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Das echte Bangkok: Mit dem Rad durch Chinatown und Yai

Mittagszeit. 36 Grad und Sonnenschein. Die stickige Großstadtluft empfängt uns mit voller Wucht als wir am Bahnhof Saphan Taksin aus der auf Eistruhenniveau herunter gekühlten Skytrain aussteigen. Mein Kopf ist benebelt von der Hitze. So sehr, dass ich mir am Pier unterhalb der Bahnstation Tickets für das Touristenboot andrehen lasse. Meinen Fehler bemerke ich erst, als die Verkäuferin für zwei Tickets 80 Baht verlangt. Verglichen mit der Fähre ist das der doppelte Preis.

Zwei Stationen später steigen wir an der River City Shopping Mall wieder aus. Anleger und Flussufer sind modern gestaltet, alles ist sauber. Kaum jemand ist zu sehen. Die Sonne knallt und wir flüchten in den Schatten eines Sonnenschirms. Ich fächele meinem Körper mit meinem Tanktop Luft zu. Ich mache dann jetzt mal eine Fahrradtour durch Bangkok. Bin ich eigentlich bescheuert?

Mit dem Fahrrad durch Bangkok: Alle wichtigen Infos zur Radtour und zum Fahrradfahren in Bangkok findest du am Ende des Artikels. Direkt da hin.

Weil ich beim letzten Mal von Bangkok nicht sonderlich angetan war, hatten wir uns für dieses Mal vorgenommen, uns auf den weniger ausgetretenen Pfaden der Megametropole zu bewegen und etwas zu tun, das uns im Gegensatz zu Tempelhopping wirklich Spaß machen würde. Ein bisschen verrückt durfte es schon sein. Und eine Radtour durch die Straßen einer asiatischen Megametropole erschien mir verrückt genug.

Was mir zuhause wie eine großartige Idee vorkam, wirkt vor Ort allerdings irgendwie idiotisch. Während ich von einem kalten Pool und einer schattigen Liege irgendwo auf den Dächern Bangkoks fantasiere, wo eine leichte, frische Brise weht, warte ich mit ein paar weiteren Verrückten vor einem Fahrradladen neben einer Reihe quietschgelber Fahrräder auf den Startschuss für unsere Tour.

Die Guides Nui und Jackie, beide in langen Hosen und Shirts, verteilen die Räder, helfen beim Sattel einstellen und erklären die Regeln: Immer in einer Reihe fahren, auf Passanten, Touristen, Tiere, Rollerfahrer und Gerümpel achten, Fotostopps nur in Ausnahmefällen.

Jackie (rechts) und Nui begleiten die Fahrradtour durch Bangkok.

Jackie fährt vorneweg und Nui bleibt hinten und passt auf, dass im Gewusel der Stadt niemand verloren geht.

Ich schalte meine Kamera in den Automatikmodus und hoffe, dass mir zumindest ein paar Schnappschüsse vom Rad gelingen. Dann geht es auch schon los. Unser erstes Ziel heißt Chinatown. Durch enge Gassen, Gehwege und Hinterhöfe führt der Weg, den wir ohne unsere beiden Guides wohl niemals gefunden hätten.

Auf den Straßen sehen wir Bewohner beim Mittagessen, während daneben Nachbarn die Straße kehren. Auf einem Plastikschemel sitzend und von Fliegen umringt nimmt eine alte Frau vor einer offenen Wohnung Fische aus. Daneben wäscht ein junges Mädchen mit Baby im Tragetuch Wäsche und wieder ein Stück weiter schläft ein Mann im Schatten auf seinem Roller. Eine enge Kurve später kollidiere ich um ein Haar mit einem Haufen alter Autoteile. Daneben ist in einer dunklen Garage jemand mit einem Schweißgerät zugange.

An einem kleinen Laden legen wir einen Zwischenstopp ein. Nui kauft Wasser und verteilt es. Die Häuser rechts und links des schmalen Wegs spenden Schatten. Neben dem Laden steht ein großer blauer Wasserautomat zum Auffüllen leerer Flaschen. Ein Liter kostet 8 Baht. 20 Cent. Das liegt weit unter dem Preis für abgefülltes Wasser. Doch die Automaten finden nicht überall Anklang.

„Die Leute sind skeptisch, ob sie dort wirklich sauberes Wasser kriegen“, sagt Jackie. Deshalb bekommen auch wir abgefülltes Wasser.

