu vermeiden. Bisher dachte ich, das ist ein Frauen – Männer-Problem. Meist sind es Männer, die kaum das sie sitzen sofort beide Armlehnen blockieren. Ich mache mich nach dem Sitzen auch breit und blockiere sofort eine Lehne, meist hilft das.

    Neben dem Touchsceen-Trommler gibt es noch den Lehnentreter, der dir ständig in den Rücken tritt und die Technikfreaks bzw. Eltern, die ihren Kindern elektronische Spielgeräte geben, die ständig piepsen und quietschen.

    • Dankeschön! Ich sehe das übrigens auch so, dass das mit dem Breitmachen ein Männerproblem ist. Vielleicht, weil Männer tendenziell größer und massiger sind. Aber vielleicht auch, weil es immer noch in den Köpfen verankert ist und durch Erziehung weitergegeben wird, dass Mädchen sich unauffällig zu verhalten haben und Jungen eben nicht. Und Frauen dementsprechend zurückhaltender sind.

  6. Applaus 😉
    Ich muss allerdings sagen, ich finds meistens angenehm, wenn meine Nebenmänner/-frauen ein Gespräch anfangen. Ich finds immer bisschen merkwürdig, auf so engem Raum zusammenzusitzen und gar nicht zu sprechen und einander gar nicht zu kennen – und mit einem netten Gespräch geht die Zeit doch auch schneller rum 🙂

  7. Applaus, Applaus….obwohl ich zu 80% bisher immer angenehme Nebensitzer hatte 😉

    Einen Typ Fluggast hast du vergessen. Die Eltern, die ihren Kinder alle Schoki bestellen, die das Boardbistro hergibt. Damit diese dann wie Duracel-Häschen mit imaginären Maschinengewehr, den ganzen Flug um sich ballern. Während die generösen Eltern selbst, sich mit Kopfhörer in den Ohren, allen Alkohol hinterkippen den das Boardbistro hergibt. Zum Glück ist der auf einem Flug Helsinki – Berlin relativ schnell ausverkauft 😉

  8. Applaus!

    Ich musste erst vor kurzem wieder einen Touchscreen-trommler aushalten. Noch anstrengender sind nur noch jene jene, die zu viel Alkohol trinken und dann Auf Langstrecken Langstreckenflügen reden und reden und reden…

  9. Reinhold Seelig

    Applaus nach der Landung ist ein absolutes NO GO, ein äußerst peinliches Neckermänner-Verhalten, zum Fremdschämen!

    Meine Frau und ich fliegen seit 20 Jahren jedes Jahr nach Thailand, früher auch oft nach Italien und in die Türkei, wobei es diese ***-Klatscherei meist in den Türkei-Touri-Bombern gab, und fast nie in regulären Linienfliegern. Dies deutet schon darauf hin, welcher Personenkreis nach der Landung klatscht.

    Warum eigentlich?

    Überstandene Todesangst? Dann sollte ich auch dem Kreuzfahrt-Kapitän nach dem Festmachen im Hafen danken, und ebenso dem Taxifahrer beim Anhalten, dem Busfahrer an der Haltestelle, dem Lokführer im Bahnhof. Ganz davon abgesehen, dass der Pilot den Applaus in der Kanzel gar nicht hört.

  10. chacinho

    Applaus Applaus für den Artikel in der AZ Mainz. Die Reisenden-Typen sind treffend charakterisiert. Zum Applaus selbst bleibt anzumerken: Warum nicht? Denn Applaus ist eine unmittelbare Anerkennung für eine besonders gelungene kreative Leistung. Auch Du freust Dich über ein Lob vom Chefredakteur oder den Lesern – Lob ist die etwas andere Art des Applauses. Einem Piloten zu applaudieren ist allerdings grenzwertig, denn erstens hört er es gar nicht und zweitens ist die Landung “Kerngeschäft” und in den wenigsten Fällen eine kreative Leistung.

  11. *Applaus* 🙂

    Wieder sehr schön geschrieben, mein Freund hat mich eben schief angeschaut, als ich mehrmals beim Lesen laut lachen musste.

    Besonders nerve finde ich das Verhalten vieler nach der Landung: Das Anschallzeichen leuchtet noch, trotzdem wird schon aufgesprungen, hastig das Handgepäck dem Sitznachbarn fast auf den Kopf geknallt und dann wird deppert rumgestanden (ein sehr lustiges Video darüber hab ich vor Kurzem auf Youtube entdeckt: https://www.youtube.com/watch?v=uvEfujX1fJc).

Kommentieren? Gerne!