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8 Tipps für alternative Städtetrips

Sommerzeit ist Städtereisenzeit. Dumm nur, dass diese Meinung so viele Menschen teilen und dass so viele Städte gerade während der Sommerferienzeit deshalb hoffnungslos überlaufen sind. Blöd, wenn du deshalb eine Stunde oder länger vor einer Attraktion warten musst, bis du endlich in der ersten Reihe stehst und den touristenfreien Blick genießen kannst. Noch blöder, wenn du dann nur noch eine Minute Zeit hast, um Fotoapparat oder Handy zu zücken und ein schnelles Selfie zu knipsen, ehe du weiter musst – zur nächsten Attraktion.

Städtereisen sind im Grunde super. In (großen) Städten kannst du in relativ kurzer Zeit sehr viel sehen, du hast ein breites kulturelles Angebot mit Museen, Ausstellungen, Sehenswürdigkeiten und Abendveranstaltungen, kannst dich nach Herzenslust durch Boutiquen shoppen, in hippen Cafés sitzen und in unzähligen coolen Restaurants das Loch im Bauch füllen.

Städtetrips können aber auch schnell in Stress ausarten – eben weil es so viel zu sehen und zu tun gibt. Für den Besuch in dem hübschen Café, das du auf Instagram gesehen hast, bleibt da irgendwie plötzlich gar keine Zeit mehr und das Restaurant, in dem du stattdessen landest, weil du Hunger hast und schnell was zu essen brauchst, entpuppt sich als teures, schlechtes Touristenlokal.

Aber keine Sorge. Mit meinen Tipps und Tricks für alternative Städtereisen gewinnst du zwar keinen Preis für die meisten angesehenen Attraktionen, aber sie sollen dir helfen, deinen Städtetrip zu entschleunigen und tiefer ins Leben einer Stadt einzutauchen und gleichzeitig noch ein bisschen Geld zu sparen.

Egal ob London, Bangkok, Sydney oder Seattle: Mit diesen Tricks kriegst du sie alle. Also: Hol die Nase aus dem Reiseführer und schau nach oben. Dann entdeckst du die wahren Schätze eine Stadt und stellst dir dein ganz individuelles Erlebnis zusammen.

Schmeiß den Reiseführer weg

Kein Plan? Kein Problem! Lass dich treiben. Auch wenn es schwierig erscheint, ist es ungemein erleichternd, wenn du deine Must-Sees im Vorhinein auf eine oder maximal zwei Attraktionen am Tag beschränkst. Am besten beginnst du deinen Tag an dieser Attraktion und lässt dich von dort aus dann ein wenig treiben. Auch ohne Ortskenntnisse lohnt es sich, einfach loszulaufen und zu sehen, was passiert. Schau in offene Hinterhöfe, wirf einen Blick in unscheinbare Cafés und Läden, lass deinen Bauch entscheiden, in welche Richtung du gehen sollst oder wirf eine Münze.

Eins ist sicher: Wenn du dich treiben lässt, wirst du überrascht sein, was es in der Stadt deiner Wahl alles zu entdecken gibt. Angst, dich zu verlaufen, musst du dabei nicht haben. Merke: Du bist in einer Stadt, nicht im Himalaya. Selbst wenn du nicht mehr weißt, wo du bist, sind da noch Menschen die dir weiterhelfen können.

Sightseeing mit Bus und Bahn

Bustouren, die in zwei Stunden die wichtigsten Sehenswürdigkeiten einer Stadt abhaken, gibt es mittlerweile fast überall. Die Fahrten mit den meist doppelstöckigen Bussen sind eine nette Gelegenheit, sich einen Überblick über eine Stadt zu verschaffen. Allerdings sind sie auch ziemlich teuer – und seien wir mal ehrlich, auch ziemlich spießig.

