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Welcome to Wimmelbildland

Indien ist nicht nur schwer in Worte zu fassen. Indien ist nicht mit Worten zu beschreiben. Da sind einzelne Geschichten, die man erzählen könnte. Zählen kann man sie nicht. Es sind viel zu viele, genau wie es zwischen Cochin und Delhi und zwischen Mumbai und Kalkutta viel zu viele Menschen gibt, die ein einziges riesiges Wimmelbild auf die Straßen Indiens zeichnen. Ein Bild, das sich mit jedem Augenzwinkern verändert. Mit jedem flüchtigen Seitenblick erzählt es neue Geschichten.

Mir fehlt die Zeit, all diese Bilder und Geschichten einzufangen und zu verarbeiten. Ich war nicht darauf vorbereitet. Man kann darauf nicht vorbereitet sein.

In Indien gewinnt nicht der klügste, sondern der schnellste. Der, der zuerst auf sich aufmerksam macht. In diesem Land leben so viele Menschen, dass es anders gar nicht geht. “Survival of the fastest” nennen die Einwohner das, natürliche Selektion durch Schnelligkeit. Wer in Mumbai an einer Kreuzung im Auto wartet, schaut nicht auf die Verkehrs-, sondern auf die Fußgängerampel. Das bringt beim Anfahren im dichten Stadtverkehr etwa zehn Sekunden Vorteil.

In den Massen, die sich homogen durch die Straßen bewegen, ist jeder einzelne ein Mensch mit eigener Persönlichkeit. Jeder einzelne von 1,25 Milliarden. Frauen, Männer, Kinder, Alte, Superreiche und Bitterarme. Ein Gewusel, das auf den ersten Blick erschlägt und auf den zweiten Blick überfordert. Ein Bild, das noch in der relativen Einsamkeit eines abgeschotteten Touristenhotels auf der Netzhaut nachbrennt wie Lichtflecken nach einem direkten Blick in die Sonne.

In diesem Land, das purer Stress ist, bin ich gelassener als jemals zuvor. So gelassen bin ich nie in der Einsamkeit der Berge gewesen und auch nicht im Kreis meiner liebsten Menschen.

Indien ist eine Flut der Kontraste. Kontraste sind für das menschliche Gehirn nur bis zu einem gewissen Grad zu ertragen. Das Land ist aufgeräumter und dreckiger und ordentlicher und chaotischer und freundlicher und ruppiger als jedes andere Land, das ich kenne. Menschen, die ich nie vorher gesehen habe, lächeln mich an und winken mir zu. Nicht, weil sie mir etwas verkaufen wollen, sondern weil sie sich freuen, mich zu sehen.

Mit der Kamera lässt Indien sich zähmen, bannen, in Momentaufnahmen frieren. Wenn ich diese Fotos betrachte, weiß ich eins: Ich will zurück – und zwar für länger.

Ihr wollt noch mehr Bilder sehen? Dann schaut mal bei Kathi und Romeo von Sommertage vorbei: In Die Gesichter Indiens stellen die beiden ihre Lieblingsfotos aus Indien vor.

Ich mag ja besonders gerne gedruckte Fotos. Deshalb lege ich euch auch noch einen wunderbaren Bildband vom besten Indien-Fotografen der Welt ans Herz, wenn ihr euch genau wie ich nicht sattsehen könnt an Fotos aus dem Wimmelbildland. Steve McCurry. Indien*

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Geschrieben von

... spielt am liebsten draußen. Sie würde einen spontanen Roadtrip immer einem Tag am Pool vorziehen, liebt das Geräusch von Regen auf einem Zeltdach und ist der wohl einzige Mensch auf der Welt, der sich vor Schokolade ekelt.

11 Kommentare

  1. Mein nächstes Reiseziel, in ein paar Monaten geht’s los. Bin vor 2 Monaten aus Sri Lanka zurückgekommen und freu mich mega auf Indien. Danke für die Eindrücke inzwischen und die Lustaufmehr 🙂 …ausserdem hast generell nen geilen Blog 🙂

    alles liebe 🙂

  2. Hallo Ann,

    … Menschen, die ich nie vorher gesehen habe, lächeln mich an und winken mir zu. Nicht, weil sie mir etwas verkaufen wollen, sondern weil sie sich freuen, mich zu sehen…

    Ich reise gerade für sechs Monate durch “Indien light” oder besser gesagt Sri Lanka. Vor einigen Jahren habe ich mich in dieses Land und die Menschen verliebt. Nach meinem ersten Besuch war mir auch schon klar, dass ich es hier auf jeden Fall mal länger aushalten würde. Nach mehreren “normalen” Besuchen, bin ich nun mitten drin!

    Danke für die tollen Fotos und den sehr ansprechenden Text.

    Grüße, Markus

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