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Wellness für Anfänger: Saunatour in Kuusamo

Es ist allgemein bekannt, dass die Finnen die Sauna erfunden und in die ganze Welt getragen haben. Ebenso weiß jedes Kind, dass in Finnland Elfen leben. Was ich bis zu meiner Reise in den Norden des Landes aber nicht wusste: Elfen leben und arbeiten nicht nur in der Werkstatt des Weihnachtsmanns am Fuße des Korvatunturi, sondern auch in Saunas überall im Lande. Auf einer Saunatour in Kuusamo habe ich zwei von ihnen getroffen.

Eveliina hat hellblonde Haare, eine zierliche Figur und ein fröhliches Wesen. Sie redet schnell und viel, viel zu viel für eine Finnin, wie sie selbst sagt. Joonas ist eher still, kräftig und groß. Wenn er lacht, dann nicht laut, aber trotzdem ansteckend. Eveliina stellt ihn als Auszubildenden vor. Sie ist Saunaelfe, er will Saunaelf werden.

Wir treffen die Elfe und ihren Gehilfen schon bevor es in die erste Sauna geht. Sie tragen dicke Filzschuhe und Bademäntel und auf ihren Köpfen sitzen spitz zulaufende, grobe graue Mützen. Das „Zwergmützen“ verkneife ich mir in ihrer Anwesenheit, denn Elfen mögen es bestimmt nicht, als Zwerge bezeichnet zu werden.

Joonas und Eveliina weihen uns in die Geheimnisse der finnischen Sauna ein. Eveliina ist Profi und trägt dicke Filzpantoffeln statt Crocs. So gehört sich das für eine Elfe.

Natürlich sind wir nicht nur nach Lappland gereist, um die Wildnis zu sehen. Beim Wild Wellbeing Weekend darf auch das Wohlfühlen nicht zu kurz kommen. Deshalb machen wir, was ein Mensch in Finnland machen muss: Wir gehen in die Sauna. Nur: weil eine Sauna alleine uns gar keinen Eindruck davon vermitteln könnte, wie es in einer echten finnischen Sauna zugeht, schauen wir uns gleich mehrere an. Wir machen eine Saunatour.

Auf dem Weg zu unserem ersten Stopp, der Sieben-Sterne-Rauchsauna Isokenkäisten Klubi, erzählt Eveliina von ihrer Katze, die genau wie sie selbst eine regelmäßige Saunagängerin ist und sauer wird, wenn die Sauna mal ein paar Tage nicht an ist. Sie rät uns, zum Eisbaden lieber Socken anzuziehen, wenn es sehr kalt ist auch Mütze und Handschuhe, und erklärt, dass ein Haus ohne Sauna theoretisch zwar denkbar ist, aber praktisch völlig sinnlos, und dass die Menschen in der Stadt sich sogar Saunakabinen in ihre Wohnungen bauen.

Außerdem erfahren wir, dass eine Krankheit, die nicht mit einer guten Rauchsauna therapiert werden kann, potenziell tödlich ist und dass die Sauna in Kombination mit dem anschließenden Bad in einem der zahllosen Seen Finnlands vorzeitigen Winterdepressionen zuverlässig entgegen wirkt.

Ein Haus ohne Sauna zu bauen ist möglich, aber sinnlos.

Isokenkäisten Klubi heißt so viel wie Club der großen Füße. Und genauso fühle ich mich, als ich mit Bademantel und Saunahut gekleidet zum ersten Mal in meinem Leben in ein Paar Crocs schlüpfe. Wie unelegant… Die großen Füße von Isokenkäisten Klubi beziehen sich allerdings weniger auf die Fußbekleidung als vielmehr darauf, dass in der alten Sauna schon sehr viele wichtige Menschen auf den dunklen Holzbänken gesessen und den Dampf genossen haben. Man tritt hier also in große Fußstapfen.

Regel Nummer eins der finnischen Sauna lautet: Es gibt keine Regeln.

Wenn du denkst, dass die finnische Sauna etwas mit der Finnischen Sauna zu tun hat, die man hierzulande in Hotels und Bädern findet, liegst du daneben. Während an deutschen Saunas Regeln fürs richtige Schwitzen hängen, Sanduhren die richtige Sitzungsdauer anzeigen, Nacktheit Pflicht und Konversation verboten ist, lautet Regel Nummer eins der finnischen Sauna: Es gibt keine Regeln. Bis auf diese: In der Sauna darf nicht geflucht und nicht gekämpft werden.

