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Warum du nicht kündigen solltest, um zu reisen

Ich sehe gefühlt täglich Posts und Artikel, die mich dazu auffordern, meinen Job zu kündigen und auf Reisen zu gehen, um endlich mein Leben in Freiheit zu leben. Den Wunsch, viel und immer mehr zu reisen, kann ich als Vielreisende unheimlich gut nachvollziehen. Ich ertappe mich selbst sogar manchmal, wie ich manche der Statements abnicke, die mir weismachen wollen, dass ich NUR auf Reisen wirklich frei und ich selbst sein und dem ominösen Hamsterrad entfliehen kann.

Aber: Ich bin ganz und gar nicht dieser Überzeugung.

Reisen und Freiheit – und Glück – bedingen sich nicht zwangsläufig. Du kannst reisen, ohne dich dabei frei zu fühlen und du kannst frei sein, ohne zu reisen. Wenn du im Reinen mit dir selbst bist und deine lange Reise planst, ist das wahrscheinlich eine ganz wunderbare Idee. Ich kenne einige Langzeitreisende, die glücklich sind mit dem, was sie tun – oder die das zumindest sagen. Bloß: Wenn du vor etwas davonläufst, wird es dich immer einholen. Reisen ist wie Alkohol: Es verstärkt nur deine Grundstimmung.

Tatsächlich spricht eine ganze Menge dagegen, einfach alle Zelte ab- und ins Ungewisse aufzubrechen. Auch wenn ich zugeben muss, dass die Idee etwas Abenteuerliches und Verlockendes hat: Es gibt viele Gründe, es nicht zu tun.

Wovor rennst du weg?

Hast du dich mal gefragt, warum du gerne glauben willst, dass die Kündigung und eine anschließende Reise dich frei machen?

Weil du in deinem Job gefangen bist, sagst du.
Ich sage: Niemand ist in seinem Job gefangen.

Ich mag meinen Job sehr gerne, aber auch ich habe manchmal keine Lust auf Arbeiten. Das geht uns doch allen so. Ich bin auch mal mega unzufrieden, wenn etwas nicht so läuft wie ich möchte. Das blöde ist: Ohne Arbeit kommst du nur in den seltensten Fällen über die Runden. Falls du nicht zufällig Lottogewinner oder Internetmillionär bist, wirst du Geld brauchen – für all die schönen Dinge im Leben: Reisen, essen gehen mit Freunden, einen Cocktail am Strand trinken, eine Yogastunde hier und ein Smoothie da…

Niemand stampft beruflichen Erfolg einfach aus dem Boden

Du kannst vorher für deine Reise sparen oder aber mit sehr wenig Geld über die Runden kommen. Du kannst unterwegs jobben, um dich über Wasser zu halten. Oder sogar On The Road ein eigenes Business gründen. Aber: Wenn es so leicht wäre wie manche dich glauben lassen wollen, ein Business aus dem Boden zu stampfen, für das du nur vier Stunden in der Woche arbeiten musst, würde niemand mehr 40 Stunden pro Woche oder noch mehr arbeiten.

Klingt aber abgesehen davon eigentlich immer noch in Ordnung oder? Sparen, kündigen, reisen, frei sein?

Ja, für den Moment. Nur: Dein Erspartes ist irgendwann aufgebraucht – ganz egal wie sparsam du lebst. Oder du hast irgendwann einfach keine Lust mehr auf Couchsurfen und Trampen. Reisen mit wenig Geld hört sich romantischer an, als es ist. Und arbeiten auf Reisen ist nicht so leicht wie du glaubst: Während alle um dich herum die Sonne genießen, Surfen gehen oder die Umgebung erkunden, ist es gleich doppelt schwer, produktiv zu sein.

Und dann kommst du zurück und brauchst: Geld

Und dann kommst du zurück und brauchst wieder Geld. Vielleicht ziehst du wieder bei deinen Eltern ein, weil du alles aufgegeben hast. Und du suchst dir wieder einen Job. Mit dem bist du, wenn du Pech hast, genauso unzufrieden wie mit dem letzten, vor dem du davon gerannt bist.

Ich kenne sehr viele Menschen, die mit ihren Jobs unzufrieden sind. Würden sich all diese Menschen mal dem wahren Problem zuwenden, müssten sie vor überhaupt nichts davonlaufen.

Das Problem ist nicht das Hamsterrad, in dem vermeintlich alle gefangen sind. Das Problem liegt beim Hamster selbst. Ich nenne es die Hamsterstarre. Das ist der Effekt, der eintritt, wenn du dich mit Gegebenheiten arrangierst, statt sie zu hinterfragen und für dich zum besseren zu verändern. Wenn du also zum Beispiel den anderen die Schuld gibst. Den Kollegen, deinem Chef, dem System.

Einfach kündigen ist in dieser Situation nicht der schwierigste, sondern der leichteste Schritt.

Bekämpfe die Wurzel des Übels: Verändere was!

Wenn dir dein Job keinen Spaß macht, suche dir einen besseren. Lerne etwas Neues, denn dafür ist es tatsächlich nie zu spät. Einfach abhauen bringt dich nur für kurze Zeit weiter.

Ich habe schon gesagt, dass ich meinen Job gerne mache. Und ich weiß, dass es da draußen sehr viele Menschen wie mich gibt, die gerne zur Arbeit gehen und nicht nur, weil sie finanziell von ihrem Arbeitgeber abhängig sind.

Ich war und bin auch nicht immer mit allem zufrieden.

Irgendwann habe ich zum Beispiel gemerkt: 30 Urlaubstage sind mir persönlich nicht genug zum Reisen. Ich will schließlich die Welt sehen, verdammt!

Also habe ich meinen Chef gefragt, ob ich weniger arbeiten kann. Seit Juli arbeite ich in Teilzeit. Für mich bedeutet das: Ich bekomme nur noch 80 Prozent meines Gehalts und arbeite weiter ganz normal. Aber jede Woche spare ich einen Tag an, den ich mir zu einem späteren Zeitpunkt frei nehmen kann. So habe ich mehr Zeit für mich, zum Reisen und für mein Mini-Business: Diesen Reiseblog. Für mich ist das die perfekte Lösung.

Vielleicht wirst du ja auch mit einer Teilzeitstelle glücklich? Oder du fragst deinen Chef nach einem Sabbatjahr? Ich weiß, dass das Fragen Überwindung kostet, aber: Wer nicht fragt, der nicht gewinnt. Für diese abgedroschene Aussage werden meine Bürokollegen mich möglicherweise zwingen, 50 Cent ins Phrasen-Sparschwein zu schmeißen. Und das ist auch wieder ein Grund, warum ich meine Arbeit mag.

Finde heraus, was dich glücklich macht

Wenn du wirklich todunglücklich in deinem Job bist, dann macht es natürlich keinen Sinn, dort weiter zu arbeiten. Aber es macht Sinn, sich Gedanken über Alternativen zu machen, statt wegzulaufen.

Wäre zum Beispiel die Selbstständigkeit was für dich? Je nachdem, was du anbieten kannst, könntest du damit sogar ortsunabhängig arbeiten – und mehr reisen. Oder wärst du in einem anderen Beruf oder einer anderen Firma vielleicht besser aufgehoben?

Wenn du eine Auszeit brauchst, um herauszufinden, welcher Job dir Spaß macht, nur zu! Nimm dir diese Auszeit. Wenn du dir sicher bist, dass nur das Reisen dich glücklich machen wird, kauf dir ein One-Way-Ticket. Aber erwarte nicht, dass alle Sorgen dann plötzlich wie weggeblasen sind.

Träume leben finde ich prinzipiell super und ich kann den Wunsch nachvollziehen, sich selbst zu finden. Für den ein oder anderen ist eine Reise in dieser Hinsicht bestimmt hilfreich.

Wenn Langzeitreisen dein Traum ist, dann, um Himmels willen, lass dich nicht abhalten. Nur: Mach es nicht, weil du zu Hause einfach alles scheiße findest. Unterwegs wird es nicht besser, auch wenn überall die Sonne scheint. 

