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11 Tipps für dein Fastnachtswochenende in Mainz

Hast du am Fastnachtswochenende schon was vor? Nein? Hast du Spaß daran, dich zu verkleiden und mal wieder so richtig zu feiern? Ja? Wunderbar! Dann habe ich heute einen Ausflugstipp für dich: Pack deine Koffer und komm nach Mainz. Dort steigt zwischen Weiberfastnacht und Fastnachtsdienstag mit der Straßenfastnacht eine der größten, besten und ausgelassensten Open-Air-Parties Deutschlands. Die Fastnacht (anderenorts auch als Fasching oder Karneval bekannt) neigt sich dem Ende – bevor sie am Aschermittwoch begraben wird, erreicht sie aber erst noch ihren Höhepunkt – und du kannst live dabei sein.

Vergiss das Oktoberfest, die Fastnacht in Mainz ist besser!

In Mainz soll es sogar Menschen geben, die das ganze Jahr auf die Fastnacht sparen. Leider habe ich noch niemanden getroffen, der das auch ohne Umschweife zugegeben hat, obwohl ich in den letzten Jahren auf dem Rosenmontagszug und auf verschiedenen närrischen Veranstaltungen stichprobenartig herumgefragt habe.

Sicher ist aber: Die Fastnacht ist für einen echten Meenzer (so nennen sich die Mainzer untereinander) auf keinen Fall aus dem Kalender wegzudenken. Für manch einen ist sie sogar mit einer Jahreszeit gleichgestellt – der fünften, närrischen Jahreszeit. Für Außenstehende ist das am Anfang schwer zu begreifen. Doch es wird schnell klar: Zwischen Weiberfastnacht und Aschermittwoch herrscht in Mainz Ausnahmezustand.

Damit der Kulturschock dich nicht zu heftig trifft, habe ich ein paar Tipps zusammengestellt, mit denen du dich mühelos integrieren kannst.

1. Straßenfastnacht vs. Saalfastnacht

Generell wird zwischen der Straßenfastnacht und der Saalfastnacht unterschieden. Die Straßenfastnacht findet ihren Höhepunkt in Mainz mit dem Rosenmontagsumzug. Die Saalfastnacht hingegen ist mit dem Start der Straßenfastnacht schon fast vorbei.

Fastnachtssitzungen und Büttenreden sind nicht jedermanns Sache, deshalb will ich hier nur auf die Straßenfastnacht eingehen. Wenn du dennoch etwas von der Mainzer Saalfastnacht sehen möchtest, empfehle ich dir die TV-Fastnacht: „Mainz bleibt Mainz wie es singt und lacht“ ist DIE Mainzer Institution in Sachen Fastnachtssitzung und hat in Sachen Satire und politischem Witz definitiv die Nase vor vergleichbaren Veranstaltungen aus den Karnevalshochburgen Köln und Düsseldorf. ZDF und SWR wechseln sich jährlich mit der Live-Übertragung aus dem Mainzer Schloss ab.

2. Die Wahl des richtigen Kostüms

Zeig dich am Fastnachtswochenende niemals ohne Kostüm auf einer Mainzer Straße. Das machen nur Eltern, die nur ihrer Kinder wegen auf dem Rosenmontagszug sind, und Fastnachtsmuffel. Die Kostümierung macht die Sache erst interessant.

Der Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt. Als Anregung hier meine aktuellen Favoriten: Bob der Baumeister, ganz einfach aus einer Kombination von blauer Latzhose, gelbem Bauarbeiterhelm und Werkzeuggürtel, Teletubbie, Mila Superstar – mit kurzer roter Sporthose, weißem Poloshirt, Kniestrümpfen, Turnschuhen und Volleyball – und Britney Spears. Und natürlich diese beiden:

Für Singles eignen sich Kostüme, die viel Haut zeigen. PolizistInnen, StripperInnen, Katzen, Krankenschwestern und Bodybuilder haben gute Chancen auf heiße Flirts. Als Mann bist du auch mit einem Piloten- oder Arztkostüm gut beraten. Engel und Teufel, Cowboy und Indianer geht immer – wird aber auf Dauer auch ein bisschen langweilig.

Für die Umzüge draußen brauchst du etwas warmes, am besten etwas, das du über dein normales Kostüm ziehen kannst, um es schnell ablegen zu können, wenn du danach nicht draußen weiter feierst, sondern in einer Kneipe.