Das mögen die Saunaelfen nämlich gar nicht. Und wer eine Saunaelfe ärgert, fliegt. Eveliina wirft einen strengen Blick in die Runde. Ansonsten ist die Sauna dazu da, sich wohl zu fühlen. Deshalb darf dort geredet und gelacht und getrunken werden. Man geht rein und raus wann man möchte und jeder, der will, darf sich am Aufguss beteiligen.

Dampf ist die Essenz der finnischen Sauna. Und Finnen, die in der Sauna sitzen, fachsimpeln gerne und ausgiebig über den Dampf. „Wenn wir dann irgendwo im Ausland sind und man darf kein Wasser auf die Steine schütten, das ist das schlimmste für einen Finnen“, klagt Eveliina.

Wo eine Sauna ist, ist auch der nächste See nicht weit.

Nach einem ausgiebigen Saunabesuch, unterbrochen durch Schlammpackung und mehrere Badegänge im eiskalten See, geht es weiter nach Pohjolan Pirtti. Umziehen müssen wir uns nicht. In Bademänteln besteigen wir den Minibus. Wenig später haben wir unser Ziel erreicht.

Tanja, die Frau des Hauses, erwartet uns mit frischem Blaubeersaft und vielen Saunalegenden – schließlich befinden wir uns in der „Sauna of the Old Time Stories“.

In Isokenkäisten Klubi haben wir schon gelernt, dass das Auspeitschen mit Birkenblättern gut für die Durchblutung ist. Die Äste werden nach Mittsommer gesammelt und zu Büscheln gebunden, die in der Sauna nass gemacht und aufgewärmt werden. Auf der schwitzenden Haut geben sie eine seifenartige Substanz ab. In Pohjolan Pirtti zaubert Tanja einige Sträuße aus Wacholder hervor. Auch der wird gerne zum Auspeitschen verwendet. Weil seine Nadeln stachelig sind, empfinden Menschen mit sensibler Haut das Auspeitschen als schmerzhaft.

In der Sauna von Pyhäpiilo lässt Eveliina uns an der Saunakosmetik schnuppern.

Während wir schwitzen und uns gegenseitig mit den Sträußen bearbeiten, erzählen Tanja und Eveliina Geschichten von Saunaelfen und Saunageistern und dem Leben in einer fast vergessenen Zeit. Zum ersten Mal höre ich hier von der Bridal Sauna, einer uralten, finnischen Tradition, in der Wacholder eine wichtige Rolle spielt.

Als ich am nächsten Tag in der Sauna von Pyhäpiilo mit einer herrlich duftenden Honig-Kräuter-Salz-Maske im Gesicht erzähle, dass ich bald heiraten werde, steht für drei Menschen eines fest: Es wird noch am Abend in Iisakkis Lakeside Sauna eine Bridal Sauna geben.

Direkt zu: Die Bridal Sauna. Junggesellinnenabschied auf Finnisch.

Mehr zu Lappland

Wenn die Birken sich gelb färben und Rentiere in den Wäldern nach schmackhaften Pilzen suchen, hat im Norden Finnlands die schönste Jahreszeit begonnen. Eine Reise ins herbstliche Lappland: Wenn die Nächte länger werden.

Weitere Geschichten aus und über die Sauna haben meine Kolleginnen Ariane und Elke aufgeschrieben, die mit mir in Lappland waren. Ariane schreibt auf Heldenwetter über die Wissenschaft vom Dampf, Elke berichtet auf dem Meerblog über den Finnischen Slow und die Spezialisierung der Elfen.

*Ein herzliches Dankeschön für die Einladung zum Wild Wellbeing Weekend in Kuusamo an Visit Finland.

Geschrieben von

... spielt am liebsten draußen. Sie würde einen spontanen Roadtrip immer einem Tag am Pool vorziehen, liebt das Geräusch von Regen auf einem Zeltdach und ist der wohl einzige Mensch auf der Welt, der sich vor Schokolade ekelt.

1 Kommentar

  1. Ingeborg

    Na, hoffentlich hast du dich dort super gesundgesaunert, sodass du Herbst und Winter ohne Erkältungskrankheiten und natürlich ohne Winterdepressionen (!) verleben wirst. Herrlich, deine Schilderungen vom Auspeitschen, Eisbaden,
    von Elfen und Geistern…

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