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Ab nach draußen! Los Angeles zu Fuß entdecken

Los Angeles ist für viele Dinge bekannt, aber sicher nicht dafür, eine fußgängerfreundliche Stadt zu sein. Ohne Auto muss man dort erst gar nicht auftauchen – und wenn doch, dann sollte man am besten direkt kehrt machen und zurück zu den anderen Verrückten laufen. Sagt man.

Wer allerdings behauptet, dass Los Angeles eine ganz und gar fußgängerunfreundliche Stadt ist, hat nur zum Teil Recht. Denn Spazierengehen in LA kann auch richtig Spaß machen. Wenn man weiß wo. In diesem Artikel verrate ich meine liebsten fußgängerfreundlichen Orte im Großraum Los Angeles.

Immergrüne Oase: Fern Dell

Immergrün ist Los Angeles – mal abgesehen von den Palmen – nicht. Wegen der Wasserknappheit in Südkalifornien dürfen öffentliche Flächen im Sommer nicht bewässert werden. Regen gibt es ohnehin selten. Man kann in Los Angeles deshalb zwar raus ins Grüne, aber dieses Grün ist vielerorts spätestens ab dem Frühsommer etwas verdörrt, was auch seinen Charme hat.

Einer der wenigen immergrünen Orte ist Fern Dell, ein kleines bewaldetes Stück Natur im Griffith Park. Entlang eines kleinen Flusslaufes gedeihen hier einige tropische Pflanzen unter dem Schatten großer Platanen. Fern Dell liegt nur zwei Blocks nördlich des Hollywood Boulevards und trotzdem ist es hier ziemlich ruhig. Drei kurze Spazierwege führen durch den Wald. Unterwegs gibt es Picknicktische für alle, die die Atmosphäre etwas länger genießen möchten.

Parken ist am Fern Dell Drive kostenlos. Autos dürfen dort allerdings nur von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang abgestellt werden.

Abends und nachts leuchten Stadt und Sterne leuchten am Griffith Observatory um die Wette.

Eine Wanderung zum Griffith Observatory

Eine Reihe schöner Wanderwege mit guter Aussicht auf Los Angeles gibt es in den Hollywood Hills. Die Berge oberhalb von Hollywood sind in Teilen relativ unbebaut, was inmitten der Großstadt für ein feines Naturerlebnis sorgt. Einige Wege befinden sich im Griffith Park. Wer sich traut, den Schatten im Fern Dell zu verlassen, kann zum Beispiel hinauf zum Griffith Observatory wandern. Von der Besucherterrasse der Sternwarte eröffnet sich der Blick nach Süden über Hollywood und Downtown, nach Westen bis Beverly Hills und bei guter Sicht (idealerweise nach einem der seltenen Regenfälle) auch noch weiter. Vom Weg aus kann man die Aussicht auf den berühmten Hollywood-Schriftzug genießen, der sich nordwestlich vom Planetarium befindet.

Der Eintritt zur Sternwarte ist kostenlos. Als Start für Wanderungen bieten sich die kostenlosen Parkplätze am Fern Dell Drive oder am Greek Theatre an.

Palmen gehören ganz zum Stadtbild von Los Angeles und bringen viel Grün ins Betongrau.

Zu Fuß durch Beverly Hills

Wer einen Blick auf die Villen der reichsten Angelenos erhaschen will, fährt in der Regel über den Mulholland Drive. Diese stark befahrene Straße schlängelt sich durch die Hollywood Hills und ist mit ihren zahlreichen Kurven eher fußgängerunfreundlich. Sehen kann man tatsächlich nicht viel, weil die schicken Villen hinter Toren und Zäunen und in Privatstraßen gut vor neugierigen Blicken abgeschirmt sind.

Besser ist die Situation für Fußgänger in Beverly Hills, denn dort gibt es sogar Bürgersteige. Zwar stehen in der Wohngegend direkt nördlich des Beverly Gardens Park nicht die Anwesen der Superreichen. Luxuriös und sehenswert sind sie aber allemal. Architektonisch ist die Gegend ein wilder Mix, meist orientiert an klassizistischen oder modernistischen Vorbildern.

Grün ist es in Beverly Hills übrigens immer, denn hier sind zahlreiche Straßen von Palmen gesäumt. Und die behalten ihre Farbe das ganze Jahr über.

Die geheimen Treppen von Los Angeles dienten den Bewohnern früher als Abkürzungen. Wer die Steigungen nicht scheut, kann dort prima spazieren gehen.

