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Surf. Eat. Sleep. Repeat.

Sri Lanka ist ein faszinierendes Land. Es gibt dort wild lebende Elefanten, bunte Tempel und heilige Felsen, Teeplantagen, Berge und acht UNESCO-Welterbestätten. Man kann Ayurvedakuren und Dschungeltouren machen und wahnsinnig lecker essen. Außerdem kann man richtig gut wellenreiten. Ein Surfreisebericht aus Sri Lanka in drei Episoden.

Episode Eins: Ankunft

Es ist schon dunkel, als wir aus dem Flughafen von Colombo nach draußen treten und nach 16 Stunden in der klimaanlagengekühlten Luft von Flughäfen und Flugzeugen endlich wieder sowas wie frische Luft einatmen. Sie ist warm und feucht und mein Pulli nimmt das zum Anlass, sich gleich fest an meinen Oberkörper zu kuscheln.

Wir sind müde. Das Gewusel um uns nehmen wir nur verschwommen wahr. Wir schieben unsere Koffer stur hinter dem Fahrer her, den das Surfcamp organisiert hat. Vor dem Kleinbus stehen junge Männer bereit, die uns die Koffer aus den Händen nehmen, um sie zum Kofferraum zu schieben, wo unser Fahrer sie einräumt.

Wir setzen uns auf die hintere Sitzbank und die Männer strecken ihre Hände durch die offene Tür ins Wageninnere. Tip, please. 1000 Rupien wollen sie haben, umgerechnet 6 Euro. Ich schüttele den Kopf. Dafür nicht. Rupien haben wir sowieso noch nicht. Dann Euro. Die Männer bleiben hartnäckig. Wir bleiben stur.

Drei Stunden lang fahren wir von Colombo aus in den Süden, und obwohl ich müde bin, klebt mein Gesicht am Fenster und meine Augen versuchen, alles zu erfassen, was draußen an uns vorbei fliegt. Häuser und Palmen, Bahngleise, Kreisverkehre, Autos und Tuk-Tuks, Straßenhändler, Straßengrills, Hunde, Männer, Frauen und Kinder, die mit einem Ball am Straßenrand spielen.

Schließlich, auf der Autobahn, wird das Grün am Straßenrand dichter. Hin und wieder erhellen die Scheinwerfer eines entgegenkommenden Autos die Nacht. Straßenschilder. Noch 20 Kilometer nach Matara. Sri Lanka hat nur eine einzige Autobahn, und auch dort darf man nicht schnell fahren. Für Fahrschüler ist sogar die Überholspur tabu.

Wir kommen spät abends im Camp an und Anky, die gute Seele des Camps, drückt uns ein Bier in die Hand, das wir trinken bevor wir unser Gartenbungalow beziehen.

Episode zwei: Alltag

Am Wochenende findet kein Unterricht statt, und so haben wir am Sonntag einen ganzen Tag, um die Umgebung anzuschauen. Anstatt das zu tun, schlafen wir aus, sehen uns das Surfcamp und den nahegelegenen Strand an, essen, lesen und dösen am Pool. Die Hitze wirkt sich unmittelbar auf das Nervensystem aus. Mein Gehirn befiehlt meinen Muskeln eine Pause. Es will abschalten.

Am Nachmittag können wir nicht mehr stillsitzen. Wir bestellen ein Tuk-Tuk, der Fahrer schnallt die Surfbretter mit wenigen geübten Handgriffen aufs Dach und fährt uns nach Weligama, wo wir uns übermütig in die Wellen stürzen.

Am Montagmorgen stehen wir um viertel vor sechs auf. 15 Minuten später kommen die Tuk-Tuks. Zwei Stunden lang haben wir Surfunterricht, um 9 Uhr, pünktlich zum Frühstück, sind wir zurück. Nachmittags dann die zweite Session, zu der wir ohne Lehrer losziehen. Dazwischen Essen, Yoga und Planschen im Pool.

