Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten, 7 Sekunden

Kommentare 0

Schiffstagebücher, Teil II. Frischer Fisch

Mit der MS Silja Symphony von Stockholm nach Helsinki

Jonas Niklasson hat einen dieser Namen, die sofort die schwedische Abstammung verraten. Er hat auch diese Haare. Naturblond. Jonas ist 44 Jahre alt, hat zwei Kinder und lebt in Stockholm. Immer zehn Tage am Stück. Die darauffolgenden zehn Tage lebt und arbeitet er auf der MS Silja Symphony. Das macht er seit 1998. Er ist Koch, aber er kocht lange nicht mehr so oft, wie er es gerne tun würde.

Jonas arbeitet als Küchenchef auf dem Schiff und als solcher ist er für alle Restaurants verantwortlich. Er kümmert sich um Abwechslung auf der Speisekarte, um Weine und um den Einkauf von allem, was zwischen Stockholm und Helsinki auf den Tisch kommt. Er steht selten selbst am Herd, aber er hat die Verantwortung für ein Buffetrestaurant, sechs A-la-carte-Restaurants und ein paar Bars.

Sieben Restaurants. Dieses Schiff hat sieben Restaurants. Es hat außerdem ein Konferenzzentrum, eine Sauna und einen Wellnessbereich, von den diversen Bars und Duty-Free-Shops ganz zu schweigen. Ein bisschen muss ich doch schlucken, als mir die Größe der Silja Symphony bewusst wird. Da kann die MS Isabelle einpacken. Das Schiff, das mir gestern noch so groß vorkam, ist in Wirklichkeit fast lächerlich klein!

Tina steht im italienischen Restaurant Tavolata an der Käse- und Nachtischtheke.

Heute stehen die Restaurants für mich im Vordergrund. Oder vielmehr das, was deren Besuchern normalerweise verborgen bleibt: Es geht in die Küche. Ich darf in Töpfe, Pfannen, Kühlschränke und Vorratskammern schauen und mir einen Überblick verschaffen, wie auf dem Schiff gearbeitet wird. Deshalb habe ich mich mit Jonas getroffen, dem großen Schweden mit den tätowierten Unterarmen.

Er führt mich durch Großküchen und Lagerräume, in versteckten Aufzügen nach oben und unten. Mal stehen wir hinter der Theke eines Restaurants, mal sind wir in einer Vorratskammer, die sich unter Wasser befindet. Alleine im Buffetrestaurant essen am Abend bis zu 1200 Gäste. Mehr als 600 dürfen es nicht auf einmal sein und mehr als das ist auch gar nicht zu leisten.

Die Teiglinge werden kühl gelagert, bis sie zum Frühstück frisch aufgebacken werden.

Ich habe mal in einer Unimensa hinter die Kulissen geschaut. Da wurde auch enorm viel Essen zubereitet. Dementsprechend hat das Essen dort geschmeckt. Hier ist das anders. Hier gibt es nur vom Feinsten: Entenpastete zum Beispiel, Roast Beef mit hausgemachtem Senf, Gemüseaufläufe, Salate und Käsespezialitäten mit feinen Beerensoßen. Und natürlich Fisch und Meeresfrüchte ohne Ende.

Eingekauft wird täglich in Finnland und in Schweden. Rund 4000 Euro am Tag kostet dabei alleine das Gemüse. Weil Freitag ist und die Silja Symphony am Wochenende immer voller ist als unter der Woche, hat Jonas für die kommenden beiden Tage vorgesorgt und in Stockholm Essen im Wert von 45.000 Euro eingekauft. Der frische Fisch schlägt dabei natürlich ordentlich zu Buche.

Den kocht – wenn er denn mal dazu kommt – und isst Jonas am liebsten. Nur eines, sagt er, kann er nicht: Sushi. Und weil er glaubt, dass Europäer das generell nicht drauf haben, hat er für das Sushi-Restaurant einen Japaner und einen Chinesen eingestellt.

Akkordarbeit im Sushi-Restaurant.

Jonas muss weiter. Er arbeitet jeden Tag rund 10,5 Stunden. Ausruhen kann er sich in einer Kabine, die er sich mit dem zweiten Küchenchef teilt – dem, der kommt, wenn Jonas seine freien Tage antritt. „Arbeiten auf einem Schiff bringt einen ganz besonderen Lebensstil mit sich“, sagt er. Als junger Koch hat er in Restaurants auf Zypern, in Spanien und in Asien gearbeitet. Aber sein Herz gehört dem Meer.

Die MS Silja Symphony (links) im Hafen von Stockholm.

Die Überfahrt von Stockholm nach Helsinki mit der MS Silja Symphony dauert 16:45 Stunden und kostet in der Außenkabine (1-4 Personen) ab 208 Euro, bis 29 Tage vor Abreise 177 Euro. Wer mehr von Skandinavien und dem Baltikum sehen möchte, kann sich bei Tallink Silja mehrere Überfahrten zu einer Minikreuzfahrt zusammenstellen. Die Reederei hat dazu verschiedene Bausteine im Angebot.

Teil I der Schiffstagebücher verpasst? Hier entlang: Kreuzfahrtfeeling. Von Riga nach Stockholm mit der MS Isabelle

Weiter zu Teil III und IV:
Der Sturm. Mit der MS Superstar von Helsinki nach Tallinn
Ich glaube, mit wird schlecht. Mit der MS Romantika von Tallinn nach Stockholm

Hinweis: Ich wurde zu meiner Reise von Tallink Silja eingeladen. Dieser Text ist davon wie immer in keiner Weise beeinflusst und die wiedergegebenen Aussagen und Meinungen sind selbstverständlich meine eigenen.

Geschrieben von

... spielt am liebsten draußen. Sie würde einen spontanen Roadtrip immer einem Tag am Pool vorziehen, liebt das Geräusch von Regen auf einem Zeltdach und ist der wohl einzige Mensch auf der Welt, der sich vor Schokolade ekelt.

Kommentieren? Gerne!