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Halong Bucht: Kreuzfahrt im Auge des Drachen

Majestätisch ragen die kleinen, steilen Inseln aus dem Wasser. Das türkisblaue Meer rings um sie herum ist ruhig, blauer Dunst hängt an den Kalksteingesichtern der Halong Bucht. Reihe um endlose Reihe thronen sie über dem Wasser, werden in der Ferne vom Dunst verschluckt.

Der Drache, der sich hier einst zum Schlafen niedergelassen und damit diese einzigartige Insellandschaft geschaffen haben soll, zeigt sich handzahm heute. Manchmal aber braust er erzürnt auf, lässt dann das Meer erbeben, Stürme heraufziehen. So glauben es die Fischer, die sich rund um die größtenteils nur von Moosen und niedrigen Büschen bewachsenen Kalksteinfelsen in schwimmenden Dörfern angesiedelt haben, immer im Schatten des Drachen seinem Wohlgefallen ausgeliefert. Dort leben sie seit Jahrhunderten schon von dem, was das Meer ihnen bietet. Und, noch nicht ganz so lange, von den Touristen.

Beim Gedanken an die anderen Touristen macht sich das dumpfe Geräusch wieder bemerkbar, das ich beim Anblick der Felskulisse für einen Moment verdrängt habe. Deutlich dringt das tiefe Brummen leistungsstarker Stromgeneratoren an meine Ohren und erinnert mich daran, dass ich wegen eines dieser Geräte in direkter Nachbarschaft zu meiner Kajüte die halbe Nacht im Wachzustand verbracht habe. Dämmungen sind teuer und deshalb nicht rentabel. Wer sich darüber beschwert, der wird mit einem Lächeln abgespeist: Das sei die Musik des Schiffes, hatte die Crew uns noch fröhlich mitgeteilt, ehe wir uns im Bett herumdrehten und mit den Köpfen am Fußende zu schlafen versuchten, weil es dort wenigstens nicht so stark vibrierte wie am Kopfteil.

Gut 25 Schiffe ankern in unserer direkten Nachbarschaft. Sie alle ähneln unserem, manche ein bisschen schicker, ein bisschen teurer, andere noch heruntergekommener. Die Farbe bröckelt an den Fassaden. Das Salz hat das Holz angefressen. Die Motoren stinken, die alten Taue gammeln vor sich hin. Die Reling ist klebrig von Meer- und fehlendem Putzwasser. In den Kabinen ist es muffig, aber sauber. Über vieles kann man hinwegsehen. Aber nicht darüber, dass hier einfach zu viele Menschen sind. Am Ende, das stellen wir am Morgen nach unserer ersten Nacht an Deck fest, sitzen wir alle im gleichen Boot, wir fahren auf denselben Routen zu denselben Zielen. Wir ankern an derselben Stelle wie die anderen, werden mit hunderten durch Höhlen gescheucht und vertreiben uns den Abend mit Holzstock und Köder an der Reling in der vagen Hoffnung, einen Tintenfisch zu fangen, der sich zwischen all den Dreck gewagt hat, der um unseren Ankerplatz schwimmt und das Wasser verpestet. Wir können der Bucht nicht entfliehen, in denen sich Vietnam-Touristen en Masse tummeln – viel mehr, als die Bucht verträgt. Wirklich genießen können wir sie nur für kurze Momente.

Wer zahlt, wird durchgeschleust.

Um die 800 Schiffe befahren die Halong Bucht, die nordöstlich der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi gelegen ist. Die meisten von ihnen bieten nur Tagestouren an, einige befahren die Bucht über Nacht. Sie alle schippern Touristen auf den gleichen Routen zu den gleichen Zielen. Sie bieten dasselbe Programm. Jeder möchte ein Stück von dem großen Kuchen abhaben, der sich Tourismus nennt. Kaum einmal kommt es vor, dass ein Schiff einen Tag im Hafen von Halong City liegt. Man hat uns versprochen, den Generator zu überprüfen, damit andere Gäste nicht unter dem Lärm leiden müssen. Wir glauben es nicht. Denn dafür müsste das Poseidon im vier volle Tage im Hafen bleiben. Und auf Einnahmen verzichten. Das ist unwahrscheinlich. Nur dann, wenn der schlafende Drache das Meer aufwühlt und Taifune und Stürme über die Felsen brausen, dann ist die Bucht verlassen. Denn dann dürfen die Schiffe nicht auslaufen und die Natur hat ein klein wenig Zeit, sich zu erholen.

Es gibt viel zu sehen in der Halong Bucht in Vietnam, langweilig wird es nicht. Dafür sorgen schon alleine die Frauen aus den schwimmenden Dörfern, die abends um die Schiffe herum fahren und Getränke, Chips, Kekse und Zigaretten verkaufen. Die schönste Aussicht bietet sich frühmorgens oder in der Abenddämmerung. Dann, wenn die Kalksteinfelsen von blauem Dunst ummantelt sind. Der Blick entschädigt auch für die Betriebsamkeit in der Bucht.

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... spielt am liebsten draußen. Sie würde einen spontanen Roadtrip immer einem Tag am Pool vorziehen, liebt das Geräusch von Regen auf einem Zeltdach und ist der wohl einzige Mensch auf der Welt, der sich vor Schokolade ekelt.

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