So schaffst du es, auch ohne Kündigung deine Reiseträume zu verwirklichen: Eine Checkliste

1. Plane deine Urlaube klug.

Ich war im letzten Jahr 48 Tage auf Reisen. Mit 30 Urlaubstagen. Das geht leichter als du glaubst. Jeder von uns hat nämlich nicht nur Urlaubstage, sondern auch Wochenenden, Feiertage und eventuell sogar Überstunden, die abgefeiert werden wollen. Wie du die Sache am klügsten angehst, liest du hier: Auszeit vom Job – mach auch du mehr aus deinem Urlaub!

2. Verhandle

Frag deinen Chef nach unbezahltem Urlaub oder nach einer Teilzeitregelung. Hab keine Angst, dass er dir das falsch auslegt. Erkläre genau, warum du mehr Zeit für dich brauchst. Wer glücklich ist, ist auch auf der Arbeit produktiver. Und wer sagt, dass das in deinem Beruf unmöglich ist, hat nur keine Lust, an einer kreativen Lösung zu arbeiten.

3. Fang an, Geld zu sparen

Gib nicht so viel Geld für nutzlose Dinge aus. Brauchst du wirklich all diese Zeitschriftenabos? Kannst du auf den Coffee to go nicht verzichten (vielleicht auch der Umwelt zuliebe)? Brauchst du dieses Sommerkleid? Sparen ist nicht schwer, wenn du weißt, wofür. Nämlich dafür, dass du viel Reisen kannst – und zwar auf deinem gewohnten Komfortlevel. Verkaufe Dinge, die du nicht mehr brauchst und leg das auf diese Weise eingenommene Geld beiseite.

4. Fang an, wirklich zu reisen

Und damit meine ich: Mach nicht nur Urlaub. Nur weil du vielleicht nur drei Wochen am Stück frei nehmen kannst, heißt das noch lange nicht, dass du diese drei Wochen am Strand eines All-Inclusive-Resorts verbringen musst. Finde heraus, welche Art von Reisen dich glücklich macht! Für mich gibt es zum Beispiel nichts entspannenderes als das Reisen, also das Unterwegssein an sich.

5. Verbinde privates und berufliches Reisen

Vielleicht kannst du berufliches und privates Reisen verbinden? Gibt es bei deinem Arbeitgeber die Möglichkeit, auf Dienstreisen zu gehen? Gäbe es vielleicht eine andere Stelle, bei der das möglich ist? Dienstreisen sind natürlich etwas ganz anderes als private Reisen. Aber du kannst sie meistens verlängern und privaten Urlaub dranhängen. So sparst du nebenbei noch Geld.

Wie kriegst du Reisen und Arbeiten (und vielleicht sogar noch mehr) unter einen Hut? Was hindert dich daran, deine Reiseträume zu leben? Sags mir in einem Kommentar!

Foto: Morgan Sessions

Geschrieben von

... spielt am liebsten draußen. Sie würde einen spontanen Roadtrip immer einem Tag am Pool vorziehen, liebt das Geräusch von Regen auf einem Zeltdach und ist der wohl einzige Mensch auf der Welt, der sich vor Schokolade ekelt.

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  1. Julian

    Hey Anna,
    ich hatte mich vor drei bis vier Monaten entschieden zu Reisen, um frei zu sein – das erste Mal in meinem Leben richtig zu reisen. Doch kurz vor den Besichtigungsterminen meiner Wohnung konnte ich nicht weiter und habe die Kündigung zurück gezogen. Das gleiche passiert mir nun wieder. Vor ein paar Wochen habe ich fest gestellt, dass ich nicht hier kleben bleiben möchte – generell kam mir das ‘hier-bleiben’ als ‘innerlich-sterben’ vor. Deshalb entschied ich mich, doch zu reisen. Jetzt, einen Tag vor der Wohnungsbesichtigung, das gleiche Szenario: Etwas in mir möchte die Wohnung nicht aufgeben. Ich weiß nicht genau was es ist – entweder eine Angst alles aufzugeben oder ein Gefühl auf das ich hören sollte.
    Ich habe gerade mein Studium anbgeschlossen und habe nur wenig Rücklagen… Ob es mir mit dem Reisen besser geht – im ersten Moment schon. Hast du einen Tipp?
    Hätte ich viel Geld und alle Reiseutensilien, die man fürs Reisen braucht, wäre es mit Sicherheit viel leichter für mich, meine Zelte hier abzubrechen.
    Viele Grüße, Julian

    • Hallo Julian,

      vielen Dank für den ausführlichen Kommentar. Vielleicht gibt es ja wirklich etwas, das dich unbewusst hier hält? Wenn du denkst, dass es dir mit dem Reisen besser geht, schadet es aber sicher nicht, es dennoch versuchen. Du hast wenig aufzugeben – außer eine Wohnung, richtig. Die findet man wieder. Man braucht weder viel Geld noch viele Utensilien zum Reisen. Die Frage ist eher: Willst du in die Südsee und dort am Strand Cocktails trinken oder kannst du dir vorstellen, günstig zu reisen? Es gibt sehr viele Möglichkeiten, beim Reisen zu sparen. Vielleicht wäre ja ein Interrail-Ticket in Kombination mit couchsurfen was für dich.

      Ich wünsche dir viel Erfolg! Ein letzter Tipp: Hör auch anderen zu, die dir etwas zu sagen haben, höre aber auch auf dich selbst und lass dich davon nicht allzu sehr beeinflussen und entscheide dann so, wie du es für richtig hältst.

      Schöne Grüße
      Anna

  2. ein schöner artikel. ich beneide dich sehr drum, dass du die möglichkeit hattest, dein arbeitszeitsystem so umzustellen. ich würde das sofort machen – bei mir geht es leider nicht. überhaupt habe ich das gefühl, dass deutschland da schon deutlich flexibler ist als wir hier in österreich. aber wer weiß, vielleicht ändern sich die dinge ja eines tages.

    • Danke! Ich kann leider nicht beurteilen, ob es in Österreich anders ist als in Deutschland. Es kommt sicher immer ein bisschen auf die Branche und den Arbeitgeber an. Andererseits hätte auch ich nicht gedacht, dass es machbar ist, deshalb bin ich mittlerweile zu dem Schluss gelangt, dass man immer fragen sollte – und dann, falls es nicht auf Anhieb klappt, hartnäckig bleiben. Irgendeine Lösung gibt es immer.

  3. Bei mir ist es so, dass ich auch erst sparen und dann alles hinschmeißen und auf Weltreise gehen wollte. Dann hab ich mich dafür entschieden, mich erst darauf zu konzentrieren, mein Geld erstmal dahin zu investieren, mir online was eigenes aufzubauen und meine berufliche Situation zu verändern. Ich hoffe, dass ich dann danach langfristig freier bin und mehr reisen kann. Das heißt zwar, dass ich jetzt erstmal weiter im verhassten 9-5 Job feststeck, aber ich denke, das ist für mich der bessere Weg. Sonst komm ich zurück und nichts hat sich geändert.

    • Klingt vernünftig 🙂 Und ändern kannst du diese Entscheidung ja jederzeit, wenn du alles nochmal überdenkst und merkst, es geht nicht weiter. Oder wenn du zufrieden bist mit dem, was du dir aufgebaut hast. Danke für deinen Kommentar und ich wünsche dir ganz viel Glück! Liebe Grüße, Anna

  4. Hey! Dein Post ist zwar schon etwas älter…. Aber das Thema ist bei mir aktuell sehr präsent. Ich hätte gern sehr viel mehr Zeit zum Reisen und Bloggen – das kommt meist viel zu kurz. Nichtsdestotrotz, habe ich auch nichts gegen einen festen Job und Wohnort an den ich zurückkehren kann. Die gesunde Mischung zwischen Sicherheit und Abenteuer macht’s! Ich hab bisher ernsthaft darüber nachgedacht wie ich es denn anstellen könnte Vollzeit zu reisen. Einfach mal ein Jahr weg… Aber Job, Wohnung und Auto aufgeben? Und genug Geld auftreiben? Es schreiben immer alle wie einfach das sei. Mit der 80% Stelle hast du mich auf eine ganz wunderbare Idee gebracht. Danke dafür! <3

  5. Toll, toll, toll! Endlich mal jemand der schreibt dass man nicht unbedingt seinen Job kündigen muss. Ich reise zwar auch in meinem Job viel, aber ich würde diesen um nichts in der Welt aufgeben. Ich habe Urlaub und in diesem kann ich, dank dem gesparten Geld, reisen. Ich muss mir keine Gedanken machen über meine Versicherung und ähnliches.
    Verstanden habe ich dieses “Kündigt euren Job und lebt nur noch vom reisen” auch nie wirklich.

