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Wohnmobil versus Mietwagen und Hotel: So reist du am günstigsten

Wenn du Roadtrips so sehr liebst wie ich, hast du sicher mal mit dem Gedanken gespielt, mit Wohnmobil oder Van statt mit dem Auto oder Mietwagen zu reisen. Ein Wohnmobil ist unfassbar praktisch. Du bist sehr flexibel, hast deine Sachen immer bei dir und musst dich nicht vorab um Hotelzimmer kümmern. Du versorgst dich ganz einfach selbst und kannst – quasi – draußen übernachten – in manchen Ländern sogar (fast) überall dort, wo du möchtest.

Wenn du den Kontinent nicht verlassen willst und einen eigenen Van vor der Tür stehen hast: Herzlichen Glückwunsch! Doch trifft mindestens einer dieser beiden Punkte nicht zu, kann der Traum vom Roadtrip mit dem Van oder Wohnmobil teuer werden.

Viele glauben, dass ein Urlaub im Wohnmobil günstiger ist als ein Urlaub mit Mietwagen und Hotelübernachtungen – weil die Übernachtungsmöglichkeit beim Wohnmobil inbegriffen ist. Das ist allerdings nicht immer der Fall. Im Gegenteil: Die Reise mit einem gemieteten Wohnmobil ist oft deutlich teurer als eine mit Mietwagen und Hotelübernachtungen.

Aufgefallen ist mir das, als ich 2016 einen Roadtrip quer durch die USA und Kanada geplant habe. Damals wäre uns ein Wohnmobil deutlich teurer zu stehen gekommen als die Mietwagenmiete. So viel teurer, dass wir sogar jede Nacht für ein Zimmer 130 Dollar hätten ausgeben können, um in etwa die Kosten zu erreichen. Wir entschieden uns für den Mietwagen. Um aber auch die Möglichkeit zu haben, Campingplätze anzusteuern, nahmen wir außerdem unsere Zeltausrüstung mit.

 

Weil der teilweise krasse Preisunterschied vielen nicht klar ist, habe ich mir für diesen Artikel drei beliebte Roadtrip-Reiserouten ausgesucht und mal durchgerechnet, wie es sich in Kanada, den USA und Australien wirklich am günstigsten reisen lässt.

Alle vorgestellten Reisen habe ich schon gemacht – den Rechnungen liegen also realistische Erfahrungen zugrunde und sie sind keine rein theoretischen Gedankenkonstrukte.

Alle Beispiele gehen von einer Reise zu zweit ohne Kinder aus. Mietwagenpreise sind für die Kompaktklasse angegeben – darin finden zwei Personen und zwei große Koffer Platz. Bei Wohnmobilen und Campervans habe ich die kleinste verfügbare Variante gewählt. In der Regel sind das Modelle für 2-4 Personen, wobei es zu viert in so einem Modell sehr eng wird. Preise für Übernachtungen beziehen sich auf ein Doppelzimmer, auf Campingplätzen auf einen Zelt- bzw. Wohnmobilstellplatz (mit Strom) und je zwei Personen.

Bei den Mietwagen ist jeweils der günstigste Preis der großen Autovermieter Hertz,
Europcar, Alamo. Thrifty, Dollar, Avis, Budget, National und Enterprise angegeben, beim Preis für Wohnmobile und Campervans das beste Angebot von etablierten Vermietern in den jeweiligen Ländern, wie beispielsweise Drive Canada, Fraserway, Canusa, Escape Campervans, Apollo oder Jucy – jeweils ohne Extras und Sonderausstattung, aber mit neueren Fahrzeugmodellen, unbegrenzten Kilometern, Vollkaskoversicherung ohne Selbstbeteiligung und den höchstmöglichen angebotenen Haftpflichtsummen.

Achtung: Die Preise sind Momentaufnahmen und können sich jederzeit ändern. Frühbucherrabatte und vergleichbare Vergünstigungen sind bei der Preiskalkulation nicht berücksichtigt. Die Preise für Hotel- und Motelzimmer und Campingplätze sind Durchschnittswerte und resultieren aus eigener Erfahrung.

iFür die Suche nach Mietwagen nutze ich in der Regel Metasuchmaschinen wie Happycar oder Billiger Mietwagen. Für Wohnmobile eignet sich zum Beispiel CamperDays. Günstige Hotel- und Motelzimmer findest du zum Beispiel bei booking.com.

