Entdeckungsreise durch den Panamakanal

Fast 100 Jahre nach seinem Bau ist der Panamakanal noch immer die wichtigste Handelsroute der Welt. Er verbindet hauptsächlich asiatische Hersteller mit den Verbrauchern im Westen. Während das Handelsvolumen stetig steigt, steigt auch die Notwendigkeit für eine Erweiterung der Route, die an der schmalsten Stelle Amerikas den Atlantik mit dem Pazifik verbindet.

Die Bauarbeiten zur Kanalerweiterung haben 2007 begonnen. Die Besucher kriegen davon kaum etwas mit. Erst 2014 wird die Erweiterung komplett abgeschlossen sein.  In etwa einem Jahr also, wird die Kapazität des Kanals drastisch ansteigen.

Gegenwärtig kann ein Schlepper pro Passage etwa 4500 Container durch den Kanal bringen. Noch etwa 20 Prozent aller Schiffe, die weltweit die Meere kreuzen, sind für den Panamakanal allerdings zu groß, nämlich länger als 305, breiter als 33,5 und tiefer als 12,8 Meter.

Nicht alle Schiffe passen durch den Panamakanal

Diese Maße bezeichnen eine Schiffsklasse: Panamax – das, was gerade so noch durch den engen, zu Beginn des letzten Jahrhunderts angelegten Gatún-Stausee darf. Die Queen Mary II etwa ist passgenau auf den Kanal ausgelegt. Sie kreuzt ihn regelmäßig. Die Passage ist ein touristisches Highlight.

Die Erweiterung wird auch größeren Schiffen die Durchfahrt ermöglichen: 427 Meter Länge, 55 Meter Breite und 18 Meter Tiefe sollen dann erlaubt sein. 12.000 Container Fracht könnte ein Schiff dieser Größe laden. Und dennoch wird es auch nach 2014 noch immer Schiffe geben, die für den Kanal zu groß sind.

Schon jetzt wirken die großen Frachter, die den Gatún-See durchqueren, neben Motorbooten wie riesenhafte Monster. Die Besucherterrasse an den Miraflores-Schleusen ist stets bis auf den letzten Platz gefüllt, wenn ein Ozeanriese ein- oder ausgeschleust und dabei bis zu 32 Meter über den Meeresspiegel gehoben wird. Der Anblick ist spektakulär.

Von Panama-Stadt bis zu den Miraflores Schleusen, wo die riesigen Frachtschiffe um 23 Meter von der Meereshöhe des Pazifik auf das Level des Gatunsees angehoben werden, ist es nicht mehr als eine 20-minütige Autofahrt, und das bei viel Verkehr.

Dort angekommen, erwarten ein Besucherzentrum, ein Museum und jede Menge Touristen – zahlreiche panamaische Schulklassen und ausländische Gäste – die Besucher. Die meisten von ihnen sind jedoch nicht des Museums wegen hier. Sie wollen sich die spektakuläre Aussicht auf Ozeanriesen und Frachter nicht entgehen lassen, die an den schmalen Docks vorbei in mehreren Stufen auf den Gatunsee geschleust werden.

Die Miraflores-Schleusen sind ein beliebtes Ausflugsziel

Wer einen Eindruck davon gewinnen möchte, was ihn an den Miraflores-Schleusen erwartet, sollte sich die virtuelle Tour durch das Besucherzentrum ansehen.

Den Kanal darf Panama erst seit Ende 1999 sein Eigen nennen. Bis zu diesem Zeitpunkt lag die Hoheit über den Wasserweg bei seinem Erbauer USA. Seit der Übergabe fließt auch der immense finanzielle Gewinn nach Mittelamerika. Die Preise für eine Durchquerung sind seither um 400 Prozent gestiegen.

Mit der Erweiterung wird dieser Trend sich fortsetzen. Pro Passage sind im Durchschnitt 300.000 US-Dollar fällig, eine halbe Million Dollar ist der theoretische Höchstpreis. Er berechnet sich unter anderem nach Größe und Gewicht des Schiffes. Auch für Kreuzfahrtdampfer, die den Kanal als touristisches Highlight durchqueren, gelten diese Preise. Der Preistrend geht nach oben.

Es gibt keine Alternative zum Panamakanal

Eine ernsthafte Alternative zum Panamakanal gibt es nicht: Der Suezkanal ist zu gefährlich, die Nord-West-Passage ist noch nicht ganzjährig passierbar.

Wer den Gatúnsee durchqueren möchte, kann die Passage vor Ort buchen. Verschiedene Veranstalter bieten die Mitfahrt ab etwa 100 Dollar an. Mit dem eigenen Boot wird es etwas teurer. Wer alleine durch den Kanal will, braucht mindestens einen Motor und einen Lotsen. Und er muss im Voraus seine Gebühr überweisen – 4.000 US-Dollar sind der Mindestpreis.

Passieren darf ansonsten prinzipiell jeder: Klein, Groß, Frachtschiff, Piratenschiff. Große Schiffe, die sich eine Verspätung nicht leisten können, müssen ein Jahr im Voraus buchen. Kleinere können es riskieren, auch ohne langfristige Anmeldung zu kommen.

Sicherheit hat oberste Priorität

Wer es nicht rechtzeitig zum vereinbarten Zeitpunkt zur Eingangsschleuse schafft, der muss sich hinten anstellen, bis ein Slot frei wird. Die Verwaltung am Kanal ist ähnlich wie auf einem mittelgroßen Flughafen: Sicherheit hat oberste Priorität. Nicht auszudenken, wenn ein Schiff im Kanal feststecken oder gar Öl verlieren würde und so das fragile Gleichgewicht des Dschungels zu beiden Seiten in Gefahr brächte. Aus diesem Grund geht es nicht ohne Lotsen. Übrigens einer der am häufigsten von panamaischen Schuljungen genannten Traumberufe.

Wer auf den Gatúnsee will, muss nicht unbedingt die Gebühr für die Passage zahlen. Von den Orten rund um den See bieten viele Hotelbesitzer kurze Bootstouren an – abseits der fest definierten Schiffsrouten. So wird das echte Kanafeeling auch ohne Schleusen erlebbar.

Vorbei gehen diese Touren an dichtem Urwald, der nur hin und wieder den Blick auf eine Lichtung oder ein Hotel freigibt. 90 Prozent der Umgebung des Gatúnsees sind Dschungel. Hier liegen Krokodile faul in der Mittagssonne, spielen Brüllaffen in den Baumkronen (Vorsicht. Die niedlichen kleinen Biester werfen gerne mit Dingen um sich, vorzugsweise mit ihren eigenen Exkrementen) und springen Kapuzineräffchen auf Boote, die sich allzu sehr dem Ufer nähern.

Willkommen im Dschungel.

Zur Recherchereise nach Panama wurde ich von TUI und Riu Hotels eingeladen.

Geschrieben von

... spielt am liebsten draußen. Sie würde einen spontanen Roadtrip immer einem Tag am Pool vorziehen, liebt das Geräusch von Regen auf einem Zeltdach und ist der wohl einzige Mensch auf der Welt, der sich vor Schokolade ekelt.