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Die schönsten Independent-Reisemagazine

Ich sammele Reisemagazine. In so gut wie jeder Buchhandlung und jedem Zeitschriftenladen suche ich die Regale nach schönen, mit viel Liebe gestalteten Magazinen und Zeitschriften ab. Zeitschriften von und über Abenteuer und Abenteurer, Reisefreunde und Reisefreuden und über die große weite Welt ab. Ein paar echte Schätze habe ich schon von meinen Reisen mit nach Hause gebracht – und einige habe ich online entdeckt.

Die besten und außergewöhnlichsten (unabhängigen) Reisemagazine stelle ich in diesem Artikel vor. Print is not dead. Ganz und gar nicht.

The Fernweh Collective

The Fernweh ist „Not Another Travel Magazine“. Stimmt absolut. Es ist viel besser und viel mehr als das. Es vereint meine absoluten Lieblings-Reisethemen: Entdecken, Abenteuer, Outdoor. Und es ist gleichzeitig das Magazin, das mich zu dieser Zusammenstellung inspiriert hat. Chefredakteurin Belka hat schon mit Fernwehosophy (mittlerweile eingestellt) bewiesen, dass sie das mit dem Magazine machen drauf hat.

Und ein bisschen wie ein richtig gut gemachter Reiseblog kommt deshalb auch The Fernweh daher. Die Geschichten sind persönlich, regen mal zum Nachdenken an, mal zum Nachmachen, und immer, wirklich immer verursachen sie Fernweh.

The Fernweh ist ein unabhängiges Magazin, dem man anmerkt, dass daran Menschen arbeiten, denen ihre Themen wirklich am Herzen liegen. Jedes Heft hat ein Schwerpunktthema, die bisherigen waren: Up North, The Jungle und The Simple Life.

iErscheinungstermin: Alle drei Monate
Sprache: Deutsch
Seiten: 152
Preis: 9,80 Euro
Kaufen: Derzeit nur online, Versandkosten: 2,60 Euro

 

The Weekender

The Weekender kann sich schon seit 2011 auf dem Markt behaupten und erscheint viermal im Jahr, jeweils im November, Februar, Mai und August. Es ist kein reines Reisemagazin, führt die Leser aber in jeder Ausgabe in viele verschiedene Länder und Städte. Neben dem Reisen geht’s auch um Wohnen und Einrichten, Essen und Natur.

Damit ist es ein Magazin, dass nicht nur Fernweh weckt, sondern gleichzeitig auch ein toller Reisebegleiter auf Wochenendtrips oder Bahnfahrten ist. Eben eine Zeitschrift, die man sich auf jeden Fall gerne in den Rucksack steckt und immer wieder raus holt.

Mal geht’s in die Toskana, mal nach LA und mal in den Dschungel. The Weekender steckt voller Inspirationen, schöner Bilder, guter Texte und Ideen. Der Großteil davon ist auf Deutsch, nur hin und wieder mogelt sich ein englischer Text dazwischen.

iErscheinungstermin: Vierteljährlich
Sprache: Deutsch
Seiten: 100
Preis: 9 Euro
Kaufen: Online oder im Bahnhofsbuchhandel

 

Il Paradiso

Il Paradiso verschreibt sich in jeder Ausgabe einem Land. Die erste, Schwerpunkt Italien, erschien 2012, es folgte bis 2015 jährlich je eine weitere mit den Themen Frankreich, Griechenland und Schweden. 2016 machten die Herausgeber eine Pause und im Frühjahr 2017 erschien dann endlich Ausgabe 5: Portugal.

Portugal steht ja momentan ohnehin bei fast allen hoch im Kurs – nicht nur, weil man dort so toll surfen kann, sondern auch weil Land und Leute faszinieren und die Küche so einiges zu bieten hat. Ausgewählte Autoren nehmen die Leser mit auf Streifzüge durch das Land. So erzählt etwa ZEIT-Autor Christoph Amend von seinem Lieblingslokal und dessen Besitzer und die freie Journalistin und ZEIT-Online-Autorin Johann Lühr berichtet über die Frauen, die die Wirtschaft von Porto ankurbeln. Und weil das Thema Surfen keinesfalls fehlen darf, gibt es auch noch eine starke Geschichte über die alten Surfer von Ericeira.

Alles in allem ein sehr gelungenes Magazin, das große Lust auf das jeweilige Reiseziel macht. Auch die alten Ausgaben sind zum Teil noch im Online-Shop zu haben.

iErscheinungstermin: In unregelmäßigen Abständen, ca. einmal jährlich im Frühjahr
Sprache: Deutsch
Seiten: 140
Preis: 10 Euro
Kaufen: Online oder in ausgewählten Läden in Deutschland.