Treppensteigen: San-Francisco-Feeling in LA

Es gab eine Zeit, da war das Stadtbild von Los Angeles noch nicht von zehnspurigen Highways und geteerten Straßen überall gekennzeichnet und um an eine der Hauptverkehrsadern zu kommen mussten die Bewohner der hügeligeren Stadtteile zu Fuß gehen. An diese Zeit erinnern noch heute zahlreiche, zum Teil ziemlich steile Fußgängertreppen, die höher und niedriger gelegene Straßen miteinander verbinden.

Sie gelten als eines der bestgehüteten Geheimnisse von Los Angeles, weil nur wenige Besucher überhaupt je von ihnen gehört haben und weil selbst die meisten Angelenos die meisten Treppen nicht kennen. Dabei sind manche, wie etwa die Music Box Stairs (bekannt aus Laurel & Hardy, The Music Box) oder die Broadview Terrace Stairs (The Long Goodbye) durch Filme zu einiger Berühmtheit gelangt.

Besonders viele Treppen gibt es zum Beispiel in Echo Park und Silver Lake. Die Website Secret Stairs LA listet einige von ihnen. Dort gibt es auch Vorschläge für Treppenspaziergänge.

Silver Lake ist eines der beliebtesten Wohnviertel von Los Angeles und sowohl Fahrrad- als auch fußgängerfreundlich.

Zu Fuß um den Silver Lake

Ein richtiger See ist der Silver Lake zwar nicht. Trotzdem betrachten die Anwohner des gleichnamigen Stadtteils südöstlich der Hollywood Hills ihn als Naherholungsgebiet. Um den See herum führt ein Spazierweg. Vom östlichen Ufer hat man gute Aussichten auf den Hollywood-Schriftzug. Dort gibt es auch einen Park mit Picknickwiese. Silver Lake gilt übrigens als einer der hippsten und als einer der fußgänger- und fahrradfreundlichsten Stadtteile von LA. Er ist allerdings recht hügelig.

Der Silver Lake ist rundherum eingezäunt, damit niemand auf die Idee kommt, im Wasserspeicher baden zu gehen.

Mit Rollschuhen von Malibu nach Redondo Beach

Auf den Boardwalks – also den geteerten Strandpromenaden, die sich von Malibu bis Redondo Beach entlang der Küste schlängeln, sind Autos verboten. Hier geht man flanieren und spazieren, joggen, Rad fahren oder skaten. Besonders stilecht ist das mit dem Longboard, mit Beachcruisern oder mit Rollerskates, die in Kalifornien gerade eine neue Hochzeit erfahren.

Der Boardwalk führt vorbei an schicken Strandhäusern und Villen, Piers, Palmen und dem endlosen Sandstrand, an Santa Monicas Vergnügungsmeile, der legendären, stets leicht im Marihuana-Dunst liegenden Promenade von Venice Beach mit ihren schrägen Straßenkünstlern, am Flughafen LAX und auch an ruhigeren Wohnvierteln.

Nur ganz früh am Morgen ist auf dem Boardwalk noch nicht so viel los. Aber auch dann sind schon die ersten Jogger unterwegs, die beim Frühsport schon die ersten Business-Telefonate führen.

Über den Campus der USC schlendern

Die University of Southern California (USC) ist die älteste Privatuniversität in Kalifornien und zählt zu den beliebtesten Hochschulen der USA. Der Campus befindet sich in unmittelbarer Nähe zu Downtown Los Angeles zwischen Exposition Park und Jefferson Boulevard.

Gebaut wurde die Universität 1880 und der Campus sieht genau so aus wie man sich eine amerikanische Eliteuniversität vorstellt (danke, Hollywood): Prächtige Unigebäude, saubere Wege, viel Grün und Studenten, die an der Straße Cupcakes verkaufen, mit dem Longboard zur nächsten Vorlesung düsen, Unterschriften sammeln oder einfach nur mit Freunden im Gras sitzen.

Die Altstadt von Pasadena versprüht amerikanische Kleinstadtatmosphäre.

Kleinstadtfeeling beim Bummel durch Pasadena

Pasadena verdankt einen nicht zu verachtenden Teil seiner Berühmtheit der Fernsehserie „The Big Bang Theory“ – und das, obwohl man in der Serie so gut wie nie etwas anderes als die Wohnungen ihrer Protagonisten sieht. Die Kleinstadt grenzt nördlich von Highland Park direkt ans Stadtgebiet von Los Angeles an.

