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A hui hou, Hawaii

Wir laufen barfuß über den Asphalt, vier braungebrannte Füße. Bis zum Meer sind es nur ein paar Meter. Ein schmaler Pfad führt zwischen den Häusern zum Strand, links wachsen dichte Büsche auf einem schmalen Streifen von Garten, rechts hat jemand eine Mauer aus Beton mit Bambusstangen verkleidet. Sand und Laub liegen auf dem warmen Boden. Das Strandtuch in der einen Hand, eine Flasche Bier in der anderen. Wir können das Rauschen der Wellen hören. Der Ozean ist wie ein guter alter Freund, der immer bei dir rumhängt, aber nie stört.

Es ist unser letzter Abend in Hawaii. Wir verbringen ihn auf Oahu, in Haleiwa, und wir haben nichts zu tun, außer ein letztes Mal den Wellen zu lauschen.

Wir setzen uns auf das Strandtuch, öffnen ein zweites Bier. Außer uns niemand weit und breit. Unsere Zehen graben sich in den Sand. Prost. Könnten wir Ukulele spielen, wir würden einfach die ganze Nacht saitenklimpernd hier verbringen und uns an einem Lagerfeuer aus Treibholz wärmen. Jack Johnson trällert in meinem Kopf und ich summe die Melodie von Upside Down leise mit. Er wohnt in der Nähe. Wir haben uns sagen lassen, dass man ihn manchmal am Strand oder auch in den Wellen sieht.

This world keeps spinning and with each new day I can feel a change in everything. And as the surface breaks reflections fade. But in some ways they remain the same.

Jack Johnson, Upside Down

Die Häuser am Strand haben Pools. Auf einem Balkon, so groß wie die heimische Wohnung, steht ein großer, schwarzer Gasgrill, so sauber, als sei er noch nie benutzt worden. Hinter den Fenstern keine Bewegung. Hätte ich so einen Balkon, bräuchte ich kein Wohnzimmer und kein Schlafzimmer. Dann würde ich da draußen leben und schlafen, den Blick immer nur aufs Meer und auf den Strand und ab und zu in ein gutes Buch.

Die Wellen brechen am Riff und rollen gemächlich auf den Sand. Das Meer trägt winzige Weißwasserkronen. Die Sonne geht unter, dort, wo Insel und Strand aufeinander treffen. Irgendwo anders geht sie genau in diesem Moment auf. Vermutlich zu Hause. In Deutschland ist es schon morgen, hier ist noch heute.

Ich erlaube mir ein einziges Foto zum Abschied. Es gesellt sich zu tausenden anderen auf der Speicherkarte. Tausend Erinnerungen an drei Wochen Hawaii-Urlaub, die noch gesichtet und aussortiert werden müssen und jederzeit dieses Urlaubsgefühl zurück holen könnten.

Ein paar Kilometer weiter östlich beginnt das Nachtleben. In Sharks Cove sitzen die Nachtschwärmer vor grünen Currys am Elephant Truck, wie jeden Abend. Diesmal ohne uns. Um diese Uhrzeit geht keiner mehr schnorcheln, geschweige denn in die Monsterwellen.

Der Lobster-Wagen hat schon das Rollo vor dem Verkaufsfenster heruntergelassen. Wer dort frischen Hummer essen will, muss mittags kommen, meist ist er um 14 Uhr schon ausverkauft.

Mittags kann man ein Stück weiter nördlich auch die Waghalsigen in der Banzai Pipeline vom Strand aus sehr gut sehen. Die Welle ist erbarmungslos. Sie baut sich bis kurz vor dem Strand auf und bricht dann hohl, als große, saubere Tube, auf dem flachen, scharfen Riff. Wer nicht sicher surfen kann, sollte nicht mal dran denken, ins Wasser zu gehen.

Als die Sonne ganz weg ist, fangen wir an zu frösteln. Es ist immer noch warm, richtig kalt wird es nie. Wir kuscheln uns aneinander. Verrückt, wie schnell man sich an tropische Temperaturen gewöhnt. Es ist unser letzter Abend auf Hawaii. Es ist Zeit zu gehen.

Aber noch nicht jetzt. Noch liegt eine ganze Nacht vor uns.

A hui hou, Hawaii, bis bald.

 

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Geschrieben von

Bloggerin und Autorin Anna Röttgers Reiseblog Anemina Travels Avatar
... spielt am liebsten draußen. Sie würde einen spontanen Roadtrip immer einem Tag am Pool vorziehen, liebt das Geräusch von Regen auf einem Zeltdach und ist der wohl einzige Mensch auf der Welt, der sich vor Schokolade ekelt.

1 Kommentar

  1. Inge Petersilge

    Da kriege ich spontanes Fernweh! In deinem Bericht sehe ich mich am Lagerfeuer, über mir der Sternenhimmel, die nackten Füße im warmen Sand und die Ukulele in der Hand… Ich nehme mir Hawai auf jeden Fall als Reiseziel im nächsten Leben vor, Anna!

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