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Schaurig schön. Hinter den Kulissen des Hamburg Dungeon

Hamburg ist eine wunderschöne Stadt. Wenn du schon mal da warst, weißt du, wieso ich das sage. Du weißt wahrscheinlich auch, dass Hamburg ein Problem hat: Das Wetter. Schietwetter nennen sie das. Wenn ich da bin, regnet es. Ich mag Hamburg trotzdem. Aber was tut man eigentlich bei Schietwetter in Hamburg? Man verkriecht sich ins Warme. Zum Beispiel in den Hamburg Dungeon. Der ist eine von Hamburgs Top-Attraktionen und eignet sich hervorragend für einen Schlechtwetterausflug. Aber was ist eigentlich das Besondere am Dungeon? Um das herauszufinden, habe ich einen Blick hinter die Kulissen geworfen.

Es wundert mich gar nicht, dass es anfängt zu regnen, als ich mich auf den Weg in Richtung Hamburg Dungeon mache. Ich bin das gewohnt. Es hat fast jedes Mal geregnet, wenn ich in der Stadt war. Heute kann es mir egal sein. Ich werde den Tag drinnen verbringen. Da guckst du, Regen. In your face! Ich ziehe mir die Kapuze über die Stirn und setze das trotzigste Gesicht auf, das ich kann. Dann laufe ich weiter entlang der roten Klinkergebäude der Speicherstadt.

Ich mache heute das, was Touristen in Hamburg bei Regen halt so machen. Ich bin allerdings nicht als normale Besucherin da: Ich darf hinter die Kulissen des Hamburg Dungeon gucken.

Der Eingang zum Dungeon ist auf der Rückseite eines ehemaligen Industriegebäudes. Es ist früh am Morgen und Gäste sind noch keine da. Ich selbst kenne den Dungeon auch noch nicht als Gast. Ich habe nur gehört, dass es da drin gruselig sein soll. Ehrlich gesagt: Ich hab sogar Schiss vor Kirmes-Geisterbahnen. Ich bin echt schreckhaft. Warum mache ich das nochmal? Ach ja: War bestimmt wieder so eine Schnapsidee.

Jetzt jedenfalls werde ich mich in eine andere Zeit und eine andere Welt begeben – so steht‘s im Werbeprospekt – und es gibt kein zurück. Bescheuert. Ausgerechnet ich werde da rein gehen und arme kleine Schulkinder erschrecken…

Schauspielleiter Morgan hat mir vorab eine ganze Mappe mit Informationen zukommen lassen. Weil ich mir die vorm einschlafen noch durchgelesen habe, weiß ich einigermaßen über die Abläufe Bescheid. Auf den Seiten stehen wichtige Infos: Richtlinien zum Umgang mit schwierigen Gästen, Rollenbeschreibungen und Text. Den hätte ich eigentlich lernen sollen, aber ich habe es nicht geschafft, mich gründlich vorzubereiten. Das werde ich Morgan gleich beichten müssen.

Schauspielleiter Morgan und seine Kollegin Linda.

Er nimmt mich vor dem Gebäude in Empfang und wir gehen direkt in sein Büro, wo er und Kollegin Linda mir meine Fragen zum Dungeon beantworten und mich gleich auch ein Stück weit beruhigen. Der Dungeon, sagt Linda, will seine Gäste nicht nur erschrecken und gruseln. Stattdessen lässt er die Geschichte der Stadt Hamburg lebendig werden. Die ist an manchen Stellen allerdings halt ein wenig gruselig – da gibt es ein mittelalterliches Tribunal, eine Folterkammer, ein Treffen mit dem Klabautermann…

Ich darf mir das alles schon vor allen Besuchern anschauen – und außerdem im Licht, wenn auch gedimmt. Ohne Spezialeffekte, ohne andere Menschen. Trotzdem erschrecke ich mich jedes Mal, wenn einer der Fäden mein Gesicht oder meine Haare streift, die von der Decke hängen und Spinnweben darstellen sollen.

Jeder Raum steht für ein Kapitel Hamburger Geschichte und in jedem Raum wird nachher ein Schauspieler sein, der alle sieben bis neun Minuten neue Zuschauer betreut und ihnen seinen Teil der Geschichte näher bringt.

Ich lerne, wie die Schauspieler miteinander kommunizieren, ohne dass die Gäste es merken und mit welchen Tricks sie ihr Publikum erschrecken. Jeder Schritt hier unten ist genau durch getaktet – und trotzdem dürfen die Schauspieler immer wieder improvisieren. Müssen sie sogar, denn die Gäste werden im Hamburg Dungeon in die Vorstellung einbezogen.

Ich werde jetzt auch Teil davon. In einer halben Stunde öffnet der Dungeon. Es ist Montag, da kommen erfahrungsgemäß nicht so viele Gäste. Aber es regnet, da kommen dann auch mal mehr. Auf jeden Fall müssen alle bereit sein, wenn die ersten da sind.

Ab in die Maske

Auf diesen Teil habe ich mich besonders gefreut. Ich darf in die Maske. Allerdings ist die hier weit weniger glamourös als ich mir das vorgestellt habe. In der Garderobe hängen Kleider und Perücken an Haken, es gibt einen großen Spiegel und ein paar helle Lampen. In einer Ecke stehen ein Sofa und ein Couchtisch. Noch ist niemand da.

