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8 Gründe, warum du im nächsten Winter nach Vietnam reisen solltest

Eine Reise nach Vietnam ist nicht komplett ohne einen Besuch in der Hauptstadt Hanoi. Natürlich, aber Vietnam hat noch viel mehr zu bieten als das. Nachdem ich letzte Woche erklärt habe, was du vor deiner Reise nach Vietnam unbedingt über das Land wissen solltest, möchte ich es dir heute näher bringen. Diese Highlights solltest du auf deiner Tour auf gar keinen Fall verpassen: 8 gute Gründe, warum du diesen Winter nach Vietnam reisen solltest.

1. Die Altstadt von Hanoi

Eine Reise nach Vietnam ist ohne einen Besuch der Hauptstadt nicht komplett. Hanoi ist mittelalterlich und modern. Aus der Zeit gefallen. Eine vor Leben sprudelnde, aber dennoch traditionelle asiatische Metropole. In der Altstadt zeigt sie alle ihre Facetten. Dort ist es laut, stickig und eng. Es riecht nach asiatischem Essen, Gewürzen und Räucherstäbchen, nach Abgasen und Müll. Hier teilen sich tausende von Motorrollern die Straßen und Gehwege mit Touristen und Einheimischen, Straßenverkäufern und Ladenbesitzern und Tieren.

Im Mittelalter, kurz nach der Einweihung des Königspalastes, ließen sich erstmals Handwerker in Hanoi nieder und jede Zunft beanspruchte eine andere Straße für sich. 36 Straßen erhielten damals ihren ganz speziellen Charakter, den sie bis heute behalten haben. An den Straßennamen, aber auch an den ansässigen Geschäften, ist heute noch ersichtlich, welche Handwerker wo niedergelassen waren. Die Straßennamen setzen sich zusammen aus Hang – übersetzt Handelsware – und dem Namen des Produktes, das dort traditionell verkauft wurde. Hang Doi etwa heißt übersetzt Seidenstraße, Hang Bac ist die Silberstraße und Hang Thiec ist die Straße, in der Metallprodukte verkauft werden. Hier wird heute noch auf offener Straße geschweißt.

Tipp: Schau dir das rege Treiben und das Gewimmel von der Straße aus an. Am besten aus einer Fahrradrikscha. Von dort sieht alles noch viel geschäftiger aus und das Gefühl, mit dem Fahrrad durch dieses Chaos gefahren zu werden, ist irgendwie beängstigend, aber auch sehr reizvoll.

2. Fahrt im Nachtzug

Nachtzüge sind in Vietnam ein sehr übliches Fortbewegungsmittel. Viele Vietnamesen haben im ganzen Land Familie und nutzen den Zug, um zu ihren Verwandten zu kommen, weil sie kein eigenes Auto besitzen. Auf der Strecke zwischen Hanoi und Sapa gibt es Züge mit Zweier-Abteilen, auf der Strecke zwischen Hanoi und Ho Chi Minh City werden die Abteile mit mindestens vier Personen belegt.

Züge sind das pünktlichste Verkehrsmittel in Vietnam – erwarte jedoch nicht, dass sie deshalb auch pünktlich ankommen. Kann gut sein, dass du nie wieder auf die Deutsche Bahn schimpfen wirst, sobald du mal in Vietnam Zug gefahren bist. Es hilft ungemein, das alles gelassen zu sehen und die schöne Aussicht zu genießen. Ansagen über Verspätungen gibt es zwar nicht, der Schaffner weckt seine Passagiere aber in der Regel rechtzeitig vor dem Ziel.

Tipp: Schlaf wenn möglich oben. Die Matratzen sind dort noch nicht so ausgelegen wie unten. Außerdem hast du ein bisschen mehr Privatsphäre. Und, auch wenn das klar sein sollte: Ohropax wirken wahre Wunder.

