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California, here we come

An einem sonnigen Nachmittag Anfang des Jahres saßen der Mann und ich gemeinsam im Wohnzimmer. Der Mini schlief neben uns auf dem Sofa, nichtsahnend, dass wir dabei waren, unsere erste große Reise zu dritt zu buchen. Als er wieder aufwachte, war er im Besitz eines Flugtickets nach Los Angeles.

Wir hatten schon während der Schwangerschaft oft über die Reise gesprochen, Pläne gemacht und verworfen. Die Frage, die ich in den Schwangerschaftsmonaten am häufigsten gehört habe, war die, ob ich denn weiterhin reisen würde, wenn ich ein Baby hätte. Ob, wohlgemerkt, nicht wohin.

Ich habe in diesen Monaten gelernt, dass das Reisen mit Baby eine Grundsatzfrage ist und dass die meisten Menschen es entweder strikt ablehnen oder für unmöglich halten oder eben ganz normal finden. Über dieses Thema könnte ich einen weiteren Artikel schreiben. Hier führt es zu weit, deshalb nur so viel: Für mich stand fest, ich werde weiter reisen. Auch mit Baby.

Die Buchungssituation an diesem Januarnachmittag hatte vieles gemein mit der Buchung unserer allerersten gemeinsamen Reise – damals noch zu zweit und ohne die geringste Ahnung, dass wir eines Tages zu dritt zurück kommen würden. Damals wie heute stellte die Reise ein erstes Mal dar – und damals wie heute sollte es nach Kalifornien gehen.

Ich habe die anstehende Reise zum Anlass genommen, ein paar Erinnerungen an die letzte hervorzukramen und um die Vorfreude zu steigern habe ich mich durch die Bilder von damals geklickt, die ich euch in diesem Artikel zeigen will. Außerdem gibt es einen Einblick in unsere Pläne und Gedanken zur Reise.

Sonnenuntergang an der Strandpromenade von Ventura.

Warum eigentlich Kalifornien?

Wir wollten ans Meer und gleichzeitig an einen Ort, an dem man nicht nur am Strand sein, sondern auch wandern gehen kann. Wir wollten die Möglichkeit haben zu surfen. Natürlich sollte das Wetter mitspielen – wir reisen im September und Oktober.

Nicht ganz unwichtig: Wir wollten irgendwo hin, wo wir uns schnell zurecht finden würden und wo die medizinische Versorgung gut sein würde – nur für den Fall.

Wir lieben die USA als Reiseland und so hatten wir uns relativ schnell auf ein Ziel geeinigt. Statt eines Roadtrips wollten wir diesmal allerdings mehr oder weniger an einem Ort bleiben. Und so sahen wir uns nach Unterkünften in den Strandorten zwischen Santa Cruz und San Diego um und fanden eine hübsche Wohnung im kleinen Surferort Hermosa Beach, wenige Kilometer südlich von Los Angeles und ideal gelegen für Ausflüge im Süden Kaliforniens.

Balancieren auf Bahngleisen. Irgendwo entlang des Highway 1 zwischen San Francisco und Monterey.

Rückblick. Kalifornien, September 2009

Unsere Reise führte uns von San Francisco über die Nationalparks Sequoia und Yosemite und die Sierra Nevada ins Death Valley und von dort nach Nevada, Arizona und ganz kurz auch nach Utah, ehe wir die letzten Tage unserer Reise in Los Angeles verbrachten. Wir fuhren auf der Route 66, blickten hinab in den Grand Canyon, bestaunten die Felsen im Zion Nationalpark und im Monument Valley und tranken Cocktails in einem Pool in Las Vegas.

Nicht ganz einfach: Bäume umarmen im Sequoia Nationalpark.

Wir verbrachten Stunden in den Strandorten nahe Los Angeles, am Malibu Beach und in Santa Monica, kamen aber nicht auf die Idee, selbst aufs Brett zu steigen. Wir aßen frittierten Hot Dog im Teigmantel und schlenderten über die Strandpromenaden, ließen uns die warme Herbstsonne ins Gesicht scheinen und saugten den California lifestyle auf so gut es ging.