Der öffentliche Nahverkehr ist eine gute Alternative zu Big Bus und Co. Beste Beispiele hierfür sind eine Fahrt mit der Ringbahn in Berlin oder die Flussfähre in Bangkok. Die fährt fast genau die gleiche Route wie die meisten Ausflugsdampfer, kostet aber nur einen Bruchteil davon. Und du bist nicht ausschließlich mit Touristen in einem Boot.

Manchmal ist der Nahverkehr auf den ersten Blick wenig geeignet für Stadterkundungen, weil er, wie beispielsweise in New York, zum Großteil unterirdisch verläuft. Wie du ihn trotzdem nutzen kannst, zeigt das Buch NYC 7*, eine Entdeckungsreise durch New York mit der Linie 7 von Manhattan nach Queens (übrigens ein Bildband, den ich allen ans Herz lege, die nach New York reisen).

Hol dir Tipps von Locals

Kein Plan, wo du bist oder wo du hin gehen sollst? Frag doch einfach mal jemanden auf der Straße. In Zeiten, in denen man alle wichtigen Infos schnell auf dem Smartphone ergooglen kann, scheint es fast in Vergessenheit geraten zu sein, dass es tatsächlich auch möglich ist, mit echten Menschen zu kommunizieren.

Geht so: Suche dir eine Person aus, die dir sympathisch erscheint und frage ihn oder sie nach ihrem Lieblingsort. Dort angekommen fragst du die nächste Person nach ihrem Lieblingsort und so weiter. So lernst du eine Stadt aus den Augen ihrer Bewohner kennen.

Zufallsentdeckung in Vancouver: Ein kleines Restaurant am Rand von Gastown.

Kunst mal anders

Keine Lust auf die üblichen Verdächtigen? Die großen Kunstmuseen haben ihre Daseinsberechtigung, keine Frage. Aber es ist auch nicht schlimm, sie einfach mal zu ignorieren, vor allem wenn der Andrang groß und die Wartezeiten lang sind.

In jeder größeren Stadt mit Kunst- oder Designhochschule gibt es regelmäßig Ausstellungen mit Werken der Abschlussjahrgänge. Echte Contemporary Art also. Und eine gute Möglichkeit, kleine Schätze zu entdecken. Auch kleinere Galerien und offene Ateliers bieten Kunst zum kleinen (oder ohne) Eintrittspreis.

Auch Street Art steht in vielen Städten hoch im Kurs und wird in manchen sogar aktiv gefördert. Die Stadt Philadelphia beispielsweise hat mit dem Mural Arts Programm ein Projekt aufgesetzt, das Graffiti gezielt fördert und zur Lösung von sozialen Problemen beiträgt. Das schöne daran: Die Gemälde sind für jedermann frei zugänglich. Nicht nur in Philadelphia, sondern weltweit gibt es immer mehr Street Art-Initiativen.

Guide statt Stadtführer

Wenn du nicht alleine durch eine Stadt schlendern möchtest, kannst du dir für kleines Geld einen Guide suchen – einen Local, der dir seine Lieblingsorte in der Stadt zeigt. Das ist dann keine Stadtführung im klassischen Sinn, bei der du dem Menschen mit dem Regenschirm hinterherlaufen musst, der in einer Tour Daten und Fakten herunterbetet.

Sondern eine Tour, bei der du im besten Fall einen netten Menschen kennenlernst, der genau auf deine Bedürfnisse eingeht. Das lohnt sich vor allem in Städten, die schwer überschaubar sind oder in denen eine völlig andere Kultur vorherrscht als die eigene, bekannte.

Es gibt immer mehr Plattformen, die Guides für wenige Stunden anbieten. So zum Beispiel Get your Guide*, Rent a Guide oder mittlerweile auch Airbnb.

Räucherstäbchen anzünden in einem chinesischen Tempel in Bangkoks Chinatown – hätte ich ohne Guide vermutlich nie getan.