Die Roadtrip-Routen

USA: Der Südwesten, 3 Wochen
Kanada: Von Montreal nach Vancouver, 4 Wochen
Australien: Von Melbourne nach Cairns, 3 Wochen

USA: Roadtrip durch den Südwesten

San Francisco – Yosemite – Death Valley – Las Vegas – Grand Canyon – historische Route 66 – Los Angeles, 21 Nächte
Reisezeitraum: September

  • Kosten für einen Mietwagen: ab 680 Euro (bei Europcar über happycar.de)
  • Kosten für einen Campervan: ab 2500 Euro (direkt bei JUCY Campervans)
  • Wildcampen möglich: Mit Einschränkungen in National Forests
  • Durchschnittliche Kosten für einen Stellplatz: 35 Euro
  • Durchschnittliche Kosten für einen Zeltplatz: 25 Euro
  • Durchschnittliche Kosten für ein gutes, günstiges Motelzimmer: 70 Euro

Gesamtkosten für Mietwagen und 21 Motelübernachtungen: 2150 Euro
Gesamtkosten für Wohnmobil und Stellplatzkosten: 3235 Euro

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Roadtrip Kanada: Von Montreal nach Vancouver

28 Nächte
Reisezeitraum: Juni-Juli

  • Kosten für einen Mietwagen: ab 1380 Euro (bei Thrifty über billiger-mietwagen.de)
  • Kosten für ein Wohnmobil: 3170 Euro (bei Cruise Canada über camperdays.de)
  • Wildcampen möglich: In den USA mit Einschränkungen in National Forests, in Kanada ist Wildcampen grundsätzlich nicht erlaubt.
  • Durchschnittliche Kosten für einen Stellplatz: 30 Euro
  • Durchschnittliche Kosten für einen Zeltplatz: 25 Euro
  • Durchschnittliche Kosten für ein gutes, günstiges Motelzimmer oder Doppelzimmer im Hostel: 70 Euro

Gesamtkosten für Mietwagen und 21 Motelübernachtungen: 3340 Euro
Gesamtkosten für Wohnmobil und Stellplatzkosten: 4010 Euro

Kleiner Tipp: Meine Kostenaufstellung für den gesamten Roadtrip findest du hier: Quer durch Nordamerika: Das kostet der Roadtrip

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Roadtrip Australien: An der Ostküste von Melbourne nach Cairns

21 Nächte
Reisezeitraum: Februar

  • Kosten für einen Mietwagen: ab 680 Euro (bei Europcar, über FTI)
  • Kosten für ein Wohnmobil: ab 2060 Euro (bei Apollo, über camperdays.de)
  • Wildcampen möglich: Verboten, teilweise hohe Strafen. In Nationalparks gibt es sogenannte Bush-Camps, in denen für wenig Geld „wild“ gecampt werden darf – nicht nur mit Zelt, sondern auch mit Wohnmobil, ab 5 Euro pro Person und Nacht.
  • Durchschnittliche Kosten für einen Stellplatz: 35 Euro
  • Durchschnittliche Kosten für einen Zeltplatz: 25 Euro
  • Durchschnittliche Kosten für ein gutes, günstiges Motelzimmer: 80 Euro

Gesamtkosten für Mietwagen und 21 Motelübernachtungen: 2360 Euro
Gesamtkosten für Wohnmobil und Stellplatzkosten: 2795 Euro

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Du siehst: In allen drei Beispielen wäre es günstiger, mit dem Mietwagen zu reisen und Hotel- oder Motelzimmer zu buchen. Wenn du nicht auf das Camping-Feeling verzichten möchtest und gerne im Zelt übernachtest, ist das Sparpotential sogar noch wesentlich höher. Aber selbst wenn du nicht hin und wieder auf Campingplätzen übernachtest, bist du mit der Kombination Mietwagen-Motelzimmer günstiger unterwegs.

iAber Achtung: Natürlich sind alle Preise vom Standard abhängig, den du für dich wählst. Die genannten Preise und Vergleiche können und sollen nur einen groben Anhaltspunkt geben. Wenn deine Reisedaten fix sind, lohnt sich ein Vergleich immer. Im Beispiel Australien siehst du, dass der Unterschied zwischen Mietwagenmiete und Campervan nicht immens hoch ist. Wenn du hier ein gutes Angebot beispielsweise durch einen Frühbucherrabatt ergatterst, kann es sein, dass du auch mit Wohnmobil günstig reist.

