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Fluggastrechte und wie du sie geltend machst [Sponsored]*

Stell dir vor, du sitzt im Flugzeug auf dem Rollfeld. Du freust dich auf deinen bevorstehenden Urlaub, doch deine Maschine kann nicht starten. Stell dir vor, dass Stunden vergehen, bevor du endlich abheben wirst, dass du währenddessen in deinem engen Flugzeugsitz abwarten musst, ohne zu wissen, wann es endlich los geht, und dass du ziemlich machtlos bist. Zwei Freunden von mir ist das passiert.

Sie saßen in einem Flugzeug, das eigentlich abflugbereit war, aber nicht starten konnte. Sie wollten nach Kuba, mitten im Winter. Es hatte stark geschneit, Flugzeuge und Rollfeld mussten enteist werden. Danach dauerte es ziemlich lange, bis die Maschine eine Startfreigabe erhielt, und in dieser Zeit war das Flugzeug erneut vereist. Immer wieder ging das so. Enteisen, auf die Startfreigabe warten, enteisen.

Irgendwann, da hatten die beiden bereits ihre erste Mahlzeit am Boden erhalten, musste das Personal ausgetauscht werden, weil sonst die Schicht mit den schon abgeleisteten Stunden zu lang würde. Als das neue Personal endlich da war, waren wieder Stunden vergangen. Irgendwann hatte die Airline die alkoholischen Getränke ausgepackt und kostenlos an die Passagiere verteilt. Und Essen. Dann mussten neue Mahlzeiten an Bord gebracht werden. Bis sie endlich starteten, waren mehr als zehn Stunden vergangen. Sie durften in dieser Zeit das Flugzeug nicht verlassen, aus Sicherheitsgründen hieß es. Laut Flugplan wären sie längst in Havanna gewesen.

Fluggastrechte: Wer blickt da eigentlich noch durch?

Eine Entschädigung haben die beiden nie gesehen. Höhere Gewalt, erklärte die Fluggesellschaft. Doch was ist das eigentlich, höhere Gewalt? Und in welchen Fällen hätten die beiden einen Anspruch auf Entschädigung gehabt?

Um das herauszufinden und viele weitere Fragen zu beantworten, habe ich die Experten von flightright.de zum Thema Fluggastrechte befragt.

Wie schätzen Sie die geschilderte Situation ein?

Tatsächlich verhält sich in der Regel so, dass schlechte Wetterbedingungen, die einen sicheren Flug bzw. Start und Landung unmöglich machen, keinen Grund darstellen, um Anspruch auf Entschädigungszahlung laut EU-Verordnung über Fluggastrechte zu bekommen. Schließlich ist die Fluggesellschaft nicht für das schlechte Wetter verantwortlich zu machen. Unser Team prüft jedoch, ob sich die Airline gegebenenfalls nur auf schlechtes Wetter beruft, um sich von der Entschädigungszahlung „freizusprechen“. Sollten andere Airlines bei den gleichen Wetterbedingungen trotzdem gestartet sein und ihre Passagiere von A nach B gebracht haben, ist durchaus zu prüfen, ob die betroffenen Passagiere nicht doch Anspruch haben, weil die Airline die Situation falsch eingeschätzt hat oder – wie zuweilen bei Schneefall – nicht darauf vorbereitet war.

Gibt es eine Faustregel, wie viel Geld ich für welche Verspätung kriegen muss?

Im Falle eines Verschuldens durch die Fluggesellschaft können Sie bei einer Verspätung zwischen 250 und 600 Euro als Ausgleichszahlung erhalten. Die Höhe hängt nur von der Flugdistanz ab, nicht von Airline oder Ticketpreis. Bei einer Verspätung von mindestens drei Stunden erhalten Sie für einen Flug bis 1.500 km 250 Euro gewährt. Bei einer Distanz von 1.500 bis 3.500 km sind es 400 Euro. Den höchsten Betrag von 600 Euro erhalten Sie bei langen Flügen jenseits der 3.500 km-Marke. Wichtig ist allerdings: Diese Regelungen gelten nur innerhalb der EU, das heißt, entweder Start- oder Zielflughafen müssen in einem EU-Mitgliedsland liegen.

Mir ist etwas Ähnliches passiert wie meinen Freunden. Allerdings musste ich nicht ganz so lange im Flugzeug ausharren. Auf dem Rückflug von Australien nach Deutschland mit Cathay Pacific verzögerte sich mein Abflug von Hong Kong nach Frankfurt um vier Stunden. Auch in diesem Fall war das Flugzeug schon startklar, wir saßen in der Maschine und konnten nicht mehr raus. Irgendetwas stimmte nicht mit den Toiletten, ein technischer Defekt.

Hätte ich dafür eine Entschädigung verlangen können?

Ist eine Flugverspätung oder –annullierung auf einen technischen Defekt zurückzuführen, so haben die Passagiere ab einer Verspätungszeit von 3 Stunden am Endziel Anspruch auf Entschädigungszahlung. Entscheidend ist aber auch, ob der Flug in den Bereich der Fluggastrechte -Verordnung der EU fällt. Dies ist hier nach den geschilderten Daten nicht der Fall. Bei Flügen aus Drittstaaten in die EU muss auch der Sitz der Fluggesellschaft in der EU sein. Die Cathay Pacific hat ihren Sitz in Hong Kong, sodass für diesen Flug die Verordnung keine Anwendung findet.

Vor wenigen Wochen hat das Sicherheitspersonal am Flughafen Frankfurt gestreikt. Ab etwa Freitagmittag bis zum frühen Samstagmorgen wurden alle Flüge gestrichen. Tausende Menschen waren in Frankfurt gestrandet.

Kann man bei einem Streik Ansprüche auf Entschädigung geltend machen?

Ist die Fluggesellschaft für die Verspätung verantwortlich, haben Sie grundsätzlich einen Anspruch auf Entschädigung. Hauptsächlich tritt dieser Fall bei technischen Defekten auf, wie Sie sie oben beschreiben. Der Streik am Frankfurter Flughafen ist höhere Gewalt, beziehungsweise Fremdverschulden, für das die Airline nicht haften muss – genau wie der Wintereinbruch, der bei Ihren Freunden zur Verzögerung führte. Zu höherer Gewalt zählen neben Streiks nämlich eben auch Unwetter oder Vulkanausbrüche, wie etwa der des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull, der 2009 den Flugverkehr über Nordeuropa tagelang lahmgelegt hat.

Flightright.de ist ein Verbraucherportal, das Reisenden dabei hilft, bei Verspätungen und Flugannullierungen ihre Fluggastrechte einzuklagen. Wer selbst den Weg zum Anwalt scheut oder sich erst einmal unverbindlich über seine Ansprüche informieren möchte, ist dort richtig. Über ein Formular kann berechnet werden, ob es einen Anspruch auf Entschädigung gibt und wie hoch dieser in etwa ausfallen wird. Im Falle einer erfolgreichen Klage erhält Flightright eine Provision.

*Dieser Artikel ist mit Unterstützung von flightright.de entstanden.

Geschrieben von

... spielt am liebsten draußen. Sie würde einen spontanen Roadtrip immer einem Tag am Pool vorziehen, liebt das Geräusch von Regen auf einem Zeltdach und ist der wohl einzige Mensch auf der Welt, der sich vor Schokolade ekelt.

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