    Danke für deinen Bericht.

    LG
    Mel

  6. Hallo Anna,
    ich habe Deinen Artikel mit grossem Interesse gelesen und möchte auch etwas dazu sagen.

    Das jeder auf biegen und brechen seinen Job kündigen und dann mit seinem möglichst vielem erspartem im Ausland sich selbständig machen sollte, am besten noch mit dem System der 4 Stunden Woche ist ziemlich blauäugig und dumm. Auch wird es kaum möglich sein in seinem Beruf, z.B. als Hotelfachmann in Thailand in einem Hotel zu arbeiten. Zum einen gibt es genügend einheimisches Personal, das auch die Landessprache beherrscht, zum anderen würde wohl kaum jemand für thailändische Konditionen diesen anstrengenden Beruf ausüben wollen.

    Bei mir bzw. bei meiner Familie, war es im Grunde eine langsame aber fliessende Entscheidung, dass wir in Deutschland unser Haus verkauft und im Dezember 2014 nach Nanjing gezogen sind. Zum einen ist es der Geburtsort meiner Frau und auch ich kenne die Stadt und natürlich auch unsere Familie dort seit über 10 Jahren. Zum anderen bin ich seit mittlerweile über 25 Jahren selbständig und allein aufgrund meines Alters nicht der Durchschnittsreiseblogger 😉 . Zu meinem Glück entwickelte sich mein Geschäft dank Google und Co seit mittlerweile bereits 6 Jahren vom klassischem Handelsunternehmen mit Ausstellungsraum zu einem Onlineunternehmen.

    Jetzt können wir Geschäfts- und Privatreisen wunderbar kombinieren und wir müssen nicht mit einer Unternehmensgründung ins kalte Wasser springen.

    Ich verstehe jeden der dem Hamsterrad entkommen möchte und ich finde es klasse das Dein Arbeitgeber die 80% Variante anbietet. Ich selber kenne dieses Modell übrigens aus dem Versicherungsinnendienst, aus dem ich irgendwann einmal (aus dem Hamsterrad entkommen vor 25 Jahren) herausgekommen bin, bereits seit 1992. Bereits damals haben sehr viele Kollegen in diesem System gearbeitet und haben 80% des normalen Gehaltes bekommen, eine absolut Klasse Möglichkeit und keine moderne Erfindung.

    Schönen Gruss aus Nanjing
    Dirk

    • Hallo Dirk!

      Danke für deinen Kommentar 🙂 Interessant, was du über die 80-Prozent-Reduzierung sagst. Heute habe ich eher das Gefühl, dass die Leute Angst haben, überhaupt zu fragen ob sie reduzieren können. Aber dann meckern, dass sie zu wenig Freizeit haben 😉 Natürlich muss man mit 80 Prozent seines Gehalts auch erstmal über die Runden kommen. Aber ich gehe stark davon aus, dass das bei jedem klappen würde, der überlegt, eine Weltreise zu finanzieren.

      Auswandern könnte ich mir übrigens auch vorstellen. Zumindest auf Zeit. Aber wer auswandert, geht daran sowieso mit ganz anderen Voraussetzungen als jemand, der kurz davor steht, alles hinzuschmeißen, um aus seinem Hamsterrad zu entfliehen.

      Schöne Grüße nach Nanjing!
      Anna

  7. Scheint so, als hätten sich hier im Kommentarbereich alle Digitale-Nomaden-Hasser eingefunden.. 🙂

    Grundsätzlich soll jeder auf seine Weise glücklich werden, Trotzdem finde ich, dass es eine Reihe von sehr guten Gründen gibt, seinen Job zu künden und ohne Zeitdruck zu reisen – und dabei ists vollkommen egal, ob man nun nebenbei Geld in der Hängematte verdient oder vorher etwas gespart habe.

    1. Nicht jeder ist mit seiner Stelle so glücklich wie du. Hat man nicht seinen Traumjob, ists eigentlich vollkommen egal, ob man Mist gegen anderen Mist eintauscht. Man hat also nicht immer was zu verlieren. Meine letzte Festanstellung bei der Botschaft war zum Beispiel so eine Katastrophe und dort zu künden war wohl die beste Entscheidung meines Lebens.

    2. Wenn du von 35 Reisetagen sprichst, klingt das zunächst ganz eindrücklich. Aber du hast diese Tage nicht am Stück. Das führt dazu, dass du vielleicht eine Woche Zeit für Indien hast (und Indien kurz bereisen zu wollen, endet fast immer in einem Desaster). Ja, du kannst in dieser Zeit natürlich das Taj Mahal besuchen und noch ein paar Leichen im Ganges bei Varanasi bestaunen. Aber du wirst nicht die Zeit haben, wirklich in die Tiefe zu gehen und Leute etwas besser kennenzulernen.

    Viele Orte erreicht man in kurzer Zeit auch gar nicht. Ich habe gestern ein Schweizer Paar getroffen, das in Westpapua in einer Taschschule arbeitet. Mit allem Umsteigen bist du etwa zwei bis drei Tage unterwegs, um dort anzukommen. Solche Orte wirst du nie besuchen können, solange du einen Job hast, weil ganz einfach die Zeit fehlt. Klar, man kann natürlich auch im Roten Meer tauchen und dorts ist es sicherlich auch schön. Aber du musst dir bewusst sein, dass es viele Dinge gibt, die du so nicht erleben kannst.

    3. Wenn ich zwei oder drei Wochen Zeit habe, neige ich dazu, eine Reise durchzuplanen. Ich recherchiere, wo ich hin will, was ich dort anschauen will. Da ich natürlich in der kurzen Zeit viel sehen will, stelle ich mir dann jeweils ein amibioniertes Programm zusammen. Wenn ich hingegen zwei oder drei Monate für eine Reise habe, kann ich mich treiben lassen. Das ist ein anderes Selbstverständnis des Reisens und ich glaube, wer das nie selber gemacht hat, kann dieses Gefühl nicht verstehen.

    Daher: Ja, auch ich finde teilweise unverantwortlich, was in diesen Hamsterrad-Texten versprochen wird. Aber einmal ein Jahr Auszeit für eine echte Weltreise zu nehmen, das ist eine sehr wertvolle Erfahrung, die ich niemandem mit gutem Gewissen abraten könnte.

    Gruss,
    Oli

    • Hallo Oli,

      na endlich mal jemand, der mir widerspricht 😉 Ich bewundere, was einige Digitale Nomaden so auf die Beine stellen. Ganz ehrlich. Aber: Ich habe vor ein paar Monaten ein junges Mädchen kennengelernt, das völlig beflügelt von DNX und Blog Camp ihren Job (den sie mochte) gekündigt hatte und nun erstmal reisen wollte, weil sie meinte, sie müsse aus dem Hamsterrad ausbrechen (das hat sie tatsächlich so gesagt). Sie hatte keinen Plan und auch kaum Geld gespart, aber sie war der festen Überzeugung, dass sie nur demnächst nebenbei einen Reiseblog schreiben müsse und dann könne sie sich die nächsten Monate schon ihre Reise finanzieren. Ich war einigermaßen entsetzt, wie naiv sie daran ging. Aber auch sie wird ihren Weg schon finden denke ich. Trotzdem habe ich angefangen, einiges an diesem Lebensstil noch stärker zu hinterfragen als bislang.

      Stimmt, nicht jeder ist glücklich in seinem Job. Und die Gründe dafür sind vielfältig. Aber man sollte vielleicht zuerst überlegen, sich einen anderen Job zu suchen oder was Neues zu lernen. Ich hatte auch nicht immer den perfekten Job und perfekt ist er auch immer noch nicht – weiß gar nicht, ob es sowas gibt. Aber ich habe mich irgendwann mal durchgebissen und das hat sich im Nachhinein ziemlich gelohnt. Auf jeden Fall muss man nicht reisen um glücklich zu werden und das möchte ich mit diesem Artikel ausdrücken. Es gibt hunderte andere Wege, glücklich zu sein.

