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Waikiki Beach, Hawaii. Wo das Surfen erfunden wurde

Hawaii gilt als Geburtsort des modernen Surfens. Nirgendwo auf der Welt brechen die Wellen so regelmäßig wie hier. Nirgends ist das Surfen so fest in der Geschichte verankert. Jahrhundertelang bewegten sich die Hawaiianer auf Brettern durch den Ozean. Kein Ort auf der Welt könnte diese Geschichte besser erzählen.

In Teil 1 meiner Miniserie begebe ich mich auf die Spuren von Duke Kahanamoku und erzähle die Geschichte des modernen Surfens.

Waikiki in der Morgendämmerung. Eine Großstadt direkt am Ozean. Das Meer rauscht. Keine Geräusche, die das Wasser übertönen. Die Hochhäuser in der ersten Reihe sind nur durch eine fast leere, dreispurige Straße vom Strand getrennt. Feiner, weißer Sand setzt sich zwischen meinen Zehen fest, während ich dorthin laufe, wo die Brandung kleine Schaumkrönchen auf dem Sand zurücklässt.

Hier läuft man am besten barfuß, nicht nur auf dem Sand. Guckt auch keiner blöd. Blicke erntest du eher, wenn du geschlossene Schuhe trägst. Die Wellen rollen in regelmäßigen Abständen in die Bucht und an Hals und Armen der großen bronzefarbenen Statue von Duke Kahanamoku wehen Leis, bunte hawaiianische Blumenketten, im Wind.

Der Duke steht mit dem Rücken zum Strand, hinter ihm sein senkrecht aufgerichtetes Surfbrett. Sein Blick fällt auf die Straße. Fast alle schlafen noch in Honolulu. Die Sonne zeigt sich langsam im Osten, hinter dem Diamond Head, der höchsten Erhebung Honolulus, ist es schon fast ganz hell. Der Jetlag hat mich nach draußen getrieben, auf der Suche nach Kaffee. Aber ich bin trotzdem nicht die einzige, die so früh wach ist. Vielleicht ein dutzend Surfer treibt draußen auf dem Wasser. Sie nutzen die Gunst des frühen Morgens.

Eineinhalb Stunden später ist es voll am Kuhio Beach, an dem Duke Kahanamoku die Besucher mit ausgebreiteten Armen und einem Lächeln auf dem metallischen Gesicht begrüßt. Pavillons werden aufgebaut. Daneben werden Schilder, Surfbretter und Bodyboards sauber in Reihen aufgestellt. Das Dröhnen von Motoren auf der Straße übertönt jetzt das Meer und im Wasser schwimmen längst nicht mehr nur ein Dutzend Surfer. Es ist warm geworden an der Südküste von Oahu. Vor der Bronzestatue stehen schon die ersten Touristen in einer Schlange um sich mit dem Duke fotografieren zu lassen.

Es trifft sich gut, dass der mit dem Rücken zum Strand steht. Macht sich besser auf dem Foto als die erste Hochhausreihe in der entgegengesetzten Richtung.

Der echte Duke Kahanamoku hätte dem Wasser niemals den Rücken gekehrt. Es ist die allerwichtigste Regel des Wellenreiters, den Ozean niemals aus den Augen zu lassen. Selbst bei einer Brandung die so regelmäßig ist wie in Hawaii, ist das Meer unberechenbar.

Hier, an dem Ort wo er steht, wurde das moderne Surfen erfunden. Erfunden von ihm, dem mehrfachen hawaiianischen Olympiasieger im Schwimmen und dem späteren Hollywoodschauspieler, der 1905 mit ein paar Freunden den Hui Nalu-Club gründete, den Club der Wellen.

Schon Jahrhunderte zuvor waren seine Vorfahren gesurft, nur mit ihrem Körper, auf Holzbrettern, Baumstämmen oder Binsenbündeln. Surfen ist tief in der hawaiianischen Kultur verwurzelt, der beliebte und berühmte König Kamehameha I. soll ein begnadeter Surfer gewesen sein, dessen Leistungen noch lange nach seinem Tod gerühmt wurden. Doch mit seinem Tod und mit der Ankunft der Missionare wurde der Sport verbannt und geriet in Verruf.

Duke Kahanamoku (rechts) und Johnny Weismüller bei den Olympischen Spielen 1924 in Paris.

Er blieb in Vergessenheit, bis der jugendliche Duke Kahanamoku Anfang des 20. Jahrhunderts am Strand von Waikiki ein neuartiges Surfbrett entwarf, das zwar noch keine Finne besaß, den heutigen Brettern aber schon sehr ähnlich sah. Das „Papa Nui“ wog stolze 52 Kilogramm und war fast 5 Meter lang. Doch es tat seinen Dienst.

Und es tat seinen Dienst nicht nur in den Gewässern von Hawaii, sondern auch in anderen. Mit seiner wachsenden Popularität als Schwimmer und Kanufahrer ließ Duke Kahanamoku die Begeisterung auf das amerikanische Festland überschwappen, wo es in den 50er Jahren zu einem wahren Surf-Boom kam. Selbst die Australier soll er vom Surfen überzeugt haben, der Mann, dessen Andenken am Strand von Waikiki weiterlebt.

Am Strand neben einer geschmückten Bronzestatue werden heute Surfbretter verliehen, die jeder einfach unter dem Arm tragen kann. Nicht nur die Bretter sind leichter geworden, auch das Wellenreiten ist einfacher seit der Erfindung der Finne, die das Steuern des Surfbretts ermöglicht. Und doch hat wenig das moderne Hawaii so sehr geprägt wie Duke Kahanamoku und eben jenes Surfbrett, das den Weg bereitete für das moderne Surfen.

Das Interesse an Duke Kahanamoku ist groß. Wann immer ich in Richtung der Statue schaue, stehen davor Menschen. Sie lassen sich fotografieren, fotografieren sich selbst oder legen dem hawaiianischen Nationalhelden neue Blumenketten um Arme und Hals. Schade irgendwie, dass er die unzähligen Surfer nicht sehen kann, die weit draußen vor dem Kuhio Beach auf ihren Surfbrettern sitzen und auf die perfekte Welle warten.

Er, der dort draußen auf dem Wasser zu Hause war.

Und beim nächsten Mal? In Teil 2 meiner Mini-Serie über das Surfen in Hawaii stelle ich dir die besten Surfspots für Anfänger und Fortgeschrittene auf Oahu, Maui und Big Island vor und verrate dir außerdem, an welchen Stellen du den Profis beim Training zuschauen kannst.

Titelfoto: Loren Javier

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... spielt am liebsten draußen. Sie würde einen spontanen Roadtrip immer einem Tag am Pool vorziehen, liebt das Geräusch von Regen auf einem Zeltdach und ist der wohl einzige Mensch auf der Welt, der sich vor Schokolade ekelt.

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