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Das 11 mal 1 für Leipzig, Deutschland

N 51° 20′ 22.904″ E 12° 22′ 23.069″
Leipzig, Deutschland

Leipzig sei das bessere Berlin, sagte mal jemand. Dieser jemand war Bernhard Rothenberger, Betreiber von Auerbachs Keller, das wiederum dank einem gewissen Goethe und seinem Faust als eins der bekanntesten Restaurants Deutschlands gilt. Rothenberger war auf einer Gastronomiemesse in Malaysia und sollte erklären, wo Leipzig – und somit der Auerbachs Keller – liegt. Die relative räumliche Nähe zu Berlin verleitete ihn zu sagen, Leipzig sei ein bisschen wie die Hauptstadt. Nur besser, fügte er eben noch hinzu.

Kurz zuvor, im Januar 2010 hatte die New York Times Leipzig in ihrer berühmten Liste der „Places to Go This Year“ auf Platz 10 gesetzt. Rothenberger ließ Aufkleber drucken, die die Stadt als besseres Berlin auswiesen und verteilte sie an seine Kunden, die wiederum überall Litfasssäulen damit schmückten. Innerhalb von fünf Jahren galt die Stadt als so cool, dass es manchen schon wieder nervte.

Mit dem 11×1 für … stelle ich dir meine elf Lieblingsorte einer Stadt vor. Diese Orte sind so ausgewählt, dass für jedes Interesse etwa dabei ist – und natürlich soll es auch um Dinge gehen, die nicht schon in jedem Reiseführer stehen. Außerdem gibt es praktische Tipps zum Hinkommen, Herumkommen und Übernachten und ein paar Fun Facts.

Was ist dran am Hype um Leipzig? Die Stadt ist nicht einmal Landeshauptstadt. Mit Berlin kann man sie nun wirklich nicht vergleichen. Sie ist klein, im Zentrum ist alles fußläufig zu erreichen, und die Anzahl der Herrendutt tragenden Männer ist, verglichen mit Berlin, verschwindend gering.

Ist Leipzig vielleicht gerade deshalb tatsächlich besser als Berlin? Ich habe mich umgesehen und eine Stadt entdeckt, die liebenswert, lebendig und ziemlich cool ist. Meine elf Lieblingsorte stelle ich in diesem Artikel vor.

Street Art auf der “Karli”, Leipzigs Bar- und Restaurantmeile in der Südvorstadt.

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Bundesland: Sachsen
Einwohner: 568.000 (Stand 2016)
Hotelbetten: 14.864
Höchstes Gebäude: City-Hochhaus am Augustusplatz, 142m
Passagen: rund 40
Brücken: 415 (Venedig hat nur 400)
Berühmteste Erfindungen: Schrebergarten, Mustermesse, Duden
Internet: www.leipzig.travel

1

Auf der Notenspur durchs Zentrum

Musikalisch ist Leipzig eine Stadt von Weltruhm. Richard Wagner wurde hier geboren und ausgebildet, Johann Sebastian Bach wirkte als Thomaskantor, Felix Mendelssohn Bartholdy war einer der bedeutendsten Kapellmeister im Gewandhaus, Clara Schumann – damals noch Wieck – trat mit neun Jahren erstmals in selbigem auf. Die Aufzählung wäre lange fortzusetzen. Wer auf den Spuren einiger der berühmtesten deutschen Musiker wandeln will, kann der Notenspur folgen. Auf 5,1 Kilometern verbindet sie die wichtigsten musikalischen Originalschauplätze im Stadtzentrum.

Die Notenspur führt auf den Spuren berühmter Musiker durch Leipzig.

Geschwungene Stahlelemente im Boden markieren den Weg und die 23 Stationen. An jeder Station gibt es Informationen zum jeweiligen Künstler und Hörbeispiele. Den Rundgang kannst du an jedem beliebigen Ort beginnen.

www.notenspur.de

2

Deutsches Buch- und Schriftmuseum

1884 wurde es als Deutsches Buchgewerbemuseum in Leipzig gegründet, 1950 wurde es in die Deutsche Bücherei integriert: Das Deutsche Buch- und Schriftmuseum in der Nationalbibliothek ist das weltweit älteste seiner Art. Die Dauerausstellung „Zeichen Bücher Netze – von der Keilschrift zum Binärcode“ lädt Besucher zu einem Rundgang durch die Geschichte des Wortes ein – von der Erfindung der Schrift bis zur Erfindung digitaler Kommunikation. Daneben gibt es wechselnde Sonderausstellungen.

Eine Druckerpresse in der Dauerausstellung des Deutschen Buch- und Schriftmuseums.