      Völlig ohne Plan alle Zelte abzubrechen halte ich für ziemlich bescheuert. Aber ich würde auch niemandem davon abraten, eine Auszeit zu nehmen und für ein Jahr um die Welt zu reisen, wenn es ein Herzenswunsch ist. Egal welchen Weg man nimmt: Man kommt immer irgendwo an. Manchmal merkt man, das man sich verlaufen hat und manchmal ist es gut, wenn man sich verläuft 🙂

      Liebe Grüße!
      Anna

      • Ich verstehe deinen Einwand und kann mir gut vorstellen, dass sich Leute von all den Versprechungen der digitalen Nomaden verblenden lassen. Aber letztlich spielt das gar keine so grosse Rolle. Die junge Frau hat ihre Stelle gekündigt, geht ein Jahr auf Reisen und hat dabei vielleicht die Zeit ihres Lebens. Mit etwas Glück klappts mit dem Blog, vermutlich nicht. Auf alle Fälle lernt sie daraus etwas: Entweder, wie man erfolgreichen einen Blog aufbaut oder wie man mit ganz wenig Geld durchkommt und dass ein Leben auch ohne Konsum glücklich sein kann. Das sind doch beides wertvolle Erfahrungen, finde ich, die gerade in jungen Jahren, bevor man all die Verpflichtungen hat, unheimisch bereichernd sind.

        Ich denke, das mit der Weltreise und der Auszeit, das ist so ein bisschen wie mit dem Kinder kriegen: Es ist nie die richtige Zeit dafür. Aber ich kenne keinen, der am Ende die schönen Erfahrungen wieder hätte weggeben wollen.

    • Hallo Oli,
      ich glaube hier kommentieren keine “Digitale-Nomaden-Hasser”, sondern Leute, die zunehmend irritiert sind von so Plattitüden wie “Lebe dein Leben jetzt” oder dem nicht enden wollenden Strom von “Warum du deinen Job kündigen solltest”-Blogposts.
      Es gibt kein Patent-Rezept für ein “happy ever after”. Es wird in einen Topf geworfen, was ursächlich nicht zusammenhängt: Frust im Job und Reisen. Da hat das eine nichts mit dem anderen zu tun.
      Sonnige Grüße
      Jutta

      • Das ist mir schon klar, Jutta. Deswegen auch das Smiley. Trotzdem hat mich etwas erstaunt, dass die Kritiker des nomadischen Lebensstils hier so deutlich überwiegen.

        Zu deinem anderen Einwand: Ich denke schon, dass das bis zu einem gewissen Grad zusammengehört. Digitale Nomaden sind ja letztlich nichts anderes als selbständige Online-Unternehmer, die an einem anderen Ort als zu Hause arbeiten. Und dass Selbständige und Freischaffende gegenüber Festanstellten gewissen Vorteile, aber auch Nachteile haben, lässt sich ja nicht von der Hand weisen. Ob du nun das eine oder das andere höher wertest, ist deine persönliche Entscheidung und kann sich, wie bei dir, auch im Verlaufe der Zeit ändern.

        Ist man jedoch einmal selbständig und ortsunabhängig, ist es ganz einfach wirtschaftlich sinnvoll zu reisen bzw. im Ausland zu leben. Für Schweizer noch viel mehr als für Deutsche. Ginge ich zurück nach China, könnte ich von meinen beiden Blogs vermutlich leben. In der Schweiz wird das noch lange nicht möglich sein.

        Insofern gibt es ganz einfach zwei Fragen zu beantworten: 1. Will ich den festen Job gegen eine Selbständigkeit tauschen? 2. Will ich mir den Wunsch nach einer Weltreise und Auszeit erfüllen, indem ich unterwegs versuche etwas aufzubauen? Meiner Meinung nach spricht nichts gegen eine Selbständigkeit, allerdings muss der Schritt – egal, ob nun digital oder analog und ob ortsunabhängig oder durch die Gründung eines Ladens, Restaurants oder was auch immer – gut überlegt sein. Beim zweiten Punkt neige ich dazu zu sagen, dass es sich nicht lohnt, die Zeit damit zu verschwenden, unterwegs ein Onlinebusiness aufzubauen, das im besten Fall dann zu laufen beginnt, wenn man von der Reise zurück ist und keine Zeit mehr hat, sich darum zu kümmern.

    • Pasquale

      Ich finde den Artikel schon gelungen. Warum hier so viele Hasser unterwegs sind liegt sicher daran dass viele den schönen Schein einiger Blogger nicht abnehmen. Da wird auf Teufel komm raus gegen das Hamsterrad gewettert und dann werden Bilder mit Macbook und Iphone am Strand gepostet und es wird diese und jene Ausrüstung angeboten. Nur sollte doch jedem klar sein, dass diese Dinge von Hamstern in den Fabriken hergestellt werden und dass der Pilot ja auch ein Hamster ist der die ganzen Nomaden zu den schönsten Orten dieser Welt fliegt.

      Ich persönlich habe einen sicheren Job im öffentlichen Dienst (nein kein Beamter) und verdiene ganz gut. Der Job ist Dienst nach Vorschrift, Aufstiegsmöglichkeiten gleich Null, naja müsste drei Jahre studieren um dann in Führungspositionen zu kommen was ich aber auf keinen Fall will. Trotzdem käme ich, wohl auch wegen meiner Schwerbehinderung, nicht auf die Idee den Job zu kündigen. Leider ist der ö.D, sehr unflexibel was Sabbatical angeht, denn die gibt es eigentlich nur für Lehrer. Also muss ich auch meine 35 Urlaubstage ausquetschen.

      Trotzdem ist es weiterhin ein Traum von mir irgendwann mal 6-12 Monate auszusteigen. Für mich war Lebenszeit immer wichtiger als Geld und Karriere. Ich habe auch ohne Weltreise erkannt dass mehr Geld nicht glücklicher macht denn die Ansprüche steigen in gleichem Maße.

      Ich finde allerdings auch dass persönliches Wachstum sehr wichtig ist. Ein Jobwechsel oder eine Auszeit bedeuten ja nicht gleich vom Strand in Thailand in seinem Blog das böse Hamsterrad zu verfluchen. 😉

      • Hallo,

        bevor das, was ich hier schreibe missverstanden werden kann:
        Jeder hat das Recht auf seine Meinung und seine Wahrheit. Beides ist in der Regel von den individuellen Lebensumständen getrieben. Und ich bin der Meinung, dass diese nur ganz schwer von dem Einen auf den Anderen übertragen werden können.

        Nun zu uns. Unsere Geschichte sieht so aus:

        Wir haben 2 Kinder (25 und 20 Jahre) groß gezogen und wie viele andere auch und durch das ominöse Hamsterrad einen bescheidenen Wohlstand aufgebaut. Da beide Jungs aus dem Haus sind wurde uns dieses zu groß und wir haben uns entschieden den guten Immobilienmarkt zu nutzen und zu verkaufen.

        Vom Verkauf zur Weltreise war es nur noch ein kleiner Schritt. Begünstigt durch unsere Ausbildungen haben wir erkannt, dass letztendlich nur der innere Reichtum in uns selbst das entscheidende ist. Allerdings ohne einen gewissen äußeren Wohlstand bekomme ich nichts zum Beißen auf den Teller!

        Schon deshalb ist es für uns sehr wichtig zu klären, wie unsere individuelle Lebenssituation aktuell aussieht und wie diese in Zukunft aussehen soll. Unser Leitspruch dazu lautet: “Lerne aus der Vergangenheit, plane für die Zukunft aber lebe im Hier und Jetzt”.

        Ein weiterer Punkt, den Anna so schön formuliert hat, ist “Wenn du vor etwas davonläufst, wird es dich immer einholen. Reisen ist wie Alkohol: Es verstärkt nur deine Grundstimmung.” Das ist vergleichbar mit Situationen, dass man immer den gleichen Typ Partner in sein Leben zieht, oder dass man immer von Vorgesetzten übersehen wird oder …

        Auch ich habe meinen Job, welchen ich sehr gerne ausübte, kündigen müssen, um dieses Jahr Auszeit zu realisieren. Meine Frau hat ihre Ayurveda Massage-Praxis für ein Jahr geschlossen. Wir investieren also einiges in diese Zeit und die Hoffnung auf tiefe Erfahrungen. Aber wir sind nicht leichtsinnig: Wir haben für die Zeit danach vorgesorgt.

