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Dubrovnik: Eine Stadt zwischen Krieg und Frieden

Früher, in längst vergangenen Zeiten, war es in Dubrovnik oft so laut, dass sogar die Tauben aus den Straßen flüchteten. Schwere Kanonengeschütze donnerten aus den Stadtmauern in Richtung See, wenn eine Seefahrernation den stolzen Stadtstaat anzugreifen drohte. Dabei hatten sie eigentlich gar keine Feinde. “Niemals”, versichert Mario. Er führt uns durch die malerische Altstadt, die ringsum von der alten, begehbaren Stadtmauer begrenzt ist.

Venedig zum Beispiel mochte man in der Blütezeit des Mittelmeerraums nicht allzu gerne. Aber wenn man Marios Ausführungen Glauben schenken darf, lag das hauptsächlich am Wettstreit mit dem italienischen Stadtstaat. Genau wie die Republik Ragusa – so hieß Dubrovnik zu Zeiten seiner Autonomie – versuchte Venedig die Handelsherrschaft über den Mittelmeerraum zu erlangen.

Zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert verdiente die Republik ein kleines Vermögen mit dem Seehandel. Bis nach Konstantinopel reichten die Beziehungen der Dubrovniker. Am Kriegsgeschäft beteiligte der Stadtstaat sich aber selten. Und die Handelspartner trauten sich noch seltener, die meterdicken Kalksteinmauern der Stadtfestung anzugreifen. Das auch, weil Dubrovnik bestens vor Angreifern geschützt und gewarnt war. Die Stadt liegt auf einer Landzunge. Vom Hafen bietet sich der offene Blick aufs Meer. „Und wir haben immer ganz schlicht gebaut, niemand durfte protzen. Denn dann wären die anderen neidisch geworden“, erklärt Mario.

Sie wollten frei sein und frei bleiben. „Libertas“, die Freiheit, ist bis heute das höchste Gut der dalmatinischen Stadteinwohner.

In den 1990er Jahren kam der Jugoslawienkrieg. Mit ihm verschwanden auch die letzten Tauben aus der Stadt, denn dieser Krieg setzte der Stadt mehr zu als jedes mittelalterliche Seegefecht. Die Bewohner der Altstadt mussten Schutz suchen im Hotel Libertas. Das hatte als einziges großes Gebäude in der Umgebung einen bombensicheren Keller. Nichts ist von alledem noch zu sehen oder zu spüren. Das arg gebeutelte Hotel wurde einfach wieder aufgebaut. Ebenso alles andere.

Dubrovnik hat sich auf die Zukunft eingestellt

Man hat sich auf die Zukunft eingestellt. Die Euroeinführung in Kroatien wird herbeigesehnt und in den alten Kalksteinböden und Ziegeldächern ist keine Spur zu sehen von dem, was einmal zerstört war. Auch die Tauben sind zurückgekehrt. „Die haben wir aber ganz gut unter Kontrolle, damit sie uns den schönen Kalkstein nicht kaputt machen“, versichert Mario.

Er bedauert, dass man die Erlebnisse der 90er Jahre einfach zu verdrängen versucht. 2,7 Milliarden Dollar hat die Stadt in die Beseitigung der Kriegsschäden gesteckt. Und nur der ganz aufmerksame Besucher entdeckt hier und da im Boden kleine Löcher, die Granatensplitter zurück gelassen haben. Im Zollamt ist ein kleiner Raum eingerichtet, der an die Gefallenen von Dubrovnik erinnert. Das ist alles, was hier an Erinnerungsarbeit geleistet wird.

Das neue Dubrovnik ist dafür aber auch fröhlich, hell, jung und freundlich. In der für Autos gesperrten und vom Festungsring umzingelten Altstadt tummeln sich nachmittags die Touristen. Abends zieht es dorthin Jugendliche – Einheimische wie Besucher. Die tummeln sich gerne in der romantischen Abendstimmung, wenn die Sonne ihr letztes Licht auf den hellen Stein wirft und die gesamte Altstadt zum Leuchten bringt. Dann sammeln sich auch die Tauben: Unter den Bänken suchen sie nach den Essenresten, die Touristen dort hinterlassen haben.

Zur Recherchereise nach Dubrovnik wurde ich vom Hotel Rixos Libertas eingeladen.

 

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... spielt am liebsten draußen. Sie würde einen spontanen Roadtrip immer einem Tag am Pool vorziehen, liebt das Geräusch von Regen auf einem Zeltdach und ist der wohl einzige Mensch auf der Welt, der sich vor Schokolade ekelt.

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