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Nach Hause kommen

Verreisen ist schön, nach Hause kommen aber auch nicht schlecht. Das gilt selbst für eine chronisch fernwehgeplagte Seele wie mich. Nach acht Wochen in Kalifornien war es zwar seltsam, wieder Zuhause zu sein, aber auch wirklich schön.

Denn es gibt ein paar Dinge, die sind hier einfach schöner und besser. Diese Erkenntnis habe ich zum Anlass genommen, meine Reisen durch die ganze Welt Revue passieren zu lassen und aufzuschreiben, worauf ich mich vor der Rückkehr am meisten gefreut habe.

Et voilà, die Liste: 19 Dinge, die Zuhause einfach besser sind.

Dazu gibts weiter unten ein paar Gedanken über das nach Hause Kommen an sich.

  • Brot besteht hier nicht ausschließlich aus süßlichem, hellem und weichem Hefeteig und wird auch für Menschen gebacken, die noch alle Zähne haben.
  • Die Auswahl an Lebensmitteln ohne unnötig zugesetzten Zucker ist wesentlich größer. Nicht nur, aber vor allem bei Babynahrung.
  • Frisches Obst und Gemüse ist nicht dreimal so teuer wie Fertignahrung und Äpfel schmecken in der Regel nach Äpfeln.
  • Kaffee gibt es in Tassen statt in Styroporbechern und Essen im Restaurant auf Porzellantellern statt auf Pappe und Plastik.
  • Das Wasser aus dem Wasserhahn ist überall trinkbar, schmeckt selbst in Großstädten annehmbar und ist nicht gechlort.
  • Es gibt auch Wasser mit Kohlensäure.
  • Aber das allerbeste: Fast alle Getränke gibt es in Mehrwegflaschen aus Glas.
  • Klopapier ist hier deutlich dicker als ein Hauch von Zellulose, in der Regel nicht durchscheinend, und man muss sich nicht mehrere hundert Meter davon um die Hand wickeln, wenn man es benutzen will.
  • Man kann Klopapier auch ins Klo schmeißen, ohne Angst haben zu müssen, dass man damit die Rohre verstopft, das gesamte Abwassersystem lahm legt oder das Bad unter Wasser setzt.
  • Häuser sind massiv gebaut und isoliert und bestehen nicht allein aus Sperrholzplatten. Es besteht keine Notwendigkeit, Wohnungen tagsüber per Klimaanlage herunter zu kühlen, nur um sie nachts, wenn es draußen kälter wird, wieder zu heizen.
  • Man wird nicht ständig und überall in Small Talk verwickelt und wenn jemand dich fragt, wie es dir geht, möchte er das manchmal wirklich wissen.
  • Die meisten Leute sind pünktlich. Das ist so ein schlimmes Klischee, aber so wahr. Ich mag das.
  • Es gibt in allen größeren Städten ein funktionierendes Nahverkehrssystem und die Bahn ist auf längeren Strecken eine echte Alternative zum Autofahren.
  • Man kann sich aufregen, wenn Bus und Bahn zwei Minuten zu spät kommen, ohne dass man deshalb gleich für verrückt gehalten wird.
  • Es gibt Bürgersteige und Radwege und keines der beiden wird von Straßenhändlern oder Mofafahrern missbraucht.
  • Man wird nicht komisch angeschaut, wenn man mit Bargeld bezahlen möchte, aber es ist auch okay, die EC-Karte zu zücken.
  • Preise sind immer inklusive der Mehrwertsteuer ausgewiesen und es kommen an der Kasse keine weiteren Gebühren hinzu.
  • Es gibt vier Jahreszeiten. Und Regen. Ich liebe Regen.
  • Und zuletzt: Niemand schafft es, so schön miesepetrig zu schauen wie ein Deutscher an einem regnerischen Novembertag. Und das, obwohl es hier doch eigentlich so schön ist.

Über das Wegfahren und das nach Hause Kommen

Das Reisen ist eine verrückte Sache. Mit Höchstgeschwindigkeit wird man in ein anderes Land, eine andere Kultur, eine ferne Welt befördert. Man ist woanders, in Gedanken weit weg vom Alltag, und vielleicht sogar ein bisschen ein anderer Mensch. Reisen ist ein Ausnahmezustand.

Irgendwann aber ist jede Reise vorbei und der Ausnahmezustand beendet. Je aufregender die Reise war, desto schwieriger ist es oft, sich wieder an die Normalität zu gewöhnen. So sehr ich mich nach acht Wochen in Kalifornien auf zu Hause gefreut habe, so unwirklich war es doch, wieder da zu sein.

Auch jetzt, vier Wochen nach der Reise, sehe ich die Straßen von Hermosa Beach genau vor mir, fahre in Gedanken das Highwaynetz von Los Angeles ab und schwelge in Erinnerungen an perfekte Wellen in Dana Point (zu allen diesen Punkten mehr in den kommenden Wochen).