        Unser Altester ist als Beamter in einer anderen Situation und wird andere Möglichkeiten haben, falls er eine Erfahrung wie diese machen möchte. Unserem Jüngsten, der grade das Abi erfolgreich bestanden hat, würde ich raten z.B. mit einem “Work and Travel” oder einem “Findungsjahr” für sich herauszufinden, was für ihn wichtig ist und was er in Zukunft und sein ganzes Leben machen möchte. Der Trost an solchen Entscheidungen ist allerdings immer, dass man sie jederzeit revidieren kann.

        Jeder muss für sich selbst entscheiden, welchen Grad an Sicherheit versus Freiheit er braucht. Wenn man sich von anderen etwas einreden lässt, entscheidet man nicht selbstbestimmt über sein Leben.

        Meine tiefe Überzeugung ist, dass es nicht die ultimativ richtige Entscheidung pro oder contra Job kündigen gibt. Jeder muss es für sich selbst entscheiden.

  8. Year! Das kann ich so nur unterschreiben. 😉
    Ich blogge schon ewig und hab mt auch schon mehr als x-mal überlegt, ob das mit dem “Digital Nomaden sein” was für mich ist. Tja und es ist ein klares Nein. XD Ich hab einen geilen Job, mag meine Firma und Kollegen, bin sehr gerne daheim und Reise für mein Leben gern.
    Geht alles, man muss nur Prioritäten setzen. ;D
    Liebe Grüße
    Christina

  9. Die Welt braucht noch viel mehr solcher Beiträge!! Danke dafür! Mir kann die Sprüche, die in der Blogwelt kursieren, nämlich auch nicht mehr hören: “Was, du lebst immer noch nicht dein geilstes Leben und finanzierst es mit dem Laptop auf dem Schoß aus der Hängematte – natürlich mit Meerblick?”
    Ich hab zwar auch schon mehrfach gekündigt, bin auf Weltreise gegangen, bin für längere Zeit nach Bali und ein anderes Mal nach Indien. Ich hab’s nicht bereut, nein! Nun arbeite ich selbständig – zu einem Großteil wann und wo ich will – hurra! Aber dennoch hab ich eine Homebase, einen Fixpunkt an den ich zurückkehren kann. An dem schöne Möbel stehen und ein großer Bildschirm mit schnellem Internet. Manchmal arbeitet es sich so nämlich einfach effektiver statt das Meer bei 40 Grad im Schatten anzuschmachten, während man versucht, gerade Sätze in die Tasten zu hauen. In einer WG in Berlin (meist sind die Diginomads scheinbar Berliner) aus einer Kiste zu leben und rausschreien, dass man eh sofort wieder weg muss in die Welt…also das kanns irgendwie auch nicht sein! Aber so macht jeder seine Erfahrungen. Und wenn die neuen digitalen Nomaden dann mal ein paar Jahre älter geworden sind, dann bin ich schon gespannt, wie die Posts dann lauten. Vielleicht: “Finde ein echtes Zuhause, dann wirst du deine Rückenschmerzen vom Arbeiten in der Hängematte wieder los, um spät aber doch, noch dein geilstes Leben aller Zeiten zu führen” 😉

  10. Herrlicher Artikel! Aber auch der enthält reichlich “tu dies! Tu das!… und dann wirst du glücklich, frei, zufrieden!” Und das erregt gleich meinen Widerspruch. Wo liegt der Unterschied zu den Artikeln, die einen auffordern, alles stehn und liegen zu lassen, um glücklich, frei und zufrieden zu sein? Ich bin in der glücklichen Lage, schon – fast – alles getan zu haben. Ich weiß, wie schön und erfüllend mancher 9to5-Job sein kann. Ich bin 18 Monate in Asien gereist und anschließend zufrieden in einen 9to5-Job zurückgekehrt. Ich habe ein Jahr in Peking gelebt, meiner Lieblingsstadt, und wohne ganz zufrieden in Hamburg, einer Stadt, die ich eigentlich nicht mag. Ich habe meinen Job aufgegeben und eine zeitlang glücklich mit dem HOme-Office gelebt. Dann habe ich gemerkt, dass es mir gut tut, pünktlich meine Arbeit anzutreten, mich mit Kollegen auszutauschen. Jetzt arbeite ich 30 Stunden die Woche in meinem Traumjob und habe genügend Zeit, um mich meinem Blog zu widmen, mit dem ich auch ein wenig Geld verdiene. Das Geld, mit dem ich irgendwann wieder einen 3 Wochen-Urlaub in China finanziere. Ja, ich bin glücklich, so wie es gerade läuft, kaum Geld aber zufrieden. Doch, dass ich zufrieden mit dem bin, was ich mache, bedeutet nicht, dass das auch für andere der richtige Weg sein muss. Deshalb wird es auf meinem Blog einen solchen Artikel nicht geben.
    Gerade jetzt, wo ich bald 60 werde, merke ich, dass ich vom Kopf her freier werde. Ich muss nicht mehr, ich kann, ich will… Ich finde in allem meine Freude, mein Glück, im arbeiten und im nicht-arbeiten, zuhause und unterwegs. Das ist mMn die Freiheit des Alters.
    LG
    Ulrike

    • Hallo Ulrike,

      na, der Unterschied liegt in der Grundeinstellung 🙂 Ich finde, dass viele der Artikel, die ich kritisiere wesentlich einseitiger sind, aber natürlich ist es mir hier auch wichtig, klar Stellung zu beziehen, sonst hätte ich mir diesen Artikel ja schenken können. Eigentlich bin ich kein Typ, der sich groß in Diskussionen einmischt, aber das musste ich mir einfach mal von der Seele reden: Ehrlich und ungeschminkt, meine Meinung. Es ist mit Sicherheit für manche genau richtig, sich von allem zu lösen. Und manche kommen spät zu der Einsicht, dass sie vor etwas weggerannt sind. Manche wiederum trauen sich nicht, auf Weltreise zu gehen, obwohl es vielleicht genau das richtige für sie wäre. Ich denke, das ist der Lauf der Dinge und daran wird weder ein “Sofort kündigen” noch ein “bloß nicht kündigen”-Artikel etwas ändern.

      Liebe Grüße!
      Anna

  11. Guter Artikel. Ich glaube, dass diese “Ich-kündige-und-werde-digitaler-Nomade”-Welle einfach auch nur ein Trend ist. Für die wenigsten ist es machbar bzw. wirklich attraktiv – aus meiner Sicht lassen sich auch viele derzeit von diversen Reiseblogs blenden. Dauerndes Reisen ohne die Verpflichtungen einer Festanstellung hört sich ja erstmal sehr verführerisch an.
    Dennoch: Wenn man sich erstmal an so einer Idee festgebissen hat, dann muss man das vielleicht auch einfach mal durchziehen – unerfüllte Herzenswünsche machen ja auch nicht glücklich.
    Ich möchte meine Festanstellung jedenfalls nicht tauschen; muss ich zum Glück für das viele Reisen auch nicht. Aber wie es wäre, wenn ich tatsächlich einen 9to5-Job hätte? Ich weiß es nicht.
    Was mein Eindruck allerdings mittlerweile ist, dass dieser “Ausstieg” aus dem Berufsleben immer zwangsweise mit voller Medienpräsenz auf Blog und allen sozialen Medien gekoppelt wird – nicht, dass es mich stört, aber ich denke mir oft: Fängt da nicht schon wieder das nächste Hamsterrad gleich nahtlos an? Und das finde ich schwierig. Wenn ich mir vorstelle, ich würde aus meinem ungeliebten Beruf/Umständen ausbrechen wollen, dann doch erstmal richtig! Frei sein und ohne die Sorge, ich müsste noch schnell einen Post schreiben oder ein Foto hochladen. So gut man sich auch organisiert, das ist doch auch Arbeit.
    Liebe Grüße,
    Tatiana

    • Hallo Tatjana,

      das stimmt, wenn jemandes größter Wunsche einfach nur der ist, auf Weltreise zu gehen, dann sollte er oder sie es machen. Meistens ist so etwas dann ja auch gut geplant weil der Wunsch lange gehegt ist… Finde ich sehr interessant, was du über die Medienpräsenz sagst! Darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht, aber klar ist das ein selbst gebautes Hamsterrad. Und es hat was von: Ich mache das nicht für mich selbst, sondern weil ich Anerkennung dafür will. Aber ich will hier niemandem etwas unterstellen – wir beide kennen das als Teilzeit-Bloggerinnen ja, dass es dazu gehört, mal ein Urlaubsbild zu posten 😉

      Liebe Grüße!
      Anna

  12. Schön, dass es noch mehr gibt, die das so sehen! Ich hab mal darüber gebloggt, “warum ich gar kein Digitaler Nomade sein muss”.
    Bei mir kommt noch hinzu, dass ich sowieso davon ausgehen kann, weiterhin befristet angestellt zu sein – damit erledigt sich schon mal dieses Gefühl von “und das soll ich jetzt bis zum Ende meines Lebens machen?” – denn ich weiß genau, dass das nicht so sein wird.
    Wenn das nicht so wäre – wahrscheinlich würde ich irgendwann mal neu durchstarten. Eine Pause einlegen und reisen und dann woanders einen Job suchen.