3. Eine der vielfältigsten Küchen der Welt

In Vietnam soll es knapp 500 Nationalgerichte geben. Ich habe sie längst nicht alle probiert in den knapp zehn Tagen, die ich dort war, aber alles, was ich probiert habe, war köstlich. Besonders empfehlenswert ist das Street Food. Wenn du Vietnam verlässt, ohne Street Food probiert zu haben, dann stimmt etwas nicht mit deinem Appetit und du solltest dich ärztlich untersuchen lassen. Spaß beiseite: Iss! Straßengrills und Cafés sind häufig auf ein Gericht spezialisiert. Frittiertes Gemüse, gegrillte Spieße in Baguette, Dumplings, Suppe oder Pfannengerichte gibt es an jeder Ecke. Du hast ständig das Gefühl, noch etwas essen zu wollen, weil es von überall so verlockend duftet.

Zugegeben, manche Straßen-Grills sehen etwas dreckig oder schäbig aus – aber hey, Fleisch, Gemüse und Co. sind immerhin gegrillt, du kannst also davon ausgehen, dass das Feuer alles Schädliche abgetötet hat. Wenn du einen empfindlichen Magen hast, solltest du vielleicht nur auf Getränke mit Eiswürfeln verzichten, weil die außerhalb der Touristenrestaurants manchmal aus Leitungswasser gemacht werden.

Tipp: Nicht nur das vietnamesische Essen ist spitze! Liebhaber von süßen Kaffeegetränken sollten unbedingt den vietnamesischen Café sûa probieren. Das ist kalter – manchmal auch warmer – Kaffee mit süßer Kondensmilch. Ebenfalls eine Spezialität: Wiesel-Kaffee. Der wird aus Kaffeebohnen hergestellt, die von Wieseln schonmal verdaut wurden.

4. Cat Ba Island und Bai Tu Long Bay

Mach einen Bogen um die Halong-Bucht. Beziehungsweise: Buche nicht die erstbeste Tour in die Bucht. Nicht, weil es dort nicht schön ist. Die Halong-Bucht ist atemberaubend schön. Allerdings wirst du kaum dazu kommen, diese Schönheit zu genießen, denn mit dir sind gefühlte 3000 weitere Touristen dort, die alle das gleiche Programm haben. Viele von ihnen kommen sogar nur für einen Tag.

Wenn dich diese Pauschalabfertigung stört, solltest du in Erwägung ziehen, einen dreitägigen Ausflug in die Halong-Bucht mit Übernachtung auf Cat Ba Island zu buchen. Cat Ba ist die einzige bewohnte Insel in der Bucht und bis dorthin kommen die meisten Kurztouristen erst gar nicht. Alternativ kannst du einen Ausflug in die Bai Tu Long-Bucht machen, östlich der Halong-Bucht.

Tipp: Ein Ausflug mit Übernachtung in die Halong-Bucht ab Hanoi kostet zwischen 80 und 150 Dollar. Das Programm ist bei allen Anbietern ziemlich identisch: Höhlenbesichtigung, Kajak fahren, Kochkurs, Tintenfisch-Fischen – alle Programmpunkte klingen besser als sie sind. Ein Dreitages-Ausflug mit Übernachtung auf Cat Ba Island kostet dich rund 200 Dollar aufwärts. Nach Bai Tu Long kommst du am besten auf eigene Faust – per Boot entweder ab Halong City oder Cai Rong, einige Kilometer weiter östlich. Einige Reiseanbieter haben auch die Bai Tu Long-Bucht mittlerweile im Angebot – am besten du fragst direkt im Reisebüro nach.

Blick auf die Halong-Bucht.

5. Fahr aufs Land

Nach dem Vietnam-Krieg, den die Vietnamesen den Amerikanischen Krieg nennen, ist der Tourismus in Vietnam nur langsam in Fahrt gekommen. Noch immer steht das Land bei ausländischen Touristen nicht so hoch im Kurs wie die Nachbarländer China oder Thailand. Und die meisten Besucher bewegen sich entlang bestimmter Routen, weil individuelles Reisen aufgrund der teilweise noch schlechten Infrastruktur mühsam ist.

