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Schiffstagebücher, Teil I. Kreuzfahrtfeeling

Mit der MS Isabelle von Riga nach Stockholm

Das ist also Isabelle. Ein Schiff so mächtig wie eine Marzipan-Sahneschnitte. Elf Decks plus Kapitäns-Brücke. Ein langer Tunnel auf Stelzen verbindet das Terminal mit dem Schiff. Meine Beine sind schwer. Die vergangenen 24 Stunden habe ich in den Straßen Rigas verbracht. Drei weitere europäische Hauptstädte warten auf mich: Stockholm, Helsinki und Tallinn. Vier Städte in fünf Tagen. Drei der nächsten vier Nächte werde ich auf See verbringen.

Durch die Fenster im Tunnel kann ich das Schiff von außen sehen. Isabelle liegt fest vertäut auf dem ruhigen Wasser im Hafen von Riga. Eine Stunde vor Abfahrt. Ich bleibe stehen und starre durch das Fenster. Hinter mir flucht jemand und überholt mich kopfschüttelnd.

Ich habe ein Déjà-vu, deshalb bin ich stehen geblieben. Ich bin wieder klein, vielleicht zehn Jahre alt. Ich erinnere mich an ein Foto von mir in diesem Alter. Darauf stehe ich vor einem Schiff, das ungefähr so groß sein muss wie die Isabelle. Eine Autofähre, die Ende der Neunziger zwischen Venedig und Patras verkehrte. Mit ihr bin ich einige Male von Italien nach Griechenland gefahren. Es ist sehr lange her, das letzte Mal, dass ich mit einem so großen Schiff gefahren bin.

Schon einen Tag später wird eine gewisse MS Silja Symphony die Isabelle ziemlich alt aussehen lassen. Aber dazu später mehr.

Auf der Fähre nach Griechenland gab es einen Pool. Für mich war dieser Pool das absolute Highlight jeder Überfahrt. An weitere Details erinnere ich mich nicht. Auch nicht an den Namen. Ich war etwa zwei Köpfe kleiner und viele Jahre jünger als heute. Sah das namenlose Schiff vielleicht nur deshalb so groß aus, weil ich so klein war? Wieso habe ich so viel vergessen?

Elina Varpa kommt aus Riga und kümmert sich als Cruise Manager auf der MS Isabelle darum, dass die Überfahrt nach Stockholm für alle Passagiere unvergesslich wird. Wie das funktioniert, möchte ich von ihr wissen. Wir sind verabredet, aber wir verpassen uns ständig, weil sie so sehr damit beschäftigt ist, sich um das Entertainment zu kümmern.

Immer wieder höre ich ihre Stimme über die Bordlautsprecher. Mal preist sie eine Verlosung an, mal eine Bastelstunde für Kinder und mal die Happy Hour in der Bar. Doch zu Gesicht bekomme ich sie nicht.

Auch ohne Elina zu treffen merke ich: Dieses Schiff ist mehr als nur eine Fähre. Das ist eine Kreuzfahrtfähre. Mit allem, was dazu gehört. An diesem Abend stehen unter anderem eine Weinprobe im Supermarkt, Live-Musik im Pub, Karaoke in der Bar, ein Bingo-Spiel mit 3000 Euro Jackpot und verschiedene Shows auf dem Programm. Wer dann noch nicht genug hat, kann in der Disco feiern.

Bingo hat einen schlechten Ruf. Zu Unrecht, das ist mir in Palm Springs schon aufgefallen. Ich überlege kurz, ob ich dort vorbeischauen und mitspielen soll. Aber ich bin auch müde. Und ich sehe diese Überfahrt in erster Linie praktisch: Als Überfahrt, nicht als Entertainment-Show.

Deshalb ziehe ich mich in meine Kabine zurück und mache es mir dort gemütlich. Wenn ich mir ein Unterhaltungsprogramm wünschen dürfte, würde ich mir einen einäugigen Kapitän mit Holzbein und Papagei auf der Schulter wünschen, der Anekdoten aus seinem Seefahrerleben zum Besten gibt. Und ne Buddel voll Rum.

Die Überfahrt von Riga nach Stockholm mit der MS Isabelle dauert 18 Stunden und die Außenkabine (1-4 Personen) gibt es in der Nebensaison ab 177 Euro oder bis 29 Tage vor der Reise ab 150 Euro. Wer mehr von Skandinavien und dem Baltikum sehen möchte, kann sich bei Tallink Silja mehrere Überfahrten zu einer Minikreuzfahrt zusammenstellen. Die Reederei hat dazu verschiedene Bausteine im Angebot.

 
Hier gehts zu Teil II, III und IV der Schiffstagebücher:

Frischer Fisch. Von Stockholm nach Helsinki mit der MS Silja Symphony.
Der Sturm. Mit der MS Superstar von Helsinki nach Tallinn
Ich glaube, mit wird schlecht. Mit der MS Romantika von Tallinn nach Stockholm

Hinweis: Ich wurde zu meiner Reise von Tallink Silja eingeladen. Dieser Text ist davon wie immer in keiner Weise beeinflusst und die wiedergegebenen Aussagen und Meinungen sind selbstverständlich meine eigenen.

Geschrieben von

... spielt am liebsten draußen. Sie würde einen spontanen Roadtrip immer einem Tag am Pool vorziehen, liebt das Geräusch von Regen auf einem Zeltdach und ist der wohl einzige Mensch auf der Welt, der sich vor Schokolade ekelt.

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