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Das Ende der Welt ist ein Strand: Arugam Bay

Mit unserer Ankunft in Arugam Bay sind wir am Ende der Welt angelangt. Nichts ist wie vorher. Wir hatten ein wenig Zeit, uns an die Armut und Einfachheit dieses Landes zu gewöhnen, doch hier ist alles noch ärmlicher. Und doch wirkt es, als seien wir gerade im Paradies gelandet.

Unser Hotel, das wir zu allererst ansteuern nach der langen Reise über monsunverwaschene Straßen mit bröckelnden Asphaltdecken, versteht unter Luxus nicht wie wir das gewohnt sind in erster Linie Sauberkeit und Ausstattung, sondern Platz, viel dreckigen Platz, und Schaben in der Dusche. Vor dem Ort liegen im Gras noch immer Boote, Überbleibsel des verheerenden Tsunamis, der den Osten Sri Lankas 2004 mit Wucht getroffen hatte. Sie haben keine Besitzer mehr und niemand fühlt sich verantwortlich. Seit fast zehn Jahren. Die Hütten, die die ungeteerten Straßen säumen, sind einfach und winzig. Strohdächer, Wellblech. Das Leben ist draußen.

Als lebten sie jenseits von Zeit und Raum, schlendern die Menschen hier über die Straßen, Touristen genau wie Einheimische. Es herrscht eine unendliche Gelassenheit, nichts ist zu spüren von Hektik, Zeitdruck oder Stress. Wer den Ort betritt, den ergreift diese Ruhe. Arugam Bay hat dieses Flair, das nur ganz wenige Orte auf der ganzen Welt haben. Es ist cool. Sand liegt überall auf den Straßen, er wird vom Strand herüber geweht, er klebt in Mauern und an nackten Körperteilen. Er ist der Kitt der Coolness. Sofort will ich meine Schuhe ausziehen und ihn unter meinen Füßen spüren.

Surfer in bunten Boardshorts und braungebrannte Mädels in knappen Bikinis

Ich folge ihm, Korn für Korn, bis zum Strand, lang, breit, gebogen wie eine Banane, dann, ein Stück weiter hinten, plötzlich abknickend, unberechenbar. Auf der einen Seite dreckig, hinter der Kurve feinkörnig und rein. Er bietet der Brandung Paroli. Er und einige langhaarige Surfer in bunten Boardshorts und braungebrannte Surfer-Mädchen in knappen Bikinis. Die ausländischen Gäste trinken Bier aus überdimensionalen Flaschen und genießen die Ruhe nach einem sportlich anstrengenden Tag. Ihre dunklen Brillengläser glitzern in der Sonne und weit draußen über dem Meer zeigt die Sonne an, dass der Tag bald vorüber sein wird.

Arugam Bay. Dieses Dorf im Südosten von Sri Lanka ist eigentlich so klischeebelastet, dass man es nicht ernst nehmen dürfte als Paradies. Und man sollte besser auch nicht darüber schreiben und seine Geheimnisse preisgeben. Doch Arugam Bay nimmt sich und seine Klischees nicht ernst, es steht über ihnen. Das hier ist sowas wie The Beach, lange bevor Leonardo DiCaprio ihn entdeckte. Rein, vollkommen. Die Verheißung von Glück. Ein Strand, der einfach nur Strand ist. Gäste, die sich selbst genügen und das Leben einfach leben, ohne Verpflichtungen und ohne Druck. Die, um in ihr Bett zu kommen, nur wenige Meter zurücklegen müssen – nach oben ins Baumhaus-Hotel.

Arugam Bay verzaubert

Ich schaue mir all das an und verspüre den dringenden Wunsch, länger hier zu bleiben als die zwei Tage, die mein Reiseplan vorsieht. Ich möchte surfen lernen, hier, an diesem Strand in diesem wundervollen Ort. Den Tag in einer Hängematte verbringen und die Affen beobachten, die auf dem Mäuerchen neben mir spielen. Nur: Leider geht das nicht. Ich muss die Zeit nutzen. Die Schuhe ausziehen, den Strand entlang rennen, Sand zwischen den Zehen.

Arugam Bay. Kaum jemand hat schon einmal von diesem Ort gehört. Vielleicht weil er bis zum Ende des Bürgerkriegs 2009 für Touristen nicht zu erreichen war. Vielleicht weil er immer noch mit den Folgen des Tsunamis kämpft. Und weil der Tourismus sich noch nicht breit gemacht hat. Vier Jahre nach der Öffnung der Straßen für Besucher werden Reisende noch immer kontrolliert von uniformierten Soldaten. Immer noch wirken die Häuser ärmlich, die Menschen bescheiden. Sie halten ihn noch immer geheim diesen Ort, die, die dort leben und die, die dort Urlaub machen.

Update 2015: Arugam Bay hat sich verändert, wie es so oft ist mit den unentdeckten Schönheiten. Mehr dazu gibt es auf dem Reiseblog Kleiner Elefant. Im Artikel Arugam Bay: Das Surfer’s Paradise im Osten Sri Lankas erzählt Autorin Shirani, wie sie den Ort empfindet, im Frühjahr 2015.

Meine Reise nach Sri Lanka wurde unterstützt von Sri Lanka Tourism und Sri Lankan Airlines. 

Geschrieben von

... spielt am liebsten draußen. Sie würde einen spontanen Roadtrip immer einem Tag am Pool vorziehen, liebt das Geräusch von Regen auf einem Zeltdach und ist der wohl einzige Mensch auf der Welt, der sich vor Schokolade ekelt.

3 Kommentare

  1. Hallo Anna, ein schöner Bericht über das kleine Surfers Paradise. Leider hat sich seit deinem Artikel einiges getan. Ich war im Mai dort, und so unterentwickelt, wie du es beschreibst war es nicht (mehr). Aber so ist das wohl immer mit schönen Orten, jeder versucht irgendwie daraus Kapital zu schlagen. Vor allem fand ich es teuer! Schade, ich hätte den Ort besser ein Jahr früher besucht:

    http://www.kleinerelefant.com/arugam-bay-das-surfers-paradise-im-osten-sri-lankas/

    • Hallo Shirani! Das ist wirklich schade zu hören. So ist das ja leider oft mit den “Geheimtipps”. Und manchmal geht alles einfach viel zu schnell. Als ich dort war, gab es noch kein einziges wirkliches Hotel und Arugam Bay war nicht ansatzweise zu vergleichen mit dem Westen Sri Lankas. Man hat sich auf der Straße hallo gesagt und abends in einer Kneipe auf ein Bier getroffen. Die Tuk-Tuk-Mafia gab es damals allerdings auch schon 😉 Genau wie die Kinder, die die Hand aufhielten…

      • Hallo Anna, mit dem Westen Sri Lankas hat Arugam Bay auch noch nicht viel am Hut. Große Hotelanlagen wie in Bentota etc. gibt es in A-Bay zum Glück (noch) nicht. Aber eben viele Guesthouses, Partys und Touris. Wenn man Lust auf Surfen und Party hat, kann man dort sicherlich viel Spaß haben! Für mich persönlich war es einfach ein wenig überfüllt und einseitig. Trotzdem freue ich mich schon auf’s nächste Mal! Vielen dank für die Verlinkung 🙂

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