Es gibt deshalb in Vietnam ländliche Gebiete, in denen nur selten Touristen landen. Hier erlebst du das echte Vietnam. Die Menschen sind neugierig auf dich und deine Geschichten. Plane unbedingt einen Zwischenstopp in einer weniger touristischen Gegend ein!

Tipp: Nicht ganz unerschlossen, aber auch noch nicht zu touristisch ist das Örtchen Son Trach, das am Eingang zum Phong Nha-Ke Bang-Nationalpark liegt.

6. Leih dir einen Roller!

Jeder Vietnamese besitzt einen Roller – mindestens einen. Und so ist der Roller eines der beliebtesten Fortbewegungsmittel auf kurzen Strecken. Mach dir keine Sorgen um dein Gepäck: Du wirst dich wundern, wie viel du auf einem Roller transportieren kannst – Zementsäcke, lebende Schweine, ganze Familien. Rollerfahren ist billig und praktisch. Und du kannst auch für längere Touren ein Zweirad buchen.

Tipp: Vielleicht solltest du mit dem Rollerfahren nicht in Hanoi oder Ho Chi Minh City anfangen. Kaum irgendwo ist der Verkehr dichter und chaotischer. In kleineren Städten und auf dem Land ist das Rollerfahren aber kein Problem – selbst wenn du überhaupt keinen Führerschein hast. Eine kurze Einweisung genügt.

6. Phong Nha-Ke Bang-Nationalpark

Der Phong Nha-Ke Bang liegt an der Grenze zu Laos und zählt zum Weltnaturerbe. Tier- und Pflanzenliebhaber kommen in der Trockenzeit in den bewaldeten Berghängen auf ihre Kosten. Unter der Erde befindet sich ein riesiges Höhlensystem. Einige der Höhlen dienten der Bevölkerung im Vietnam-Krieg als Schutz. Erst lange nach Ende des Vietnam-Kriegs entdeckt wurde die Hang Son Doong, die größte Höhle der Welt. 6481 Meter ist sie lang und bis zu 200 Meter hoch. Noch immer ist nicht klar, ob sie regelmäßig für Touristen geöffnet werden soll. Aber keine Sorge! Die anderen Höhlen bieten mehr als genug Platz für Unterwelt-Abenteuer. Indiana Jones-Feeling ist garantiert!

Tipp: Such dir für ein paar Tage eine Unterkunft in Son Trach, anstatt von Dong Hoi oder Danang eine Tagestour in die Höhlen zu machen. Son Trach liegt direkt am Eingang zum Nationalpark und eignet sich perfekt als Ausgangspunkt für Ausflüge.

Ein unterirdischer Fluss zieht sich durch die Höhlen im Phong Nha-Ke Bang.

7. Hoi An – Asien light und Stoffe ohne Ende

Zugegeben: Hoi An ist schon zu schön, um wahr zu sein. Die kleine Stadt in Zentralvietnam bietet ein Asien Light-Erlebnis. Die Innenstadt ist herausgeputzt und blitzblank, abends beleuchten hunderte von Laternen die Straßen, Teelichter schwimmen auf dem Fluss und einige Teile der Altstadt sind für den motorisierten Verkehr gesperrt. Obwohl du eigentlich in ganz Vietnam maßgeschneiderte Klamotten kriegst, ist Hoi An das Zentrum der touristischen Maßschneidereien. Kaum jemand verlässt die Stadt ohne ein neues Paar Schuhe, ein Kleid oder einen handgenähten Seidenlampion.

Tipp: Wenn du dir etwas schneidern lassen möchtest, solltest du eine ungefähre Ahnung von Stoffen haben. Wenn dir in einem Geschäft etwas als Seide verkauft wird, stellt es sich nach einigem Nachfragen nämlich auch schnell mal als Chiffon heraus. Echtes Leder erkennst du daran, dass es ihm nichts ausmacht, wenn du mit einer offenen Flamme (zum Beispiel vom Feuerzeug) daran entlang streichst. Kunstleder verzieht sich oder schmilzt. Echte Seide erkennst du, indem du ein kleines Stück abschneidest und ebenfalls abbrennst: Seide brennt mit Flamme, hinterlässt Asche und riecht nach verbranntem Haar. Auch hier gilt: Kunststoffe schmelzen zusammen. Wenn du mit dem Feuer drohst, werden die Verkäufer aber schon mit der Sprache rausrücken, ob es sich um echte Materialien handelt.

