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Vietnam. Oder: So kommst du lebendig über die Straße

Vietnam ist ein ideales Einstiegsland für Südostasien-Neulinge. (Noch) Nicht so touristisch wie Thailand, aber auch nicht mehr so chaotisch wie Kambodscha oder Laos. Sobald du dort bist, wirst du dir zwangsläufig Fragen stellen, über die du noch nie nachgedacht hast: Wie zur Hölle kommt man da über die Straße, ohne überfahren zu werden? Wie lebt es sich eigentlich so als Millionär? Was ist Pho? Und wie viel Geld solltest du für eine Fahrt im Motortaxi ausgeben? In diesen 5 praktischen Reisetipps für Vietnam findest du nützliche Informationen rund ums Reisen in Vietnam.

1. So überquerst du die Straße

Du bist also angekommen, hast die Fahrt vom Flughafen in die Stadt verschlafen, im Hotel eingecheckt und noch ein bisschen weiter geschlafen. Jetlags sind fies. Doch jetzt willst du raus und die Stadt sehen, in der du gelandet bist. Du gehst vor die Tür und willst auf die andere Straßenseite. Du bist noch ein bisschen müde von deinem langen Flug und wacklig auf den Beinen. Wie zur Hölle sollst du da jemals rüber kommen?

Du denkst, das ist ein Kinderspiel? Stell dir die größte und am stärksten befahrene Straßenkreuzung vor, die du kennst. Stell dir vor, die Autos sind Motorroller, alte klapprige Gefährte. Multipliziere sie mit dem Faktor 10 und füge noch einige Kleintransporter, Autos und Busse hinzu. Denk’ dir alle bis auf zwei Fahrspuren und sämtliche Verkehrsregeln weg. Dann hast du eine ungefähre Ahnung vom Verkehr in Hanoi, der Hauptstadt von Vietnam. Der Stadt, in der du deine Reise höchstwahrscheinlich beginnen wirst.

In Hanois Altstadt, wo die Straßen sehr eng sind und der Verkehr dicht ist, ist das Überqueren einer Straße eine Herausforderung. Ampeln gibt es keine – zumindest nicht für Fußgänger, und die aufgemalten Fußgängerüberwege sind reine Zier. Wer abbiegt, nimmt den kürzesten Weg, auch wenn er dabei in den Gegenverkehr fährt.

Und jetzt kommst du ins Spiel: Du willst über die Straße. Also musst du gehen.

Rein ins Gewimmel. Kopf hoch. Loslaufen, langsam, selbstbewusst. Bloß keine hektischen Bewegungen. Wichtig ist, dass du Blickkontakt zu jedem hältst, der deinen Weg kreuzt. Du wirst merken, es ist nicht so schwer, wie es aussieht. Aber du brauchst Übung.

2. Dong, Dong, Dong! Geld. Endlich Millionär!

Wenn du einen Hotelshuttle hast und nicht wie ich den Fehler machst, ohne Dollars und Euros einzureisen (weil du der einzige Mensch aus dem Flieger bist, der nicht wusste, dass das Visum am Flughafen bar bezahlt werden muss – und weil du dann warten musst, bis sich ein Grenzbeamter erbarmt und dich zum Geld holen aus dem Transitbereich des Flughafens begleitet), wirst du dich auch jetzt erst mit dem Thema Geld auseinander setzen müssen.

Die schöne Nachricht: Nach deinem ersten Gang zum Geldautomaten bist du auf einen Schlag Millionär. Ein Euro entspricht rund 27.000 VND – Vietnamesische Dong. Für den Gegenwert von etwas weniger als 40 Euro kannst du dich also schon stinkreich fühlen. Und nachdem du dich darüber wie ein Kind gefreut hast, merkst du, dass es gar nicht leicht ist, Millionär zu sein. Weil man bei so vielen Nullen auch ziemlich schnell durcheinander kommt. Mach dich auf ein Rechenchaos aus Nullen in Dreierpäckchen gefasst.

Geld abheben funktioniert mit Kreditkarten überall – allerdings liegt der Tageshöchstsatz bei manchen Banken bei 4 Millionen Dong. Gleichzeitig ist es fast überall günstiger, mit Bargeld zu zahlen, weil dir sonst die Gebühren für die Kreditkartenzahlung in voller – oder dreifacher – Höhe draufgeschlagen werden. Gerade wenn du im Reisebüro eine Tour buchst, macht sich das bemerkbar!

3. Essen. Pho, Kochkurse und Spagetti mit Fischsoße

Zugegeben: Manche Straßengrills sehen wenig vertrauenswürdig aus. Generell kannst du Street Food aber bedenkenlos essen. Und das solltest du auch unbedingt tun! Vietnam hat eine der vielfältigsten Küchen der Welt und in jedem Ort gibt es ein anderes Traditionsgericht, oft zubereitet auf einem kleinen, offenen Feuer direkt an der Straße. Pho, die traditionell zum Frühstück servierte Suppe, eint Vietnam kulinarisch – auch wenn jeder sie nach seinem eigenen Rezept zubereitet. Ein Suppenfrühstück in einem Straßenrestaurant solltest du dir auf keinen Fall entgehen lassen!