    Trotzdem wurde ich erst kürzlich gefragt, ob ich meinen Blog WIRKLICH nur als Hobby betreibe – oder ob ich doch damit Geld verdienen will. Als könnte man das gar nicht glauben, dass irgendwer das wirklich nebenbei macht und machen will. Ich schrieb nur zurück: Nein, eigentlich nicht. Wozu hat man schließlich einen Job.

    Obendrein: Wenn ich dann unterwegs bin und reise und dann vielleicht so arbeite – frei bin ich dann auch nicht. Ich habe nur andere Zwänge.

    LG, Ilona

    PS: Sorry für etwaige Doppelposts, meine Verbindung ist beim Senden zusammengebrochen

    • Hi Ilona,

      ist nur einmal angekommen, alles gut 😉 Und vielen Dank für deinen Kommentar! Ich war gerade mal auf deinem Post und habe mich erinnert, dass ich den damals schon gelesen habe als er noch ganz frisch war. Sich immer wieder verändern, neue Jobs machen und in eine neue Stadt zu ziehen beugt dem Gefühl auf jeden Fall vor, im Hamsterrad zu sitzen. Das mit den Zwängen stimmt. Die legt man nicht so leicht ab.

      Liebe Grüße!
      Anna

  13. Super Artikel allerdings finde ich ein paar Punkte etwas zu generalisiert. Ich habe selbst vor 5 Jahren alles hingeschmissen. Ich war in Deutschland nie wirklich gluecklich und es hat mich schon immer ans Meer getrieben. Ich mochte den Gedanken nicht, fuer immer am selben Ort leben zu werden und es hat mich richtig depressiv gemacht nicht selber entscheiden zu koennen wo ich geboren wurde. Ich wusste schon immer ich gehoere dort nicht hin. Und als sich durch meinen damaligen Freund die Chance bot weg zu gehen habe ich schnurstraks meine Ausbildung beendet, die Jobzusage abgelehnt, meine Wohnung gekuendigt und bin los. Ohne Geld und mit nur einem Koffer. Den Rest hatte ich verkauft und verschenkt. Mit dem Mann hatte es wie ich es mir bereits davor dachte nicht geklappt aber ich lebe inzwischen seit 4 Jahren gluecklich in Japan. Kein einziges mal habe ich meine Entscheidung bereut und ich fuehle mich hier gluecklicher als jemals zuvor. Meine grosse Liebe, meinen Sohn, eine richtige Familie (die ich vorher nie hatte), eine Heimat in der ich mich jeden Tag gluecklich und befreit fuehle… all das haette ich sicherlich nicht gefunden wenn ich nicht ein Risiko eingegangen waere und alles hingeschmissen haette. Und so wurde mir auch klar, dass Geld und Materielles uns niemals 100% gluecklich machen werden denn hier war ich “mit nichts” gluecklicher als damals “mit allem”.

    Es liegt also ganz am Menschen, ob das Risiko sich lohnt. Und vergesst nicht: “wer nichts wagt, der nicht gewinnt”.

    LG RIN

    • Liebe Rin,

      vielen Dank für dein ausführliches Feedback 🙂 Auswandern spielt für mich nochmal in einer ganz anderen Liga. Das kann ich mir auch sehr gut vorstellen. Nicht für immer, aber vielleicht für ein paar Jahre. Immerhin geht man weg mit dem Plan, irgendwo anders sesshaft zu werden. Und nicht, um von einem Ort zum anderen zu tingeln, um immer wieder weiter zu ziehen (sobald sich Probleme auftun, böse und überspitzt gesagt). Das kann natürlich auch eine Flucht sein, muss es aber nicht. In den meisten Ländern bekommt man ja ohnehin nur mit festem Job eine längere Aufenthaltsgenehmigung. Und dann ist dieser Schritt eher wohl überlegt (auch wenn ich gerade an diese Auswanderer-Trash-TV-Geschichten denken muss und mich frage, ob manche nicht auch das auswandern zu naiv betrachten). Aber auf jeden Fall schön, dass es für dich geklappt hat und dass du einen Ort gefunden hast, an dem du glücklich bist!

      Liebe Grüße
      Anna

  14. Hallo Anna,
    vielen Dank für diesen tollen Artikel. Bei so vielen “Raus aus dem Hamsterrad”- Artikeln im Moment hab ich mir auch so meine Gedanken gemacht: bin ich auch ein Hamster? Muss ich meine Bestimmung finden? Vergeude ich gerade wichtige Lebenszeit im 9to5?? Das baut einen unheimlichen Druck auf und lässt die eigene Situation manchmal viel “schlimmer” erscheinen, als es eigentlich ist. Schön dass du diese andere Sichtweise geteilt hast und mir ein bisschen Mut gegeben hast, das auch ein 9to5 völlig ok ist.

    • Hallo Annika!

      Das mit dem Druck aufbauen ist ein interessanter Aspekt, das hatte ich noch gar nicht so bedacht. Aber es stimmt natürlich. Je häufiger dir jemand sagt, wie dumm du bist, nicht aus deinem “Hamsterrad” auszubrechen, desto eher bist du bereits zu glauben, dass du dich in einer ausweglosen Situation befindest. Aber andersrum betrachtet: Hamsterräder sind doch nichts schlimmes oder? Frag mal einen Hamster, der würde sich bestimmt langweilen, wenn er dieses Spielzeug nicht in seinem Käfig hätte 😉

      Liebe Grüße
      Anna

      • Anna, Hamsterräder sind gaaaanz schlimm. Das ist eine Zwangshandlung, weil die Käfige meist zu klein sind und die Hamster nicht ihren Bewegungsdrang ausleben können. Noch schlimmer sind allerdings Hamsterkugeln, da kriegen die richtig Panik. Ich war soo lange Hamstermama und mir tun die kleinen Beißer fast Leid, dass die jetzt immer im Zusammenhang mit der Unzufriedenheit als Symbol genannt werden 🙂 So und jetzt Tierschützermodus wieder off 😉

  15. Stimmt, es muss nicht immer gleich alles aufgegeben werden und Reisen muss nicht automatisch traumhaft sein. Manchmal jedoch hat man sich so sehr im Leben verrannt, dass eine Auszeit dabei hilft, den eigenen Weg wiederzufinden. Das würde ich nicht als Weglaufen bezeichnen, selbst wenn die Auszeit damit verbunden ist, alle Zelte abzubrechen und in die Welt hinaus zu ziehen. Eine Auszeit kann durchaus neue Türen öffnen, neue Erfahrungen bringen und am Ende muss auch nicht zwangsläufig wieder bei den Eltern eingezogen werden.
    Doch dafür reicht es leider nicht, einfach auszubrechen und dem Hamsterrad den Rücken zu kehren, denn wie du schon sagst, die Welt da draußen ist auch kein Zuckerschlecken. Und wen man es dann mal ganz genau betrachtet, geht’s uns hier tatsächlich wesentlich besser.

    • Danke für dein Feedback Sandy! Ja, das kann natürlich sein. Reisen kann schon auch eine Art Therapie darstellen. Wichtig finde ich einfach, dass man sich schon bevor man losfährt klarmacht, dass es ein Leben nach der Reise geben wird. Und sobald man das macht, hat die ganze Sache auch gar nicht mehr so viel von flüchten.