Wir fahren weiter und müssen furchtbar aufpassen, dass wir nicht aus Versehen mit jemandem zusammenstoßen. Die Wege sind nirgends breiter als einen Meter und die Bewohner von Chinatown leben draußen. Auf der Straße trifft man sich, es wird gestritten, gespielt, gegessen. Auch, weil in den Häusern nicht mit Feuer gekocht werden darf. Kochstellen in der Küche sind ein Risiko in diesem dichten Häuserdschungel. Ein Hausbrand wäre kaum in den Griff zu bekommen. Strom gibt es längst nicht überall.

In einem chinesischen Tempel zündet eine Frau Räucherstäbchen an.

Auf der Straße ist das Essen ohnehin günstiger. Die Verkäufer verdienen daran so wenig, dass sie gerade ihr eigenes Essen bezahlen können. „Und ein paar Räucherstäbchen für den Tempel“, fügt Jackie hinzu. Die meisten Anwohner von Chinatown sind chinesische Buddhisten.

Jackie selbst lebt ein Stück außerhalb der Stadt, denn Wohnungen in Bangkok – selbst hier in Chinatown – sind teuer in einem Land, in dem reine Arbeitskraft fast nichts wert ist. Sie ist Saisonarbeiterin. Einen Teil des Jahres verbringt Jackie in Bangkok, um dort zu arbeiten und Geld zu sparen. In den Erntemonaten arbeitet sie bei ihren Eltern im Norden.

Unsere nächste Station ist der Pak Khlong Talat, Flower Market. Er ist der größte Blumenmarkt der Stadt und rund um die Uhr geöffnet. In seinen dämmrigen Hallen wechseln Blumen aus dem ganzen Land die Hände. Angeliefert werden sie früh am Morgen, weit vor der Morgendämmerung. Hotels und Hochzeitspaare kaufen hier genauso ein wie Großhändler. Es gibt Lotusblüten und Jasmin und Haufen von Orchideen, Lilien, Rosen und Chrysanthemen. Auch importierte Blumen – etwa Tulpen – sind auf dem Flower Market zu haben. Wenn nicht gerade Valentinstag oder Muttertag ist, sind die Preise moderat. Wer keine Blumen sucht, findet auch Lebensmittel.

Am Talad-Pier steigen wir in ein Longtail-Boot um. Die Fahrräder kommen mit. Jetzt dürfen wir uns erst einmal ausruhen und die Fahrt durch die Kanäle genießen. Anwohner baden in der trüben Brühe. Es ist immer noch heiß. Wir überqueren den Fluss und machen uns auf den Weg in eine andere Welt.

Mit dem Rad durch Bangkoks Gärten

Auf der anderen Seite des Chao Phraya ist es ruhiger als in der hektischen Altstadt – und viel grüner. Wie grün, das sehen wir, als wir mit den Rädern wieder aussteigen und zur Weiterfahrt durch „Bangkoks Gärten“ aufbrechen.

Es ist in diesen Gärten nicht weniger eng, aber kühler und leiser als in Chinatown. Der Radweg wird überschattet von Mangobäumen, Papayasträuchern und riesigen Bananenstauden. Es handelt sich um einen echten, als solchen ausgezeichneten Radweg. Auf dem Boden sind in regelmäßigen Abständen mit weißer Farbe Fahrräder gemalt Er ist etwa 80 Zentimeter breit und die Kurven sind akkurate 90-Grad-Winkel. Gegenverkehr in Form von Rollern kommt zwar selten, doch hin und wieder treffen wir auf schlafende Hunde und Bauern bei der Mangoernte.

Rechts und links des Weges ist es teilweise sumpfig. Man muss schon ziemlich akkurat um die Kurven fahren, um nicht vom Weg abzukommen und die Böschung herunter zu purzeln. Aber es ist machbar. Wann immer wir an Häusern und Gärten vorbei fahren, winken uns Menschen hinterher. Kinder laufen neben uns oder kommen uns entgegen und wollen mit uns abklatschen.

Langsam wird es kühler. Der Sonnenuntergang kündigt sich an, als wir nach einer ausgiebigen Tour durch die Gärten und Felder wieder in das Boot steigen, das uns zurück zur Mall bringt. Wir sind uns einig: Fahrradfahren in Bangkok war eine sehr gute Idee.

Warum Fahrradfahren in Bangkok?

Bangkok und Radfahren – passt nicht zusammen. Oder? Doch, tut es. Denn Bangkok hat neben stets verstopften Schnellstraßen und hektischem Verkehr auch ruhige Seiten. Die erreicht man allerdings nicht so leicht mit Bus, Bahn oder Taxi.

Die Radtour

Die Radtour “Bangkoks Schätze” dauert rund sechs Stunden und beinhaltet Räder, Versicherung, Guides, Getränke und ein sehr leckeres spätes Mittagessen in einem Thairestaurant. Kosten pro Person: rund 43 Euro.

