Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten, 59 Sekunden

Kommentare 0

Wenn die Nächte länger werden: Lappland im Herbst

Wenn die Blätter der Birken sich gelb färben und die Rentiere auf der Suche nach den schmackhaftesten Pilzen durch die Wälder streifen, um sich ein Fettpolster zuzulegen, wenn die letzten Strahlen der untergehenden Sonne sich schon am frühen Abend im Wasser der unzähligen Seen spiegeln, wenn das Seewasser und die Nächte kälter werden, dann ist Herbst in Lappland.

Der Herbst ist kurz in Lappland. Er hat etwas melancholisches an sich, aber auch etwas sehr fröhliches. Vielleicht sind die Wälder in zwei Wochen schon in Schnee gehüllt und die Seen von einer Eisschicht bedeckt. Das Laub färbt sich am Polarkreis viel schneller und intensiver als weiter unten im Süden. Die Bäume leuchten in gelb und orange. Ehe man Oktober sagen kann, haben sie ihre Kleider schon abgeschüttelt.

Der Winter herrscht hier oben rund acht Monate lang. Im Herbst legen deshalb nicht nur die Rentiere Fett-Vorräte an. Auch die Menschen sammeln, was die Natur hergibt: Die vielen nahrhaften, mitternachtssonnenverwöhnten Beeren, die die Böden der endlosen Wälder säen, die vitaminhaltigen Wildkräuter und die Pilze, die noch keine Rentierschnauze gewittert hat.

Sie kochen und frieren ein, trocknen, was im Winter nicht draußen zu bekommen ist und essen, was die Töpfe hergeben. Rentier-Geschnetzeltes ist einfach und köstlich. Die Pilze schmecken besonders intensiv. Die Kartoffeln, die hier wachsen, sind auch pur ein Genuss. Das Elchgulasch ist herrlich zart und saftig und schmeckt so gar nicht nach Wild. Ein herb-süßes Beerenmus rundet alles Herzhafte ab.

Die Jagd auf Elche und Bären beginnt ebenfalls im Herbst. Jedes Jahr wird festgelegt, wie viele Tiere geschossen werden dürfen. Wer einen Bären erlegt, muss das sofort melden. Doch die Bären sind Meister der Tarnung. Wenn die Jagdsaison beginnt, sagen die Jäger, fliehen die Tiere über die Grenze nach Russland. Dort, in den Weiten des Paanajärvi-Nationalparks können die finnischen Jäger ihnen nichts mehr anhaben.

Die Grenze ist streng gesichert, jeder Übertritt wird geahndet – sofern der Übeltäter identifiziert werden kann. Zwar ist da kein Zaun und keine Mauer. Nur ein paar hohe, gelbe Pfähle im Wald markieren die Staatsgrenze, und einfache Tore mit Warnschildern halten den Verkehr auf den Forstwegen von der Überquerung ab. Kameras überwachen Straßen und Wälder. Ohne Visum und Kontrolle darf keiner auch nur die Nase über eine Absperrung halten, auch nicht für ein schnelles Erinnerungsfoto.

Da verstehen die Russen keinen Spaß, sagen die Finnen. Ich kann mir vorstellen, dass da was dran ist, also behalte ich meine Nase in der EU. Diesmal. Obwohl ich schon immer mal den Weihnachtsmann besuchen wollte…

Der lebt nämlich auch in dieser Wildnis zwischen Finnland und Russland. Sein Zuhause ist Rovaniemi, die Hauptstadt Lapplands. Und seine geheimen Werkstätten, in denen die Wunschlisten von Kindern aus aller Welt abgearbeitet werden, befinden sich laut dem Kinderbuchautor Mauris Kunnas am Fuße des Korvatunturi.

Dieser Korvantunturi wiederum ist ein Berg im Urho-Kekkonen-Nationalpark, auf dem finnisch-russischen Grenzstreifen. Seine Moore, Wälder und Hochflächen sind so wild und abgeschieden, wie man sich das so vorstellt für das geheime Geschenkeversteck des Weihnachtsmannes. Wer durch den Park zum Korvatunturi wandern will, sieht mitunter tagelang niemanden.