Für die letzten sechs Nächte hatten wir uns ein Motelzimmer in Inglewood genommen – ein weniger attraktiver Stadtteil von Los Angeles. Von dort war es nicht weit zur Küste, aber auch nicht weit in die Stadt.

An die habe ich, abgesehen von einem Spaziergang über den Hollywood Walk of Fame und einer kurzen Fahrt durch Beverly Hills, kaum Erinnerungen. Am deutlichsten sind mir Bilder der Highways im Kopf geblieben – sechsspurig. LA ist unfassbar groß und auch dort gibt es sicher noch viel zu entdecken.

Palmen so weit das Auge reicht in Beverly Hills.

Diesmal werden wir an der Küste wohnen, fußläufig zum Meer. Falls uns doch mal nach sechsspurigem Highway, Großstadtfeeling oder Glitzer und Glamour ist, müssen wir aber auch nicht allzu weit fahren.

Der Half Dome – der markanteste Gipfel im Yosemite-Nationalpark.

Den meisten Eindruck hinterließ bei mir der Yosemite Nationalpark. Ich verliebte mich augenblicklich in diesen Park. Die mächtigen Felsen, die schroffe alpine Landschaft, das magische Licht. Der Wahnsinn. Der Yosemite ist in meiner Erinnerung aber vor allem verknüpft mit zwei Dingen.

Ich hatte mir vor der Reise das Knie verletzt. Wanderungen waren deshalb eigentlich nicht drin. Im Yosemite zogen wir trotzdem los – und weil ich mit meiner Verletzung in Flip Flops besser laufen konnte als in Turnschuhen, trat ich die Wanderung zum Vernal Fall in diesen an. Was einige andere Wanderer mit ungläubigen Blicken quittierten. Eine Frau erklärte mir sogar ungefragt mit Blick auf mein Schuhwerk, dass ich aber besonders mutig sei. Ich sah sie verständnislos an.

Der überwiegende Teil dieses Wanderwegs ist übrigens geteert und die Steigung ist überschaubar.

Kurz vor dem Wasserfall ging es eine steile, felsige Treppe hinauf. Bis hier oben hatten es kaum andere Besucher geschafft. Wir waren fast allein. Es war der Punkt der Wanderung, an dem ich meine Schuhwahl tatsächlich kurz anzweifelte, ich schaffte es aber dennoch nach oben, wo wir unter dem Wasserfall die Füße abkühlen konnten.

Füße abkühlen am Vernal Fall …

… und der dazugehörige Ausblick.

Wir mussten spätestens am Nachmittag den Park verlassen, denn wir wollten noch an dem Tag die Sierra Nevada in Richtung Death Valley überqueren. Der Tioga Pass, den wir nehmen wollten, war gesperrt, was uns einen knapp 250 Kilometer langen Umweg über Norden bescherte.

Wir wollten irgendwo auf halber Strecke eine Unterkunft suchen.
Aus diesem Plan wurde mangels Übernachtungsmöglichkeiten jedoch nichts. Am späten Abend waren wir irgendwo mitten in den Bergen. Unser Abendessen hatte aus Crackern und Keksen bestanden. Wir hatten kein GPS und kein Navi und weit und breit waren keine Spuren menschlichen Lebens zu sehen. Rechts und links der Straße Dunkelheit. Nur die Tankanzeige im Auto leuchtete bedrohlich. Wir hatten fast keinen Sprit mehr.

Mit gefühlt dem letzten Tropfen Benzin erreichten wir spät am Abend schließlich doch noch die einzige Siedlung weit und breit. Am Ortseingang war eine Tankstelle, direkt daneben ein Motel. Wir bekamen das letzte Zimmer – eine Familiensuite.

Für den Yosemite National Park haben wir uns damals viel zu wenig Zeit genommen, was natürlich auch meiner Verletzung geschuldet war. Umso mehr freue ich mich, zurück zu kehren und mich zu vergewissern, ob der Yosemite wirklich so schön ist wie ich ihn in Erinnerung habe.

Die Wanderung auf den Half Dome und wieder herunter dauert übrigens rund 12 Stunden und ist nur etwas für geübte Klettersteiggeher. Daraus wird mit Baby dann wohl auch nichts.