      Liebe Grüße!
      Anna

  16. Hallo Anna,

    Ich musste deinen Artikel 2 mal lesen, und ja du hast iegendwie auch recht. Ich bin auch ein sehr freiheitsliebender Mensch,der auch gerne ausbrechen möchte. Sicher, ich mag meinen Job genauso…so wie ich ihn auch oft verteufeln kann. Ich stehe am Scheideweg, und weiss nich nicht 100%ig was ich machen soll. Ixh verdiene mit meinem Job sehr gut und ich könnte mir jede Reise leisten, aber ob es das auch wert ist mich von 08-18 Uhr körperlich und seelisch kaputt zu machen….. der nächste Schritt ist füe mich wie bei dir, die Arbeitszeit zu reduzieren,und vielleichr sehe ich das Ganze wieder von einer ganz anderen Seite. Auf meinem Blog versuche ich mir selbst etwas Mut zu machen, aber dein Artikel regt wirklich zum Nachdenken an. Vielen Dank!!!:-)

    • Lieber Enrico,

      vielen Dank für deinen Kommentar! Ich sehe das genauso, dass man sich in seinem Job nicht kaputt machen (lassen) sollte. Super, dass es bei dir auch klappt, die Arbeitszeit zu reduzieren! Ich mag das Wort Work-Life-Balance genauso wenig wie Hamsterrad, aber jeder muss natürlich für sich persönlich schon abwägen, wie viel Geld er braucht und wie viel Freizeit und Freiheit. Tendenziell würde ich immer lieber mit etwas weniger Geld, dafür aber mit mehr Freiheit leben 🙂

      Liebe Grüße
      Anna

  17. Hallo Anna,

    einen tollen Artikel hast du da geschrieben!! Ich lese Zeile für Zeile und mein Kopf nickt dauernd…. Wie recht du nur hast! Ich finde es auch wichtig seine Träume zu verwirklichen und ich mache es gerade zum zweiten Mal, aber nicht ohne die Gegenwart zu vergessen!

    Liebe Grüße
    Jens

  18. Hallo Anna,

    ich kann nur sagen: endlich schreibt es mal jemand und schafft dadurch einen schönen und lesenswerten Kontrapunkt zur Nomaden und Freiheit durch Reisen Diskussion.

    Danke dafür!
    Gruß,
    Martin

  19. Sehr schöner Artikel, vielen Dank dafür und vielen Dank auch für die Verlinkung – das freut mich wirklich sehr 🙂

    Die Checkliste finde ich besonders gelungen. Es muss nicht immer “alles oder nichts sein” und wie du schon ganz richtig sagst: Auch wenn man den Schritt der Kündigung hinter sich gebracht hat und auf Reisen geht, wird man nicht zwangsläufig ein erfüllteres und bessere Leben führen.

    Ich würde stattdessen lieber versuchen, so viel Leben und Abenteuer wie möglich in den Alltag zu packen. Klar, dass man irgendwann unzufrieden wird, wenn man jeden Abend vor dem Fernseher versauert. Wer stattdessen rausgeht, Zeit mit Freunden verbringt, Hobbys pflegt und regelmäßig verreist, wird ein ganz wunderbares, erfülltes Leben führen.

    Und ganz ehrlich: Mit 30 noch bei Mama wohnen und den Lebensstil auf ein Minimum reduzieren, weil jeder Cent in die nächste Low-Budget-Reise investiert werden muss – das kann doch auch kein erstrebenswertes Leben sein.

    Liebe Grüße
    Franzi

    • Danke Franzi, und gern geschehen 🙂

      Abenteuer in den Alltag packen das ist auch meine Strategie. Dazu gehören ja auch zum Beispiel Kurztrips in nähere Umgebung – die man so häufig links liegen lässt, weil man denkt, dass es irgendwo anders gerade vielleicht schöner ist.

      Liebe Grüße!
      Anna

  20. Ah, herrlich! Ich stehe also nicht alleine kopfschüttelnd vor der Flut an Posts, die mir suggerieren, ich mache da etwas falsch (nicht, dass ich das jemals von mir geglaubt hätte). Jeder von uns hat seine ganz eigene Lebensphilosophie und soll seinen (Berufs-)Alltag auch entsprechend gestalten. Bei vielen, die sich nach mehr Freiheit und Selbstbestimmtheit sehnen und das in ihren Blogs so blumig ausschmücken, vermute ich jedoch eine gehörige Portion Naivität. Ich möchte nicht durch die Welt tingeln und in schrapseligen Hostels übernachten. Was auf der Landkarte so beeindruckend aussieht, ist doch bei genauerer Betrachtung nicht wirklich erstrebenswert. Und bei manchen frage ich mich tatsächlich, ob sie einfach nur Punkte auf einer imaginären Liste abhaken und andere damit beeindrucken möchten oder ob sie ein echtes Interesse an Land und Leuten, an Kultur, Geschichte & Co. haben. Wer gerne und viel reisen möchte, findet immer spannende Alternativen wie beispielsweise dein Arbeitsmodell. Ich selbst habe einen schulpflichtigen Sohn und da ticken die Uhren ohnehin im Rhythmus der Schulferien. Auch ein Thema über das viele klagen. Ich finde das gar nicht schlimm. Überhaupt verstehe ich nicht, warum sich heute so ausgesprochen viele Menschen über gesellschaftliche Strukturen beschweren.
    Ich war 13 Jahre lang freiberuflich tätig – gestern war der Stichtag. Und weißt du was? Ich sehne mich zurück nach dem so genannten “Hamsterrad”. Warum? Mir fehlen einfach die Kollegen, mit denen ich mich täglich kreativ austauschen kann. Auch das ist bereichernd. Und darum werde ich in Kürze meinen eigenen Schreibtisch gegen einen fremden eintauschen. Ich arbeite gerne. Ich habe auch gerne Urlaub. ich liebe aber auch mein Haus mit Garten, in den ich mit Familie und Freunden ganz einfach nett zusammensitzen und schnacken kann. Und mag so viele unterschiedliche Dinge. Die unter einen Hut zu bekommen, das ist meine ganz persönliche Lebensphilosophie!
    Sonnige Grüße
    Jutta

    • Hallo Jutta,

      lieben Dank für deinen ausführlichen Kommentar! Da kann ich dir in den meisten Punkten nur zustimmen – abgesehen davon, dass ich natürlich noch kein Kind habe und mir das in meiner momentanen Situation schwer vorstellen kann, irgendwann mal nur noch in den Schulferien zu reisen. Aber ich habe natürlich auch noch kein Haus und keine sonstigen Verpflichtungen – trotzdem bleibe ich gerne in meinem Beruf. Wie du sagst, der Austausch mit Kollegen ist ganz wichtig. Also: Du bist auf gar keinen Fall alleine mit deiner Einstellung 🙂

      Liebe Grüße!
      Anna

  21. Ein toller Artikel. Vielen Dank dafür!
    Ich lasse mich auch immer wieder kurz von diesen „Geb einfach alles auf und reise los!“ Posts hinreißen. Aber eigentlich bin ich so wie es ist sehr zufrieden. Natürlich würde ich gerne mehr reisen. Aber genau wie Du mag ich meinen Job sehr. Leider habe ich nicht mal 30 Tage Urlaub und auch keine Überstunden etc. Dafür darf ich einige Dienstreisen unternehmen. Es hat also alles immer Vor- und Nachteile 🙂
    Ich glaube nicht, dass wir alle viel glücklicher wären, wenn wir alle nur noch als Normaden unterwegs wären. Für den ein oder anderen kann das stimmen. Vielen hilft es aber sicherlich mehr, sich erst einmal klar zu machen, was sie glücklich macht – ganz unabhängig davon wo man sich gerade befindet.
    Liebe Grüße,
    Wibke von http://www.webundwelt.de

    • Danke liebe Wibke!