Deutsches Buch- und Schriftmuseum
Deutscher Platz 1
Di-So 10-18 Uhr, Do bis 20 Uhr
Eintritt frei
www.dnb.de

3

Foodtour durch Leipzigs Süden

Wer hungrig ist, muss im Leipziger Süden nicht lange suchen. Rund um die Karl-Liebknecht-Straße (Karli) haben sich zahlreiche Restaurants, Bars und Kneipen angesiedelt, die günstiges Essen aus aller Welt anbieten. Wer einen Eindruck von der kulinarischen Vielfalt bekommen möchte, sollte eine Foodtour buchen. In drei Stunden gibt es Kostproben und Klassiker aus sieben Lokalitäten – und nebenbei eine Stadtführung, die garantiert anders ist als das, was man gemeinhin bei einer Stadtführung erwartet. Die Tour ist auch bei Einheimischen sehr beliebt.

Retro-Chic im Café Cantona.

Auf jeden Fall lohnt es sich, am Abend wieder zu kommen. Dann öffnen die Bars und Biergärten in der Karli. So wie der Biergarten unter der Löffelfamilie – einer ehemaligen Leuchtreklame, die heute gegen Spende zum Leuchten gebracht werden kann.

Foodtour mit Eat the World ab 33 Euro

Biergarten unter der Löffelfamilie
Karl-Liebknecht-Straße 36
Mehr Infos bei Facebook

4

Wasserwandern im Neuseenland

Zahlreiche Wasserwege rund um die Stadt machen Leipzig zu einem beliebten Ausflugsziel für Kanufahrer. Die haben die Wahl zwischen Paddeltouren entlang ehemaliger Industriebauten direkt durch die Stadt oder entlang einsamer Flussarme, die an den Spreewald erinnern und garantiert für einen anderen Blick auf die Stadt sorgen. Wer zum Beispiel an der Pferderennbahn startet, kann von dort in rund drei Stunden den Cospudener See erreichen. Auf dem Weg müssen zwei Schleusen, der geschützte, wildromantische Floßgraben und der Waldsee Lauer passiert werden.

Kanufahren ist in Leipzig sehr beliebt. Ob direkt in der Stadt …

… oder im Auwald: Die Möglichkeiten sind vielfältig.

Bootsverleih im Scheibenholz
Rennbahnweg 2a, Leipzig
Kanu ab 6 Euro pro Stunde
www.bootsverleih-scheibenholz.de

Mehr Infos zum Wasserwandern hier.

Meinen Artikel zum Wasserwandern im Neuseenland findest du hier: Draußen in Leipzig: Mit dem Kanu zum Cospudener See

5

Sauna im See

Erst geht es zum Schwitzen in die Panoramasauna mit großer Glasfront und herrlichem Ausblick auf den Hafen Zöbigker und die zahlreichen Segelboote – und im Anschluss zum Abkühlen in den Cospudener See. Die Sauna im See bietet ein Saunaerlebnis (fast) wie in Finnland. Sie steht tatsächlich mitten im See: Auf 16 Stelzen.

Von der Sauna im See kann man den Sonnenuntergang über dem Hafen Zöbigker beobachten – und sich nach dem Schwitzen direkt im See abkühlen.

Sauna im See
Hafenstraße 19, Markkleeberg
Geöffnet täglich von 10-23 Uhr, Mo ab 11 Uhr
Tageskarte ab 22 Euro
www.sauna-im-see.de

6

Kunst in der Baumwollspinnerei

Noch bis 1990 wurden in der Leipziger Baumwollspinnerei an 240.000 Spindeln Baumwollfäden gesponnen. Die 1884 gegründete Spinnerei war lange Zeit die größte in Europa. Auf dem 10 Hektar großen Werksgelände lebten und arbeiteten alle Angestellten. Nach der Wiedervereinigung und der Abwicklung der Garnproduktion zogen Künstler in die leerstehenden Gebäude ein und gaben dem ehemaligen Industriegelände neues Leben. Galerien und Ateliers prägen auch heute noch das Bild – unter anderem arbeitet hier Neo Rauch, der bedeutendste Vertreter der Neuen Leipziger Schule.

Die Leipziger Baumwollspinnerei war einst die größte Fabrik ihrer Art in Europa.

Heute beherbergt sie hauptsächlich Ateliers und Ausstellungsräume.