3. Lass die Korken knallen!

Lass die Korken knallen! Ja! Fastnacht ist nur einmal im Jahr! Kleiner Insider-Tipp: Bestell dir, wenn du keine Lust mehr hast auf Sekt und Schnäpse, zur Abwechslung mal einen Cola-Schoppen – Weißwein mit Cola. Das ist das Getränk, mit dem Jugendliche hier aufwachsen. Klingt eklig, schmeckt aber lecker. Ehrlich!

4. Der Rosenmontagszug

Den Rosenmontagsumzug ist nicht der einzige Umzug in Mainz, aber mit durchschnittlich rund 5000 Teilnehmern der größte. Er startet um 11 Uhr am Rosenmontagmorgen in der Mainzer Neustadt. Den genauen Streckenverlauf findest du hier. Besonders beliebt bei den Zuschauern sind die Streckenabschnitte rund um Schillerplatz und Höfchen. Gut sehen kannst du hingegen in der Kaiserstraße oder in der Boppstraße.

Wenn du den Umzug unterstützen möchtest, solltest du dir das Zugplakettche kaufen – für 4,50 Euro unterstützt du damit die Finanzierung der Straßenfastnacht. Kaufen kannst du es online oder auch bei diversen Straßenverkäufern.

5. Keine Bonbons!

Manche Besucher gehen besonders gerne auf Fastnachtsumzüge, um sich die Taschen mit Kamellen vollzustopfen. Das sind kleine Geschenke, die die Zugteilnehmer ins Publikum werfen, meist Süßigkeiten. Wenn du jemanden neben dir stehen hast, der einen Regenschirm in der Hand hält, um die Sachen aus der Luft zu fischen, sollte dich das skeptisch machen. Such dir am besten einen anderen Platz. Diese Herrschaften werden schnell aggressiv.

Merke: Ein echter Mainzer bückt sich nicht für Bonbons. Zumindest nicht, wenn er älter ist als zehn Jahre. Profis warten auf Fleischwurst und Trinkbares.

6. Teilen macht Spaß

Schnaps hält warm. Und teilen macht Spaß. Wundere dich nicht, wenn wildfremde Menschen dir einen Klopfer schenken. An Fastnacht liegen sich alle in den Armen. Akzeptieren, klopfen und anstoßen!

7. Helau vs. Alaaf

Bei uns heißt der Fastnachtsruf nicht “Alaaf”. Das sagt man nur im Rheinland. In Mainz heißt das „Helau“. Und darf gerne und häufig laut krakeelt werden.

8. Hier spielt die Musik

Auch die Höhner gehören nach Köln und nicht nach Mainz. Hier sind Margit Sponheimer und Thomas Neger angesagt. „Am Rosenmontag bin ich geboren“ und „Im Schatten des Doms“ solltest du auswendig gelernt haben.

9. Fastnachts-Partys

Nach dem Rosenmontagsumzug sind die Partys im Freien die besten. Bis spät in die Nacht feiern in Mainz tausende Menschen auf der Ludwigstraße, am Höfchen und am Schillerplatz. Straßenpolonäse? Ooooh ja! Wenn du lieber drinnen weiter feiern möchtest, ist das aber auch kein Problem: So gut wie alle Bars und Kneipen haben geöffnet. Um sicher zu gehen, dass du dort später auch rein kommst, kannst du dir bereits während des Rosenmontagszuges einen Eintrittsstempel holen.

Am gesamten Fastnachtswochenende finden in so gut wie allen Mainzer Kneipen und Bars Fastnachtspartys statt. Manche räumen dafür ihr gesamtes Mobiliar zusammen, andere sind rund um die Uhr geöffnet. Im Lomo (kleiner Partytipp) steht nach Fastnacht die jährliche Renovierung an. Die Bar ist dann für einige Tage geschlossen.

10. Essen nicht vergessen

Essen ist wichtig, wird aber gerne vergessen (ungünstig). Beim Bäcker bekommst du Brezeln und Kreppel – vorzüglich um Schnaps, Sekt, Schoppen und Co. aufzusaugen. Weck und Worscht oder Spundekäs’ mit Brezelchen solltest du auch mal probieren.

11. Tränen auf offener Straße

Mach dir keine Sorgen, wenn du am Aschermittwoch reihenweise weinende Erwachsene in der Innenstadt antriffst. Dann an diesem Tag wird die Fastnacht beerdigt und die Fastenzeit offiziell eingeläutet. Während manche zu diesem Zeitpunkt immer noch den Kater auskurieren, kochen bei anderen halt die Emotionen über.

Geschrieben von

... spielt am liebsten draußen. Sie würde einen spontanen Roadtrip immer einem Tag am Pool vorziehen, liebt das Geräusch von Regen auf einem Zeltdach und ist der wohl einzige Mensch auf der Welt, der sich vor Schokolade ekelt.

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