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Oh wie schön ist Panama-Stadt

Oh, wie schön ist Panama! Als der Kleine Bär und der Kleine Tiger einst eine leere Kiste mit der Aufschrift „Panama“ aus dem Fluss nahe ihres Hauses fischten, die so wunderbar nach reifen Bananen roch, entschlossen sie sich, dieses Land zu suchen, von dem sie dachten, es müsse das Paradies sein. Sie fanden es nicht und kehrten stattdessen nach Hause zurück.

Hätte es jeder so gemacht wie der Kleine Bär und der Kleine Tiger, wäre Panama, das Land, von dem Janoschs Buchhelden nur träumen, vielleicht nie entdeckt worden. Wie schade wäre das, bedenkt man, dass das Land, das den schmalsten Teil der zentralamerikanischen Landbrücke einnimmt und im Süden an den wilden kolumbianischen Dschungel angrenzt, noch viel mehr zu bieten hat, als nur seinen weltberühmten Kanal. Rechts, links und entlang dieses Kanals, der derzeit die wichtigste Handelsroute der Welt und gleichzeitig Panamas Haupteinnahmequelle ist, gibt es weitaus mehr zu entdecken als den betörend süßen Geruch von staudenreifen Bananen, dessentwegen Bär und Tiger sich auf den Weg machten.

Seite an Seite tummeln sich auf einer Fläche nur wenig größer als Bayern die raue Pazifikküste, karibische Traumstrände und ein undurchdringlicher Regenwald, der ebenso dicht ist wie der nur zehn Autominuten entfernte, rasant wachsende Hochhausdschungel von Panama-Stadt, der Hauptstadt die neben ihrer imposanten Skyline mit Stadtvierteln aufwartet, die zum UNESCO-Weltkulturerbe zählen. Panama-Stadt, dessen Neustadt an Dubai erinnert, und dessen Altstadt ein wenig an Havanna erinnert, ist nicht nur der Dreh- und Angelpunkt der panamaischen Wirtschaft, sondern gleichzeitig auch dessen kulturelles, politisches und soziales Zentrum.

Verwitterte, aber noch gut erhaltene Architektur, verwinkelte Gässchen und mit Blumen überhängte Balkone, schmiedeeiserne Balkongeländer und Eingangstüren verpassen der Casco Antiguo, der Altstadt, kubanisches Flair. Sie erstreckt sich in etwa vom Plaza 5 de Mayo und der Avenida de los Martires zum Französischen Platz, direkt am Pazifik bildet einen Rückzugsort für diejenigen, die den immer zahlreicheren gigantischen und beeindruckenden Bauten aus Stahl und Glas entfliehen wollen, die die Neustadt der Ciudad de Panamá mit ihren Banken und Shopping Malls säumen, und den monströsen SUVs, mit denen diejenigen unterwegs sind, die von Panamas Wirtschaftsboom profitieren.

Voller Leben und Geschäftigkeit spiegeln die Gässchen im alten Stadtkern auch den kulturellen Reichtum und die Geschichte des Landes wider. Sie erzählen die Geschichten von Eroberern und der Kolonialisierung, von einstigem Reichtum und einem goldenen Zeitalter, das sein jähes Ende mit dem Einmarsch des britischen Piraten und späteren Gouverneur Jamaikas, Henry Morgan fand: Der raubte die Hauptstadt aus und brannte ihre Reste nieder. Der Goldaltar, der heute in der San-José-Kirche steht, sagt man, sei das einzige wertvolle Stück, das der Brite nicht mitgenommen habe. Seine früheren Besitzer, ein Gruppe Jesuiten, hatte den Altar schwarz angemalt. Morgan und seine Männer erkannten die List nicht und ließen das wertvolle Stück zurück, das heute an den einstigen Reichtum erinnert.

Die Altstadt wird derzeit aufwändig restauriert. Optisch wird sich dadurch wenig ändern, denn das panamaische Denkmalschutzgesetz ist strikt und erlaubt es nicht, an den Fassaden Änderungen vorzunehmen. Doch die Stimmung ist in Gefahr. Zumindest dann, wenn sich die bisherigen Anwohner die Mieten nicht mehr leisten können, wenn hier ausländische Investoren einziehen und solche, die im modernen, hektischen Teil der Stadt lieber nur zur Arbeit gehen. Gentrifizierung ist auch im kleinen Panama kein großer Unbekannter.

Noch allerdings hat sich der Charme der Stadt bewahrt, die Altstadt ist voll von kleinen Lebensmittelhändlern, Eisverkäufern, die nachmittags die Schulkinder mit Süßem versorgen und Panamaern, die sich auf Bänken sonnen, ihre Zeitung lesen oder ein Nachmittagsschwätzchen halten. Panama-Stadt ist eine Stadt der Gegensätze, sie scheint in zwei verschiedenen Zeitzonen zu liegen. Und genau das macht sie so spannend. Wer Panama besucht, wird früher oder später auch in der Hauptstadt landen.

 

Zur Recherchereise nach Panama wurde ich von Tui und Riu Hotels eingeladen.

 

Geschrieben von

... spielt am liebsten draußen. Sie würde einen spontanen Roadtrip immer einem Tag am Pool vorziehen, liebt das Geräusch von Regen auf einem Zeltdach und ist der wohl einzige Mensch auf der Welt, der sich vor Schokolade ekelt.

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