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El Gouna: Ein Last-Minute-Guide für die Reise ans Rote Meer

Vielleicht hast du heute deinen Weg zu diesem Artikel gefunden, weil du eine aufkeimende Herbstdepression im Keim ersticken willst. Vielleicht hat allgegenwärtiges Fernweh dich hierher getrieben. So oder so: du bist hier richtig! Heute gibt es hier ein garantiert wirksames Heilmittel gegen Fernweh und blöde Herbstdepressionen: einen Last-Minute-Reisetipp für Kurzentschlossene. Ein Kollege wollte neulich von mir wissen, wo er jetzt im Herbst spontan für ein paar Tage zum Entspannen hinfahren könne. Also habe ich ihm von El Gouna erzählt. Und natürlich möchte ich diesen Tipp auch mit dir teilen.

Gleich vorneweg: Ich würde El Gouna nicht empfehlen, wenn es mir dort nicht gefallen hätte. Aber ich muss dich auch warnen: El Gouna ist künstlich. El Gouna ist eine Stadt aus dem Hochglanzkatalog, keine, die natürlich gewachsen ist. Sie ist 25 Jahre alt und man würde eine Stadt wie El Gouna hier eher nicht erwarten. Hier in Ägypten, direkt an der Schnellstraße, die Hurghada mit Kairo verbindet. Mitten in der Wüste. Die kleine Oase liegt in einem lebensfeindlichen Umfeld aus Sand, Stein, Hitze, Müll, der sich rechts und links der Straße an Steinen, in Gestrüpp und in Zäunen verfängt. Wer die Grenzen dieser Oase verlässt, ist ganz schnell in einer anderen Welt. Und abseits von bewohnbarem Gebiet.

Wer nicht mit dem Tuk-Tuk fahren möchte, nimmt das Wassertaxi.

Innerhalb dieser Grenzen aber leben Menschen. Reiche Ägypter, reiche Europäer, einfache Arbeiter, die in den Hotels angestellt sind – und Touristen. Etwa 22.000 sind es derzeit, die Zahl hat sich in den vergangenen fünf Jahren fast verdoppelt. Es ist sauber in den Straßen, viel sauberer als in einer normalen Stadt. Zumal einer Stadt in der Wüste. Weil niemand hier auf die Idee kommen würde, seinen Müll einfach auf den Boden zu werfen, erklärt Husain, der in einem der Hotels an der Rezeption arbeitet. Ich will von ihm wissen, ob El Gouna ein schöner Ort zum Arbeiten ist. Husain nickt. Ich glaube es ihm.

Von Palmen, die Mobilfunktürme sind

Häuser und Hotels schlängeln sich entlang eines angelegten Lagunensystems – vor nahezu jeder Haustür die Möglichkeit, in frischem, türkisblauem Meerwasser zu baden oder am aufgeschütteten Sandstrand unter Palmen zu entspannen. Es fühlt sich natürlich an, und paradiesisch. Und doch: Nur eine einzige Meerzunge war schon immer da.

Kein Gebäude ist in El Gouna höher als drei Stockwerke. So will es die Bauordnung. Von der Rotisserie auf dem Sheraton-Golfplatz, dem höchsten Gebäude der Stadt, ist die Aussicht trotzdem gut.

Nachts füllt sich die Marina mit Leben. Restaurants, Shows und Partys buhlen um Publikum.

Aus dem Meer von Palmen, die El Gounas Lagunen säumen, ragen zwei hervor. Sie sind einige Meter höher als die gewöhnlichen. Statt Wurzeln haben sie ein Fundament aus Beton. Die vermeintlichen Bäume sind keine Palmen. Es sind Mobilfunktürme, die sich als Bäume verkleidet der Umgebung anpassen sollen. Eine gelungene Illusion. Man muss schon sehr genau hinschauen, um den Schwindel zu entdecken.

El Gouna ist ein solides, von Grund auf durchdachtes Konzept, das nicht nur auf Tourismus setzt, sondern auch auf Siedlungsbau und Nachhaltigkeit.

Man kann dem Unternehmer Samin Sawiris, der 1989 hierherkam und binnen weniger Jahre eine Kleinstadt mit funktionierender Infrastruktur schuf, nicht nachsagen, er habe ohne nachzudenken und für den schnellen Profit eine Stadt hochgezogen. El Gouna ist ein solides, von Grund auf durchdachtes Konzept, das nicht nur auf Tourismus setzt, sondern auch auf Siedlungsbau und Nachhaltigkeit. Hier wird Müll getrennt und recycelt. Hier wird Abwasser aufgefangen und gereinigt. Die Anlagen, in denen diese Prozesse stattfinden, sind auf dem neuesten Stand der Technik. Ausnahmslos alle Hotels sind mit dem Green Globe Award zertifiziert und im August 2014 wurde die Stadt als erste in Afrika und der arabischen Welt mit dem Global Green City Award ausgezeichnet. Vergeben wird dieser Preis von Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP).