Baumwollspinnerei
Spinnereistraße 7, Leipzig
Geöffnet Di-Sa 11-18 Uhr
Eintritt je nach Ausstellung unterschiedlich
Eintritt auf das Gelände frei
www.spinnerei.de

7

Leipzigs Kirchen

Eine gilt als Muss für Klassikfreunde, die andere ist berühmt als Ausgangspunkt der friedlichen Revolution in der DDR. Beiden sollten auch nicht religiöse Leipzigbesucher unbedingt einen Besuch abstatten: Thomaskirche und Nikolaikirche.

Erstere war Wirkungsort Johann Sebastian Bachs als Thomaskantor. Sie ist gleichzeitig der Ort, an der der Komponist seine letzte Ruhestätte fand. Letztere war in den 1980er-Jahren in erster Linie ein Schutzraum für Andersdenkende in der DDR. Ab September 1982 fanden hier Friedensgebete gegen Mittelstreckenraketentests statt, aus denen im Juni 1989 die ersten Montagsdemonstrationen in der DDR hervorgingen.

Hier wirkte einst Johann Sebastian Bach. Sein Bronzeabbild steht vor der Thomaskirche.

Thomaskirche
Thomaskirchhof 18, Leipzig
Eintritt frei
www.thomaskirche.org

Nikolaikirche
Nikolaikirchhof 3, Leipzig
Eintritt frei
www.nikolaikirche.de

Wusstest du …

… dass Musik aus Leipzig auch heute noch für Aufsehen sorgt? Der Leipziger Rapper Morlockk Dilemma hat laut einer Untersuchung des Radiosenders Puls (Bayerischer Rundfunk) von 2015 den größten Wortschatz aller Deutschen Rapper. 3093 verschiedene Worte verwendete er in den untersuchten Songs – ganz klar Platz 1. Superlative wie diesen sammelt und veröffentlicht die Webseite superleipzig.de.

8

Deutschlands ältestes Kaffeehaus

Schon August der Starke soll hier eingekehrt sein: Das Kaffeehaus „Zum Arabischen Coffe Baum“ ist das älteste seiner Art in Deutschland – und das zweitälteste Europas. Seit 1711 wird hier Kaffee ausgeschenkt – durchgängig. Bereits vorher existierte das Haus als Gastwirtschaft. Prominente Gäste wie Goethe, Gotthold Ephraim Lessing und Richard Wagner genossen Getränke und Atmosphäre. Aber auch Erich Kästner, Thomaskantor Günther Ramin und Felix Mendelssohn Bartholdy waren regelmäßig zu Gast. Über dem Café befindet sich ein Kaffeemuseum – der Eintritt ist frei.

Zum Arabischen Coffe Baum
Kleine Fleischergasse 4, Leipzig
www.coffe-baum.de

9

Shoppen bei Tschau Tschüssi

Postkartendrucke in kleinen Kollektionen, kreative Geschenkideen und Mitbringsel, handgemachten Schmuck, Einrichtungsgegenstände und viele weitere schöne Dinge – nicht nur, aber auch von unabhängigen Leipziger Designern – gibt es bei Tschau Tschüssi.

Achtung: Der Laden wechselt öfter mal den Standort. Inhaberin Miriam Paulsen, die im Laden anfangs nur eigene sowie Produkte von Freunden verkaufte, sieht das auch als kleine Rebellion gegen die Gentrifizierung. In zehn Jahren zog sie viermal um, deshalb auch der Name Tschau Tschüssi. Aktuell ist der Laden im Eingangsbereich der Galerie für zeitgenössische Kunst zu finden.

Bei Tschau Tschüssi gibt es jede Menge schöne Dinge.

Tschau Tschüssi
Karl-Tauchnitz-Straße 9-11, Leipzig
Di-Fr 14-19 Uhr, Sa & So 12-18 Uhr
www.tschau-tschuessi.de

10

MS Weltfrieden

Altes Schiff mit ambitioniertem Namen: Die MS Weltfrieden ist das größte Schiff, das auf Leipzigs Kanälen fahren darf. Sie verkehrt seit 1998 von April bis Oktober zwischen dem Karl-Heine-Kanal und der Weißen Elster. Vorher war sie bis 1990 als Ausflugsschiff auf dem Auensee im Einsatz und wurde durch eine Privatinitiative vor der Verschrottung gerettet. Wo sonst nur Paddler, Ruderer und kleinere Motorboote unterwegs sind, durchquert die MS Weltfrieden mit ihrem fast geräuschlosen Elektromotor heute täglich mehrfach die Kanäle – vorbei an idyllischen Ufern und schick sanierten ehemaligen Industriebauten und -Villen.

Die MS Weltfrieden fährt zwischen dem Karl-Heine-Kanal und der Weißen Elster.