 

Walden

Walden war ursprünglich als Magazin für Männer, die wieder mehr Kontakt zur Natur suchen gedacht. Frei nach Henry David Thoreau. Moment mal, das interessiert mich aber auch! Dachte ich, als ich es zum ersten Mal in einer Bahnhofsbuchhandlung in der Hand hatte. Die Ausrichtung auf die männliche Zielgruppe fand ich seltsam, vor allem weil sie ein wenig zu klischeebelastet daherkam.

Aber sei’s drum. Die Geschichten, Reportagen, Episoden und Tipps in Walden sind amüsant und lesenswert. Und mittlerweile hat der GEO Verlag, der Walden herausgibt, das Gender-Problem offenbar auch erkannt. Sie vermarkten es jetzt als Magazin für alle, die gerne draußen unterwegs sind. Gut so.

Das einzige wirkliche Problem, das ich mit dieser Zeitschrift habe ist: Ich kann sie eigentlich gar nicht in Ruhe durch lesen. Ich habe immer sofort das Bedürfnis, nach draußen zu gehen, wild zu campen, ein Kanu zu bauen oder ein Lagerfeuer zu machen.

Insofern: Nimm Walden mit auf deinen nächsten Campingtrip und lies die Zeitschrift abends am Feuer.

iErscheinungstermin: Ab 2017 vierteljährlich
Sprache: Deutsch
Seiten: 140
Preis: 7,50 Euro
Kaufen: online oder im Zeitschriftenhandel.

 

Anderswo

Bei Anderswo liegt der Schwerpunkt weniger auf ausgedehnten Reisereportagen und Hochglanzfotografien. Das Reisemagazin ist vielmehr ein Nachschlagewerk für alle, die umweltbewusst reisen und Europa nachhaltig entdecken wollen. Fernreisen haben keinen Platz in Anderswo, ebenso wenig wie Flugreisen. Die Herausgeber wollen zeigen, wo und wie Urlaub abseits des Massentourismus möglich ist.

Das Magazin bietet viele kleine Lesehappen und Tipps zu nachhaltiger Ausrüstung, zum Wandern, Radfahren oder Bahnreisen. Längere Reisegeschichten gibt es auch. Im Heft für 2017 geht es unter anderem nach Schottland, Österreich, Sizilien und Barcelona.

Anderswo ist übrigens der Nachfolger des Magazins „Verträglich Reisen“, das von 1990 bis 2015 im Fairkehr-Verlag erschienen ist und 2016 grundlegend überarbeitet wurde.

iErscheinungstermin: Jährlich gegen Ende des Jahres
Sprache: Deutsch
Seiten: 62
Preis: 7,50 Euro
Kaufen: Online oder im Bahnhofs- und Flughafenbuchhandel

 

Boat

Boat ist nicht gerade das, was man als übliches Reisemagazin bezeichnen kann. Das unabhängige Magazin widmet sich in jeder Ausgabe nur einer einzigen Region oder Stadt – und um die zu erkunden, ziehen die Redakteure, Fotografen und Grafiker für einige Wochen dorthin.

Dabei knüpfen sie Kontakt zu Einheimischen und lassen sich die jeweilige Stadt oder Region aus deren Perspektive zeigen. Boat ist also weniger ein touristisches Magazin als vielmehr ein Spiegel des einheimischen Lebens.

Wer Boat liest, taucht hautnah ins Stadtleben ein. Aber Achtung: Man hat dann auch meistens direkt Lust, dort hin zu ziehen… Die bisherigen, noch erhältlichen Ausgaben widmen sich Tel Aviv, Bangkok, Los Angeles, Lima und den Färöer Inseln.

iErscheinungstermin: Zweimal jährlich
Sprache: Englisch
Seiten: 112
Preis: 10 £
Kaufen: Online oder in ausgewählten Buchhandlungen

 

Another Escape

Jedes Another Escape Magazine hat ein Hauptthema und widmet sich drei bis vier verschiedenen Unterthemen, die wiederum aus vier verschiedenen Perspektiven näher beleuchtet werden. Dabei dreht sich alles ums Reisen, ums Leben mit und in der Natur sowie um nachhaltiges Leben und Entdecken. Gedruckt wird das Magazin auf unbeschichtetem, mattem Papier mit pflanzlicher Tinte.

Neben besonderen Geschichten und großartigen Erzählungen punktet Another Escape mit wunderschönen Landschaftsfotos, besonderen Porträts und Illustrationen. Auf jeden Fall ist es viel zu schön, um es nur ins Regal zu stellen. Das gehört auf den Sofatisch.