Und dann gibt es da natürlich sattgrüne, bewässerte Golfplätze, die mich an dieser Nachhaltigkeit zweifeln lassen. Die Grünanlagen nur eines Golfplatzes brauchen täglich mehr als drei Millionen Liter Wasser. Das ist ungefähr die Menge, die ein Golfplatz in nordeuropäischen Breiten im halben Jahr verbraucht. Doch man versichert mir: Das sei keine Umweltsünde. Denn hier wachse eine Spezialzüchtung. Gras, das mit Brauchwasser versorgt wird. Das wiederum kommt aus der ortseigenen Aufbereitungsanlage. Eine Spezialzüchtung, wärmeliebend. Man kann hier also – verhältnismäßig – umweltfreundlich Golf spielen. Wenn man denn unbedingt Golf spielen muss, in der Wüste.

Kein Strandbild ohne Kitesurfer. El Gouna bietet beste Bedingungen.

Zumal El Gouna für sportliche Touristen viel mehr zu bieten hat. Eine der größten Kitesurfing-Schulen in Ägypten ist hier angesiedelt. Konstante Winde zwischen zehn und 25 Knoten sind ideal für Anfänger und Fortgeschrittene. Das Rote Meer ist ein weltweit bekanntes Tauchgebiet und in Küstennähe gibt es Korallenriffe zum Schnorcheln. Parasailing, Wasserski und Paintball helfen gegen aufkeimende Urlaubslangeweile. Für Aktivurlauber ist El Gouna eine Traumfabrik.

Eine Brauerei mitten in der Wüste

Für echte Kulturliebhaber eignet sie sich weniger. Sphinx und Pyramiden sind gut 400 Kilometer entfernt, und auch wenn dorthin Tagestouren angeboten werden, ist El Gouna kein Ausgangspunkt für Entdeckungsreisen ins Alte Ägypten. Immerhin: In der öffentlichen Bibliothek informieren eine Videoanimation und eine Online-Version der Bibliothek von Alexandria über Ramses, Tut-Anch-Amun und Nofretete.

Dafür hat El Gouna für alle Bierfreunde etwas zu bieten: Es gibt hier eine Brauerei mitten in der Wüste. Die El Gouna Beverage Company gehört zur Heineken Gruppe und hat sich hier angesiedelt. Und das, obwohl Alkohol im Islam verboten ist. Doch es gibt natürlich verschiedene Arten staatlicher Brau- und Destillationsgenehmigungen. Die für Bier ist relativ günstig. Das ist übrigens ein Grund, warum hier viel Starkbier gebraut wird… Natürlich werden Brauereibesichtigungen und Bierproben angeboten.

 

Hinweis: Ein Teil dieses Reiseberichts, beispielsweise mein Gespräch mit Husain, ist bereits 2009 entstanden. Damals habe ich im Rahmen einer Pressereise, also auf Einladung, El Gouna besucht. Natürlich sind alle Informationen in diesem Bericht auf dem neuesten Stand und ich habe mit Menschen gesprochen, die fünf Jahre später, 2014, in El Gouna waren. Sie haben mir bestätigt, dass meine Eindrücke von damals mit dem El Gouna übereinstimmen, wie es heute ist.

Geschrieben von

... spielt am liebsten draußen. Sie würde einen spontanen Roadtrip immer einem Tag am Pool vorziehen, liebt das Geräusch von Regen auf einem Zeltdach und ist der wohl einzige Mensch auf der Welt, der sich vor Schokolade ekelt.

2 Kommentare

  1. Von El Gouna habe ich nun schon ein paar Mal gelesen – allerdings hat es mich noch nie so gereizt, den Ort kennenzulernen, wie nach der Lektüre bei dir. Toller Artikel, der zeigt, dass eine Pressereise eben nicht nur Abhängigkeiten schafft, sondern auch ein solides Fundament, um Fakten zu recherchieren und für Leser nützliche Texte zu schreiben.

    Übrigens, von Opodo bekommst du ganz leicht Geld, wenn du das denn wirklich willst… Ich sag nur Zanox. 🙂

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