Wandern ist übrigens eine der schönsten Möglichkeiten, den Herbst in Lappland mit allen seinen leuchtenden Facetten zu erleben. Egal, ob die Sonne mild und golden scheint oder ob Nebelschwaden die Wälder in mystisches Licht tauchen: Wer im Herbst in Lappland wandern geht, ist zur schönsten Jahreszeit unterwegs.

So lange auf dem See kein Eis ist, ist das Wasser nicht kalt. – Finnische Weisheit

Es trifft sich gut, dass die Finnen zur Entspannung nach langen Wanderungen (oder auch einfach nur so) ein sehr wirkungsvolles Rezept haben: Man nehme eine heiße Dampfsauna, einen Birken- oder Wachholderstrauß, mit dem durch Auspeitschen beim Schwitzen der Kreislauf angeregt wird, einen eiskalten See zum Abkühlen und im Anschluss einen süßen Smoothie aus (selbst gesammelten) Blaubeeren, Moosbeeren oder Preiselbeeren – oder einfach einen warmen Holundertee.

Damit setzt du dich, am besten in einen Bademantel gehüllt und mit dem Saunahut auf dem Kopf, ans Seeufer und beobachtest, wie die Sonne langsam im See versinkt. Sie wird sich in den erst im Frühsommer wieder lange zeigen.

Wenn du lange genug wartest und ein bisschen Glück hast, kannst du später am Abend die Nordlichter beim Tanzen beobachten. Wenn es ganz dunkel ist, werden die grünen, roten und lilafarbenen Lichter am Himmel sichtbar. Der Herbst ist die beste Zeit, sie zu beobachten. Dann sind die Nächte schon kurz und dunkel genug und der Boden noch nicht zu hell. Sobald dort Schnee liegt, konkurriert sein Weiß mit den Lichtern.

Lappland im Herbst: So kommst du hin

Direktflüge nach Rovaniemi, die Hauptstadt von Finnisch-Lappland, gibt es nur im Winter; im Sommer und im Herbst ist Oulu der nächstgelegene Flughafen. Nach Oulu wiederum geht es in der Regel mit Zwischenstopp in Helsinki.

Von Oulu dauert die Fahrt nach Kuusamo mit dem Mietwagen rund zwei Stunden. Die Strecke ist sehenswert und du solltest sie am besten bei Tageslicht fahren. Dann ist es auch leichter, den Rentieren auszuweichen, die hier ständig die Straßen überqueren oder auch mal seelenruhig darauf vor dir herlaufen. Sobald du die Kamera zückst, laufen sie allerdings schnell weg.

Das solltest du nicht verpassen

Traditionelle Rauchsauna, Torfsauna, Kräutersauna: Die Finnen kennen viele Arten von Sauna. Saunahopping ist die beste Art, sie alle kennenzulernen. Das geht zum Beispiel mit Saunatour, einem Zusammenschluss aus Premium-Saunas in der Region Ruka-Kuusamo. Die Gastgeber haben verschiedene Aufgüsse und viele spannende Geschichten im Angebot. Allen gemein ist das authentische finnische Saunaerlebnis.

Mehr Infos zur Region gibt es auf der Homepage von Ruka-Kuusamo.

Außerdem hat Elke vom Meerblog über Finnland geschrieben: Der finnische Slow.

*Ein herzliches Dankeschön für die Einladung zum Wild Wellbeing Weekend in Kuusamo an Visit Finland.

Geschrieben von

... spielt am liebsten draußen. Sie würde einen spontanen Roadtrip immer einem Tag am Pool vorziehen, liebt das Geräusch von Regen auf einem Zeltdach und ist der wohl einzige Mensch auf der Welt, der sich vor Schokolade ekelt.

Kommentieren? Gerne!