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Montreal–Vancouver: 5000 Kilometer nach Westen

Ein Auto. Zwei Personen. Vier Wochen. 5000 Kilometer.
Ein Kanada-Roadtrip von Montreal nach Vancouver.
Mit Abstechern in die USA.

Es war Januar. Ein kaltes Januarwochenende. Ich wollte arbeiten, aber ich ließ mich ständig ablenken. Irgendwann landete ich auf einer Flugsuchseite. Aus einer Laune heraus suchte ich dort nach Flügen. Flügen nach Neuseeland, in die USA und nach… Kanada. Treffer! Ich fand Flüge nach Montreal. Für schlappe 400 Euro hin und zurück.

Eine Stunde später hatten wir die Tickets für unser größtes Abenteuer des Jahres gebucht. Hach! Kanada! Wie lange ich da schon hin will! Natur, Wandern, Kajak fahren, Bären beobachten. Endlose Weite, malerische Berge und Seen! Ein Kanada-Roadtrip! Ich konnte kaum erwarten, dass es los geht. Jetzt ist es endlich so weit. Während du diesen Text liest, bin ich schon am Packen.

Ich hätte meine Reisepläne schon viel früher mit dir geteilt. Ehrlich. Nur: Ich wusste ja selbst bis vor kurzem noch nicht, wie meine Pläne überhaupt aussehen. Jetzt steht fest: Wir haben einen Mietwagen. Den holen wir in Montreal ab und 28 Tage später geben wir ihn in Vancouver wieder zurück.

Von Montreal nach Vancouver.
Stationen eines USA-Kanada-Roadtrips

Es kann sein, dass wir ganz spontan alle unsere Pläne wieder über den Haufen werfen und eine völlig andere Strecke fahren. Aber ein paar fixe und ein paar Wunschstationen gibt es natürlich schon. Und die stelle ich dir hier vor.

Montreal. Das erste Mal auf kanadischem Boden

Montreal ist Start- und Endpunkt der Reise. Und eine gute Gelegenheit, mein Französisch mal wieder aufzupolieren. Weil, bester Tipp bislang: In Ostkanada darfst du niemals, nie (also jamais) jemanden einfach so auf Englisch ansprechen. Dann denken sie, du bist Amerikaner. Und Amerikaner mögen sie nicht. Wenn sie aber wissen, dass du Europäer bist und nur kein Französisch sprichst, unterhalten sie sich auch auf Englisch mit dir. Werde ich überprüfen.

In Montreal regnet es im Juni auch nicht mehr als in den anderen Monaten. Eher ein bisschen weniger. Im Falle des Falles kann man sich aber auch bei Regen durch die Stadt bewegen, ohne nass zu werden. Denn Montreal hat mit seiner „Ville Souterraine“ ein klimatisiertes, gut beleuchtetes und modernes Geflecht von unterirdischen Fußgängerwegen mit Anschluss an so ziemlich alles, was man braucht. Es gibt eine ganze Stadt unter der Stadt. Inklusive Kinos, Bars und Restaurants – und natürlich inklusive der Eingänge zu überirdischen Bürotürmen, Hotels und Einkaufscentern. Spannend! Den botanischen Garten würde ich mir auch gerne ansehen. Er soll nämlich einer der schönsten weltweit sein.

Toronto: Strand, Architektur und Design

Wenn ich den Empfehlungen aus meinem Bekanntenkreis Glauben schenken darf, muss Toronto eine der hippsten Städte dieses Planeten sein. Was ich garantiert NICHT machen werde: Den Edge-Walk auf dem CN Tower. Dabei wird man gesichert und kann dann am äußeren Rand der Plattform in 356 Metern Höhe einmal rundherum laufen. Freihand. Ohne Geländer. Ohne mich.

Definitiv vorher noch verschlingen werde ich den Designer’s Guide to Toronto von On The Grid. Darin stellen kreative Köpfe ihre Lieblingsorte vor und das finde ich eine sehr coole, sehr persönliche Sache. Ich hoffe auf ein paar Designschätze. Außerdem freue ich mich auf: Architektur und Strand, yeah! Zwar noch nicht am Meer, aber besser als nichts.

Stürzende Wassermassen: Die Niagarafälle

Es wäre wohl eine touristische Todsünde, nicht zu den Niagarafällen zu fahren. Außerdem schätze ich, dass ich mich darüber mein Leben lang ärgern würde. Obwohl ich fürchte, dass die Fälle ungefähr so überlaufen sind wie die vietnamesische Halong Bay, stehen sie also auf dieser Liste.

Man kann da einfach nicht nicht vorbei fahren, wenn man schon in der Gegend ist. Und wer weiß – vielleicht gebe ich mir ja mal die volle Touri-Dröhnung und fahre mit der Maid of the Mist in den Wassernebel.

Die gefährlichste Stadt der USA: Detroit

Von Toronto aus geht es über die Grenze in die USA. Erste Station dort wird vermutlich Detroit sein. Ich höre schon, wie ihr jetzt so vor euch hin murmelt: Detroit – was will sie denn ausgerechnet in Detroit… Ich kann dazu nur sagen: Ich mag halt Städte, die nicht auf Hochglanz poliert sind. In denen nicht an jeder Straßenecke ein Starbucks steht, in denen aber dafür jede Ecke Geschichten erzählt.

Außerdem – ich weiß nicht, ob das ein hehres Ziel ist oder ob es einzig und allein auf einem seltsamen und geografisch fehlgeleiteten Auswuchs von Wild-West-Romantik fußt  – will ich von mir behaupten können, dass ich schonmal in der gefährlichsten Stadt der USA war. Bämm.