Trotzdem sieht Pasadena gleich ganz anders aus als LA. Die Atmosphäre ist gemütlicher, es ist ruhiger, sauberer und auch irgendwie freundlicher. Pasadena hat sich das Kleinstadtfeeling bewahrt. Es gibt Bürgersteige, Parks und eine sehenswerte Town Hall und zwischen Green Street, Holly Street, Pasadena Avenue und der Historischen Route 66 lässt es sich sehr gemütlich Shoppen oder Essengehen.

Entlang der kalifornischen Küste gibt es zahlreiche Surfspots für jedes Level. Wer nicht selbst surfen will, kann die Surfer vom Strand oder vom Pier aus beobachten.

Surfen oder Surfer gucken in Malibu

Die Küstenlinie von Los Angeles ist lang und zwischen Long Beach und Malibu reihen sich die Surfspots aneinander. Zu den besten Spots zählt der Pointbreak von Malibu. Surfbare Wellen gibt es aber überall, ob nun am Santa Monica Pier, in El Porto oder in Hermosa Beach. An den breiten, langen Stränden befinden sich die Hauptspots meist auf einer Seite des Piers. Der eignet sich also meist auch sehr gut, um die Surfer im Wasser zu beobachten.

Malibu liegt nördlich von Santa Monica zwischen Pazifikküste und den Santa Monica-Mountains. Zum Spazierengehen bieten sich dort der langgezogene Strand und die öffentlichen Parks an.

Flanieren und Spazieren in den Beach Cities

Venice Beach mit seinem Skatepark, dem Outdoor-Fitnesstudio, fliegenden Händlern und Straßenkünstlern ist der schrägste der Strandorte von Los Angeles. Santa Monica mit dem Vergnügungspark auf dem Pier ist der bekannteste. Weniger Trubel herrscht in den Beach Cities: Manhattan, Hermosa und Redondo Beach. Sie liegen südlich des Flughafens LAX und gehören verwaltungstechnisch schon zum Los Angeles County – obwohl sie bei geringem Verkehrsaufkommen nur rund 25 Autominuten von Downtown entfernt sind.

Alle drei sind fußgängerfreundliche Badeorte mit jeweils ganz eigenem Charakter. Wer dem Großstadtleben mal entfliehen und den kalifornischen Lifestyle auf sich wirken lassen möchte und trotzdem nicht auf die Nähe zu LA verzichten will, ist hier richtig.

Hermosa Beach liegt nur etwa 15 Autominuten südlich vom Flughafen LAX und versprüht jede Menge kalifornisches Lebensgefühl.

Hast du weitere Tipps für Outdoor-Aktivitäten und Spaziergänge in Los Angeles?

Vielleicht eine Lieblingswanderung in den Santa Monica Mountains? Einen versteckten Park, der zum Picknicken einlädt? Einen Spazierweg mit tollen Aussichten auf die Stadt? Dann freue ich mich über deinen Kommentar! Wenn du gerade eine Reise nach Kalifornien planst, hoffe ich, dass ich dich mit diesem Artikel ein wenig davon überzeugen konnte, dass Los Angeles nicht nur was für Menschen ist, die gerne den ganzen Tag im Auto verbringen.

Geschrieben von

Bloggerin und Autorin Anna Röttgers Reiseblog Anemina Travels Avatar
... spielt am liebsten draußen. Sie würde einen spontanen Roadtrip immer einem Tag am Pool vorziehen, liebt das Geräusch von Regen auf einem Zeltdach und ist der wohl einzige Mensch auf der Welt, der sich vor Schokolade ekelt.

2 Kommentare

  1. Ich habe mal zwei Monate in Los Angeles gearbeitet und hatte kein Auto.
    Es ging eigentlich ganz gut, auch das Bussystem fand ich nicht schlecht.
    Dann streikten die Busfahrer, und ich musste alles zu Fuß laufen. Am interessantesten dabei fand ich, dass ich so in Viertel kam, in denen ich sonst nichts zu tun gehabt hätte. Das war ein guter Einblick in verschiedene soziokulturelle Schichten der Stadt.

    • Wow, ganz ohne Auto (und zu Fuß) ist natürlich nochmal eine andere Nummer in Los Angeles und ich würde behaupten, dass es schon auch einschränkt. Die Stadt ist ja schon sehr aufs Autofahren ausgelegt. Andererseits: Mittlerweile ist die Metro neben dem Bus auch eine gute Alternative. Aber vielleicht warst du ja zu Fuß mitunter sogar schneller als mit dem Auto zur Rush-Hour 😉

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