MS Weltfrieden
Abfahrt am Stelzenhaus
Höhe Industriestraße 85, Leipzig
Erwachsene: 6 Euro, Kinder ab 6 Jahren 2 Euro
Fahrtdauer: 80 Minuten
www.ms-weltfrieden.de

11

Auerbachs Keller

Auerbachs Keller zählt zu den ältesten Restaurants in Deutschland. Seine Berühmtheit verdankt der Weinkeller Johann Wolfgang von Goethe, der ihn in seinem „Faust“ verewigte. Es ist die einzige Ortsbeschreibung mit realem Bezug im ganzen Werk. Natürlich ist das Restaurant somit kein Geheimtipp mehr. Im Gegenteil: Die Atmosphäre im Gastraum gleicht eher der im Münchner Hofbräuhaus. Wer eine etwas ruhigere Atmosphäre sucht, sollte daher versuchen, einen Platz in den Weinstuben zu ergattern. Die sind allerdings häufig für private Events reserviert.

Vor dem Einganz zum Restaurant in der Mädler-Passage warten die Bronzeskulpturen von Faust und Mephisto auf der einen, sowie den verzauberten Studenten auf der anderen Seite. Wer den linken Fuß von Faust streichelt, hat einen Wunsch frei.

Wer den linken Fuß des Dr. Faust streichelt, darf sich etwas wünschen.

Der Gastraum von Auerbachs Keller.

Auerbachs Keller
In der Mädler-Passage
Grimmaische Str. 2-4, Leipzig
www.auerbachs-keller-leipzig.de

Tipps für Leipzig: Hinkommen, Herumkommen, Übernachten

Wer Leipzig von oben sehen will, kann sich von der Besucherterrasse im City-Hochhaus am Augustusplatz einen guten Überblick verschaffen.

Anreise nach Leipzig

Leipzig erreichst du aus vielen Teilen Deutschlands schnell und bequem mit der Bahn. Die Stadt hat übrigens einen der schönsten Bahnhöfe Deutschlands – lohnt sich also, dort mal vorbei zu schauen. Der nächste Flughafen ist Leipzig/Halle.

Nahverkehr in Leipzig

Leipzig ist eine sehr fußgängerfreundliche Stadt. Die Innenstadt ist sehr klein und gut zu erlaufen. Auch die Randbezirke sind zu Fuß zu erreichen. Der Spaziergang in die Karl-Liebknecht-Straße in der Südvorstadt, von den Leipzigern übrigens einfach Karli genannt, dauert vom Marktplatz aus rund 15 Minuten. Eine halbe Stunde brauchst du, wenn du vom Markt nach Plagwitz laufen möchtest. Der Weg führt durch den Grüngürtel.

Alternativ fahren S-Bahn und Straßenbahn, sowie Busse. Eine Einzelfahrt kostet 2,60 Euro, die Tageskarte 7,40 Euro. Wenn du für einige Tage da bist und das eine oder andere Museum besuchen möchtest, lohnt sich unter Umständen die Leipzig Card. Sie kostet für einen Tag 11,90 Euro und für drei Tage 23,50 Euro und beinhaltet den öffentlichen Nahverkehr sowie Eintritte und Vergünstigungen in Theatern, bei Konzerttickets, Bootsverleih und vielem mehr. Mehr Infos dazu hier.

Mehr als 40 Durchgänge und Passagen prägen das Bild der Leipziger Innenstadt.

Hoteltipps für Leipzig

Leipzig bietet eine ganze Reihe guter und relativ günstiger Hotels im Stadtzentrum. Zu den schönsten zählen das Arthotel Ana Symphonie* (Doppelzimmer ab 60 Euro) in der Nähe des Marktplatzes und das Arcona Living Bach* (Doppelzimmer ab 80 Euro) direkt gegenüber der Thomaskirche.

Buchtipp für Leipzig:

Das Buch „Verborgenes Leipzig – Tipps abseits bekannter Wege“ listet zahlreiche weitere Tipps für Leipzigbesucher. Dabei sind z.B. Eisdielen, Kneipen, Läden und auch einige Aktivitäten. Mehr Infos zum Buch gibt es hier.

Vielen Dank an die Tourismus Marketing Gesellschaft Sachsen für die Einladung nach Leipzig! Mit * markierte Links sind Affiliatelinks. Wenn du über einen solchen Link etwas kaufst oder buchst, erhalte ich eine Provision. Für dich ändert sich nichts. Mehr dazu.

Geschrieben von

... spielt am liebsten draußen. Sie würde einen spontanen Roadtrip immer einem Tag am Pool vorziehen, liebt das Geräusch von Regen auf einem Zeltdach und ist der wohl einzige Mensch auf der Welt, der sich vor Schokolade ekelt.

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