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Rad ab, Ski dran: Snowbiketest in Obertauern

Hast du schonmal ein Snowbike gesehen? Ich auch nicht, bis vor kurzem zumindest. Ein Snowbike ist, wie der Name schon sagt, ein Fahrrad für den Schnee – oder, genauer gesagt, für die Skipiste. Es besteht aus einem Rahmen mit einer Art Sattel und einem Lenker. Statt Reifen hat es zwei voreinander montierte, kurze Ski. In Obertauern habe ich das ungewöhnliche Sportgerät getestet und die Pistenreife erlangt.

Die Snowbiking-Schule von Hermann Koch besteht aus einem kleinen Büro an der Hauptstraße, ein Schreibtisch, ein Counter, nicht größer als zwölf Quadratmeter. An der Fassade ein lilafarbenes Banner mit der Aufschrift Schischule Koch. Vor der geöffneten Tür steht ein Skiständer, wie es in Obertauern hunderte gibt. Nur wer zweimal hinsieht erkennt, dass daran keine normalen Wintersportgeräte lehnen. Die schwarz-gelben Konstruktionen, die hier stehen, erinnern entfernt an zusammengeklappte BMX-Räder.

Wer sich eines davon leihen will, erklärt Hermann, der mich an diesem Tag in die Geheimnisse des Schneeradelns einführt, muss sich ausweisen können. Nicht mit dem Personalausweis oder dem Pass, sondern mit einem Zertifikat. So wie es zum Golfen die Platzreife braucht, braucht es zum Snowbiken eine Pistenreife. Wer ein Rad leihen und ohne Begleitung fahren möchte, muss nicht nur wissen, wie gebremst wird – er muss es auch im Sessellift transportieren können.

Ich bin noch nie in meinem Leben Ski gefahren. Wenn man zwei Ausflüge zum Skilanglauf nicht dazu zählt, waren meine Füße bei allen Wintersportaktivitäten bislang fest auf ein einziges Brett geschnallt. Und das ist mir auch bedeutend lieber.

Wie lange es denn dauert bis zu dieser Pistenreife, will ich von Hermann wissen. Der zuckt nur die Schultern: „Wirst schon sehen, ist ganz leicht.“ Ich bin nicht überzeugt. Auch nicht als er mir erzählt, dass selbst Paul McCartney mit dem Snowbike – damals noch Skibob genannt – umgehen konnte. Jener Paul McCartney aus Liverpool, der zwar gut Musik machen konnte, beim Skikurs in Obertauern aber eine ganz schlechte Figur abgab.

Ein Snowbike hat keine Bremse

Ich will gar nicht ohne Begleitung auf die Piste, ich bin froh, dass Hermann dabei ist. Und als er mich auffordert, den flachen Hang zur Übungspiste herunterzufahren, anstatt das Snowbike zu tragen, muss ich kurz schlucken, setze mich dann aber auf den Sattel, hebe die Knie und lasse laufen. Es fühlt sich an wie Fahrradfahren. Mit dem Unterschied, dass das Snowbike keine Bremse hat.

Bevor es richtig losgeht, bekomme ich deshalb noch kurze Skier an beide Füße geschnallt, zum Ausbalancieren. Das ist wichtig, damit ich später Kurven fahren kann. Und weil man beim Snowbiken eigentlich nur bremsen kann, wenn man schöne, große Kurven fährt, ist das irgendwie Grundvorraussetzung.

Zweimal fahren wir die Übungspiste. Hermann fährt vor, ich fahre hinterher. Große Schwünge. Über die rechte Schulter schauen, Rechtskurve, über die linke Schulter schauen, Linkskurve. Unbewusst bewege ich dabei meinen Körper so, dass eine langgezogene Kurve dabei herauskommt.