Gleichzeitig komme ich jeden Tag ein Stück mehr zu Hause an. Aber was heißt das denn eigentlich, nach Hause kommen? Ein paar Erklärungsversuche:

Nach Hause kommen ist, wenn ich gewohnte Wege laufe und merke, dass eigentlich nichts passiert ist während meiner Abwesenheit.

Nach Hause kommen ist, wenn ich gewohnte Wege laufe und merke: Irgendwie ist doch alles anders. Und es sind nicht nur die Blätter der Bäume, die sich färben.

Nach Hause kommen ist, Menschen wiederzutreffen, die gefehlt haben und mit der Frage konfrontiert zu werden, wie der Urlaub denn so war. Eine Frage, die ich meist erst viele Tage und manchmal sogar Wochen nach der Heimkehr beantworten kann.

Nach Hause kommen bedeutet Koffer ausräumen, waschen, Schränke einräumen, Fotos sichten, einen schönen Platz für mitgebrachte Souvenirs finden oder feststellen, dass es sich um absolute Fehlkäufe handelt, die besser in den Keller gehören.

Nach Hause kommen ist Ankommen, und zwar in einem ganz anderen Maß als das Ankommen an einem fremden Ort.

Nach Hause kommen ist das Gefühl, viel erfahren zu haben, das verarbeitet werden muss. Bleibende Erinnerungen im Entstehen.

Was bleibt nach einer Reise? Es ist das Gefühl, dass die Welt wieder ein Stück größer geworden ist und mein Horizont weiter. Es ist die Musik eines fremden Ortes, der nun auch Teil von mir ist. Nach Hause kommen ist schön.

Wie geht es dir, wenn du nach einer langen Reise nach Hause kommst? Falls du schon etwas zum Thema geschrieben hast, verlinke gerne deinen Text in den Kommentaren!

Außerdem wüsste ich gerne: Was gefällt dir zu Hause einfach besser?

 

Weitere Texte zum Thema

Sprachlos auf Hawaii – als ich zum ersten Mal über das nach Hause Kommen nachgedacht habe.

Fräulein Wunderbaar schreibt auf ihrem Blog in Was bleibt. über die Rückkehr von einer langen Reise nach Tansania.

Geschrieben von

Bloggerin und Autorin Anna Röttgers Reiseblog Anemina Travels Avatar
... spielt am liebsten draußen. Sie würde einen spontanen Roadtrip immer einem Tag am Pool vorziehen, liebt das Geräusch von Regen auf einem Zeltdach und ist der wohl einzige Mensch auf der Welt, der sich vor Schokolade ekelt.

5 Kommentare

  1. Inge Petersilge

    Hier kommt ein Bericht aus ferner Vergangenheit. Ich habe mit meiner Familie viele Sommerferien in Frankreich verbracht. Jedes Mal, wenn wir nachhause kamen, hatten wir uns vorgenommen, unser Leben nun auf die französische Art zu leben, so leger und problemlos. Vor allem die Ernährung wollten wir “auf Französisch” umstellen und uns viel Zeit bei den Mahlzeiten lassen.

    Na ja, es blieb jedesmal beim guten Vorsatz. Warum? Abgesehen davon, dass nach jedem Urlaub der Alltag mit Berufsarbeit und Schule wieder beginnt, mussten wir feststellen, dass es doch eine Mentalitätssache ist, die uns nach ein paar Tagen wieder in alte Muster fallen ließ.

    Aber die Erinnerungen erzeugten jedesmal neu die Sehnsucht nach dem Fremden.

  2. Erst nach Lesen Deines Artikels ist mir bewusst geworden, dass ich dieses Zuhause-Thema seit einiger Zeit mit mir rumtrage. Dass ich inzwischen gemerkt habe, dass man einen Teil dieses “Zuhauses” in sich selbst finden (und mit sich mitnehmen) kann, bzw. dass man sein Zuhause nicht findet ohne sich selbst.
    Lustigerweise habe ich vor kurzem zwei Artikel geschrieben, die eher über das Zuhause in der Ferne erzählen, das völlig unvorgesehene Ankommen an einem Ort, der einem vorher unbekannt war.
    Einmal im Norden Dänemarks:
    http://www.onthenorway.com/portfolio/das-haus-in-den-dunen/
    Einmal auf einer kleinen norwegischen Insel:
    http://www.onthenorway.com/portfolio/runde-finding-home/

    Danke für Deine Gedanken, die miesepetrigen Novemberdeutschen, ich musste sehr schmunzeln, da hast Du so recht. 🙂
    Laura

    • Danke 🙂 Und auch danke für den Link! Das ist ja auch nochmal eine ganz andere Nummer, wenn man so lange weg war. Wenn das nach Hause Kommen ein echter Neubeginn ist. Ich finde sehr interessant, was du über die Reiseerlebnisse schreibst und dass sie zu Hause niemanden wirklich interessieren. Vielleicht ist das auch etwas, was es manchmal so schwer macht, nach Hause zu kommen: Dass Menschen, mit denen man im normalen Alltag so viel teilt, bei manchen Dingen außen vor geblieben sind.

      Liebe Grüße!

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