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Reisen: Tolkien über ein gefährliches Unternehmen

Es ist ein gefährliches Unternehmen, dein Zuhause zu verlassen. Du trittst auf die Straße, und wenn du nicht auf deine Füße acht gibst, wirst du nie wissen, wohin es dich verschlägt.

– J.R.R. Tolkien

Oh ja, es ist ein gefährliches Unternehmen, die Sicherheit und den Komfort eines Zuhauses hinter sich zu lassen. Doch die Entschädigung ist enorm. Viele Reisende suchen den Komfort, den sie zu Hause gewohnt sind, auch unterwegs. Sie essen das gleiche Essen, das sie auch zu Hause essen, sie lassen sich ihre Zeitung ins Hotel oder die Ferienwohnung nachsenden oder lesen sie über Smartphone und Tablet. Sie fliehen vor ihrem Alltag und holen ihn sich im Urlaub dennoch zurück. Sie verlassen ihre Heimat, um den Ort zu wechseln, nicht aber, um Neues kennenzulernen.

Eine Freundin hat mir Folgendes erzählt: Sie war mit einer Freundin in Tunesien, untergebracht in einem Hotelkomplex in einer kleinen, sehr touristischen Stadt am Meer, lange vor dem Arabischen Frühling. Das Hotel bot geführte Touren in die Hauptstadt Tunis an, man würde gemeinsam mit anderen Touristen in einem Bus in die Stadt gekarrt werden, zu den Touristenhighlights und den Touristenläden geführt. Es würde nicht erlaubt sein, sich von der Gruppe zu entfernen – zu gefährlich. Es werde aber genug Zeit geben, alles zu fotografieren, versprach man. Meine Freundin weigerte sich, diesen Bus zu nehmen. Stattdessen organisierten sie und ihre Freundin sich ein Taxi, das sie in die Stadt bringen und wieder abholen würde. Sie wurden mitten in Tunis herausgelassen. Im Hotel hatte man ihnen gesagt, sie seien verrückt, und dass es viel zu gefährlich sei, vor allem für Frauen, ohne Gruppe in der Stadt herumzulaufen. Doch weder sie noch ihre Freundin waren verrückt. Sie waren neugierig. Sie hatten einen wunderbaren Tag in der Hauptstadt, unterhielten sich mit vollkommen fremden Menschen über deren und ihr Leben. Sie besuchten Läden, die zuvor wahrscheinlich kaum eine europäische Frau alleine betreten hatte und wurden mit Gastfreundschaft und Offenheit und einem Glas Tee überall empfangen. Ein Teppichhändler nahm die beiden mit zu sich nach Hause, wo sie seine Familie kennenlernten und zum Essen eingeladen wurden.

Die Konventionen seines Volkes lassen Bilbo Beutlin, den Helden von Tolkiens „Hobbit“ zögern, das abenteuerliche Angebot Gandalfs und der Zwerge anzunehmen. Sein sicheres Zuhause zurückzulassen um sich kopfüber in ein Abenteuer zu stürzen, hört sich für ihn nicht nach einem guten Deal an. Auf der Reise bereut er seine Entscheidung mehrfach – besonders dann, wenn er in Gefahr gerät. Als er heimkehrt, hat er sich sehr verändert, und die anderen Hobbits treten ihm misstrauisch gegenüber. Er selbst aber kennt nun das, was man Fernweh und Abenteuer nennt und freut sich an den Erinnerungen an seine Reise. Und dennoch warnt er seinen Neffen Frodo vor den Gefahren, die das Unterwegssein mit sich bringt. Weil man, sobald man die eigene Komfortzone einmal verlassen hat, niemals mehr der Selbe ist.

Glaubt den Worten eines weisen Mannes, John Ronald Reuel Tolkien: Reisen heißt auch, Risiken in Kauf zu nehmen. Wer das tut, stärkt seinen Charakter. Reist um des Reisens Willen. Lasst die Straße euch wo auch immer hin tragen. Und glaubt nicht denen, die euch erzählen, dass irgendetwas zu gefährlich ist, es zu wagen.

Geschrieben von

... spielt am liebsten draußen. Sie würde einen spontanen Roadtrip immer einem Tag am Pool vorziehen, liebt das Geräusch von Regen auf einem Zeltdach und ist der wohl einzige Mensch auf der Welt, der sich vor Schokolade ekelt.

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