Morgan gibt mir ein dunkles Kleid und ein paar schwarze Stiefel, die ich anziehe. Das sieht sehr mittelalterlich aus. Dann drückt er mir Puderdosen, Cremes, Wattepads und Wattestäbchen in die Hand. Jetzt darf ich mich hässlich schminken. Zuerst muss ich mich blass machen – gebräunter Sonnenteint geht gar nicht, weil: sieht viel zu gesund aus.

Weißer Untergrund, grau an die Schläfen und rund um die Augen herum, rote Streifen unter den Lippen und auf den Augenlidern. Als ich fertig bin, begutachtet Morgan mich. Nein, so nicht! Viel zu wenig! Ich finde mich schon einigermaßen hässlich. Er lacht und fängt an, nachzubessern. „Sich hässlich zu schminken, ist harte Arbeit“, sagt er. Das stimmt wohl.

Nach und nach kommen die anderen Schauspieler. Friede, an deren Seite ich später spielen soll, braucht nur ein paar Minuten, um sich zu schminken. Sie hat jahrelange Erfahrung.

Zum Abschluss bekomme ich Blut ins Gesicht und auf die ebenfalls geweißten Hände. Dann toupiere und zerstrubbele ich meine Haare und erhalte von Friede Anweisungen. Weil ich den Text nicht kann (hüstel), soll ich mich in ihre Nähe stellen, nichts sagen und die Zuschauer mit großen Augen beobachten. Sie will so tun, als habe sie Angst vor mir. „Wenn die Leute denken, dass sogar ich vor dir Angst habe, dann gruseln sie sich umso mehr“, erklärt sie. Ich soll auch aufpassen, keine übertriebene Mimik an den Tag zu legen: „Das wirkt schnell albern.“

Und dann laufen wir auch schon gemeinsam zum Fahrstuhl. Der ist die erste Etappe für die Besucher. Hier werden sie alle begrüßt. Friede fragt jeden einzelnen nach Namen und Herkunftsort, reißt Witze über dies und das und versucht, die Leute in Gespräche zu verstricken. Ich starre derweil vor mich hin. Manche haben mich bemerkt, andere noch nicht. Ich bin ein Schatten.

„Am schlimmsten sind die Schulklassen. Die Schüler wollen sich oft nicht auf die Show einlassen. Dann muss man genau wissen, wie man sie zur Ordnung rufen kann, ohne aus der Rolle zu fallen.“

Friede, Schauspielerin im Hamburg Dungeon

Als die die Zeit gekommen ist, geht es in den Fahrstuhl und der ein oder andere erschrickt dann doch gehörig, als er an mir vorbei läuft und mich plötzlich bemerkt. Ziel erreicht. Wir fahren mit den Gästen in den Keller und überlassen sie ihrem Schicksal. Dann fahren wir wieder hoch. Es geht von vorne los. Dreimal spielen wir diese Szene. Das Publikum reagiert jedes Mal anders. Jedes Mal entwickelt sich eine Gruppendynamik, auch wenn die Gäste sich vorher gar nicht kennen. „Am schlimmsten“, sagt Friede, „sind die Schulklassen. Die Schüler wollen sich oft nicht auf die Show einlassen. Dann muss man genau wissen, wie man sie zur Ordnung rufen kann, ohne aus der Rolle zu fallen.“

Irgendwann werden meine Augen vom ständigen Starren trocken und ich bin froh, dass Linda mich aus der Vorführung holt. Genug Hinter-den-Kulissen-Action für diesen Tag.

Rollenwechsel: Besucher. Abgeschminkt und in meinen eigenen Klamotten schaue ich mir noch einmal die ganze Show an. Bis auf Wildwasserbahn und Free-Fall-Tower kenne ich zumindest schon den Weg durch den Hamburg Dungeon. Kann also nicht so schlimm sein. Trotzdem: Ich erschrecke mich wieder jedes Mal, wenn eines der Bänder von der Decke meinen Kopf streicht.

Informationen: Der Eintritt in den Hamburg Dungeon kostet regulär 24,95 Euro. Wer sein Ticket im Internet bucht, kann ordentlich sparen. Dann kostet es nämlich nur noch 14,90 Euro. Allerdings musst du dich dann vorab auf einen Termin festlegen. Der Dungeon hat täglich (außer Heiligabend) von 10 bis 18 Uhr geöffnet, im Juli und im August bis 19 Uhr. Weitere Informationen gibt es auf der Website des Dungeon.

Transparenz: Zu meiner Reise nach Hamburg wurde ich von Hamburg Tourismus eingeladen. Vielen Dank dafür! Dieser Text ist davon wie immer in keiner Weise beeinflusst und die wiedergegebenen Aussagen und Meinungen sind selbstverständlich meine eigenen.

Geschrieben von

... spielt am liebsten draußen. Sie würde einen spontanen Roadtrip immer einem Tag am Pool vorziehen, liebt das Geräusch von Regen auf einem Zeltdach und ist der wohl einzige Mensch auf der Welt, der sich vor Schokolade ekelt.

4 Kommentare

  1. Das hört sich eigentlich ganz interessant und lustig an auch wenn ich mich vor jedem Scheiß erschrecke 😀
    Voll cool, dass du da mitmachen durftest 🙂
    Bei einem Besuch in Hamburg wird das eines meiner Ziele sein.

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