Am Dienstag das gleiche Spiel. Mein Entdeckergeist ist immer noch betäubt von der Hitze – und jetzt auch von der Anstrengung, und ich schiebe meine Ausflugspläne auf. Morgen, denke ich. Am Mittwoch wieder. Wir surfen, essen, dösen am Pool und surfen. Ich fahre mit dem Tuk-Tuk zur Massage und mache Yoga. Ich habe seit Jahren keinen Urlaub wie diesen mehr gemacht.

Am Donnerstagmorgen sitze ich im Tuk-Tuk, den Oberkörper nach vorne gebeugt. Der Fahrtwind ist kühl, weil der Surfanzug über Nacht nicht richtig getrocknet ist. Am Straßenrand tobt das Leben, der Tag hat längst begonnen. Eine alte, zahnlose Frau mit dürren Beinen und einem Besen in der Hand steht in einem Hauseingang. Schulkinder spielen an einer Bushaltestelle.

Am Straßenrand haben Fischer ihren Fang auf Planen ausgebreitet. Ich erkenne einen von ihnen wieder, ich habe mich am Strand kurz mit ihm unterhalten – in Zeichensprache. Ich bin mir nicht sicher, ob wir uns richtig verstanden haben, denn singhalesische Zeichensprache ist anders als europäische. Mein Wortschatz umfasst noch immer nur genau zwei Wörter: stutti, das heißt danke, und ayubowan, das hat praktischerweise gleich zwei Bedeutungen, nämlich guten Abend und auf Wiedersehen. Streng genommen kann ich also drei Worte.

Plötzlich wird mir klar, dass unsere Woche im Surfcamp schon fast vorbei ist. Morgen wird unser letzter Tag sein und wir werden kaum etwas von diesem Land gesehen haben – außer diese paar Straßen, durch die wir täglich mehrfach mit dem Tuk-Tuk heizen.

Ich werde nicht auswärts gegessen und keinen Ausflug zu den Teeplantagen unternommen haben, ich werde nicht mit dem Zug gefahren sein oder auf Märkten verhandelt haben. Ich werde zwar im Sonnenuntergang surfen, aber nicht bleiben bis die Fischer zur Arbeit aufbrechen. Vieles von dem, was ich sehen wollte, werde ich nur auf der Durchfahrt gesehen haben.

Ich bin plötzlich Pauschaltourist.

Episode Drei: Abschied

Freitag. Unser letzter Tag im Surfcamp verläuft wie alle anderen davor. Wir gehen am Morgen surfen und den Rest des Tages verbringen wir zwischen Pool, Cabana und Küche. Auf die zweite Surfsession verzichten wir. Stattdessen sehen wir uns den Sonnenuntergang am Strand an und packen anschließend ein wenig wehmütig unsere Sachen. Freitags ist Partynacht im Camp, doch wir gehen schlafen.

Wir nehmen mitten in der Nacht Abschied von Sri Lanka. Als wir abgeholt werden, um zum Flughafen zu fahren, sind die anderen immer noch am Feiern. Anky drückt uns ein letztes Bier in die Hand, ehe wir aufbrechen. Im Dunkeln fahren wir nach Colombo.

Als wir in der Check-in-Schlange für unseren Weiterflug auf die Malediven stehen, geht irgendwo hinter einer Flughafenmauer die Sonne auf. Der letzte Eindruck von Sri Lanka bei Tag ist der aus dem Wartebereich. In Matara steigt heute ein großes Cricket-Match. Bestimmt sind die Menschen dort auch schon auf den Beinen.

Ein bisschen wehmütig stehe ich an der Glaswand. Wir ziehen weiter. Eine knappe Stunde Flugzeit trennt uns von der Malediven-Hauptstadt Malé.

Ich war schon einmal in Sri Lanka. Ich wusste ja, was ich verpasse. Nachzulesen hier:

Die Götter sind bestechlich
Arugam Bay: Surfmekka im Osten Sri Lankas
8 Fakten über den asiatischen Elefanten
Attacke der Blutsauger: Eine Wanderung durch den Sinharaja-Regenwald

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... spielt am liebsten draußen. Sie würde einen spontanen Roadtrip immer einem Tag am Pool vorziehen, liebt das Geräusch von Regen auf einem Zeltdach und ist der wohl einzige Mensch auf der Welt, der sich vor Schokolade ekelt.

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