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Abenteuer ist, was du draus machst!

Abenteuer.
Das klingt so verheißungsvoll.
Nach Erlebnis. Nach Fernweh.

Es gab eine Zeit, da war das Reisen an sich noch ein echtes Abenteuer. Ein Abenteuer, das war zu dieser Zeit nicht das, was wir heute unter dem Begriff verstehen. Es bedeutete eine echte Gefahr. Lebensgefahr mitunter. Das Reisen war Stoff für Romane und Heldensagen. Wer sich heute in ein Abenteuer stürzt, verlässt nur seine Komfortzone. Wenn überhaupt.

Schon immer war das Reisen etwas besonderes, es war und ist noch heute mythisch, sagenumwoben und für die meisten von uns immer wieder aufs Neue aufregend. Ganz besonders gelten diese Beschreibungen allerdings für die Zeit, als das Reisen noch kein Freizeitvergnügen sondern notwendiges Übel war. Die Zeit, in der die Fortbewegung über Landes- und Staatsgrenzen hinweg beschwerlich war.

Jahrhunderte und Jahrzehnte vor dem Schengen-Abkommen.
Lange vor der Erfindung des Flugzeugs und des Autos.

In der Zeit vor der Industrialisierung, als das Reisen in Europa in den höheren Gesellschaftsschichten langsam salonfähig wurde, erforderte es noch immer viel Mut – und manchmal eine bewaffnete Leibgarde. Für junge Adelige und später auch für das Bürgertum gehörte eine Reise durch Europa zur Ausbildung. Literatur, in der diese Bildungsreisen eine zentrale Rolle spielen, füllt ganze Bibliotheken.

Heute ist das Reisen wesentlich leichter. Wenn wir Lust auf die Ferne bekommen, buchen wir eben einen Urlaub. Uns locken Sonne, Entspannung, fremde Kulturen und Menschen. Und immer noch hören wir jedes Mal, wenn wir in einen Zug oder ins Flugzeug steigen, auch den Lockruf des Abenteuers.

Wildcamping oder Fallschirmsprung: Was ist dein Abenteuer?

Was ist das eigentlich, Abenteuer? Heißt Abenteuer, im Frühling durch das immer noch tief verschneite Alaska zu laufen – allein auf den Spuren der Goldgräber des Klondike? Heißt es, im Himalaya Höhenluft zu schnuppern oder den afrikanischen Kontinent mit dem Fahrrad zu durchqueren? Ist es ein Fallschirmsprung über dem Great Barrier Reef? Oder ein Campingurlaub in der Gesellschaft wilder Bären im Nirgendwo?

Immer mehr Reiseanbieter und Destinationen locken mit Abenteuerreisen und können die hohen Ansprüche ihrer Kunden trotzdem nicht erfüllen. Warum? Weil ihre Kunden Ansprüche mitbringen, die gar nicht erfüllt werden können. Sie suchen nach authentischen Erlebnissen und buchen Gruppenreisen. Sie glauben, sie bekommen ihren Abenteuerurlaub auf dem Silbertablett präsentiert. Das aber funktioniert nicht.

Abenteuer definiert jeder anders. Sie passieren gerade dann, wenn man sie nicht sucht. Sie können nicht geplant werden. Das heißt im Umkehrschluss eben auch, dass sie gerade dann nicht passieren, wenn man sie krampfhaft sucht. Also dann, wenn du Unsummen dafür ausgibst, mit Guide und Packesel den Mount Everest zu besteigen. Wenn du dich aus einem Flugzeug stürzt, nur um festzustellen, dass der Sprung zu schnell wieder vorbei ist. Wenn du dein Zelt am Rand der Zivilisation aufschlägst, dort wo es noch Toiletten und fließend Wasser gibt, und die Bären sich einfach nicht zeigen wollen. Dann suchst du ein Abenteuer, das du niemals finden wirst.

Der Weg ist das Abenteuer

Für echte Abenteuer braucht es Mut. Du musst nicht bereit sein, für dein Abenteuer zu sterben, aber du solltest bereit sein, deine Komfortzone zu verlassen. Dort campen gehen, wo es kein fließendes Wasser mehr gibt. Und für dich definieren, was Abenteuer ist.

Abenteuer sind das, womit du gar nicht rechnest. Und manchmal sind sie so klein, dass du sie einfach übersiehst. Für mich war es abenteuerlich, mit dem Fahrrad durch ein vietnamesisches Dorf mitten im Nirgendwo zu fahren, dort, wo sonst fast nie Touristen vorbei kommen. Mir sind Menschen zu Hilfe geeilt, als die Kette sich verhakte. Fremde Kinder haben mich gebeten, für ein Foto stehen zu bleiben. Ebenso abenteuerlich war es für mich, bei Nacht mit einem fast leeren Tank die Rocky Mountains zu überqueren.

Abenteuer treiben uns an unsere Grenzen. Wenn wir einem davon begegnen, sollten wir ihm mit Respekt begegnen, weil es in seiner Natur liegt, dass sein Ausgang unbekannt ist. Es birgt Risiken und wir müssen bereit sein, diese Risiken einzugehen. Wir müssen bereit sein, uns überraschen zu lassen. Und manchmal reicht es schon, wenn wir bereit sind, uns einfach auf den Weg zu machen.

Dieser Artikel nimmt an der Blogparade Dein Abenteuer ist nicht mein Abenteuer auf dem Flocblog teil.

Geschrieben von

... spielt am liebsten draußen. Sie würde einen spontanen Roadtrip immer einem Tag am Pool vorziehen, liebt das Geräusch von Regen auf einem Zeltdach und ist der wohl einzige Mensch auf der Welt, der sich vor Schokolade ekelt.

8 Kommentare

  1. Hallo Anna,
    ein echt toller Artikel! Vor allem dein Fazit “Abenteuer sind das, womit du gar nicht rechnest. Und manchmal sind sie so klein, dass du sie einfach übersiehst.” und “Um aber ein Abenteuer zu erleben, müssen wir Risiken eingehen. Und wir müssen uns einfach auf den Weg machen.” bringt es noch mal gut auf den Punkt. Spannend, zu erfahren, was du schon so erlebt hast und das so anschaulich beschrieben. Schön!
    Liebe Grüße
    Jenny

  2. Toller Artikel! Meine persönliche Messlatte für Abenteuer liegt relativ niedrig. Ich passe wohl eher in die Kategorie Angsthase. Was für andere vielleicht wie ein lockerer Spaziergang wirkt, zählt für mich schon als Abenteuer.

    Aber was soll’s. Ich persönlich finde es wichtig, dass man ab und zu über seine Grenzen hinaus geht, um überhaupt Neues erfahren zu können. Wo genau diese Grenzen liegen, ist dabei finde ich nebensächlich.

  3. Pingback: Dein Abenteuer ist nicht mein Abenteuer - Blogparade | flocblog

    • Bestimmt 😀 Die ersten Alpinisten haben sich ja auch schon wenige Jahre nach der Gründung des Alpine Club Mitte des 19. Jahrhunderts darüber beschwert, dass plötzlich “alle” in den Alpen klettern wollen. Den Adligen ging es bestimmt ähnlich, während sie von Hof zu Hof reisten. Geheimtipps bleiben halt nie geheim.

  4. “Adventure is a state of mind”. I love that quote, Anna. It is indeed in the heart/mind of the participant. What is an adventure for me may be mundane and boring for someone thirty years younger. Carpe diem!

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