Miete dich bei Locals ein

Zugegeben, es ist bestimmt nicht jedermanns Sache und vermutlich gleichzeitig der Punkt auf dieser Liste, der für die meisten am schwersten umzusetzen ist. Trotzdem möchte ich es gesagt haben: Schlaf bei Einheimischen statt im Hotel. Bestenfalls sind das Freunde oder Bekannte von dir – oder aber Freunde und Bekannte von Freunden. Ansonsten findest du kontaktfreudige Menschen zum Beispiel über Couchsurfing oder hin und wieder auch über Airbnb.

Lerne ein paar Worte in der Landessprache

Lerne zumindest ein paar Worte oder Sätze in der Landessprache. Schon so einfache Dinge wie Hallo und Danke sind die allerbesten Türöffner. Und wenn du einen Local um einen Gefallen bitten möchtest, stoßen ein paar Worte in seiner Muttersprache die Türen meist ganz weit auf.

Danach kannst du dich ruhig auf Englisch weiter unterhalten. Niemand erwartet, dass ein Tourist die Landessprache beherrscht.

Leihe dir ein Fahrrad aus

Wenn deine Füße doch mal schlapp machen und du keine Lust auf öffentliche Verkehrsmittel hast, leih dir ein Fahrrad. In vielen Städten gibt es mittlerweile neben dem klassischen Radverleih, wo du ein Fahrrad für einen Tag oder eine Woche mieten kannst, Verleihstationen, an denen du dir gegen eine geringe Gebühr ein Fahrrad ausleihen kannst. Wenn du an deinem Ziel angekommen bist, gibst du das Rad an der nächstgelegenen Station einfach wieder ab. Mit dem Rad kommst du schneller voran als zu Fuß, siehst aber mehr als aus dem Bus oder dem Auto.

Extratipp: Der schöne Reiseführer des Zufalls* gilt garantiert für jede Stadt und hilft dabei, sich treiben zu lassen.

Keep calm and eat donuts. Allerwichtigster Tipp für stressfreie, alternative Städtereisen.

Und die Moral von der Geschichte? Möglicherweise wirst du ein paar Attraktionen verpassen, wenn du deinen Städtetrip nicht durchplanst. Dafür wirst du andere Dinge entdecken, die eine Stadt lebenswert machen, weit über ihre Museen und Sehenswürdigkeiten hinaus.

Du wirst außerdem feststellen, dass es meist nur wenige Straßen und Plätze sind, die touristisch überlaufen sind und dass du abseits des Trubels gar nicht viel davon mitbekommst, dass gerade Hauptsaison ist. Dafür musst du weder auf Kultur noch auf gutes Essen verzichten. Letzteres findest du wahrscheinlich sogar in besserer Qualität für weniger Geld.

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Geschrieben von

Bloggerin und Autorin Anna Röttgers Reiseblog Anemina Travels Avatar
... spielt am liebsten draußen. Sie würde einen spontanen Roadtrip immer einem Tag am Pool vorziehen, liebt das Geräusch von Regen auf einem Zeltdach und ist der wohl einzige Mensch auf der Welt, der sich vor Schokolade ekelt.

2 Kommentare

  1. Ich finde zwar das gerade der Sommer keine Städtereisezeit ist. Viel zu heiß, schlechte Luft und man kann bei dem schönen Wetter doch viel besser draußen in der Natur was machen, aber ich bin auch sonst eher mehr der Outdoor Typ.

    Aber ich kann nur voll unterstreichen, dass es manchmal wesentlich besser ist nicht alles genau zu planen. Gerade in einer Großstadt ist ja so ziemlich immer und überall etwas los und zu entdecken 🙂

    • Kommt natürlich sehr drauf an, was für eine Stadt es ist und ob sie eher im Norden liegt oder eher im Süden (oder vielleicht sogar in Äquatornähe, da ist das mit den Jahreszeiten dann auch recht egal). Ich finde, dass viele europäische und nordamerikanische Städte im Sommer viel schöner sind, weil die Leute draußen sind, alles grün ist und es viele Feste und Veranstaltungen gibt. Aber den Wunsch, lieber in die Natur zu flüchten, kann ich trotzdem absolut nachvollziehen.

      Liebe Grüße! Anna

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