In Bangkok gibt es eine ganze Reihe von Radverleihern, die geführte Fahrradtouren in Kleingruppen anbieten und unterschiedliche Strecken mit unterschiedlichen Schwerpunkten abfahren. Ich habe unsere Tour über Get Your Guide gefunden und gebucht, den Voucher ausgedruckt und einfach vor Ort vorgezeigt.

Natürlich kannst du die Radtour auch direkt über den Anbieter buchen, wenn du schon genau weißt, welche Tour du machen willst. Wenn du das noch nicht weißt, kommt hier ein bisschen Inspiration.

Die besten (Fahrrad)-Touren in Bangkok

Weil ich mich vor lauter tollen Tour- und Aktivitäts-Angeboten in Bangkok gar nicht so richtig entscheiden konnte, was ich denn nun da machen soll, hier eine kleine Auflistung meiner Favoriten – mit dem Rad und ohne:

1. Nächtliche Fahrradtour
2. Ayutthaya mit dem Rad
3. Kulinarik-Tour in Bangkoks Altstadt
4. Chinatown und Nachtmärkte
5. Muay Thai: Thai-Boxen

Eine ziemlich coole Mehrtages-Fahrradtour habe ich auch gefunden. Die viertägige Rundtour „Zentralthailand mit dem Rad“ führt von Bangkok nach Kanchanaburi und Ayutthaya und entlang des Chao Phraya wieder zurück nach Bangkok.

Fahrradfahren in Bangkok: Tipps

Lieber am Nachmittag radeln! Dann startet man bei Hitze, aber es wird stündlich kühler. Wer morgens beginnt, startet zwar bei noch angenehmen Temperaturen, sieht sich aber mit steigender Erschöpfung auch steigender Hitze ausgesetzt.

Radtouren gibt es für alle Fitnesslevels. Fahrradfahren in Bangkok ist aber nur etwas für sichere Fahrer – du musst kein Profi sein, aber du solltest auch bei langsamen Geschwindigkeiten gut das Gleichgewicht halten können.

Übrigens: So anstrengend wie gedacht, ist das Fahrradfahren in Bangkok nicht. Da es überhaupt keine nennenswerten Steigungen gibt, ist das Radfahren bei moderatem Tempo eigentlich nicht anstrengender als Laufen – trotz Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit.

Was ist dein Geheimtipp für Bangkok? Sags mir in einem Kommentar!

*Links zu Get Your Guide sind Affiliate Links. Wenn du darüber eine Tour buchst, bekomme ich eine kleine Provision, die zu 100 Prozent wieder in den Blog wandert. Herzlichen Dank für die Wertschätzung meiner Arbeit! Und ebenso herzlichen Dank an Get Your Guide für die Einladung zur Fahrradtour. Meine Meinung ist von dieser Einladung selbstverständlich nicht beeinflusst.

Geschrieben von

... spielt am liebsten draußen. Sie würde einen spontanen Roadtrip immer einem Tag am Pool vorziehen, liebt das Geräusch von Regen auf einem Zeltdach und ist der wohl einzige Mensch auf der Welt, der sich vor Schokolade ekelt.

9 Kommentare

  1. Hi Anna,

    was für eine abgefahrene Idee mit dem Rad durch Bangkok zu radeln. Erkunde zwar selbst total gerne Städte mit dem Rad aber in Bangkok wäre mir sowas nicht eingefallen. Muss ich unbedingt beim nächsten Mal selbst ausprobieren. Danke für den Tipp!

    Grüße
    Andy

  2. Im Spätsommer ist es endlich soweit, dann geht unsere Asia-Reise von Moskau aus los. Wir haben uns aber aus Zeitgründen dazu entschieden Thailand doch für eine separate Reise “aufzuheben”. Die Radtour finde ich klasse, und ich mache mich gleich an die Recherche, in anderen asiatischen Städten muss es das doch auch geben? 🙂

    Ganz lieben Dank für den Tip und der Newsletter war übrigens lang erwartet 😉 Freue mich so auf Deine Impressionen von Nord-Amerika!

    Alles Liebe
    Susanne

  3. “Mit dem Rad durch Chinatown” der Titel hat mich neugierig gemacht. Ich erinner mich daran, wie ich zu Fuss durch Chinatown gegangen bin, durch die engen Gassen und in der Hitze. Nie wäre ich auf die Idee gekommen, da mit einem Fahrrad durchzufahren. Ich weiss aber auch noch, dass die Wege teilweise recht lang waren und man mit dem Fahrrad viel mehr gesehen hätte. Eine tolle Idee.

    Ach und: Deine Fotos sind toll, darf ich fragen mit welcher Kamera Du die machst?

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