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Sofia, Bulgarien. Erkenntnisse eines Kurztrips

Vor etwas mehr als einem Jahr habe ich meine Freundin Neli auf eine Hochzeit in Bulgarien begleitet. Wir haben drei tolle Tage in Sofia verbracht, in denen Neli gar nicht viel dazu beitragen musste, dass ich mich Hals über Kopf in die bulgarische Hauptstadt verliebe. Und dass, obwohl sie auf den ersten Blick nicht die hellste Lampe im Kronleuchter des Ostblocks ist. Da gibt es andere Städte, die viel heller strahlen und sauberer glänzen. Sofia ist nicht wie Prag oder Budapest. Es ist dreckig, heruntergekommen, verschroben und saucool. Wieder zu Hause stellte ich fest, dass die Stadt mich ziemlich sprachlos gemacht hatte. Und deshalb schulde ich euch bis heute einen Artikel.

Zum Glück reise ich nie ohne Notizbuch. Das ist mir vor ein paar Tagen beim Aufräumen wieder in die Hände gefallen. Und mit ihm kamen die Erinnerungen zurück. Ein Kurztrip nach Sofia. Ein paar Randnotizen.

Wer sich im Taxi anschnallt, ist ein Tourist.

Es ist das erste, was ich lerne. Neli holt mich mit dem Taxi vom Flughafen ab. Taxifahren kostet in Bulgarien fast nichts. Reflexartig greife ich nach dem Einsteigen nach dem Gurt, doch Neli hält meinen Arm fest. Mit einem mulmigen Gefühl im Bauch lasse ich den Gurt wieder los.

Hier rauchen alle.

Ganz vorneweg unsere Gastgeberin Buba, an deren Wohnung das Taxi uns absetzt. Normalerweise rauche ich nur ganz selten, aber ich glaube, ich habe noch nie in meinem Leben auf einer Reise so viel geraucht. Das liegt daran, dass Buba für Philip Morris arbeitet. Weil sie so gute Arbeit macht, wird sie zusätzlich in Zigaretten bezahlt. Mit denen geht sie sehr spendabel um.

Die E-Zigarette ist das neue IT-Piece.

Auch in Bulgarien ist natürlich schon angekommen, dass Rauchen gesundheitsschädlich ist. Auch deshalb hat die E-Zigarette hier Hochkonjunktur. Die meisten rauchen sie aber streng genommen nicht als Ersatz für echte Zigaretten, sondern damit sie ihrem Körper auch in den Pausen zwischen zwei Kippen noch Nikotin zuführen können.

Ein Essen ist nicht komplett ohne Schafskäse.

Und das ist auch gut so. Pommes werden wahlweise mit geriebenem Schafskäse oder mit geriebenem Schafskäse und Olivenöl serviert. Genau wie alle anderen Gerichte eigentlich auch. Überbacken ist einfach besser.

Eine Schafskäse-Fresskoma lässt sich mit Rakia bekämpfen.

Rakia ist das Nationalgetränk der Bulgaren und hat je nach Zubereitungsweise zwischen 30 und 70 Prozent Alkoholanteil. Weil jeder sich das Zeug selbst braut, weiß man nie so genau, wie viel drin ist. Es sei denn, man kauft ihn im Laden. Dann hat er etwa 45 Prozent. Rakia wird aus eingelegtem Obst hergestellt und die Qualität kann ganz einfach festgestellt werden: Einfach einen Tropfen auf dem Handrücken verreiben. Wenn die Hand süßlich riecht, ist alles gut. Wenn sie nach Spiritus riecht, sollte man das Zeug lieber weg kippen.

Das goldene McDonalds-M harmoniert prächtig mit den Bauten aus der Kommunismus-Ära.

Aber zu McDonalds gehen wäre Blödsinn. Weil das bulgarische Essen mindestens genauso fett ist, nicht mehr kostet und viel besser schmeckt.

Die Wachen vor dem bulgarischen Präsidentenpalast gucken noch strenger als die in London.

Vielleicht liegt das daran, dass sie objektiv betrachtet eines der schönsten Gebäude von Sofia bewachen. Genau wie ihre Kollegen am Buckingham Palace bewachen sie den Regierungssitz mit versteinerten Körpern und Mienen. Einmal pro Stunde bewegen sie sich zur Wachablösung.

Stationäre Blitzer sind nicht bestechlich.

Polizisten hingegen schon. Deshalb sei es auch relativ unbedenklich, durch die Stadt zu heizen, erklärt uns ein Freund von Buba und Neli. Wird man von der Polizei erwischt, legt man einfach ein paar Scheine in seine Papiere, wenn man sie zur Kontrolle aus dem Auto reicht. Bei stationären Blitzern funktioniert das leider nicht. Man muss sich deshalb gut merken, wo sie stehen.

Trabis fahren ewig.

Oder vielleicht haben sie hier noch irgendwo eine Fabrik. Offiziell lief der letzte ja 1991 in Zwickau vom Band. Hier sind sie immer noch auf den Straßen zu sehen.

Katzen gibt’s da auch…

Geschrieben von

... spielt am liebsten draußen. Sie würde einen spontanen Roadtrip immer einem Tag am Pool vorziehen, liebt das Geräusch von Regen auf einem Zeltdach und ist der wohl einzige Mensch auf der Welt, der sich vor Schokolade ekelt.

6 Kommentare

  1. Lorena

    Hallo! Ein wirklich schöner Bericht =) Fahre nächstes Jahr zusammen mit einer Freundin nach Sofia und wollte mich schon mal mit deinem Artikel in Stimmung bringen =) Vielen Dank und schöne Grüße aus Grächen

  2. Ingeborg

    Hallo, Anna! Da sieht man mal wieder, wie gut es ist, wenn man Tagebuch schreibt. Ich finde es toll, dass du deine Erinnerungen an diese schöne Reise auf diese Weise wieder hervorholen und genießen kannst. Ich habe immer meine Jahreskalender vollgekritzelt im Urlaub oder bei einem besonderen Tageserlebnis. Tschüüüüß…

  3. Vor gefühlten Ewigkeiten war ich auch einige Male in Sofia – viel ist mir nicht mehr in Erinnerung (liegt aber eher an meinem schlechten Gedächtnis). Bis aufs Rauchen und Essen – obwohl nicht was für jeden Tag, liebe ich die bulgarische Küche! Und das Rauchen… von da aus habe ich mir zu Raucherzeiten immer früher Zigaretten mitgebracht 🙂

    Übrigens: stimmungsvolle Fotos, gefallen mir gut!

    Liebe Grüße,
    Tatiana

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