Beim zweiten Mal klappt es ohne den Schulterblick, indem ich eine Seite des Lenkers loslasse und mein Gewicht in die Kurve lege. Hermann ist zufrieden. „Ist super leicht, oder“, sagt er. Nicht zum letzten Mal an diesem Tag. Und schleift mich direkt darauf zum Lift. Zum Glück fahren wir zusammen. Sessellift fahren ist nämlich wirklich nicht so leicht wie gedacht.

Beim Einstieg muss alles schnell geben. Bike außen positionieren, im richtigen Moment anheben, in den Sessel setzen, Rad von außen greifen, Sicherungsbügel schließen und das Rad mit dem Sattel obendrauf einhängen. Dort muss es während der gesamten Fahrt festgehalten werden. So ein abstürzendes Rad könnte nämlich ziemlich großen Schaden anrichten. Der Ausstieg ist kinderleicht. Rad abheben, mit beiden Beinen daneben stellen, die Hände an den Lenker und los. Wer ganz kühn ist, nimmt Schwung und schwingt das eine Bein über den Sattel, ohne zum Aufsitzen abzubremsen. Beim Versuch falle ich seitlich in den Schnee – das soll aber der einzige Sturz bleiben.

Nach zwei Fahrten auf der blauen sind wir nun schon auf einer roten Piste angekommen. Ich bin begeistert davon, wie schnell sich diese Sportart lernen lässt und werde immer wagemutiger. Zwar ist das nicht mit Snowboarden vergleichbar, Spaß macht es aber allemal. Und ich bin fast ein bisschen enttäuscht, als unsere zwei Stunden vorbei sind.

Zurück in der Skischule gratuliert Hermann mir zum bestandenen Kurs. An der Wand im Büro hängen Bilder und Zeitungsschnitte. Hermann ist eine lokale Berühmtheit. Er hat auch dem Kaiser das Snowbiken beigebracht – ein Bild von ihm und Franz Beckenbauer ziert die Wand gegenüber des Schreibtischs. Der habe sich auch gut angestellt auf dem Ding, sagt Hermann. „Aber der Franz ist auch auf Skiern ein ganz flotter.“

 


Snowbiking: Das musst du wissen

  • Snowbiking ist besonders geeignet für Menschen mit Knieproblemen, die dennoch nicht auf Wintersport verzichten möchten. Die Belastung ist wesentlich geringer als auf Skiern.
  • Snowbiking ist innerhalb kürzester Zeit zu erlernen. Wer Fahrrad fahren kann und Erfahrung auf Skiern oder dem Snowboard hat, dürfte nach einer Stunde schon relativ sicher mit dem Schneerad unterwegs sein.
  • Snowbiking gibt es schon seit 1949. Der Sitzski, erfunden von Engelbert Brentner, ist seit 1952 patentiert und ein Vorläufer des Skibob, aus dem sich wiederum das moderne Snowbike entwickelt hat.
  • Wer denkt, dass Snowbiken nicht anstrengend ist, irrt gewaltig. Auch auf dem Bike braucht es eine ordentliche Körperspannung.
  • Hermann Koch ist gemeinsam mit Harald Brentner, dem Enkel des Skibob-Erfinders Engelbert Brentner, mehrfacher Höhen-Weltrekordhalter im Snowbiken.

So viel kostet Snowbiking

Preise der Skischule Koch Obertauern (Stand Februar 2015): Der zweistündige Schnupperkurs kostet 63 Euro pro Person in der Gruppe (ab 2 Personen). Snowbike-Verleih pro Tag 41 Euro.

Paul McCartney auf dem Snowbike. Foto: © Tourismusverband Obertauern

Zur Recherchereise nach Obertauern wurde ich vom Tourismusverband Obertauern eingeladen.
Teaserfoto: © Tourismusverband Obertauern

Geschrieben von

... spielt am liebsten draußen. Sie würde einen spontanen Roadtrip immer einem Tag am Pool vorziehen, liebt das Geräusch von Regen auf einem Zeltdach und ist der wohl einzige Mensch auf der Welt, der sich vor Schokolade ekelt.

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