Another Escape ist kein klassisches Reisemagazin, sondern vielmehr ein Lifestyle-Magazin für Menschen, die gern an der frischen Luft sind und ihre Freizeit aktiv gestalten – egal ob zu Hause oder im Urlaub. Mal geht es ums Leben und Reisen im Van, mal ums Leben mit Pflanzen, mal um die Insel Borneo, mal um den Hohen Norden und mal um Wanderkultur. Unbedingt zu empfehlen für alle, die gerne aktiv und abenteuerlich unterwegs sind.

iErscheinungstermin: Zweimal jährlich, Sommer und Winter
Sprache: Englisch
Seiten: 144
Preis: 10 £
Kaufen: Online oder in ausgewählten Läden in Europa, Nordamerika, Südostasien und Australien. In Deutschland gibt es drei Läden, die das Magazin verkaufen: In Hamburg, Berlin und München. Hier geht’s zur Übersicht.

 

Sidetracked

Tolle Bilder & großartige, zeitlose Texte: Das ist Sidetracked, ein Reisemagazin für Menschen, die sich gerne mal ablenken oder vom Weg abbringen lassen. In den Geschichten geht’s um extreme Outdoor-Touren, ungewöhnliche Expeditionen und um die Liebe zur Welt. Was alle Geschichten gemeinsam haben, ist der sehr persönliche Ansatz.

Es geht beispielsweise ums Surfen in Alaska, Skifahren in Peru oder Paddeln auf dem Ganges – eher ungewöhnliche Dinge also, auf die man nicht unbedingt von selbst gekommen wäre.

Einen Vorschlag für eine Geschichte einreichen kann jeder, der etwas zu berichten hat. Dabei muss es nicht zwangsläufig um ein extremes Abenteuer gehen. Chefredakteur John Summerton drückt es so aus: „Abenteuer passieren nicht nur in den Bergen oder tief unter Wasser, sondern können eine einfache Begegnung mit dem Leben außerhalb einer Komfortzone sein.“ Kann ich so unterschreiben.

iErscheinungstermin: Dreimal jährlich
Sprache: Englisch
Seiten: 132
Preis: 10 £
Kaufen: Online oder in sehr ausgewählten Geschäften

 

Say Yes To Adventure

Ja zum Abenteuer sagen, tolle Idee! Viele, die das machen, sind allerdings keine Journalisten und Blogger. Sie starten nicht in ihr Abenteuer, um darüber zu berichten, sondern um des Abenteuers selbst Willen. Und wenn es nicht ein Magazin wie “Say Yes To Adventure” gäbe, würde man von ihren Geschichten vermutlich nie erfahren. Im Magazin kann jeder zu Wort kommen, der von einem Abenteuer berichten kann – egal, ob in Fotos oder in Worten. Die Herausgeber suchen die besten Geschichten aus und veröffentlichen sie im Magazin, das passenderweise den Untertitel “Ordinary People Doing Extraordinary Things” trägt, also: gewöhnliche Menschen, die außergewöhnliche Dinge tun.

Da setzt sich jemand mit der körperlichen und geistige Herausforderung von Abenteuer auseinander, ein anderer berichtet von einem Segeltörn von Kolumbien nach Panama. Die Autoren wandern durch Eis und Wüsten, fahren Rad, tauchen und erkunden exotische Länder – und immer spielt sich der Großteil der Geschichte draußen ab – wo sonst sollten die Abenteuer warten? Acht Ausgaben gibt es bislang (Stand Sommer 2017), viele der älteren Ausgaben sind online noch zu haben.

iErscheinungstermin: Zweimal jährlich, Sommer und Winter
Sprache: Englisch
Seiten: 125
Preis: 20 NZD
Kaufen: Online oder in ausgewählten Buchläden weltweit.

 

The Escapist

The Escapist – “A Journal of Places Less Explored” ist eine Sonderausgabe des Monocle Magazine und erscheint nur einmal im Jahr – jeweils im Sommer. Schwerpunktmäßig widmet es sich, wie schon der Titel sagt, wenig bekannten Orte und solchen, die gerade im Kommen sind.

So geht es in Ausgabe vier, die im Sommer 2016 erschienen ist, zum Beispiel in einer Reportage um Buffalo, die ehemals reiche Stadt im amerikanischen Rostgürtel an den großen Seen, die sich neu erfindet. Ein anderer Artikel thematisiert die vergessene Stadt Brno in Tschechien, wieder ein anderer erklärt, wie Bad Gastein sich selbst ein hippes Image verpasst. Außerdem reisen die Autoren nach Palermo, Hanoi und Wellington, auf die Azoren und nach Montevideo.

The Escapist liefert tolle, tiefgründige Reportagen – mit wenig Hochglanz. Der Fokus liegt ganz klar auf dem Text, auch wenn der natürlich mit Bildern illustriert wird. Besonders schön sind die übersichtlichen Tipps zu den einzelnen Städten.

iErscheinungstermin: Jährlich im Sommer
Sprache: Englisch
Seiten: 258 (Ausgabe 4)
Preis: 19,50 Euro
Kaufen: Online oder in gut sortierten Bahnhofs- und Flughafenbuchhandlungen.