Nur für sturmsichere Frisuren: Chicago

Noch so eine Stadt, in die ich schon immer, immer, immer mal wollte. The Windy City. Ehrlich gesagt: Ich weiß gar nicht, warum. Weil: Ich weiß eigentlich kaum was über Chicago. Deshalb lautet der große, alles überschattende Plan für den Besuch: Treiben lassen. Große Lust habe ich außerdem auf Stand-up Paddling am Michigansee, faul sein am Strand, einen Besuch im Garfield Park Conservatory und die Suche nach den schönsten Murals der Stadt. Spätestens seit meiner Mural Arts Tour in Philadelphia bin ich ein großer Fan der Wandgemälde. Der Mural Arts Locator hilft beim Aufspüren der schönsten Kunstwerke. Tolle Sache.

Nach Westen: Die Great Plains oder Kanadas Prärie

Chicago und die nächste Station, Banff, liegen Luftlinie rund 2350 Kilometer auseinander. Dazwischen ist viel Nichts, was ich durchaus reizbar finde.

Es gibt zwei Routenoptionen: Die kürzere Strecke führt über 2700 Kilometer von Chicago aus durch Wisconsin und Minnesota nach Norden, über die kanadische Grenze und bis Winnipeg. Von dort geht es durch die Präriestaaten Manitoba und Saskatchewan weiter in Richtung Westen. Die etwa 100 Kilometer längere Alternativroute führt zunächst in den USA nach Westen: Über Mount Rushmore und vorbei am Yellowstone Nationalpark durch die Great Plains und dann nach Norden Richtung Calgary und Banff. Entscheiden werden wir uns ganz spontan. So ein Roadtrip muss ja auch ein bisschen spannend bleiben.

Ab in die Berge: Die Rocky Mountains, Banff & Jasper NP

Diese beiden Nationalparks stehen schon seit Ewigkeiten auf meiner Reisewunschliste – damals gab es die ganzen hippen Instagrammer noch gar nicht, die dort quasi nur hinfahren, um ein schönes Foto von einem bunten Kanu am Lake Louise zu knipsen. Rund um Banff und Jasper gibt es unendlich viele wunderschöne Wanderwege und ich würde am liebsten jeden einzelnen davon laufen. Aber dann müssten wir die vier Wochen auch gleich komplett in Alberta verbringen. Einige Wanderungen stehen definitiv auf dem Plan – genauso wie Bärenbeobachtung und mindestens eine Kanufahrt. Und wer weiß, vielleicht werde ich dann auch zu einem waschechten Instagrammer. Aber vielleicht genieße ich es auch einfach, da zu sein, anstatt das perfekte Foto zu inszenieren.

Das Beste zum Schluss: Vancouver

Wenn es eine Stadt gibt, von der ich noch mehr Menschen habe schwärmen hören als von Toronto oder New York City, dann ist das Vancouver. Ganz besonders freue ich mich auf Stanley Park mit Siwash Rock, Seawall und Beaver Lake, eine Wanderung über den Grouse Trail auf den Grouse Mountain, von dem aus man die ganze Stadt überblicken kann und auf Spaziergänge im Regenwald.

Und jetzt? Sommerpause!

Während ich mit meinem Lieblingsmenschen über die endlosen Straßen Nordamerikas fahre, wird es hier erstmal keine neuen Geschichten zu lesen geben. Aber du kannst unser Abenteuer natürlich trotzdem verfolgen: Auf Instagram und Facebook. Und wenn ich wieder zurück bin, berichte ich. Versprochen.

Vielen Dank an Benjamin Combs, Annie Spratt, Urformat, Doug Zuba, Erol Ahmed, Thomas Lefebvre, Kalen Emsley und Gabriel Santiago für die Bilder.

Geschrieben von

... spielt am liebsten draußen. Sie würde einen spontanen Roadtrip immer einem Tag am Pool vorziehen, liebt das Geräusch von Regen auf einem Zeltdach und ist der wohl einzige Mensch auf der Welt, der sich vor Schokolade ekelt.

8 Kommentare

  1. Ina

    Hallo Anna, danke für deine Erlebnisse, die du hier teilst.
    Ich habe mich nie gross für Kanada interessiert, aber immer wieder Menschen davon mit Begeisterung erzählen gehört.
    Nach 9 Jahren Ehe, mit dem Mann, desen Eltern in Kanada leben, haben meine Schwiegereltern geschafft, dass wir nächstes Jahr nach…. Vancouver :))))) fliegen.
    Ich informiere mich hier und da, schaue mir großartige Fotos an und freue mich mittlerweile riesig auf die Reise.
    Danke auf den Vorgeschmack :)))

    • Danke 🙂 Ich glaube, dass ich sogar bei dir zum ersten Mal was über Detroit gelesen habe und dann dachte, ach ja, könntest du auch mal machen, hört sich ziemlich gut an… Ich bin gespannt und werde sicher ein paar deiner Tipps beherzigen. Auch wenn ich leider viel zu wenig Zeit haben werde, um mir alles anzuschauen.

      Liebe Grüße!
      Anna

  2. Ich wünsche Dir ganz viel Spaß auf Deinem Roadtrip 🙂 Auf die Bilder und tollen Geschichten bin ich natürlich gespannt, vor allem auf Banff. In Chicago kann ich Dir die Billy Goat Tavern empfehlen (Highlight für den Blues Brother’s Fan, hier wurde gedreht) und eine Runde mit dem Wassertaxi fahren darf natürlich auch nicht fehlen 🙂

    PS: eine Postkarte aus Canada hab ich noch gar nicht an meiner Wand! 🙂

    Alles Liebe!

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