Auch Vegetarier werden sich wohl fühlen, denn viele traditionelle Gerichte kommen ohne Fleisch aus. Kochkurse sind beliebt – und oft eine Enttäuschung. Wenn du nicht nur aus Reispapier, vorgegarten Nudeln und vorgeschnittenem Gemüse Röllchen formen möchtest, achte darauf, dass mindestens fünf Gerichte gekocht werden und dass ein gemeinsamer Besuch auf dem Markt inklusive ist!

Falls du trotz der großen Abwechslung in der vietnamesischen Küche mal etwas anderes essen willst, bekommst du fast überall Pizza, Spagetti und Co. und im Süden sind auch die großen Fastfood-Ketten angesiedelt. Wenn du in einem Restaurant ein westliches Gericht bestellst, frag lieber vorher nach den Zutaten. Denn Vietnams Küche kennt kein Salz und verwendet stattdessen Fisch- oder Sojasoße. Und Spagetti Bolognese mit Fischsoße will wirklich niemand essen!!

4. Reisen in Vietnam

Am günstigsten ist der Bus, er kostet pro 100 Kilometer rund 2 Euro. Etwas schöner – vor allem bei Reisen über Nacht – reist es sich mit dem Zug. Vorteil: Du siehst sehr viel von Vietnams atemberaubender Landschaft, dir wird weniger schnell schlecht, weil die Gleise im Gegensatz zur Straße in gutem Zustand sind und die Gefahr, dass dein Bus in einer engen Bergkurve mit einem anderen Bus zusammenstößt, ist auch bei Null.

Der Zug kostet etwas mehr als der Bus und ist in mehrere Klassen aufgeteilt. Buchen kannst du ihn am Bahnhof, in deinem Hotel oder in einem Reisebüro.

Ein Mietwagen ist nicht unbedingt die erste Wahl. Autofahren ist ohne vietnamesischen Führerschein nicht erlaubt und du wirst ohnehin keinen Wagen ohne Fahrer bekommen – wenn du aber schnell irgendwohin musst, kann es billiger sein, ein Auto mit Fahrer zum Festpreis zu buchen als ein offizielles Taxi zu nehmen.

Inlandsflüge solltest du auf jeden Fall vor Ort buchen, das spart Geld und du bist flexibler. Frag in deinem Hotel nach, statt ins Reisebüro zu gehen. Denn dort kriegst du die Tickets mit ein wenig Glück ohne Service-Aufschlag.

Kürzere Strecken legst du am besten mit dem Taxi, dem Motortaxi oder der Fahrradrikscha zurück. Preise für letztere sind Verhandlungssache. Es ist gut, wenn du weißt, wie weit du fahren musst – ein Taxi kostet ca. 15.000 Dong pro Kilometer – und für alles andere solltest du weniger zahlen. Einen eigenen Motorroller zu mieten, ist übrigens auch ohne Führerschein kein Problem. Aber vielleicht solltest du dir das für die etwas ländlicheren Gebiete aufheben.

5. Schlafen in Vietnam

Übernachtungen sind unschlagbar günstig. Ein gutes Hotelzimmer kostet zwischen 15 und 50 Euro die Nacht. Für 50 Euro bekommst du sehr viel geboten, für 15 gibt es die Basisausstattung – und manchmal auch Freibier obendrauf. Hostel-Betten sind günstiger wenn du alleine reist. Zu zweit lohnt sich aber fast immer ein Doppelzimmer in einem günstigen Hotel.

Egal, wo du mit Bus oder Bahn ankommst, die Schlepper warten schon auf dich, um dich irgendwo unterzubringen. Merke: Du bist in Südostasien! Solange du noch keine Buchung hast, schau dir die Unterkunft ruhig an, zu der sie dich bringen wollen. Nicht alle wollen dich über den Tisch ziehen. Sei aber deutlich und mache ihnen klar, dass du dir das Zimmer anschauen willst, bevor du sie bezahlst. Frag vorher schon nach dem Preis. Und erkläre deinem Fahrer, dass er dich zu einem Hotel deiner Wahl fahren muss, falls du nicht zufrieden bist.

Es empfiehlt sich, am Abend vor der Weiterreise schon die nächste Unterkunft zu buchen. Dazu kannst du entweder an deiner Hotelrezeption nach Tipps fragen – jeder Vietnamese hat irgendwo Freunde oder Familie – oder du vergleichst im Internet. So kurzfristig erhältst du viele Zimmer besonders günstig. Und du musst nicht durch die halbe Stadt laufen und Zimmer und Preise vergleichen, wenn du vor Ort bist.

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... spielt am liebsten draußen. Sie würde einen spontanen Roadtrip immer einem Tag am Pool vorziehen, liebt das Geräusch von Regen auf einem Zeltdach und ist der wohl einzige Mensch auf der Welt, der sich vor Schokolade ekelt.

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