      Ich habe gerade kurz versucht mir vorzustellen, wie das wäre, wenn wir alle nur noch nomadisch unterwegs wären. So etwas wie Tourismus könnte es dann ja gar nicht mehr geben – wer hat denn schon Lust, ein Flugzeug zu fliegen oder eine Unterkunft zu bauen und zu managen… Würde das Reisen wohl definitiv erschweren 😉

      Liebe Grüße!
      Anna

  22. Dunja

    Hey Anna,

    wahre Worte! Ehrlich gesagt nerven mich die zahlreichen (Reise-)Blogs der sog. Aussteiger schon ein wenig. Mich interessieren Erlebnisse von Menschen die mitten im Leben stehen und nicht die ich-flüchte-aus-meinem-Alltag Stories. Die Kunst des Reisens besteht doch darin, Job und Freizeit unter einen Hut zu bringen und während der Trips auf Sparflamme leben, ist auch nicht das gelbe vom Ei.
    Dennoch halte ich es getreu dem Motto: Arbeite um zu leben… und ganz nebenbei macht mir mein Job sogar Spaß… 🙂

    Ach ja, dass aus 30 Urlaubstagen direkt mehr Reisetage werden können, handhabe ich genau so. Am WE gehts zum Camping an einen nur 20 Kilometer entfernten See – auch das ist ein Trip. Es muss nicht immer die Welt sein! 😉

    • Hallo Dunja,

      lieben Dank für deinen Kommentar! Du hast so Recht – man kann so viele schöne Kurzurlaube unternehmen. Ich glaube viele Menschen nehmen gar nicht mehr wahr, wie schön es auch in der direkten Umgebung ist, weil sie sich so auf die große Flucht aus dem Alltag konzentrieren, dass sie die kleinen Fluchtmöglichkeiten nicht wahrnehmen. Zum See um die Ecke fahre ich am Wochenende auch – ohne Zelt allerdings. Wäre aber mal wieder eine gute Idee. Ich wünsche dir auf jeden Fall ganz viel Spaß dabei!

      Liebe Grüße
      Anna

  23. Hallo Anna,

    cooles Thema. Das mit dem Kündigen hat mich am meisten auf der DNX beschäftigt. Da grassiert das auch wie Fieber. Manchmal ist richtig viel Potential und selbständigen Kraft dahinter, dann ist das sicher genau das richtige. Aber einfach kündigen und reisen führt zum Fazit deines Beitrags. Schön, dass es aktuell immer mehr Beiträge gibt, die das auch hinterfragen. Ich dachte oft, dass ich alleine sei. Die 9 to 5 glücklich ist.

    Hoffen wir, dass nach der Aufbruchbewegung beide Seiten mehr zusammen wachsen und voneinander lernen.

    Ich mag meinen Job auch sehr gerne und wollte nicht ohne. Überstunden oder Teilzeit geht leider nicht, aber vielleicht findet sich doch mal eine Lösung. Andererseits: Wenn ich mir andere Länder betrachte, dann sind 30 Tage Urlaub im Jahr auch einfach schon eine mega Sache, da geht es vielen viel schlechter.

    Herzlichen Glückwunsch zu deinen 80 Prozent. Da bin ich ja mal gespannt wo es dich noch überall hin verschlägt!

    Alles Liebe
    Tanja

    • Hallo Tanja,

      zur DNX habe ich es ja leider nicht geschafft… Ich glaube, dass da Leute zusammenkommen, die irgendwie schon einen Plan haben. Die unabhängig sein wollen, aber auch arbeiten wollen. Sind bestimm auch ein paar dabei, die flüchten möchten, aber man sieht ja an einigen wenigen Beispielen, dass es funktionieren kann. Man darf nur nie vergessen, dass Arbeit am Strand eben auch Arbeit ist. Und zwar in den ersten Jahren nicht nur von 9 bis 5, sondern eher rund um die Uhr.

      Schade, dass es bei dir nicht klappt mit dem Reduzieren! Aber vielleicht ergibt sich ja irgendwann doch eine Option? Ich bin schon mega fleißig am Planen. Vor August darf ich nicht weg, aber dann gehts Schlag auf Schlag – viele Kurztrips sind dabei, aber ich freue mich schon wahnsinnig drauf. Ich würde gerne mehr verraten, aber ich darf noch nicht 😉

      Liebe Grüße!
      Anna

      • Mit dem Reduzieren muss ich mich erst mal abfinden, aber das Leben ändert sich ja ständig und bei uns ist Home Office jetzt ganz neu. Vielleicht kommt weniger arbeiten auch mal 🙂

        Habe gerade deinen Newsletter gelesen. Da sind ja richtig tolle Ziele dabei. Freu mich schon sehr auf deine Berichte. 🙂 Ganz viel Spaß dir und bring tolle Geschichten mit, aber das machst du bestimmt sowieso!

        Viele liebe Grüße
        Tanja

  24. Hey Anna,

    super Text!

    Ich habe mir in letzter Zeit auf oft Gedanken über das Thema gemacht und bin zu einer ähnlichen Erkenntnis gekommen. (Schau mal hier: http://neverendingchaos.de/2015/03/der-ewige-spagat-zwischen-aufbruch-und-sesshaftigkeit/) Du kannst das Glück oder die eigene Zufriedenheit nicht irgendwo auf der Welt suchen und hoffen, das nun alles von alleine gut wird. Ich denke auch, dass der Hamster das Problem ist. Ich war auch sehr unzufrieden in meinem Job, habe gekündigt, mich umorientiert und ein Studium in einer komplett anderen Richtung angefangen. Und was soll ich sagen? Es gefällt mir und ich entwickle nun zusammen mit meiner besten Freundin und Blog-Partnerin erste kleine Ideen, wie es nach dem Studium beruflich weitergehen kann. Natürlich habe ich auch oft darüber nachgedacht, alle Zelte abzubrechen und in die große weite Welt zu flüchten. Doch würde es mich glücklich machen, all meine lieben Menschen zu verlassen? Man lebt zwar nur einmal auf dieser Welt und sollte wirklich manchmal mehr wagen und ausprobieren aber eine solch einseitige Sicht auf die Dinge (wie viele Blogger es momentan vermitteln) kann ich absolut nicht nachvollziehen.

    Danke für deinen tollen Text!

    Liebe Grüße

    Linda
    neverendingchaos.de

    • Hallo Linda,

      vielen Dank für die lieben Worte! Kleine Ideen, die vielleicht irgendwann mal in einem Business enden hören sich sehr gut an für mich. Ich drücke euch beiden die Daumen, dass alles läuft wie ihr euch das vorstellt! Vielen Dank auch für den Link zu deinem Artikel, den kann ich auch seeehr gut nachvollziehen. Sehr schön finde ich deinen Schlusssatz: “Das wahre Glück findet nämlich kein Mensch an einem karibischen Strand mit Dauersonne oder unter einem Stein irgendwo auf der Welt.” Ich glaube, das wahre Glück findet niemand, der verbissen danach sucht. Glück kann man nicht finden. Man kann nur glücklich und zufrieden SEIN.

      Liebe Grüße!
      Anna

  25. Also ich bin mit 21 Jahren ganz bewusst aus dem Hamsterrad ausgestiegen, weil ich schon immer Reisen wollte. Vier Jahre lang habe ich das Reisen mit dem Arbeiten verbunden und weißt du was, es war mit die beste Zeit meines Lebens :). Ich habe es nie bereut und sehe es als eine Bereicherung an.

    Jetzt habe ich wieder einen 9 to 5 bzw. 6 Job. Ob ich damit glücklich bin? Nein! Auch Jobwechsel haben es nicht verbessert, weil ich vom Typ her einfach extremst freiheitsliebend bin. Jetzt bastel ich an einem Konzept Freiheit und Sicherheit zu vereinbaren. Ich sehe es jedoch wie du, dass man nicht reisen sollte, weil man vor etwas flüchtet. Tue es wenn aus Überzeugung und mit Köpfchen. Habe ein Plan B parat. Mache dir ausgiebig Gedanken darüber, wie es nach deiner Auszeit weitergehen soll. Aber etwas zu akzeptieren, womit du nicht wirklich d`accord bist, halte ich für falschen Weg!

    • Hallo Janine,

      vielen Dank für deinen Kommentar! Ich glaube dir aufs Wort, dass es eine geile Zeit war 🙂 Und ich finde es sehr bemerkenswert, dass du schon mit 21 erkannt hast, dass du eher der freiheitsliebende Mensch bist. Für mich wäre es definitiv nichts, immer unterwegs zu sein. Ich mag mein Zuhause viel zu gerne. Und ich glaube, dass viele, die den “Ausstieg” planen, das zu naiv angehen. Deshalb, ja, man sollte auf jeden Fall einen Plan B haben und nicht vor etwas weglaufen.

      Liebe Grüße!
      Anna

  26. Danke für diesen differenzierten Post. Die “Mach doch einfach”-Artikel, die so viele Blogger/innen posten finde ich eher nervig. So einfach ist es eben nicht, alles hin zu schmeißen und auf Reisen zu gehen. Deine Probleme kommen mit, wie Du hier ganz richtig schreibst.

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