 8. Ho Chi Minh City

Der Gegensatz zwischen Nord- und Süd-Vietnam wird nirgends so offensichtlich wie im Vergleich zwischen Ho Chi Minh City und Hanoi. Im Norden die kommunistische, traditionelle Hauptstadt, im Süden die weltoffene Metropole, die sich immer stärker dem Westen öffnet. Hier gibt es McDonalds, Burger King und Kentucky Fried Chicken, Hochhäuser, Neonreklamen und Großbaustellen. HCMC ist eine schnell wachsende Großstadt mit Financial District, wo Banker in Anzügen in der Mittagspause zu Starbucks gehen. Im Norden wäre das unvorstellbar.

Tipp: Rein ins Nachtleben. In Saigon wird wild gefeiert. Tanzen kannst du zum Beispiel im legendären Apocalypse Now, großartige Cocktails mit Aussicht über die Stadt gibts in der offenen Dachbar des Toa Nha Sheraton.

Die Skyline von Ho Chi Minh City.

Teaserfoto Street Food in Hanoi von Maxime Guilbot CC BY 2.0.

Geschrieben von

... spielt am liebsten draußen. Sie würde einen spontanen Roadtrip immer einem Tag am Pool vorziehen, liebt das Geräusch von Regen auf einem Zeltdach und ist der wohl einzige Mensch auf der Welt, der sich vor Schokolade ekelt.

6 Kommentare

    • Sehr aufmerksam. Aber auch nicht ganz richtig. Es sind nicht “alles nicht meine” Bilder, sondern “nicht alle meine” Bilder. Aber um deine Frage zu beantworten: Ich hatte auf der Reise Probleme mit meiner Kamera und habe deshalb nicht so viele eigene Bilder wie ich gerne hätte. Ich illustriere meine Texte trotzdem gerne mit Fotos. Deshalb sind in diesem Artikel Bilder, die nicht von mir stammen. Wenn du wissen willst, von wem sie sind, kannst du einfach die Namen der Fotografen anklicken, für die ich hier gerne Werbung mache, weil sie alle großartige Fotos ins Netz stellen und sie sogar zur Nutzung freigeben. Ich hoffe, das beantwortet deine Frage.

  1. Beim ersten Mal Vietnam dachte ich auch die Küche wäre vielfältig. Das kommt aber vor allem davon, dass man sich als Reisender schnell von Norden nach Süden oder umgekehrt bewegt. Es gibt in dem langgezogenen Land quasi jede Busstunde andere Gerichte.

    Beim zweiten Mal sind wir dann 2 Monate in Saigon geblieben. Das war mal nix von wegen Vielfalt 😉

    • Hi Florian, na gut, wenn du dich z.B. in Deutschland vorwiegend in Bayern aufhältst, wird dir das auch schnell aus dem Hals raushängen. Tatsächlich hat mir das Essen in Saigon auch nicht sooo gut geschmeckt. Wobei es da viele tolle kleine Bäckereien gab. Im Norden wars definitiv vielfältiger. Insgesamt gesehen stimmt es aber schon, dass die Küche sehr, sehr vielfältig ist. Vor allem für so ein kleines Land. In Sri Lanka zum Beispiel hing mir das Essen nach drei Tagen zum Hals raus und ich hab mich riesig gefreut, dass es in einer Unterkunft zur Abwechslung mal Pommes gab 😉

  2. Dunja

    Hey Anna,

    das ist wirklich einer der besten Reiseberichte über Vietnam, den ich bisher gelesen habe. Sehr informativ und vor allem die Tipps rund um die Halong-Bucht schreibe ich mir für meinen ersten Trip nach Vietnam hinter die Ohren! 🙂

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