Zwei Monate Kalifornien: Unsere Pläne

Ich war schon mal in Kalifornien. Das sagt sich schnell. Zweimal war ich sogar dort, um genau zu sein. Doch erst beim Schreiben dieses Artikels ist mir so richtig klar geworden, wie viel ich noch nicht gesehen habe und wie viel ich noch sehen möchte: Die Santa Monica Mountains, die San Bernadino Mountains, San Diego, den Joshua Tree National Park, die Mojave-Wüste, und, und, und.

Vielleicht brechen wir auch noch einmal Richtung Norden auf, Richtung San Francisco, in die Redwoods oder sogar bis nach Oregon.

Eins ist jedenfalls klar: Alles kann, nichts muss. Außer einem Ausflug in den Yosemite, der ist definitiv gesetzt.

Ein Surfer am Strand von Ventura …

… und in den Wellen.

Kalifornien mit Baby: Eine neue Art, zu reisen

Fast alle unserer bisherigen längeren Reisen haben wir mehr oder weniger in Bewegung verbracht. Außer der groben Route haben wir dabei nie viel geplant. Oft haben wir jede oder jede zweite Nacht in einem anderen Motel oder auf einem anderen Campingplatz geschlafen.

So sehr wir diese Art des Reisens lieben, haben wir uns diesmal dagegen entschieden. Wir haben für die gesamte Reisedauer eine Wohnung als Homebase und werden von dort nach Lust und Laune Ausflüge unternehmen, wenn uns die Decke auf den Kopf fällt und wir keine Lust mehr auf Strand und surfen haben.

Ich bin fest überzeugt, dass wir mit dem Mini auch einen klassischen Roadtrip hätten machen können – doch so wird es für uns alle vermutlich entspannter. Und sicher nicht weniger aufregend.

Langstreckenflug mit Baby

Natürlich haben wir uns so unsere Gedanken zum Thema Fliegen mit Baby gemacht. Wie wird der Mini den Flug verkraften, wie wird er die Zeitverschiebung wegstecken?

Doch genau so schnell wie diese Gedanken kamen, verschwanden sie auch wieder. Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass es sinnlos ist, allzu sehr zu grübeln, denn wir sind nicht die ersten, die das Abenteuer Langstreckenflug mit Baby planen. Wir werden sehen, wie es ist. Ich sehe dem Flug gelassen entgegen.

Natürlich werde ich hier berichten und meine Erfahrungen zum Thema Langstreckenflug mit Baby weiter geben.

Meine erste Reise als Baby führte mich im zarten Alter von acht Monaten übrigens nach Griechenland, wo wir mit dem Auto durch das ehemalige Jugoslawien hinfuhren – ich glaube, dass diese Fahrt länger dauerte als ein Direktflug nach Los Angeles.

Ich glaube auch, und das möchte ich an dieser Stelle doch noch allen mit auf den Weg geben, die glauben dass man mit Babys nicht oder nicht weit reisen sollte, dass es einem Baby im Prinzip ganz egal ist, wo auf der Welt es gerade ist. Hauptsache es ist nah bei Mama und Papa. Und näher als auf so einer Reise könnten wir gar nicht zusammen sein.

In diesem Sinne: California, here we come!

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Geschrieben von

Bloggerin und Autorin Anna Röttgers Reiseblog Anemina Travels Avatar
... spielt am liebsten draußen. Sie würde einen spontanen Roadtrip immer einem Tag am Pool vorziehen, liebt das Geräusch von Regen auf einem Zeltdach und ist der wohl einzige Mensch auf der Welt, der sich vor Schokolade ekelt.

2 Kommentare

  1. Der letzte Satz spricht uns ganz tief aus dem Herzen! NUR das ist für ein Baby wichtig. Und die Welt hört nicht hinter der Nordsee auf … das ist das Motto zu dem ich gerade einen Blogpost zu genau diesem Thema verfasse. Schrecklich was einem da an Vorurteilen um die Nase schießt.
    Ich wünsche euch eine fantastische Reise! Sie wird unvergesslich sein!

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