 

Cereal Magazine

Cereal ist ein Magazin für die schönen Dinge des Lebens und widmet sich neben dem Reisen der Kunst, dem Design und der Mode. Die Reisegeschichten sind zwar nicht in der Überzahl, aber dafür wunderschön aufbereitet – übrigens auch online. Dort gibt es mit den City Guides eine sehr schön umgesetzte Städtereisen-Serie.

Außerdem führen sie auch mal an die abgelegensten Orte der Welt. In der aktuellen Ausgabe beispielsweise in die Antarktis. Kunst, Design und Architektur spielen in den Reiseberichten auch ein größere Rolle. So geht es zum Beispiel in einem Artikel über Architektur des Mid Century Modernism in Palm Springs und in einem anderen über kleine Kunstwerke in Rajasthan.

Einziger Schwachpunkt von Cereal: Etwas zu viel Werbung. Zwar hochwertige und optisch schön gemachte Werbung, aber eben viel Werbung.

iErscheinungstermin: Halbjährlich
Sprache: Englisch
Seiten: 200
Preis: 12 £
Kaufen: Online und in ausgewählten Läden

 

Suitcase

Suitcase ist ein bisschen an Hochglanz-Reisemagazine angelehnt, es geht aber zum Glück nicht um quasi unbezahlbare Luxusreisen. Das Magazin vereint die Themen Reisen und Fashion. Reiseberichte und Modestrecken funktionieren nebeneinander, außerdem gewähren die Redakteure auch mal einen Blick in ihre Koffer.

Zu den vorgestellten Reisen gibt’s Tipps für passende Bücher, Musik und Apps, es werden Boutiquehotels und kleinere Designer vorgestellt, die für ihre Regionen typische Dinge entwerfen. Für Food und Wellness ist ebenso Platz in Suitcase wie für Wanderungen und Roadtrips.

iErscheinungstermin: Viermal jährlich
Sprache: Englisch
Seiten: 170
Preis: 6 £
Kaufen: Online oder in Bahnhofs- und Flughafenbuchhandlungen

 

Kennst du weitere Independent-Reisemagazine?

Kennst du ein außergewöhnliches Reisemagazin, das in dieser Liste fehlt? Dann hinterlass mir und den anderen Lesern gerne deinen Tipp in einem Kommentar!

Mehr lesen? Wie wär’s dann mit den schönsten Büchern für Reisefreunde?

Geschrieben von

... spielt am liebsten draußen. Sie würde einen spontanen Roadtrip immer einem Tag am Pool vorziehen, liebt das Geräusch von Regen auf einem Zeltdach und ist der wohl einzige Mensch auf der Welt, der sich vor Schokolade ekelt.

7 Kommentare

  1. Super, vielen lieben Dank Anemina 🙂

    Ich habe diesen Artikel direkt nach erscheinen schon “gebookmarked” – jetzt komme ich endlich auch mal dazu, die ganzen Magazine näher zu betrachten und habe direkt auch mal “Fernweh” bestellt 🙂

    Jetzt heißt es nur “warten”….

    Liebe Grüße und bis zum nächsten Artikel von Dir,
    Dave

  2. Woooow so eine wundervolle Zusammenfassung! Die habe ich gleich mal in die Lesezeichen gepackt – so kann ich sie ganz in Ruhe heute Abend durchlesen! Danke! 🙂

    Ganz liebe Grüße von einer anderen Weltreisenden aus Argentinien 🙂
    feli

  3. Vor jeder Reise, sei es mit Bahn oder Flugzeug, kaufe ich mir eigentlich auch immer Reisemagazine, aber ich habe noch keines der von dir vorgestellten Reisemagazine in unserer Bahnhofsbuchhandlung entdeckt. Nicht mal auf der Buchmesse, aber da preisen auch nur große Verlage ihre Magazine an. Morgen fliege ich zufällig auf die Kanaren und da will ich mal direkt nachschauen welches der Magazine ich entdecken kann. Ich liebe es nämlich auch Printmagazine zu lesen. Daher bin ich dir für diesen Bericht sehr dankbar, da ich so neuen Lesestoff entdeckt habe. 🙂 Jetzt muss ich nur noch an den Stoff kommen. 😉
    Früher als Kind wollte ich unbedingt ein eigenes Magazin herausbringen und habe meine Erlebnisse zu einer “Zeitschrift” zusammengefasst. Wahrscheinlich hat mein Blog daher auch den Zusatz “Magazin”. Was echt noch ein Traum von mir wäre, ist für ein solches Magazin mal zu schreiben.

    Vielen Dank und liebe Grüße

    Myriam

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