Alternative: Versuchs doch mal mit dem Zelt

Zelten macht auch Spaß – wenn du mich fragst sogar noch mehr als Campen mit dem Van oder Wohnmobil. Pluspunkt: Ein leichtes Zelt kannst du sogar auf Trekkingtouren mitnehmen – dann kannst du an Plätzen übernachten, die wirklich fernab von allem sind.

Mir persönlich ist die Variante Mietwagen + Zelt + Zimmer sehr sympathisch, weil sie eine hohe Flexibilität ermöglicht. So kann ich außerhalb von Städten und in Nationalparks campen und die Natur genießen und in Städten ein Hostel- oder Hotelzimmer suchen. Das ermöglicht es mir, auch in Städten oder am Stadtrand zu übernachten wenn es dort keine Campingplätze gibt.

Wie du es schaffst, eine Campingausrüstung für eine Reise in die USA, nach Kanada oder Australien mitzunehmen, zeige ich dir in diesem Artikel: Camping-Roadtrip mit Mietwagen und Zelt: Die Ausrüstung.

Andere Alternativen zur klassischen Wohnmobilmiete

Zum Glück gibt es Alternativen zur Wohnmobilmiete – und wenn du einfach wahnsinnig gerne mit einem ausgebauten Campervan oder einem Wohnmobil in den Urlaub fahren möchtest, musst du nicht unbedingt ein kleines Vermögen dafür ausgeben. Zwei Alternativen möchte ich dir zum Schluss noch vorstellen.

Paul Camper

Es gibt Menschen, die ein Wohnmobil oder einen Camper besitzen und nur wenige Wochen oder Monate im Jahr damit unterwegs sind. In der Zwischenzeit können sie ihr Mobile Home entweder herum stehen lassen – oder es an andere Roadtrip- und Campingfreunde vermieten. Solche Menschen und ihre Camper findest du beispielsweise bei Paul Camper. Dort stellen die Besitzer ihre Autos ein und du kannst die Angebote über eine Suchmaske durchforsten.

Wie bei Airbnb funktioniert das ganze über ein Bewertungssystem und über Vertrauen – schließlich wollen die meisten Besitzer ihre Campervans vermutlich nicht einfach so jedem überlassen. Wenn du einen Roadtrip durch Europa planst, ist Paul Camper definitiv eine gute Alternative zur klassischen Miete über Mietwagenfirmen. Schau doch direkt mal vorbei: Zur Website.

Ältere Autos

Wenn du dich nicht auf Europa beschränken möchtest, sondern auf deinem Roadtrip zum Beispiel die USA, Kanada, Australien oder Neuseeland erkunden möchtest, musst du natürlich wieder auf kommerzielle Anbieter zurück greifen. Aber auch hier gibt es Alternativen zu den bekannten Mietwagenfirmen – sie sind oft nur nicht ganz so leicht zu finden.

Firmen wie beispielsweise Wicked Camper oder Hippie Camper bieten ältere Campervans zur Miete an. Vorteil: Die sind bestens ausgestattet und haben definitiv mehr Charme als ein auf Hochglanz polierter Neuwagen. Nachteil: Natürlich werden auch diese Autos gut gewartet – trotzdem sind ältere Autos einfach anfälliger für Pannen. Du solltest allerdings immer im Hinterkopf behalten, dass du auch mit einem Neuwagen mal eine Panne haben kannst.

Und welcher Roadtrip-Typ bist du?

Schwörst du auf Wohnmobil oder Campervan oder bist du lieber mit einem Auto unterwegs und zeltest zur Not auch mal eine Nacht, um Geld zu sparen? Ich bin gespannt auf deine Geschichte und deine Roadtrip-Pläne. Verrätst du sie mir? Dann hinterlass mir doch einfach einen Kommentar, ich freue mich!

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Geschrieben von

… spielt am liebsten draußen. Sie würde einen spontanen Roadtrip immer einem Tag am Pool vorziehen, liebt das Geräusch von Regen auf einem Zeltdach und ist der wohl einzige Mensch auf der Welt, der sich vor Schokolade ekelt.

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